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Kapitel 2

Author: Caroline Above Story

Ellies Sicht

Der Wecker klingelte unaufhörlich, aber ich konnte mich nicht bewegen. Ich starrte an die Decke meines Kinderzimmers, während mein Herz gegen die Rippen hämmerte.

Das war unmöglich. Ich war tot. Ich erinnerte mich an das Eisenhutgift, das durch meine Adern brannte, an Vivians grausames Lächeln, während sie meine Krone trug, und an die Dunkelheit, die mich verschlang.

Aber nun war ich hier, umgeben von den blassgelben Wänden, die ich mit sechzehn gestrichen hatte. Die Lichterkette an meinem Fenster funkelte sanft im Morgenlicht.

Langsam setzte ich mich auf und berührte mit zitternden Händen meinen Hals. Keine violetten Adern. Kein brennender Schmerz. Nur glatte, gesunde Haut.

„Ellie?“, flüsterte eine Stimme in meinem Kopf.

Meine Wölfin. Sie war kristallklar und so lebendig wie schon seit Jahren nicht mehr.

„Du bist hier“, keuchte ich stumm. „Aber wie?“

„Uns wurde eine zweite Chance geschenkt“, antwortete sie. „Die Mondkönigin hat unseren Schmerz gehört.“

Meine Hände zitterten, als die Realität zu mir durchdrang. „Aber warum?“

„Weil unser letztes Leben eine Tragödie war“, erklärte meine Wölfin sanft. „Die Mondkönigin hat dich und Dominic zu Schicksalsgefährten gemacht, in der Hoffnung auf eine Liebesgeschichte, die das Königreich stärken würde. Aber ... “

Das Gewicht dieser Worte traf mich. Die Mondkönigin selbst hatte unser tragisches Ende gesehen und es für so bedauernswert gehalten, dass sie einschritt.

„Bereut sie, uns zu Schicksalsgefährten gemacht zu haben?“

„Vielleicht.“

„Das Problem war demnach, Dominics Gefährtin zu sein“, flüsterte ich. „Dann werde ich das dieses Mal komplett ändern.“

Wieder achtzehn. Ich hatte Zeit. Zeit, alles zu ändern, bevor es zusammenbrach, und ich würde diese kostbare zweite Chance nicht verschwenden.

Meine Mutter lebte. Sie war unten, machte wahrscheinlich gerade Frühstück und summte dieses alte Lied, das sie immer sang. Sie ahnte nicht, was Dominic ihr in der Zukunft antun würde. Sie war in Sicherheit.

Dieses Mal würde ich dafür sorgen, dass es auch so blieb.

„Ellie! Frühstück!“ Mamas Stimme drang von unten die Treppe herauf, und allein der Klang ließ mich beinahe aufschluchzen.

Ich eilte zum Spiegel. Das Gesicht, das mir entgegenblickte, war jung und unberührt von Liebeskummer. Meine Haut strahlte vor Gesundheit, statt von der kränklichen Blässe gezeichnet zu sein, die meine letzten Tage bestimmte. Aber in meinen Augen lag ein Wissen, das ich mit achtzehn noch nicht besitzen sollte. Ich hatte die Hölle durchlebt, und dieses Mal würde alles anders werden.

Ich zog mich schnell an und ging nach unten. Ich würde vergangene Fehler nicht wiederholen: Ich würde Dominic nicht mehr hinterherlaufen und Vivians Lügen nicht mehr vertrauen. Vor allem aber würde ich nicht seine Gefährtin werden; ich würde die Verbindung zerstören, bevor sie überhaupt entstand. Dominic konnte Vivian haben, die Frau, die er wirklich liebte.

Im Esszimmer roch es nach Pfannkuchen und Kaffee. Mama stand am Herd, ihr dunkles Haar zu einem lockeren Dutt gebunden, und wendete summend Pfannkuchen. Sie sah lebendig und gesund aus.

