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Die einst von ihm verschmähte Ex-Frau wurde zur CEO
Die einst von ihm verschmähte Ex-Frau wurde zur CEO
Author: Faithful

Kapitel 1

Author: Faithful
last update publish date: 2026-11-04 16:49:44

Mein Mann Bill sitzt mit seiner bildhübschen Assistentin Doris beim Essen und lacht mit ihr, als wären die beiden bei ihrem ersten Date. Und ich? Ich sitze ihm gegenüber und darf mir das alles mit ansehen. Dabei liegt meine Hand unter dem Tisch auf meinem noch flachen Bauch, in dem seit Kurzem ein kleines Leben heranwächst.

Natürlich weiß Bill noch nichts von dem Baby. Ich selbst habe erst vor wenigen Stunden erfahren, dass ich schwanger bin.

Eigentlich sollte es ein gemütliches Familienessen werden. Doch willkommen bin ich hier noch nie gewesen. Für Bills Familie bin ich eine Außenseiterin, die irgendwie dazugehört, ohne jemals wirklich dazuzugehören.

Als ich sehe, wie Bill das Steak entgegennimmt, das Doris ihm zurechtschneidet und auf den Teller legt, wird mir klar, dass ich ihnen mit meiner Nachricht nur die gute Laune verderben würde. Doris ist schließlich seine Jugendfreundin. Sie kennt ihn besser als jeder andere.

„Doris, Bill hat erzählt, dass du deinen MBA machst. Erzähl uns doch ein bisschen davon“, sagt Elena, Bills Mutter.

Mir ist klar, dass es bei diesem Abendessen nicht nur darum geht, sich auszutauschen. Elena will Doris zur Schau stellen. Sie ist die Schwiegertochter, die sie sich viel lieber an Bills Seite wünschen würde.

Doris lächelt und beugt sich auf ihrem Stuhl leicht nach vorn. Ihr welliges, rotbraunes Haar fällt ihr über die Schultern.

„Es läuft wirklich gut“, sagt sie. Ihre smaragdgrünen Augen leuchten begeistert. „Ich lerne unglaublich viel über die internationalen Märkte. Bill hat sogar gemeint, dass ich eine echte Bereicherung für sein Unternehmen sein könnte. Stimmt's, Bill?“

Strahlend sieht sie ihn an und wartet auf seine Bestätigung. Doch Bill scheint viel zu sehr damit beschäftigt zu sein, zu bewundern, wie mühelos Doris alle am Tisch um den Finger wickelt.

„Absolut. Doris hat ein ausgezeichnetes Gespür fürs Geschäft“, bestätigt er selbstbewusst.

Bill ist groß, und sein blondes Haar sitzt stets perfekt. Nicht ein einziges Haar scheint fehl am Platz zu sein. Er strahlt genau die Autorität aus, die man von einem CEO erwartet.

Ich umklammere meine Gabel etwas fester. Wut und Hilflosigkeit kämpfen in mir miteinander.

Bill spricht nie so über meine Leistungen. Wenn ich etwas erreicht habe, findet er immer eine Ausrede. Meine Arbeit sei zu technisch, zu alltäglich oder schlicht nicht interessant genug, um beim Familienessen darüber zu reden.

Aber Doris lobt er, als wäre sie längst ein Teil der Familie.

Ich sehe, wie Bills blaue Augen, die sonst so scharf und durchdringend wirken, plötzlich warm und sanft werden, sobald er Doris ansieht.

Bei mir sieht er mich selten so an.

Es tut weh, das mitanzusehen. Ich hätte gar nicht erst herkommen sollen.

Ein Kellner unterbricht meine Gedanken. Er hält eine teure Flasche Wein in der Hand.

„Darf ich Ihnen Wein einschenken, gnädige Frau?“

„Ähm … könnten Sie mir stattdessen bitte einen Eistee bringen?“, frage ich.

Er nickt und geht davon.

Unter dem Tisch lege ich vorsichtig eine Hand auf meinen Bauch und denke an mein kleines Geheimnis.

Wird jemandem auffallen, dass ich keinen Wein trinke? Wahrscheinlich nicht. Alle sind viel zu sehr mit Doris beschäftigt.

Ich bin nur hier, weil Bill mich mitgebracht hat. Schließlich bin ich immer noch seine Ehefrau.

„Entschuldigt mich bitte. Ich muss kurz auf die Toilette“, sage ich und stehe auf.

Für einen Moment sehen mich alle an. Doch in ihren Gesichtern liegt keine Spur von Freundlichkeit.

Offenbar interessiert es niemanden, was ich tue.

Als ich zur Toilette humple, erinnert mich der Schmerz in meinem linken Knie daran, was heute früher passiert ist. Ich war so in Gedanken versunken, dass ich eine Unebenheit auf dem Gehweg übersehen habe. Ich bin gestürzt, und seitdem pocht mein Knie vor Schmerzen.

Großartig. Vielleicht habe ich mir sogar etwas gebrochen.

„Herzlichen Glückwunsch, Serena. Sie sind in der vierten Schwangerschaftswoche“, hatte Dr. Sanchez zu mir gesagt.

„Oh, das ist … wunderbar“, hatte ich geantwortet.

Ich hatte versucht, mich zu freuen, doch eigentlich fühlte ich mich ganz anders.

