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Kapitel 3

Author: lvy
Alexander kam am nächsten Morgen früh zurück.

Er war sichtbar guter Laune. Lucas’ Fieber war offenbar gesunken.

Ohne ein Wort zu verlieren, ging er direkt zu Leo, der gerade erst wach geworden war, zog eine schwere Desert Eagle aus dem Hosenbund und drückte sie ihm in die Hände.

„Nachträglich alles Gute zum Geburtstag, mein Sohn.“

Alexander fuhr Leo durchs Haar. Seine Stimme war ruhig, beinahe stolz.

„Du bist jetzt fünf. Du bist ein Mann. Diese Waffe hat Feuer. Du musst lernen, mit so etwas umzugehen. Du musst dich selbst schützen. Und du musst deine Mutter schützen. So, wie ich es tue.“

Die Pistole war viel zu schwer für ihn.

Leo geriet ins Taumeln. Sein Gesicht verlor jede Farbe. Sein ganzer kleiner Körper fing an zu zittern.

„Ich ... Ich will sie nicht“, flüsterte er.

Alexander zog die Stirn zusammen.

„Leo, du bist fünf. Warum benimmst du dich so ängstlich? Sogar Lucas spielt mit Waffen.“

Ich sah die beiden an.

Die Kälte in mir war härter als der Stahl dieser Pistole.

Alexander hatte es vergessen.

Vor zwei Jahren war Leo entführt worden. Damals war er erst drei gewesen. Bei der Rettungsaktion hatten eine gewaltige Explosion und Schüsse aus nächster Nähe sein linkes Trommelfell zerfetzt.

Seitdem lebte er mit schwerer PTBS.

Schüsse lösten in ihm keine bloße Angst aus.

Sie jagten seinen Körper jedes Mal in nackte Panik.

Und jetzt drückte sein eigener Vater ihm genau das in die Arme, was dieses Trauma ausgelöst hatte.

Ich ging hinüber, riss Leo die Desert Eagle aus den Händen und knallte sie auf den Couchtisch.

Der dumpfe Schlag hallte durch das ganze Wohnzimmer.

„Nennst du das ein Geschenk?“

Alexander sah mich an, als könnte er meinen Zorn nicht begreifen.

„Das ist eine Waffe der Spitzenklasse. Er ist mein Sohn. Der künftige Godfather. Er muss seine Angst überwinden.“

Bevor wir weitersprechen konnten, klackten hohe Absätze über den Marmorboden.

Bella kam herein und hielt Lucas an der Hand. Zwei Männer mit Gepäck folgten ihr.

Alexanders Gesicht veränderte sich sofort. Die Härte verschwand. Sein Blick wurde weich.

Dann wandte er sich an mich.

„Sophia, die Gegend, in der Bella bisher wohnte, ist nicht sicher. Und Lucas’ Krankheit hat ihr Angst gemacht. Ich habe ihr gesagt, dass sie vorerst hierbleiben kann. Solange du hier bist und dich um alles kümmerst, muss ich mir keine Sorgen machen.“

Als er meinen Blick sah, schob er hastig hinterher:

„Nur bis sich alles beruhigt hat. Danach kaufe ich ihr ein Haus in Beverly Hills und lasse sie umziehen.“

Ich sah Bella an.

Sie trug Weiß. Unschuldig. Sanft. Fast zerbrechlich.

Aber in ihren Augen lag nichts als offene Provokation.

Lucas riss sich von ihrer Hand los und lief quer durchs Wohnzimmer. Dann zeigte er auf Leos Schlafzimmer.

„Ich will das Zimmer! Da ist das beste Licht. Und da sind die ganzen Spielsachen!“

Es war Leos Lieblingszimmer.

Dort standen seine Lego Sets. Stein für Stein hatte er sie aufgebaut. Mit Geduld. Mit stiller Freude. Mit der ernsten Hingabe eines Kindes, das zu früh gelernt hatte, sich allein zu beschäftigen.

Bella zog Lucas scheinheilig zurück.

„Lucas, sei nicht unhöflich. Das ist Leos Zimmer.“

Alexander winkte nur ab.

„Schon gut. Leo ist der große Bruder. Und er ist ein Mann. Ein Mann macht Platz für einen Gast.“

Dann sah er Leo an, der immer noch stumm dastand, und gab ihm seinen Befehl.

„Leo, du gibst Lucas das Zimmer. Ich lasse das Gästezimmer für dich herrichten. Es ist groß genug.“

In diesem Moment schien die Luft im Raum stillzustehen.

Leo hörte auf zu zittern.

Langsam hob er den Kopf.

Das Licht in seinen Augen, diesen Augen, die Alexander so ähnlich waren, war erloschen. Nichts blieb zurück. Kein Trotz. Keine Hoffnung. Nur Stille.

Dann richtete er seinen kleinen Körper auf und verbeugte sich vor Alexander. Formell. Makellos. So, wie man es in unserer Welt tat.

Seine Stimme war die eines Kindes.

Und doch klang sie kalt wie die eines Fremden.

„Ja, Don.“

Das Lächeln auf Alexanders Gesicht gefror.

Er starrte Leo an, als hätte ihn jemand ins Herz getroffen.

„Leo ... Wie hast du mich gerade genannt?“

Ich nahm Leos Hand und antwortete ruhig:

„Ist es nicht genau das, was du immer wolltest? Du warst doch derjenige, der ihm nie erlaubt hat, dich Papa zu nennen.“

„Nein...“ Alexander suchte nach Worten. „Ich meinte das nur in der Öffentlichkeit. Zu eurem Schutz...“

Ich senkte den Blick und lächelte spöttisch.

Sechs Jahre heimliche Ehe.

Jedes einzelne Mal, wenn Leo ihn vor anderen Papa genannt hatte, war er zurechtgewiesen worden.

Kalt. Sofort. Ohne jede Gnade.

Und jetzt, wo Leo ihn aus eigenem Entschluss Don nannte, war Alexander plötzlich erschüttert.

Wie lächerlich.

Alexander wollte noch etwas sagen, doch Lucas lief zu ihm, schlang die Arme um sein Bein und zog daran.

„Onkel Alexander, kommst du mein Zimmer mit mir einrichten?“

Alexander warf Leo und mir einen Blick zu. Ratlos. Unruhig. Fast schuldig.

„Leo, Lucas bleibt nur eine Woche. Danach lasse ich dir das Zimmer genauso wiederherrichten.“

Leo sagte nichts.

Kein Wort.

Alexander sah mich an wie ein Mann, der einen Ausweg suchte und keinen fand.

„Sophia, er ist doch nur ein Kind. Rede mit ihm.“

Ich lächelte.

Ein ruhiges, vollkommen leeres Lächeln.

„Natürlich.“

Sichtlich erleichtert wandte Alexander sich ab, hob Lucas auf den Arm und ging mit ihm nach oben, um das Zimmer einzurichten.

Genau in diesem Moment kam eine Nachricht von Marco.

Die Identitäten sind gelöscht. Das Team holt euch heute Nacht ab.

Ich stieß langsam die Luft aus.

Endlich.

Wir würden gehen.
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