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Delilah entwirrt 4

last update publish date: 2026-07-23 17:13:56

Delilahs Sichtweise

Die elektrisierende Spannung von vor wenigen Sekunden war verschwunden, als hätte es sie nie gegeben.

Die vor dreißig Sekunden noch spürbare elektrische Spannung war wie weggeblasen. Meine Finger zitterten um die schwarze Karte. Meine Oberschenkel waren feucht, meine Unterwäsche ruiniert, und in mir pulsierte noch immer die Nachwirkung seiner Tat. Ich starrte die Karte an. Sie war schlicht und elegant, sein Name in Silber geprägt. Alpha Zedd Vale.

Was zum Teufel habe ich getan?

Scham brannte auf meiner Haut. Ich war ja noch verheiratet. Ob mit oder ohne Papiere, ob mit oder ohne Bürgschaft, ich hatte mich gerade von einem anderen Mann in einem Aufzug im Haus meines Mannes, am helllichten Tag, zum Orgasmus bringen lassen. Die Demütigung schnürte mir die Kehle zu. Ich spürte noch immer seine Finger, die mich dehnten, seine leise, amüsierte Stimme an meinem Ohr. kleiner Sturm.

Unmittelbar darauf überkam mich Wut. Wut auf mich selbst. Maggie war direkt daneben gewesen. Ich hätte weggehen können. Ich hätte die Treppe nehmen können. Stattdessen war ich geblieben, hatte ihn bedrängt und zugelassen, dass er mich innerlich auflöste, weil ein gebrochener Teil von mir genau das wollte. Er wollte endlich gesehen werden.

Und unter all der Scham und dem Zorn, still, beharrlich und zutiefst ärgerlich, lag die Sehnsucht. Es ging nicht nur um die Erlösung, obwohl die himmlisch war, sondern um die Art, wie er es gesagt hatte: „Du bist außergewöhnlich … Ich sehe dich, kleiner Sturm. Dich ganz.“ Diese Worte nisteten sich tief in meiner Brust ein und ließen mich nicht mehr los.

Mit zitternden Händen strich ich meinen Rock glatt, strich meine smaragdgrüne Bluse glatt und drückte den Knopf für die Lobby. Als sich die Türen öffneten, schritt ich mit erhobenem Kinn hinaus, die Absätze klackten, als wäre nichts geschehen, als hätte ich nicht gerade ein weiteres Stück von mir in dieser Metallbox verkauft.

Das Haus war leer, als ich nach Hause kam.

Wieder. 

Karyks Abwesenheit wog heute Abend anders. Vorher war es eine vertraute Langeweile gewesen. Heute Abend war sie scharf und schmerzlich. Ich wusste genau, wo er war. Mit wem er lachte. In wessen Bett er sich verkriechen würde.

Ich versuchte zu arbeiten. E-Mails verschwammen auf meinem Bildschirm. Ich schenkte mir ein Glas Wein ein und trank die Hälfte im Stehen an der Küchentheke. Ich ordnete das Gewürzregal neu, obwohl es gar nicht neu geordnet werden musste. Nichts klappte. Mein Körper wollte einfach nicht zur Ruhe kommen. Jede Berührung des Stoffes auf meiner Haut erinnerte mich an seine Hände. An die Geduld in seinen Fingern. Daran, wie er mein Gesicht beobachtet hatte, als wäre mein Vergnügen das Faszinierendste, was er je gesehen hatte.

Ich ging früh ins Bett. Lag im Dunkeln und starrte an die Decke, die ich mir ausgesucht hatte, in dem Haus, das ich gebaut hatte, in dem Leben, das ich ganz allein erschaffen hatte.

Die Erinnerungen kamen trotzdem. Seine stürmischen blauen Augen fixierten meine, während ich mich an seinen Fingern auflöste. Das tiefe Knurren in seiner Stimme. Wie er sich danach die Finger sauber geleckt hatte, als wäre ich etwas Dekadentes. Meine Hand wanderte fast unwillkürlich über meinen Bauch. Ich hielt inne und riss sie zurück, als hätte ich mich verbrannt.

Erbärmlich.

Ich habe schlecht geschlafen.

Der Morgen brach grau und unbarmherzig an. Ich stand länger vor meinem Kleiderschrank, als ich sollte. Das bordeauxrote Kleid, das meine Kurven so betonte, das ich seit über einem Jahr nicht mehr getragen hatte, weil es niemanden gab, für den es sich gelohnt hatte, lockte mich. Ich redete mir ein, es sei professionell. Angemessen für ein Geschäftstreffen. Ich log, und ich wusste es.