„Guten Morgen, Schatz“, sagte sie, ohne sich umzudrehen. „Du bist aber früh wach für einen Samstag.“

Bevor ich antworten konnte, schlangen sich Arme um mich. „Guten Morgen, Schwester!“

Vivian. Ihre Stimme war süß wie Honig, genau wie immer. In meinem früheren Leben hielt ich diese Süße für echte Zuneigung. Jetzt wusste ich es besser. Sie klammerte sich an mich wie die engsten Schwestern der Welt, während jeder Instinkt in mir schrie, mich von ihr fernzuhalten.

Das war die Frau, die meine Krone gestohlen hatte, während ich im Sterben lag. Die Frau, die mir die Aufnahme vorspielte, in der Dominic sich für sie entschied. Ich stieß sie so hart von mir, dass sie rückwärts taumelte.

„Ellie!“ Mama fuhr mit schockgeweiteten Augen herum. „Was ist denn in dich gefahren?“

Vivians Gesicht verzog sich zu ihrem perfekt einstudierten Ausdruck verletzter Unschuld. „Habe ich etwas falsch gemacht? Ich wollte dich doch nur umarmen.“

Dieselben Manipulationstaktiken, die sie immer anwandte. Dieselben falschen Tränen, die jeden täuschten, mich eingeschlossen. Aber nicht dieses Mal.

Ich sah Vivian kalt an. „Ich will nicht, dass du mich anfasst.“

„Ellie Elizabeth!“ Mama legte den Pfannenwender ab und drehte sich ganz zu mir um. „Entschuldige dich sofort bei deiner Schwester. Ich weiß nicht, was heute Morgen mit dir los ist, aber das ist keine Entschuldigung für Unhöflichkeit.“

Meine Schwester. Nicht Stiefschwester. Mama bestand immer darauf, dass wir echte Schwestern seien, obwohl Vivians Vater meine Mutter erst heiratete, als ich zehn war.

„Sie ist nicht meine Schwester“, sagte ich ruhig.

Die Worte hingen wie eine Ohrfeige in der Luft. Mama wurde blass, und Vivians Mund klappte in aufrichtig wirkendem Schock auf. Aber ich war es leid, weiter Theater zu spielen. Leid, die gute Tochter zu sein, die bei den Lügen aller mitmachte.

Vivian fasste sich als Erste, und ihre Augen füllten sich mit Krokodilstränen. „Ich weiß, dass ich nicht deine echte Schwester bin, aber ich dachte ... ich dachte, wir stehen uns nahe. Habe ich dich irgendwie verärgert? Bitte sag mir, was ich falsch gemacht habe.“

Sie war gut. Das musste ich ihr lassen. Selbst mit dem Wissen, was sie wirklich war, fühlte ich mich fast schuldig, weil ich so hart zu ihr war. Fast.

„Nichts“, sagte ich und wandte mich ab. „Bleib einfach von mir fern.“

Ich setzte mich an den Frühstückstisch und ignorierte die Spannung, die in der Luft knisterte. Mama servierte die Pfannkuchen mit zitternden Händen und warf uns besorgte Blicke zu.

„Vielleicht geht es um Dominic“, sagte Vivian leise, ihre Stimme triefend vor falscher Sorge. „Du hast gestern wirklich aufgewühlt gewirkt, nachdem er dich kaum beachtet hat. Seit gestern Abend bist du so still.“

Allein diesen Namen zu hören, jagte mir einen Schauer über den Rücken.

Der Gesichtsausdruck meiner Mutter wurde sofort weicher. Meine ganze Familie wusste, dass ich von Dominic besessen war, dass jeder Blick und jedes Lächeln von ihm meinen ganzen Tag retten konnte. Sie unterstützten meine Gefühle immer, da Dominic der zukünftige Alpha unseres Rudels war.

„Selbst wenn das der Fall ist, solltest du deine Wut nicht an deiner Schwester auslassen“, erinnerte mich meine Mutter sanft.

„Es geht nicht um ihn“, antwortete ich und sah meiner Mutter direkt in die Augen.