Ich wollte dieses Baby behalten. Aber wie sollten Bill und ich gemeinsam ein Kind großziehen, wenn er mich längst nicht mehr liebte?

„Was ist los?“, hatte Dr. Sanchez gefragt, als sie mein Zögern bemerkte.

„Ich weiß einfach nicht, wie mein Mann reagieren wird“, hatte ich zugegeben und ihrem Blick standgehalten.

Dr. Sanchez hatte mir beruhigend die Hand auf die Schulter gelegt.

„Es ist Ihre Entscheidung“, hatte sie gesagt. „Aber ich würde Ihnen empfehlen, mit Ihrem Mann darüber zu sprechen.“

Jetzt stehe ich im Badezimmer und spritze mir kaltes Wasser ins Gesicht, um einen klaren Kopf zu bekommen.

Soll ich es ihnen beim Abendessen sagen? Vielleicht würden sie mich dann endlich mit anderen Augen sehen. Nicht mehr nur als die Frau, die früher für Bill gearbeitet hat.

Doch dann erinnere ich mich daran, wie kalt alle reagiert haben, als ich den Festsaal betreten habe.

Bill und seine Familie hatten gesehen, dass ich humpelte. Trotzdem hatte mir niemand geholfen. Nicht einmal ein Gruß war gekommen.

Es war, als würden sie mich absichtlich ignorieren.

Und Bill? Er hatte mich nur angestarrt.

Ich betrachte mein Spiegelbild und sehe eine Frau, die mir zwar ähnlich sieht, sich aber nicht mehr wie ich selbst anfühlt.

Wir haben dieselben weichen braunen Augen, dasselbe kastanienbraune Haar, das in lockeren Wellen über meine Schultern fällt, und dieselben winzigen Sommersprossen auf beiden Wangen.

Aber die Frau im Spiegel ist nicht mehr die alte Serena.

Die hätte sich niemals so behandeln lassen. Sie hätte sich von niemandem wie einen Fußabtreter behandeln lassen.

Als ich zu meinem Platz zurückkehre, stellt Doris sich mir plötzlich in den Weg.

Sie stolpert, und der Kellner, der gerade meinen bestellten Eistee bringt, kann nicht mehr rechtzeitig ausweichen.

Im nächsten Moment ergießt sich das gesamte Glas über mein weißes Kleid.

„Hey! Pass doch auf, Doris!“, fahre ich sie überrascht und verärgert an.

Ich ziehe mein Taschentuch hervor und versuche, den Fleck abzutupfen. Doch der Tee hat sich bereits tief in den Stoff gefressen.

Bill eilt sofort zu Doris, als wäre er ein Ritter in glänzender Rüstung. Er hilft ihr auf die Beine.

„Alles in Ordnung?“, fragt er besorgt.

Doris fängt an zu weinen und spielt das Opfer.

„Mir geht es gut. Ich verstehe nur nicht, warum Serena mir ein Bein stellen musste.“

Mir schießt die Hitze ins Gesicht.

Diese verlogene Schlange treibt es wirklich zu weit.

„Was?! Ich habe dich nicht einmal berührt!“

Bill wirft mir einen eisigen Blick zu.

„Was stimmt nicht mit dir? Entschuldige dich sofort bei ihr!“

Ich kann nicht glauben, dass er tatsächlich ihre Seite ergreift.

„Ist das dein Ernst? Ich habe überhaupt nichts getan! Wenn sich hier jemand entschuldigen sollte, dann sie! Schließlich hat sie mein Kleid ruiniert!“

„Im Ernst? Ist dein Kleid wirklich alles, worum du dir Sorgen machst? Du bist so egoistisch!“

„Ach, ich bin egoistisch? Du hast mich heute Abend nicht ein einziges Mal richtig angesehen! Ich habe mich nicht einmal darüber beschwert. Du bist so sehr mit Doris beschäftigt, dass du völlig vergessen hast, dass du überhaupt eine Ehefrau hast!“

Inzwischen sehen uns alle am Tisch an.

Normalerweise würde ich niemals solche privaten Dinge vor anderen ausbreiten. Aber ich habe es satt, mir den ganzen Abend über alles gefallen lassen zu müssen.

Die Leute können meinetwegen glotzen, so viel sie wollen.

„Schluss jetzt!“, schreit Elena. „Hört endlich mit diesem Unsinn auf! Wenn du dich nicht bei Doris entschuldigst, dann verschwinde!“

Ich sehe Bill an und warte darauf, dass er etwas zu meiner Verteidigung sagt.

Doch er starrt nur auf den Tisch.

Kein Wort kommt über seine Lippen.

Er lässt einfach zu, dass seine Mutter mich vor allen anderen demütigt.

Mir steigen Tränen in die Augen. Noch nie in meinem Leben habe ich mich so erniedrigt gefühlt.

Ich atme tief durch und zwinge mich, ruhig zu bleiben.

„Na gut. Ich will hier keine Szene machen. Ich gehe, Elena, wenn du das so willst.“

Als ich den Festsaal verlasse, werfen mir die Kellner merkwürdige Blicke zu.

Aber jetzt reicht es mir endgültig.

Wenn Bill nicht einmal bereit ist, für mich einzustehen, dann hat unsere Ehe keinen Sinn mehr.

Von dem Baby werde ich ihm kein Wort erzählen.

Ich will die verdammte Scheidung!

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