Bevor ich ging, blieb ich vor dem Spiegel stehen und betrachtete mich eingehend. Die Frau, die mir entgegenblickte, hatte grüne Augen, in denen noch immer der Sturm der letzten Nacht zu sehen war. Ich konnte mich nicht erinnern, wann mich das letzte Mal ein Mann mit so aufrichtigem, konzentriertem Verlangen und so viel Sehnsucht angesehen hatte. Ich hatte so lange danach gehungert, dass ich vergessen hatte, wie sich Sehnsucht anfühlte.

Ich nahm meine Tasche und seine Karte und ging.

Im Auto wartete Maggie bereits mit ihrem Tablet. Sie musterte mein Kleid lange, sagte aber nichts dazu.

„Ich habe in kürzester Zeit so gut wie möglich recherchiert“, erklärte sie mir. „Die öffentlichen Informationen über Zedd Vale entsprechen genau den Erwartungen. Milliardär. Alpha. Verschwiegen. Unantastbar. Aber Karyks Firma …“ Sie zögerte. „Es ist schlimmer, als wir dachten. Hinter der glänzenden Oberfläche verbergen sich katastrophale Zahlen, sind erschreckend. Der Deal mit Alpha Zedd ist keine Expansion, sondern ein Überlebenskampf, und ohne ihn bricht Karyk in wenigen Monaten zusammen.“

Ich erstarrte.

All diese selbstsicheren Gespräche. All die durchwachten Nächte, in denen ich ihm geglaubt hatte. Ich hatte ihn so sehr aufgebaut, dass selbst seine Lügen sich glaubwürdig angefühlt hatten. Der Schock dauerte vielleicht zehn Sekunden. Dann wich er sanft einer Kälte.

Gut.

Lass es brennen.

Alpha Zedds Gebäude erhob sich wie ein Monument kontrollierter Macht. Ein Gespräch mit seiner Sekretärin verriet mir, dass er sich den Nachmittag freigenommen hatte. Diese Information setzte sich sofort in meinem Kopf fest. Fast sofort wurde ich in sein Büro geführt.

Sein Büro war riesig, mit hohen Fenstern mit Blick auf die Stadt, aber es wirkte nicht steril. Bücher füllten die Regale, echte Bücher, deren Buchrücken vom Lesen schon etwas brüchig waren. Es war ein Raum, der jemandem gehörte, der tatsächlich dachte.

Als ich eintrat, stand er schon da, in einem perfekt sitzenden Anzug. Seine stürmischen blauen Augen trafen meine, sobald ich hereinkam. Ein heißes Gefühl durchströmte mich, bevor ich es verhindern konnte. Dann schenkte er mir ein warmes Lächeln.

„Delilah!", rief er mir mit sanfter Stimme zu. „Möchtest du etwas trinken?“

Ich habe die Höflichkeiten gleich übersprungen.

„Schließ den Deal mit Karyk Moonbane nicht ab“, sagte ich.

Langsam lehnte er sich in seinem Stuhl zurück, die Finger ineinander verschränkt, und musterte mich, als wäre ich das Einzige im Raum. „Setz dich erst einmal hin, Delilah.“

„Ich stehe lieber.“

Ein leichtes Lächeln huschte über sein Gesicht. Trotzdem deutete er geduldig wie immer auf den Stuhl, und ich setzte mich.

„Die gestrige Präsentation war nur Fassade“, sagte ich. „Die Zahlen dahinter sind katastrophal. Sein Unternehmen schreibt seit über einem Jahr rote Zahlen, und das Angebot ist keine Wachstumspartnerschaft, sondern eine Rettungsaktion. Karyk Moonbane ist dafür bekannt, Versprechungen zu machen, die er nicht halten kann. Ich kenne seine Erfolgsbilanz besser als jeder andere. Es wäre eine Fehlinvestition.“

Er schwieg einen Moment und beobachtete mich einfach.