Die Mondkönigin hatte mir eine zweite Chance gegeben, weil mein letztes Leben so bedauernswert gewesen war. Um dieses Mal das gleiche tragische Schicksal zu vermeiden, war Dominic die erste Person, von der ich mich fernhalten musste.

Vielleicht lag es daran, dass meine Stimme noch kälter und starrer klang als zuvor, aber der Rest des Frühstücks verlief in unangenehmem Schweigen.

Als es Zeit war, zur Schule zu gehen, versuchte Vivian wie immer, sich bei mir einzuhaken. Dieses Mal zog ich mich sofort zurück.

„Ich gehe heute allein“, sagte ich.

„Aber wir gehen doch immer zusammen“, protestierte sie. „Was, wenn dir etwas passiert?“

Was für ein Witz. Sie war die Gefahr, die ich meiden musste.

„Ich komme schon klar.“

Der Weg zur Schule gab mir Zeit zum Nachdenken. Meine Erinnerungen an diese Zeit waren verschwommen – zehn Jahre und ein traumatischer Tod ließen die Details verblassen.

Da entdeckte ich Dominic in der Nähe des Eingangs, umringt von seinen Anhängern. Mit achtzehn zog er mit seinem dunklen Haar und den blauen Augen alle Blicke auf sich. Er stand selbstbewusst da, als gehöre ihm die Welt, ganz der zukünftige Wolfskönig.

In meinem früheren Leben ließ sein Anblick mein Herz vor Liebe und Sehnsucht rasen. Jetzt empfand ich nur noch kalte Wut.

Vivian tauchte leicht außer Atem neben mir auf, weil sie sich beeilte, mich einzuholen. „Da ist Dominic“, sagte sie und gab mir einen Stups. „Willst du nicht Hallo sagen gehen?“

So eine gute Schauspielerin. Dabei wusste sie genau, dass ich Jahre damit verbrachte, mich seinetwegen zum Narren zu machen.

„Nein“, sagte ich einfach.

Ich beobachtete, wie Dominics Blick über den Innenhof schweifte und auf mir landete. Sein Ausdruck wandelte sich in Erwartung, als wartete er darauf, dass ich wie ein treuer Hund zu ihm rannte.

Einer seiner Freunde – Marcus, sein Beta – bemerkte mich ebenfalls. „Dein kleiner Schatten ist wieder da“, rief er lachend.

Sein kleiner Schatten. So nannten sie mich. Wie ich nichts weiter als ein nerviges Anhängsel war, das Dominic auf Schritt und Tritt folgte.

Die Gruppe brach in Kichern aus, als Marcus seine Kreditkarte zückte und sie in meine Richtung warf. Sie landete mit einem leisen Plastikklicken vor meinen Füßen.

„Kaffee holen, Ellie!“, rief er. „Das Übliche für alle.“

Ich starrte auf die Karte, während Erinnerungen auf mich einstürzten. Zwei Jahre lang kaufte ich Kaffee für Dominics Clique, in dem Glauben, das machte mich zu einem Teil ihrer Gruppe und zeigte meine Fürsorge für Dominic. Aber ich war nie Teil ihrer Gruppe. Ich war ihre Dienerin.

Der Innenhof war still geworden, alle warteten darauf, was ich tun würde. Früher hätte ich gelächelt und mich beeilt, ihre Bitte zu erfüllen, dankbar für jede Beachtung durch Dominics Freunde.

Ich sah zu Marcus auf, dann zu Dominic und schließlich in all die Gesichter, die mich mit unterschiedlichem Maß an Belustigung und Erwartung beobachteten.

„Was soll das bedeuten?“, fragte ich kalt. „Ich verstehe das nicht.“

Marcus blinzelte überrascht. „Kaffee. Den kaufst du doch jeden Tag.“

„Ach ja?“ Ich hob seine Kreditkarte auf und ging zu ihm hinüber. Die Menge teilte sich, um mich durchzulassen, und Geflüster folgte mir. Als ich Marcus erreichte, streckte ich die Hand aus und drückte ihm die Karte zurück in die Hand.

„Heute nicht.“

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