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Die Tochter des Mondes
Die Tochter des Mondes
Autor: Saphira

1. Die Tochter des Alphas

Autor: Saphira
last update Fecha de publicación: 2026-09-15 16:44:23

Lena wusste schon als Kind, dass sie anders war.

Nicht auf die gute Art. In ihrem Rudel bedeutete anders nichts geheimnisvolles oder besonderes. Es bedeutete lediglich, dass mit einem etwas nicht stimmte.

Die anderen Kinder des Rudels hatten ihre erste Verwandlung meistens zwischen dem sechzehnten und siebzehnten Lebensjahr. Manche etwas früher, manche etwas später. Aber sie verwandelten sich.

Lena war inzwischen zwanzig und hatte es noch immer nicht geschafft, sich zu verwandeln.

Sie stand im Innehof des Rudelhauses und sah ihren älteren Bruder Jaro dabei zu, wie er einen jungen Wolf nach dem anderen zu Boden brachte.

Jaro war zweiundzwanzig, groß, stark und schnell. Und seit seinem achtzehnten Lebensjahr der unangefochtene Favorit ihres Vaters.

"Noch einmal!", rief Jaro.

Der junge Wolf vor ihm knurrte und sprang auf Jaro zu. Er jedoch wich spielerisch leicht aus. 

Ein Dreh. Ein Griff.

Der Andere landete im Schnee und Gelächter ertönte.

Lena stand am Rand des Trainingsplatzes und zog die Ärmel ihres Pullovers über ihre Hände.

Sie wusste, das sie nicht hier sein sollte. Nicht wirklich.

Aber sie hatte gehofft, dass heute vielleicht niemand etwas sagen würde. 

Sie hätte es besser wissen müssen.

"Was machst du hier?", erklang eine vertraute Stimme von hinten.

Lena drehte sich um. Hinter ihr stand ihre Schwester Mara.

Mara war neunzehn und hatte ihre Verwandlung bereits mit sechzehn geschafft. Sie war eine wunderschöne Wölfin mit silbergrauem Fell und galt als eine der vielversprechendsten jungen Frauen des Rudels.

Sie sah Lena an, als wäre diese etwas, das man versehnetlich unter einem Schuh gefunden hatte.

"Ich wollte nur zuschauen.", antwortete Lena vorsichtig.

Mara lachte. "Zuschauen?"

"Ja."

"Warum solltest du zuschauen?", fragte Mara.

Lena schwieg, während Mara näher trat.

"Du weißt doch, dass das hier nichts für dich ist."

"Ich weiß.", antwortete Lena mit leiser Stimme.

"Dann geh.", sagte Mara mit einer gewissen Schärfe in ihrer Stimme.

Lena senkte den Blick und fing an zu reden: "Ich wollte nur -"

"Nur, was?", sprach Mara während sie ihre Arme verschränkte.

"Hoffen, dass du plötzlich doch ein Wolf wirst?"

Ein paar der anderen jungen Werwölfe hatten bereits angefangen zuzuhören.

Lena spürte, wie ihr Gesicht heiß wurde.

Auf einmal verteidigte jemand sie.

"Lass sie in Ruhe!"

Lena blickte auf. Es war Noah. 

Noah war einer der wenigen, die manchmal freundlich zu ihr waren.

Mara verdrehte daraufhin nur ihre Augen und sprach "Ich sage nur die Wahrheit.".

Sie schaute einmal von Noah zu Lena, drehte sich um ging.

Lena blieb einige Sekunden stehen.

Dann drehte sie sich um und ging ebenfalls. Sie wusste nicht warum ihre Augen brannten.

Obwohl, eigentlich wusste sie es sehr genau, aber sie wollte es sich nicht eingestehen.

*****************************************

Das Haus ihrer Familie stand etwas oberhalb des Dorfes.

Es war groß, viel größer als die Häuser der anderen Rudelmitglieder.

Der Alpha lebte dort mit seiner Familie.

Lenas Vater, Marcus, war seit zwölf Jahren der Alpha des Rudels von Falkenmond.

Seine Stimme konnte den ganzen Hof zum schweigen bringen.

Ein Blick von ihm genügte um selbst erfahrene Krieger vorsichtig werden zu lassen.

Lena hatte als Kind geglaubt, ihr Vater sei der stärkste Mann der Welt.

Sie hatte geglaubt, nichts könne ihr passieren, solange er da war.

Das war, bis sie älter geworden war.

Bis sie verstanden hatte, dass er sie nicht beschützte.

Er schämte sich für sie.

Als Lena die Küche betrat, saß ihre Mutter am Tisch.

"Wo warst du?", sie schaute nicht auf, als sie zu Lena sprach. 

Lena zuckte mit den Schultern. "Ich wollte bloß zuschauen."

Ihre Mutter seufzte. "Lena." Nur ihr name, aber darin lag bereits alles.

Enttäuschung. Erschöpfung. Ärger.

"Was?", fragte Lena ihre Mutter.

"Du solltest aufhören, dich mit deinen Geschwistern zu vergleichen."

Lena sah sie an und sprach: "Ich vergleiche mich nicht mit ihnen."

Ihre Mutter schwieg.

Lena wusste, dass sie log. Natürlich verglich sie sich.

Jeden einzelnen Tag tat sie es.

Sie hatte schließlich zwei Geschwister die alles konnten und sie hatte nichts.

Keine Verwandlung, keine besondere Kraft, keine Zukunft, ja nicht einmal einen Wolf.

Denn jeder Werwolf truf tief in seinem Inneren eine zweite Seele. Seinen Wolf.

Man konnte ihn spüren, mit ihm sprechen und seine Gefühle wahrnehmen.

Lena hatte noch nie etwas gespürt. Weder einen Wolf noch eine Stimme. Nichts. Als wäre in ihr nur eine Leere.

"Dein Vater möchte dich nachher sehen.", sagte ihre Mutter.

Lena erstarrte.

"Warum?", fragte sie mich leiser Stimme.

"Das weiß ich nicht.", antwortete ihre Mutter.

Doch ihr Tonfall verriet Lena, dass sie es sehr wohl wusste.

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