LOGIN~ ALISTAIR ~Das dumpfe Summen der unterirdischen Lüftungsanlage vibrierte durch die Dielen, während wir uns den Servicenummerngang im Untergeschoss entlangschlängelten.Meine Waffe war erhoben und scannte die dämmrigen, industriellen Schatten vor uns. In einem feindseligen Anwesen wie diesem reicht es nicht aus, eine Schusswaffe in niedriger Bereitschaftshaltung zu tragen; hinter jeder Ecke könnte einer von Simons Söldnern lauern, und Bruchteile von Sekunden entscheiden darüber, wer überlebt. Mein Zeigefinger ruhte leicht am äußeren Rahmen des Abzugsbügels – so hielt ich den Finger sicher vom Auslösemechanismus fern, um eine versehentliche Schussabgabe zu verhindern, war aber dennoch bereit, im Bruchteil einer Sekunde einen tödlichen Schuss abzugeben.Für den Rest der Geschäftswelt war ich nur Alistair Montgomery – der skrupellose CEO, der sein Leben hinter einem Schreibtisch verbrachte und mit einem einzigen Anruf Milliarden bewegte. Doch Macht in unserer Welt wurde nie allein durch
~ SIMON ~Einige Momente später schwang die Tür meines Büros auf, und Dr. Allison Reed trat ein.Ihre Haltung unter ihrem makellosen Laborkittel war starr, doch ich konnte die zugrundeliegende Anspannung in der straffen Haltung ihrer Schultern und den dunklen Schatten unter ihren Augen sehen. Sie trug eine ledergebundene Akte fest unter den Arm geklemmt.Ich machte mir nicht die Mühe, ihr einen Platz anzubieten. Ich lehnte mich einfach in meinem Stuhl zurück, legte die Fingerspitzen aneinander und beobachtete, wie sie mit einem amüsierten, sarkastischen Lächeln auf den Lippen auf meinen Schreibtisch zuging.„Dr. Reed“, sagte ich, und meine Stimme klang weich und triefte vor kaltem Spott. „Wem verdanke ich die Ehre dieses nächtlichen Treffens? Ich nahm an, Sie wären im Labor und würden die neuronale Verbindung für die heutige Prozedur vorbereiten.“Allison blieb wenige Fuß von meinem Schreibtisch entfernt stehen. Sie zuckte unter meinem Blick nicht zusammen. Stattdessen legte sie die m
~ ALISTAIR ~Die Luft im Inneren des Beton-Entwässerungsrohrs roch nach feuchter Erde, Rost und stehendem Wasser. Es war stockfinster hier draußen, abgesehen von dem schwachen roten Leuchten der taktischen Displays und der Nachtsichtoptik.Wir bewegten uns in absoluter Stille. Ich ging tief in die Hocke und schritt vorsichtig durch den engen Versorgungsschacht. Antonio war direkt hinter mir; seine Stiefel machten auf dem nassen Beton kaum ein Geräusch, gefolgt von fünf unserer besten Elitesoldaten. Jeder Muskel in meinem Körper war zum Zerreißen gespannt. Meine Hand verließ nie den Griff meiner schallgedämpften Schusswaffe.Isla befand sich höchstwahrscheinlich direkt über uns, versteckt irgendwo hinter den dicken Betonplatten und stahlverstärkten Wänden, und atmete dieselbe Luft wie diese giftige Schlange. Mein Blut kochte bei diesem Gedanken. Sobald ich diesen Bastard in die Finger bekam, würde ich ihm, ich schwöre es, eine Kugel direkt in den Kopf jagen.Halt nur durch, Isla … ich
~ SIMON ~Ich saß hinter dem polierten Marmorschreibtisch in meinem privaten Büro und starrte auf das elegante schwarze Smartphone in meiner Handfläche. Der Bildschirm war vor Minuten dunkel geworden, aber Robbie Davis’ Stimme hallte immer noch in meinem Kopf nach:„Die von Ihnen angeforderten spezialisierten, modernen medizinischen Geräte sind gerade früher eingetroffen … Ich dachte daran, sie heute Nacht persönlich zu Ihrem Labor zu bringen.“Ich ließ das Telefon langsam zwischen meinen Fingern kreisen, während mein Blick ins Leere gerichtet war. Davis war ein Lieferant aus der Unterwelt – ein Söldner, der rein von Gier angetrieben wurde. Er war seit einem Jahrzehnt mein Lieferant und äußerst nützlich gewesen, aber von Natur aus schwach. Ein Mann wie Davis bot sich nicht aus purem Wohlwollen an, mitten in der Nacht schwere Maschinerie zu liefern. Er riskierte gewiss nicht, mein Heiligtum zu betreten, nur um sich von Angesicht zu Angesicht über eine Routine-Lieferung zu unterhalten.
Ich war gerade dabei, die Dokumente zu sortieren, die ich unterzeichnet hatte, als die Türen meines Büros plötzlich aufgerissen wurden.Der alte Mann Chandler stand im Türrahmen, schnappte nach Luft, und sein Gesicht war blass und vor Wut verzerrt. Die ruhige, autoritäre Haltung, die er sich über Jahrzehnte aufgebaut hatte, war gänzlich verschwunden, ersetzt durch die absolute Panik eines ruinierten Mannes. In seinen zitternden Händen hielt er einen Stapel Dokumente, die Papiere wuchsen heftig hin und her.In weniger als zwölf Stunden hatte der gezielte Angriff, den ich entfesselt hatte, die Chandler Corp durchschlagen. Ihre Offshore-Konten waren eingefroren, ihre Aktien stürzten gen Null ab, und ihre wichtigsten Investoren zogen sich einer nach dem anderen zurück. Bis morgen Früh würde das Erbe der Chandlers nichts weiter als eine Erinnerung sein.„Alistair!“, brüllte er und tat unruhige, aggressive Schritte auf meinen Schreibtisch zu. „Was zur Hölle soll das bedeuten? Du hast mein g
Der beißende Chemiegeruch im Raum brannte in meiner Kehle. Seit man mich in dieses fensterlose Kellerlabor gezerrt hatte, hatte ich das Gefühl für die Tage verloren, die ich hier feststeckte. Hier gab es nichts außer einer tödlichen Stille. Die einzigen Geräusche waren das ständige Summen der Lüfter und das leise Tröpfeln von Flüssigkeit in Glasbehälter. „Mach schneller, Dr. Reed!“, herrschte eine scharfe Stimme hinter mir. „Dr. Ellis will die nächste Charge vor Mitternacht fertig haben. Wenn die Qualität sinkt, fangen wir wieder von vorn an.“ Ich antwortete nicht. Ich behielt einfach meine Atemschutzmaske auf, hielt die Hände ruhig und stellte die Geräte ein. Neben mir beobachteten zwei andere Chemiker, die hier gearbeitet hatten, seit ich angekommen war, die Computerbildschirme. Jedes einzelne Detail, das wir taten – jeder Tropfen, den wir abmassen –, wurde von hochauflösenden Kameras in jeder Ecke der Decke aufgezeichnet. Vier bewaffnete Wachen in schwarzer taktischer Ausrüstung







