LOGINEira ValeriusIch öffnete die Augen und sah, wie das sanfte Licht der Morgensonne über die Decken fiel. Nachdem sich die Alphas gestern vor mir niedergekniet und mir ihre Treue geschworen hatten, hatte mein Körper wieder nachgegeben.Doch als ich tief die Winterluft einatmete, die durch das gekippte Fenster hereinströmte, merkte ich, dass der bis in die Knochen gehende Schmerz verschwunden war. Ich fühlte mich leicht und voller Energie, als hätte sich die Magie, die mich gestern ausgelaugt hatte, über Nacht tief in mein Mark gesenkt und mich stärker als zuvor zurückgelassen.Langsam stützte ich mich gegen die Kissen ab, während sich die Decken um meine Taille sammelten. „Du bist wach.“Ich drehte den Kopf; Azrael saß auf einem Stuhl mit hoher Lehne, den er direkt an den Rand der Matratze herangerückt hatte. Er trug ein schlichtes schwarzes Hemd und eine dunkle Hose. Die tiefen Schnitte an seinen Armen und seiner Brust waren verbunden, und sein Haar war noch leicht feucht vom Waschen.
Cleo VanceDas Glas zersprang auf dem Boden, und Wein sowie scharfe Scherben flogen quer durch das Schlafzimmer. Ich machte einen erschrockenen Schritt zurück, als Lucas heftig auf die Knie fiel. Seine Hände krallten sich an seine Brust und zerrissen den Stoff seines Hemdes, während ein schrecklicher, feuchter Husten aus seiner Kehle hervorbrach. Die Adern an seinem Hals traten hervor und färbten sich ungesund dunkelviolett. Er sah aus, als würde er an trockener Luft ersticken.„Lucas!“, schrie ich und sank neben ihm auf die Knie. Seine Augen waren blutunterlaufen und rollten nach hinten. Er hob den Kopf und starrte mich durch einen qualvollen, atemlosen Schleier an.„Was …“, keuchte er, seine Stimme klang wie das Röcheln eines Sterbenden. „Was hast du … mir gegeben?!“Panik ergriff mein Herz. Der Trank sollte ihn fügsam, gehorsam und mir ergeben machen. Er sollte ihn nicht töten. Wenn der Alpha des Bloodmoon-Rudels in seinem Schlafgemach starb, während nur ich im Raum war, würden mic
König AzraelIch spürte weder die tiefen Schnitte an meinen Armen noch das dicke, schwarze Blut der Bestie, das auf meiner Haut trocknete, noch den eisigen Winterwind, der mir ins Gesicht biss. Das Einzige, was ich spürte, war der langsame, gleichmäßige Herzschlag der Frau in meinen Armen.Ich hielt Eira fest an meine Brust gedrückt und ging durch den zerstörten, blutgetränkten Innenhof der Zitadelle. Der chaotische Lärm der Schlacht war endlich verklungen und einer schweren, erschöpften Stille des Überlebens gewichen. Dichter schwarzer Rauch stieg von den brennenden Fahnen in den Morgenhimmel auf, und der Geruch von Kupfer hing schwer in der Luft.Als ich auf die Haupttore des Palastes zuging, unterbrachen die überlebenden Wachen ihre Tätigkeiten. Die Alphas aus dem gesamten Clan – Männer, die aus dem Osten und Westen angereist waren, um einer Hochzeit beizuwohnen – traten beiseite, um mir einen freien Weg zu bahnen.Ich sah zu, wie jeder einzelne von ihnen auf ein Knie sank. Sie nei
Alpha Lucas Das blendende Licht, das aus der Mitte des Hofes strahlte, zwang mich, meine Augen zu schützen. Ich stand wie angewurzelt da, meine Stiefel fest im blutgetränkten Schnee verankert, während mein Verstand verzweifelt versuchte zu begreifen, was ich da sah.Eira schwebte in der Luft.Der heftige, wirbelnde Wind peitschte ihr Hochzeitskleid um ihre Beine; sie sah aus wie eine Kriegsgöttin. Der eisblaue Edelstein auf ihrer Brust brannte mit einer furchterregenden Intensität, die mir die Brust zusammenziehen ließ. Als sie sprach, hallte der überwältigende Chor Dutzender Frauenstimmen aus ihrer Kehle wider, erschütterte die Mauern der Zitadelle und vibrierte direkt durch die Sohlen meiner Stiefel.Mein ganzes Leben lang hatte ich die alten Mythen über die Silberwölfe gehört. Ich hielt sie für übertriebene Geschichten, doch als ich zu Eira hinaufblickte, die in diesem blauen Feuer badete, wurde mir klar, dass jeder einzelne Mythos wahr war.Eine plötzliche, bittere Welle der Eife
Cleo VanceIch schritt in meinem Schlafzimmer auf und ab, mein Morgenmantel schleifte über den Boden. Ich blieb vor dem hohen, vergoldeten Spiegel stehen und strich mir das Haar glatt. Ich wirkte gefasst – genau so, wie eine Luna aussehen sollte, während sie darauf wartet, dass ihr Alpha von einem ruhmreichen Feldzug zurückkehrt.Ich schenkte mir ein Glas Rotwein aus der Karaffe auf meinem Tisch ein und nahm einen langsamen, selbstbewussten Schluck. Plötzlich spritzte der Wein heftig aus dem Glas und befleckte meine blasse Haut.Ein tiefes, ohrenbetäubendes Grollen erschütterte die Grundmauern des Rudelhauses. Der Kronleuchter über meinem Kopf schwang wild hin und her, die Tropfen prallten gegeneinander. Mein Kosmetikspiegel klapperte so heftig, dass er zu zerbrechen drohte.„Was in aller Welt …“, keuchte ich und ließ das Weinglas fallen. Es zersprang auf dem Boden.Ich klammerte mich an die Kante meines Schreibtisches, um mich abzustützen, während der gesamte Raum heftig zur Seite ki
Eira ValeriusDie Kraft in mir fühlte sich nicht wie meine eigene an, sondern wie ein reißender Fluss, der einen winzigen Damm durchbrach und in meine Muskeln, meine Knochen und meine Lungen strömte, bis ich vollständig von ihr verschlungen war.Ich schwebte zehn Fuß über dem Schnee, schwebend in der beißenden Winterluft. Ein heftiger Wind peitschte um meinen Körper, ließ den zerrissenen weißen Seidenstoff meines Kleides flattern und wirbelte mein Haar wie wilde weiße Flammen durcheinander. Unter mir war das gesamte Schlachtfeld auf schreckliche Weise zum Stillstand gekommen.Die Wachen des Nordens standen wie erstarrt da, ihre Breitschwerter tropften vor Blut. Die herangekommenen Alphas starrten mit offenem Mund zu mir hinauf, ihre Augen weit aufgerissen vor Unglauben. Auf der anderen Seite des Hofes wichen die Bloodmoon-Soldaten zurück und pressten ihre Waffen an die Brust, als würde das Licht, das von meinem Körper ausging, sie an Ort und Stelle zum Schmelzen bringen.Und genau in







