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Kapitel 3

مؤلف: Blessing c
last update تاريخ النشر: 2026-06-05 19:55:05

Angels Perspektive

Ein Jahr später …

Die Zeit hat meine Wunden noch nicht geheilt. Sie hat mir nur beigebracht, wie man überlebt – egal unter welchen Umständen. Und ich habe es auf die harte Tour gelernt.

Die Welt hat nicht auf meine Heilung gewartet. Sie wurde nicht plötzlich freundlich, nur weil ich innerlich verblutete. Jede Nacht wurde ich von Albträumen heimgesucht. Ich schreckte nach Luft ringend aus dem Schlaf hoch, als wäre ich immer noch in diesem Lieferwagen gefangen, als würde ich noch immer die Schüsse hören, die meinen Eltern das Leben genommen hatten.

Das Leben ging ohne sie weiter. Und es könnte auch ohne mich weitergehen, wenn ich mich dazu entschließen würde, im Schmerz zu versinken.

Also blieb mir nichts anderes übrig, als weiterzumachen.

Nachdem ich in Latex angekommen war, suchte ich mir einen Platz zum Übernachten. Ein enges, heruntergekommenes Zimmer, das nach der schlimmsten Version meiner Vergangenheit roch. Aber es war sicher genug, um die Nacht zu überstehen, und ich hatte keine andere Wahl, als mich damit zufrieden geben.

Ich hörte auf, auf meinen ersten Vornamen Dora zu reagieren, und konzentrierte mich stattdessen auf meinen zweiten Namen – Angel.

Allein der Name Dora ließ mir die Haut kribbeln.

Monatelang hielt ich Abstand zu allen Menschen und kümmerte mich ausschließlich um meine eigenen Angelegenheiten. Wenn ich zu Hause war, saß ich oft am Fenster und beobachtete die Menschen draußen, ohne jemals den Versuch zu machen, ein Gespräch zu beginnen.

Die meiste Zeit hatte ich das Gefühl, beobachtet zu werden.

Als würde mich meine Vergangenheit eines Tages einholen.

Als würden sie nur auf den richtigen Moment warten, um zuzuschlagen.

Immer wenn mich jemand berührte, zuckte ich zusammen.

Und trotzdem blieb ich.

Denn meine Ängste würden mir nicht auf magische Weise genug Geld für einen neuen Wohnort verschaffen.

Das Geld, das Drane mir gegeben hatte, rettete mir das Leben – auf eine Weise, die ich zunächst nicht vollständig verstand.

Das Bargeld. Und der Ring.

Dieser Ring mit dem Wolfswappen ...

Zuerst konnte ich mich nicht davon trennen. Er war das Einzige, was mir von meiner Mutter geblieben war.

Erst als das Überleben wichtiger wurde als Erinnerungen, ließ ich ihn los.

Als das Essen knapp wurde und die Miete unbezahlbar war, verkaufte ich das letzte Erbstück meiner verstorbenen Eltern.

Ich erinnere mich daran, fast eine Stunde lang vor diesem kleinen Antiquitätengeschäft gestanden zu haben, während ich den Ring in meiner Hand betrachtete und innerlich weinte.

Es war nicht nur Schmuck.

Es war sie.

Meine letzte Verbindung zu ihr.

Meine letzte Hoffnung.

Mein letzter wertvoller Besitz.

Hätte mir früher jemand gesagt, dass ein solcher Tag kommen würde, hätte ich der Person ins Gesicht gelacht und sie für eine unglückliche Seele gehalten, die nur andere mit in den Abgrund ziehen wollte.

Ich brach zusammen und weinte hemmungslos.

Dieser Ring war alles, was mir von ihrer Stimme geblieben war. Von ihrer Wärme. Von ihren Armen, die mich umschlossen, wenn ich Angst hatte.

Doch jeden Morgen wachte ich mit einer noch größeren Angst auf:

Auf die Straße gesetzt zu werden und nichts mehr zu essen zu haben.

Als ich das Geld für den Ring erhielt, zerbrach etwas in mir.

Doch diesmal weinte ich nicht.

Ich konnte es mir schlicht nicht leisten.

Meine Augen waren rot und geschwollen, meine Wangen gerötet und mein Blick verschwommen.

Ich konnte es nicht riskieren, blind vor Tränen zu werden.

Außerdem wollte ich das Geld nicht nur für Essen und Rechnungen ausgeben, um anschließend wieder bei null anzufangen.

Ich hatte nichts mehr zu verkaufen.

Mit diesem Geld begann ich, mich Stück für Stück wieder aufzubauen.

Ich lernte, in Menschenmengen unterzutauchen.

Ich lernte, mich zu bewegen, ohne Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen.

