ログインNyelleMein Herz setzte augenblicklich aus. Das Blut wich aus meinem Gesicht, als mich eine solche Panik überrollte, dass ich beinahe vergaß, wie man atmet.War ich gerade aufgeflogen? Meine Finger schlossen sich fester um das Wegwerfhandy, das sich plötzlich anfühlte wie der schwerste Gegenstand der Welt.Vincent kam jetzt auf mich zu. Seine Augen waren auf meine gerichtet, während sein Gesicht unter dem Licht auf der Dachterrasse keinerlei Regung verriet. Mein Magen zog sich schmerzhaft zusammen.Er wusste es. Er musste es wissen. Warum sonst sollte er hierherkommen? Warum sonst sollte er mich so ansehen?Mein Herz hämmerte wie wild, während tausend Gedanken gleichzeitig durch meinen Kopf rasten. Was würde jetzt passieren? Was sollte ich sagen? Was, wenn er alles herausfand? Was, wenn er längst Bescheid wusste?Ohne es zu merken, begann ich, vor ihm zurückzuweichen. Einen Schritt, dann noch einen und noch einen.Meine ganze Aufmerksamkeit galt Vincent, seinem Blick, dem Telefonat, d
Vincent„Du erinnerst dich nicht daran?“ Ich zog langsam die Augenbrauen zusammen und musterte ihr Gesicht aufmerksam.Die Frage war eigentlich ganz einfach, doch irgendetwas an ihrer Reaktion beunruhigte mich. Cassias Lächeln gefror für den Bruchteil einer Sekunde, bevor sie sich schnell wieder fing. Sie hob die Hand, berührte die Halskette auf ihrer Brust und lachte leise. In meinen Ohren klang ihr Lachen allerdings gezwungen.„Ich habe den Großteil meiner Kindheitserinnerungen verloren“, erklärte sie und schüttelte traurig den Kopf. „Nach allem, was damals passiert ist, gibt es vieles, an das ich mich nicht mehr erinnere. Nur ein paar Bruchstücke sind mir geblieben.“ Sie trat näher und schlang ihre Finger um meinen Arm. „Eine dieser Erinnerungen ist, wie ich dich gerettet habe.“Einige Sekunden lang starrte ich sie an.Ihre Antwort hätte mich zufriedenstellen müssen. Sie hätte all meine Zweifel ausräumen sollen. Doch dieses unangenehme Gefühl wollte einfach nicht verschwinden.Jahr
Vincent„Meine Damen und Herren …“Meine Stimme hallte durch den Saal und brachte die Gespräche augenblicklich zum Verstummen. Nach und nach verstummten alle, während sich Dutzende Augenpaare auf mich richteten. Nyelle stand neben mir, ihr Handgelenk noch immer in meinem Griff. Ihr Gesichtsausdruck lag irgendwo zwischen Verwirrung und Unglauben.Leon stand ein paar Schritte entfernt, den Kiefer angespannt, während Cassia mich mit wachsender Panik anstarrte. Mein Herz schlug schneller, als es sollte.Fünf Jahre lang hatte ich diese Ehe geheim gehalten. Fünf Jahre lang hatte ich zugelassen, dass Nyelle im Schatten blieb, während alle sie für meine Sekretärin hielten. Doch jetzt, wo ich neben ihr stand, Leon dabei beobachtete, wie er um sie herumschlich, sie berührte und sich aufführte, als würde sie ihm gehören, weigerte sich etwas in mir, länger zu schweigen.„Diese Frau hier …“, begann ich und verstärkte meinen Griff um Nyelles Hand.Es war so still im Saal, dass ich meinen eigenen At
NyelleEin triumphierendes Lächeln breitete sich langsam auf meinen Lippen aus, während ich beobachtete, wie Cassia verzweifelt versuchte, ihre Angst zu verbergen. Jahrelang hatte ich mit ansehen müssen, wie sie über mir stand und auf mich herabsah, als wäre ich nichts wert. Jahrelang hatte sie sich alles genommen, was sie wollte, während ich schwieg. Doch jetzt, wo sie vor mir stand und Rotwein ihr weißes Kleid befleckte, wirkte sie völlig verunsichert. Zum ersten Mal seit Langem hatte ich das Gefühl, dass sie nicht mehr die Kontrolle hatte.„Du weißt überhaupt nichts, du Lügnerin!“, fauchte sie. Ihre Stimme klang schärfer als zuvor. Obwohl sie versuchte, selbstbewusst zu wirken, entging mir das leichte Zittern ihrer Hände nicht. „Glaubst du wirklich, ich würde dir diese lächerlichen Anschuldigungen abkaufen?“Ich tippte hastig eine Nachricht in mein Handy und hielt ihr den Bildschirm direkt vor die Nase.[Willst du immer noch so tun, als wäre nichts gewesen?]Ihre Augen weiteten sic
CassiaMeine Augen weiteten sich, als Vincent den Saal betrat und Nyelle auf seinen Armen trug.Für einige Sekunden konnte ich nicht einmal mehr die Musik hören. Das Lachen, die Gespräche, die Geburtstagsglückwünsche der Gäste – alles schien in den Hintergrund zu verschwinden, während ich fassungslos auf die Szene vor mir starrte.Vincent half ihr nicht einfach beim Gehen. Er trug sie. Vor allen Leuten. Vor seinen Geschäftspartnern, den Freunden der Familie, den Reportern und den übrigen Gästen.Sofort begann das Getuschel.„Wer ist das?“„Ist das nicht seine stumme Sekretärin?“„Die beiden sehen zusammen wirklich gut aus.“Meine Fingernägel bohrten sich so tief in meine Handflächen, dass ich einen stechenden Schmerz in den Fingern spürte.Zusammen gut aussehen?Ich hätte schreien können.Heute sollte es um mich gehen. Um meinen Geburtstag. Meine Feier. Meinen großen Auftritt. Doch kaum war Nyelle aufgetaucht, richtete sich die gesamte Aufmerksamkeit auf sie, als wäre sie der Star des
NyelleKönnte es Cassia sein?Der Gedanke traf mich so plötzlich, dass ich wie erstarrt stehen blieb.Der Raum war dunkel. So dunkel, dass ich kaum meine eigenen Hände erkennen konnte. Mein Kopf dröhnte noch immer von dem Zeug, mit dem sie mich betäubt hatten, und jede Bewegung verschlimmerte den Schwindel. Ich ließ mich auf die Knie sinken und tastete verzweifelt den Boden ab, bis meine Finger endlich mein Handy berührten.Erleichterung durchströmte mich, als ich es hastig entsperrte. Doch dieses Gefühl verschwand fast augenblicklich wieder.Wen sollte ich anrufen?Mein Daumen schwebte über dem Display.Vincent?Allein der Gedanke kam mir lächerlich vor.Würde es ihn überhaupt interessieren?Als ich das letzte Mal entführt worden war, hatte er sich nicht einmal die Mühe gemacht, nach mir zu suchen. Er hatte sich nicht einmal Sorgen um mich gemacht.Stattdessen drängte sich eine andere Erinnerung in meine Gedanken. Seine Stimme, die damals aus dem Lautsprecher gekommen war.„Mach mit







