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119: Der gestohlene Traum

Author: Nico
last update publish date: 2026-11-02 21:43:30

Lyra

Es herrschte eine erdrückende Stille im Raum, unterbrochen nur vom unregelmäßigen, abgehackten Geräusch meines eigenen Atems. Ich lag genau in der Mitte des zerfledderten Bettes, mein Körper war von kaltem, zitterndem Schweiß überzogen, jeder Muskel so angespannt, dass er schmerzte. Ich zog das Leinenlaken hoch und presste es heftig an meine Brust, um meine entblößte Haut zu bedecken. Meine Fingerknöchel waren knochenweiß. Der metallische Beigeschmack von Blut lag mir noch immer scharf auf
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    König AzraelDie Morgenluft im Innenhof der Zitadelle war so kalt, dass der Atem eines Mannes zu Nebel wurde. Dreitausend Krieger standen in Formation unterhalb der Haupttreppe. Ihre Rüstungen schimmerten sanft unter dem grauen Winterhimmel, ihre Speere hoch erhoben, warteten sie auf meinen Befehl.Ich stand in der Nähe der Tore und rückte die Lederriemen meiner Schulterstücke zurecht. Neben mir stand Eira. Sie trug ihr Samtkleid, ihr weißes Haar fiel ihr wie ein Tuch aus gesponnener Seide über den Rücken. Auch ohne Rüstung sah sie ganz und gar wie die Königin aus, die sie war. Doch als ich mich zu ihr umwandte, zog sich meine Brust zusammen. Ich konnte die Entschlossenheit in ihren violetten Augen sehen, die Art, wie ihre kleinen Hände an ihren Seiten ruhten.Sie bereitete sich darauf vor, mit uns zu marschieren.„Du bleibst hier, Eira“, sagte ich mit leiser, fester Stimme, die das leise Grollen der versammelten Armee übertönte.Eira blickte sofort zu mir auf und runzelte die Stirn.

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    LyraEs herrschte eine erdrückende Stille im Raum, unterbrochen nur vom unregelmäßigen, abgehackten Geräusch meines eigenen Atems. Ich lag genau in der Mitte des zerfledderten Bettes, mein Körper war von kaltem, zitterndem Schweiß überzogen, jeder Muskel so angespannt, dass er schmerzte. Ich zog das Leinenlaken hoch und presste es heftig an meine Brust, um meine entblößte Haut zu bedecken. Meine Fingerknöchel waren knochenweiß. Der metallische Beigeschmack von Blut lag mir noch immer scharf auf der Zunge, dort, wo ich ihn gebissen hatte, und vermischte sich mit dem widerlichen Geruch seiner Alpha-Pheromone, die nun jeden Zentimeter meines Körpers umhüllten.Ich drehte meinen Kopf gegen die feuchten Kissen, mein Blick heftete sich auf den Mann, der am Rand der Matratze stand. Lucas zeigte sich unbeeindruckt von der Zerstörung, die er gerade angerichtet hatte. Er stand aufrecht da, zog sich ruhig die Hose hoch und schnallte seinen Gürtel um.Eine Welle unverfälschten Hasses brodelte aus

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    Alpha LucasDie Karten auf meinem Schreibtisch verschwammen miteinander. Draußen vor meinem Fenster war die Sonne vollständig untergegangen und hatte das Lagerhaus in die tiefe, eisige, schwarze Nacht getaucht. Die Kohlenbecken im Innenhof brannten hell und warfen flackernde Schatten an die Wände.Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, sah ich nur Lyra. Ich sah sie im Hof stehen, die scharfe Wölbung ihres Halses, als sie den Kopf neigte, um diesem Mann zuzuhören. Ich sah, wie nah der Wächter bei ihr stand und in ihren persönlichen Raum eindrang.Eine neue, heftige Welle der Eifersucht explodierte in meiner Brust und überschwemmte meine Gedanken. Ich biss die Zähne so fest zusammen, dass ein dumpfer Schmerz bis in meine Schläfen schoss, und schlug mit der Faust hart auf den Schreibtisch. Das Holz ächzte protestierend, und ein langer Riss spaltete sich genau durch die Mitte der Landkarte.Drei leise, zögerliche Klopftöne hallten an meiner Tür wider. „Was?“, brüllte ich; die Tür quietsch

