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KAPITEL 5

Author: Joss Austen
last update publish date: 2026-10-06 01:36:39

ANGELINE HARRINGTON

Ich konnte nicht glauben, dass das wirklich mit mir geschah. Und das Schlimmste: dass es meine eigene Familie war, die mich so bestrafte…

Als ich mein Haus betrat, sah ich meine Eltern, den Vater des Mannes, der jetzt mein Ehemann war, diese praktisch fremden Menschen und sie — Victoria, meine Schwester. Diejenige, die mir immer gezeigt hatte, wie sehr sie mich hasste.

Sie starrten uns an, als hätten sie ein Theaterstück gesehen. Vor diesem Terror war alles, woran ich mich erinnern konnte, der Moment, in dem mein Bewusstsein zurückkehrte, als würde ich ertrinken. Ein immenses Gewicht auf den Augenlidern, die Zunge dick und trocken, und ein pochendes Kopfschmerz, das meinen Schädel zu spalten schien. Die Welt kehrte in Fragmenten zurück: der holzige Geruch eines völlig fremden Herrenparfüms… und die Wärme eines anderen Körpers im Bett.

Als ich es schaffte, meine Augen zum Öffnen zu zwingen, stockte die Luft in meinen Lungen.

Selbst liegend dominierte seine Präsenz den Raum. Und seine Augen… graue und eisige Augen, die mich bereits anstarrten, nicht mit Verlangen, sondern mit einer so tiefen Verachtung, dass sie mich zu erstechen schien. Ich lag mit dem Rücken zu ihm, aber ich drehte mich instinktiv um, und sein Gesicht wurde scharf. Hart. In Granit und Hass gemeißelt.

Die Panik erwachte in mir. Ein Schrei bildete sich in meiner Kehle, ein heiseres und gebrochenes Geräusch des Schreckens.

— Schweigen Sie, Verdammte — knurrte er, seine Stimme ein leises und drohendes Donnern, das durch das stille Zimmer hallte.

Aber es war bereits zu spät. Die Tür des Zimmers öffnete sich mit einem Krachen, und das Licht des Korridors drang in den Raum ein und beleuchtete das Gesicht der einzigen Person, die diese Situation noch schlimmer machen könnte: Victoria.

Sie stand dort, im Türrahmen. Und sie lächelte. Kein Lächeln der Besorgnis, sondern ein breites, zufriedenes Lächeln des absoluten Triumphs. Ihre blauen Augen leuchteten mit einem Licht, das ich gut kannte — das Licht der Grausamkeit, die ihr Ziel erreicht. Hinter ihr meine Eltern. Richard und Elizabeth Harrington. Mein Blut. Und sie schienen nicht schockiert. Sie schienen… erwartungsvoll.

Da, in genau diesem Augenblick, fiel der Schleier nicht nur von meinen Augen, sondern wurde mit Gewalt weggerissen.

Es war ein Stück. Ich war das Stück in ihrem schmutzigen Spiel.

Die Ereignisse der letzten Nacht begannen zurückzukommen, schmerzhaft klar, wie Szenen aus einem Horrorfilm.

— Deine Schwester gibt eine Party, Angeline. Du verstehst, dass es mit diesem Gesicht besser ist, du bleibst in deinen Gemächern — Die eisige Stimme meiner Mutter, Elizabeth. Es war dieselbe wie immer. Seit ich zehn war, seit dem Autounfall, der meinen Bruder nahm und mir diese Schlange im Gesicht hinterließ, war ich eine Schande, die versteckt werden musste. Sie hatten mir nie verziehen, dass ich überlebt hatte statt ihm.

Es war sieben Monate her, dass ich aus dem Internat in der Schweiz zurückgekommen war, und seitdem hatte Victoria mein Leben zu einer persönlichen Hölle gemacht. Obwohl wir dasselbe Blut hatten, waren wir wie Tag und Nacht. Während sie die goldene Sonne der Harringtons war, war ich der Schatten, der Fleck. Und sie liebte es, mich daran zu erinnern.

— Angeline, komm her! Ich brauche dich, um mein Kleid für die Party zu richten und meine Schuhe zu polieren. Keine Spuren hinterlassen, du Nutzlose.

Ich ging. Wie immer. Die Haushälterin Serafina — die einzige Seele an diesem Ort, die mich immer mit einem Funken Güte behandelt hatte, seit ich klein war — sah mit traurigen Augen zu, aber sie war machtlos gegen den Willen der "jungen Herrin".

An jenem Abend jedoch war Victoria seltsam… aufgeregt.

— Heute ist der große Tag, Schwesterchen — sagte sie, während ich ihr half, sich anzuziehen — Der Mann, den ich liebe, wird mich auf dieser Party um meine Hand bitten. Endlich. Ihre Augen leuchteten, aber es war etwas Falsches an dieser Freude, ein Funken Berechnung, den ich erst jetzt erkenne.

Dann stellte sie die Bitte, die alles veränderte.

— Angeline, geh runter und hol eine Flasche Champagner für uns. Wir werden feiern.

Ich zögerte, völlig beunruhigt.

— Ich… ich trinke nicht, Victoria.

— Sei nicht langweilig! Das ist ein Befehl. Und danach wirf einen letzten Blick in meinen Kleiderschrank, ich will sichergehen, dass meine Schuhe perfekt sind.

Unschuldig. So dumm und unschuldig. Ich ging hinunter, holte den Champagner. Als ich zurückkam, standen zwei Gläser auf dem Tisch. Sie servierte, bestand darauf. Um keinen weiteren Konflikt zu verursachen, nahm ich meines. Ich benetzte kaum die Lippen, aber es war genug. Ich glaube, sie muss etwas in das Glas getan haben, als ich mich umdrehte, um den Kleiderschrank zu überprüfen, bevor sie mir einschenkte.

Sobald ich den Champagner ausgetrunken hatte, begann meine Welt sich zu drehen. Meine Beine wurden weich, die Sicht verdunkelte sich. Das Letzte, woran ich mich erinnere, ist ihr kalter und triumphierender Blick…

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