Zunächst nahm ich kleine Jobs an – Putzen, Regale auffüllen, Nachtschichten an Orten, an denen niemand Fragen stellte.

Schließlich fand ich etwas Beständiges.

Einen kleinen Verwaltungsjob bei einem Logistikunternehmen.

Nichts Besonderes.

Ein gewöhnlicher Bürojob mit täglicher Routine.

Aber er hielt mich beschäftigt und bezahlte gut.

Und ich achtete stets darauf, jedes Thema zu vermeiden, das mit meiner Vergangenheit zu tun haben könnte.

Doch egal, wie sorgfältig ich mein Leben wieder aufbaute – eine Sache blieb.

Nach außen wirkte ich in Ordnung.

Aber innerlich wusste ich, dass ich es nicht war.

Denn ich wusste, dass sie eines Tages kommen würden.

Und deshalb bereitete ich mich ständig auf das Schlimmste vor.

---

Dieser Morgen begann wie jeder andere.

Frische Luft.

Grauer Himmel.

Kalter Wind.

Der schwere Duft von Straßenessen ließ meinen Magen knurren und mir das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Ich richtete meine Tasche zurecht und verließ mein schlichtes Apartment.

Es war nicht viel.

Aber ...

Es gehörte mir.

Ich ging zur Bushaltestelle und scrollte gedankenlos durch mein Handy.

Als ich aufblickte, bemerkte ich ein kleines Café auf der anderen Straßenseite.

Nichts Besonderes.

Und doch brachte mich irgendetwas dazu stehen zu bleiben.

Vielleicht lag es daran, dass ich hungrig war und praktisch nur von Wasser und Luft lebte ...

Ich überquerte die Straße und setzte mich an einen Tisch am Fenster.

Es fühlte sich warm und beruhigend an.

Ich bestellte einen Kaffee, den ich eigentlich gar nicht wollte, und saß einfach da, beobachtete die Menschen draußen und blickte gelegentlich auf meine Uhr.

Dann spürte ich es.

Diese unsichtbare Veränderung in der Luft, die ich nur zu gut kannte.

Jemand beobachtete mich.

Meine Finger schlossen sich etwas fester um die Tasse.

Ich drehte mich nicht sofort um.

Stattdessen tat ich so, als würde ich mich auf mein Getränk konzentrieren.

Ich gab mir einige Sekunden.

Dann ließ ich meinen Blick langsam zu ihm wandern.

...

Ein Mann in einem schwarzen Anzug.

Er sah aus wie der perfekte Gentleman, für den manche Frauen alles geben würden.

Sein dunkles Haar war perfekt gestylt.

Seine Armbanduhr schrie förmlich nach Luxus.

Allein sein Blick jagte mir einen Schauer über den Rücken.

Als würde er versuchen, etwas herauszufinden.

Mein Herz setzte einen Schlag aus, als mir der Gedanke kam, dass er einer der Männer des Mafia-Königs sein könnte.

Kalter Schweiß brach mir aus.

Konnte das sein?

Aber wenn er wirklich einer von ihnen wäre, hätte er es doch nicht so offensichtlich gemacht, oder?

Zumindest versuchte ich, mich mit diesem Gedanken zu beruhigen.

„Stört es Sie?“, fragte plötzlich eine tiefe, kontrollierte Stimme hinter mir.

Langsam blickte ich auf.

Mein Gesicht war schweißnass.

Es war derselbe Mann.

Nun stand er so nah, dass ich die feine Narbe an seiner Kieferlinie erkennen konnte.

Aus irgendeinem Grund zog sich meine Brust schmerzhaft zusammen.

Ich schüttelte leicht den Kopf.

„Nein“, antwortete ich leise.

Trotzdem setzte er sich mir gegenüber, als würde ihm das ganze Café gehören.

Eine angespannte Stille breitete sich zwischen uns aus.

„Wie heißen Sie?“, fragte er schließlich.

Dann hielt er inne.

Seine Augen verengten sich leicht, während er meine aufmerksam musterte.

Mein Atem stockte.

Meine Finger umklammerten die Tasse noch fester.

„Kennen wir uns?“, fragte ich vorsichtig und versuchte verzweifelt, ruhig zu bleiben.

Sein Lächeln wurde breiter.

„Nein“, sagte er.

Doch seine Augen verraten etwas völlig anderes.

Er sah mich auf eine Weise an, die ihn gleichzeitig unvergesslich machte und mir einen Schauer über den Rücken jagte.

Und zum

ersten Mal seit einem Jahr ...

spürte ich wieder Angst.

Nicht die Art von Angst, die schnell verschwindet.

Sondern die Art, die Narben auf der Seele hinterlässt.

Die Art, die niemals heilt.

Die unvergessliche Art.

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