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    Alpha LucasJeder Schritt, den ich den Flur entlang machte, fühlte sich leichter an als seit Monaten. Ich ging langsam, passte mich ihrem Tempo an; sie ging neben mir, den Kopf hoch erhoben, den Rücken gerade, das Haar fiel ihr in einer Kaskade über den Rücken. Mein Mark pochte. Das Blut in meinen Adern brannte mit einem heißen Puls, der mir jedes Mal die Brust zusammenziehen ließ, wenn ihr Arm den meinen streifte. Ich blickte seitlich auf ihr Profil, ließ meinen Blick über die scharfe Linie ihres Kiefers gleiten und spürte ein berauschendes, wahnsinniges Ziehen tief in meinem Herzen, einen erstickenden, verzweifelten Hunger, der jeden wachen Gedanken verschlang.Wie konnte ich nur so blind sein? fragte ich mich, während sich ein seltsamer, verwirrender Schmerz hinter meinen Rippen ausbreitete.Monatelang war ich besessen gewesen von Krieg, von Territorium, von Magie. Ich hatte meine Zeit damit verschwendet, Eira anzustarren, in dem Glauben, sie sei der Preis. Ich hatte Cleo geduldet

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    CleoDie Kälte des Fußbodens in meinem Schlafzimmer drang durch mein Nachthemd und ließ mich bis auf die Knochen frieren, doch ich brachte es nicht über mich, mich zu bewegen.Ich lag zusammengesunken neben dem Schminktisch, mein Körper zitterte so heftig, dass meine Zähne im Raum klapperten. Tränen liefen mir über die Wangen und brannten auf den frischen, hässlichen violetten Blutergüssen, die meinen Hals wie ein Kragen umschlossen. Jeder keuchende Atemzug fühlte sich an, als würde ich zerkleinertes Glas schlucken.In meiner rechten Hand umklammerten meine Finger eine gezackte Scherbe einer zerbrochenen Parfümflasche. Ich starrte auf die Kante hinab, die gegen die zarte blaue Ader meines linken Handgelenks gedrückt war. Meine Knöchel waren weiß. Die Versuchung war erschreckend süß. Wenn ich nur festdrückte, wenn ich das Glas nur über meine Haut zog, würde die erstickende Scham aufhören. Die Erinnerung an Lucas’ Hand, die mir das Leben aus dem Leib drückte, das Echo seines Ekels, als

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    LyraLucas stand in der hinteren Ecke des Raums neben einem Kamin; er trug ein lockeres weißes Hemd, dessen oberste Knöpfe offen standen, und eine dunkle Hose; als er sich zu mir umdrehte, zog sich meine Brust instinktiv zusammen.Seine Augen waren weit aufgerissen, geweitet und brannten vor einer seltsamen, unnatürlichen Hitze. Er kam langsam auf mich zu, wobei sein Blick jeden meiner Schritte verfolgte, als wäre ich das einzige Lebewesen auf der Welt.„Du bist gekommen“, murmelte Lucas, „ich hätte nicht gedacht, dass du von selbst durch diese Tür kommen würdest.“Ich hielt den Rücken gerade und stand mit fest auf dem Boden verankerten Füßen da. „Warum sollte ich nicht?“, erwiderte ich. „Du hast dafür gesorgt, dass ich nirgendwo anders hingehen kann, Alpha. Ich bin gekommen, um nach dir zu sehen und zu fragen, warum.“Lucas blieb ein paar Schritte vor mir stehen, sein Kiefer spannte sich an, während er mein Gesicht musterte. „Warum was?“„Warum dieser plötzliche Sinneswandel?“, fragt

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