„Du kennst seine Karriere besser als jeder andere“, wiederholte er langsam, als würde er die Worte genießen. „Interessante Art, das auszudrücken.“

„Das stimmt.“

„Das ist es.“ Er beugte sich vor, die Ellbogen auf dem Schreibtisch, und sein gefährliches Lächeln kehrte zurück. „Unartiges Mädchen.“

Ich hielt seinem Blick stand. „Wie bitte?“

„Du versuchst, die Firma deines Mannes zu sabotieren.“ Er sagte es ohne Vorwurf, fast bewundernd. „Nachdem du mit seinem Geschäftsrivalen geschlafen hast. Das finde ich wirklich beeindruckend, Delilah. Unverfroren sogar.“

Mir wurde heiß im Gesicht. „Das hat nichts damit zu tun …“

„Der Aufzug?“, fragte er und sprach mir aus der Seele. „Das ist geschäftlich. Klar, reden wir uns das ein.“ Er legte den Kopf schief. „Sag mal was. Glaubst du wirklich, dass er nach allem, was passiert ist, deinen Schutz verdient?“

Die Frage traf mich mitten ins Herz. Ich sagte nichts.

„Das dachte ich mir schon.“ Er stand auf und ging langsam um den Schreibtisch herum. „So sieht mein Zustand aus.“

„Du hast keinerlei Verhandlungsmacht, Bedingungen zu stellen, um Bedingungen zu stellen –“

„Eine Woche.“ Er sagte es ganz einfach. „Geben Sie mir eine Woche. Im Gegenzug lasse ich Karyks Deal nicht einfach sausen; ich zerschlage ihn. Und ich denke, Sie wissen, dass ich die Mittel dazu habe.“

Ich starrte ihn an. „Du weißt ja gar nicht, was zwischen uns vorgefallen ist.“

Etwas in seinem Gesichtsausdruck veränderte sich. „Die Affäre mit dieser Frau, Layla, nicht wahr? Sie begann vor vierzehn Monaten. Er hatte die Scheidungspapiere schon fertig, bevor er sie zustellte; er wartete nur auf den richtigen Moment.“ Er hielt inne. „Er hat eine schlechte Wahl getroffen.“

Mir stockte der Atem. „Wie kannst du –“

„Ich weiß sehr viel über sehr viele Menschen, Delilah. Das bedeutet es, da zu sein, wo ich bin.“ Er kehrte gemächlich zu seiner Seite des Schreibtisches zurück. „Nun. Was geschieht, wenn du dich weigerst?“

„Ich gehe durch diese Tür“, murmelte ich, obwohl ich mir meiner eigenen Antwort nicht sicher war.

„Das könntest du.“ Er nickte nachdenklich. „Und dann erzähle ich allen, was auf meiner Party passiert ist. Was gestern Nachmittag in dem Aufzug geschah. Es steht Aussage gegen Aussage, nur dass ich der Alpha bin und du die Frau, die in der Nacht, als ihr Mann seiner besten Freundin seine Verlobung verkündete, in mein Bett gekrochen ist.“ Er ließ den Gedanken einen Moment sacken. „Du könntest diese Geschichte nicht kontrollieren.“

Mein Kiefer verkrampfte sich. „Das ist eine Drohung.“

„Es ist die Realität.“ Seine Stimme war leise und vollkommen aufrichtig. „Und ich möchte klarstellen, dass ich sie nicht ausnutzen will. Ich mag dich. Ich glaube, du bist viel mehr wert, als dieser Mann dich glauben lassen hat. Ich sage dir die Wahrheit, weil ich dich genug respektiere, um sie nicht zu ignorieren.“ Er hielt meinem Blick stand. „Gib mir einen Grund, sie nicht auszunutzen.“

Zwischen uns herrschte dichtes Schweigen.

„Eine Woche“, sagte ich schließlich.

Er nickte einmal, ein Lächeln huschte über seine Lippen.

Dann griff er in seine Schreibtischschublade und stellte eine kleine, elegant verpackte Schachtel zwischen uns. Ich wusste, was es war, noch bevor er sprach.

Ein ferngesteuerter Panty-Vibrator.

Ich schluckte.

„Sie werden das heute Nachmittag tragen“, sagte er mit ruhiger, sachlicher Stimme, als würde er Quartalsberichte besprechen. „Wir haben einen wichtigen Termin. Ich möchte, dass Sie es die ganze Zeit tragen.“

Meine Brustwarzen spannten sich schmerzhaft unter dem bordeauxroten Kleid. Alle Alarmsignale in meinem Körper schlugen gleichzeitig an. Hitze breitete sich in meinem Unterleib aus. Meine Finger zuckten.

Ich griff nach der Schachtel.

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