LOGINPOV: EmmaDas erste Jahr von Mias Leben war ein verschwommener Strom aus schlaflosen Nächten, leisen Tränen und einer Heilung, von der ich nicht gewusst hatte, dass sie möglich war.Wir waren in ein weitläufiges, stark gesichertes Anwesen auf dem Land gezogen. Es war eine Festung, getarnt als Paradies, mit Hektar von Grünland, hohen Steinmauern und einem Sicherheitsteam, das Tag und Nacht das Gelände patrouillierte. Hier, weit weg von dem erstickenden Glas und Stahl Manhattans, lernte ich endlich wieder zu atmen.Mia war mein Anker. Sie hatte sich von einem winzigen, zerbrechlichen Frühchen zu einer pummeligen, kichernden Einjährigen entwickelt, mit einem dicken Schopf dunkler Haare und Augen, die das exakte Abbild der ihres Vaters waren. Wenn ich in diese Augen blickte, jagte mir das früher einen Stich der Angst durch das Herz. Doch jetzt, wenn sie mich ansah, sah ich nicht Dominic. Ich sah nur meine Tochter. Mein Wunder.Und dann war da noch Lorenzo.Er gab uns nicht nur einen Ort z
POV: DominicDas Eis in meinem Glas klirrte leise gegen das Kristall – ein rhythmischer, hohler Ton, das Einzige, was mich noch an die Realität fesselte. Der Whisky war billig – oder vielleicht war er teuer. Ich konnte ihn nicht mehr schmecken. Ich konnte nichts mehr schmecken außer der Asche meiner eigenen Zerstörung.Mein Arbeitszimmer war dunkel, nur erhellt von dem gedämpften Schein der Stadtlichter, die durch die schweren Samtvorhänge drangen. Ich saß in meinem Ledersessel, meine Krawatte lag auf dem Boden, das Hemd war aufgeknöpft. Ich sah genau so aus, wie ich war: ein erbärmlicher, gebrochener Mann.Ich hatte Marcus Thorne, den Privatdetektiv, gefeuert. Der überhebliche Bastard war mit nichts als einem Foto einer verschlossenen Penthouse-Tür und einer Forderung nach mehr Geld zu mir zurückgekommen. Es war ihm nicht gelungen, Emma zu finden. Oder vielleicht hatte er sie gefunden, und Lorenzo Asher hatte ihn mehr bezahlt, damit er den Mund hielt. So oder so, ich war fertig mit i
POV: Emma, Ich-Perspektive.Der Schmerz war ein lebendiges, atmendes Monster, das mit einer Wildheit durch meinen Körper raste, wie ich sie noch nie gekannt hatte. Er war nicht wie der dumpfe Schmerz von der anderen Nacht. Dies war eine gewaltsame, reißende Wehe, die mir den Atem aus der Lunge stahl und mich nach Luft schnappen ließ.„Der Sturm ist zu heftig“, sagte Lorenzo, seine Stimme angespannt vor kontrollierter Panik, als er aus dem Fenster blickte. Der Regen peitschte gegen das Glas, der Wind heulte wie eine Banshee. „Die Straßen sind überschwemmt. Der Krankenwagen kann nicht durchkommen.“Ich schrie auf und klammerte mich an meinen Bauch, als die nächste Welle der Agonie mich traf. Ich war erst im fünften Monat schwanger. Es war zu früh. Das Baby war zu klein. Ich würde sie verlieren. Ich würde das Einzige verlieren, was mir noch geblieben war.„Emma, sieh mich an“, befahl Lorenzo und ging neben dem Bett auf die Knie. Er ergriff meine Hand, sein Griff fest und erdend. „Dr. Ari
POV: Lorenzo, Ich-Perspektive.Ich starrte auf das Foto auf meinem Handy, während mein Daumen über dem Bildschirm schwebte. Das Bild von der friedlich schlafenden Emma war ein direkter Verstoß gegen alles, was ich aufgebaut hatte. Mein Penthouse sollte eine Festung sein. Die Sicherheit sollte undurchdringlich sein.Jemand war im Gebäude gewesen. Jemand hatte meine biometrischen Schlösser umgangen, stand vor ihrem Fenster und hatte ein Foto gemacht.Mein erster Gedanke war Dominic. Er hatte mein Büro gerade wütend und verzweifelt verlassen. Aber Dominic war ein stumpfes Instrument. Er war arrogant genug, mir ins Gesicht zu drohen, aber er war kein Geist. Er hatte nicht das technische Know-how, um meine Sicherheitssysteme ohne eine Spur zu hinterlassen zu umgehen.Ich leitete das Bild und die Nachricht an Vance, meinen Sicherheitschef, weiter. Seine Antwort kam in weniger als einer Minute.„Die Rückverfolgung der Nummer ist eine Sackgasse. Ein Burner-Handy, weitergeleitet über drei vers
POV: Emma, Ich-Perspektive.Drei Tage strenge Bettruhe waren eine ganz besondere Art von Folter.Die Medizinsuite war luxuriös, ausgestattet mit einem Kingsize-Krankenbett, einem riesigen Fernseher und einem Blick auf die Skyline der Stadt, der wahrscheinlich ein Vermögen kostete. Aber der Ausblick war mir egal. Der Fernseher war mir egal. Ich drehte durch.Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, sah ich Dominics Gesicht. Ich spürte das phantombartige Brennen des Ledergürtels auf meinem Rücken. Ich hörte den Regen gegen die Haustür des Anwesens prasseln. Die Stille des Raumes war zu laut und gab meinen dunkelsten Gedanken zu viel Raum zum Atmen.Lorenzo besuchte mich oft. Er brachte mir Bücher, frisches Obst und Updates zu den Sicherheitsmaßnahmen. Er war freundlich, geduldig und bat nie um eine Gegenleistung. Aber selbst seine ruhige Anwesenheit konnte den Sturm in meinem Kopf nicht beruhigen.Ich musste etwas tun. Ich musste zurückschlagen.„Lorenzo“, sagte ich am vierten Morgen, als
POV: Dominic, Ich-Perspektive.Die Türen zur Führungsetage von Asher Capital glitten auf, aber ich wartete nicht darauf, dass der Empfang mich ankündigte. Ich stürmte an ihrem Schreibtisch vorbei, meine Schuhe klackten einen wütenden Rhythmus auf dem Marmorboden.„Sir, Sie können da nicht rein!“, rief sie und hastete hinter mir her. „Mr. Asher ist in einer Besprechung!“Es war mir egal. Ich stieß die schweren Glastüren des Eckbüros so heftig auf, dass sie fast an den Wänden zerschellten.Lorenzo Asher saß hinter seinem massiven Mahagonischreibtisch. Er schien nicht überrascht zu sein, mich zu sehen. Er sah nicht einmal von dem Dokument auf, das er las. Er hob einfach eine Hand und brachte die in Panik geratene Empfangsdame hinter mir zum Schweigen.„Es ist in Ordnung, Sarah. Schließen Sie die Tür.“Die Tür fiel klickend ins Schloss und schloss uns ein. Das Büro war still, bis auf das leise Summen der Stadt weit unten. Ich schritt auf seinen Schreibtisch zu, meine Brust hob und senkte







