LOGINEr wollte die Scheidung. Sie wollte Rache. Vincent Hale entschied sich öffentlich für die Frau, die er wirklich liebte, und verlangte von seiner stummen Ehefrau, mit der er seit fünf Jahren verheiratet war, endlich aus seinem Leben zu verschwinden. Nyelle stimmte zu. Doch nicht, bevor sie sein scheinbar perfektes Leben in einen Albtraum verwandelte. Unter einer geheimen Identität beginnt sie, den Mann zu erpressen, der ihr das Herz gebrochen hat. Sie lässt ihn glauben, ein anderer Mann habe ihm die Frau genommen, die er nie zu schätzen wusste. Je verzweifelter er nach dem geheimnisvollen Erpresser sucht, desto stärker verfällt er ausgerechnet der Ehefrau, die er einst unbedingt loswerden wollte. Plötzlich ist der Ehemann, der sie einst anflehte zu gehen, bereit, alles zu tun, um sie bei sich zu behalten. Doch als er schließlich die Wahrheit erfährt … wird Liebe ausreichen, um die Ehe zu retten, die er selbst zerstört hat?
View MoreNyelle
Der Tag, an dem ich erfuhr, dass ich sterben würde, war derselbe Tag, an dem mein Mann einer anderen Frau einen Heiratsantrag machte. Ich war mit einem Kuchen ins Haus gekommen, den ich gekauft hatte, nachdem der Arzt mir die herzzerreißende Nachricht überbracht hatte: Ich hatte Krebs. Meine Hände zitterten, während ich immer wieder versuchte, Vincent anzurufen, aber er ging nicht ran. Kein einziges Mal. Ich saß allein in diesem Krankenhausflur und lauschte dem Klingeln des Telefons, bis es verstummte, und jedes Mal, wenn es verstummte, zerbrach etwas in mir ein bisschen mehr. Aber heute war unser Hochzeitstag, also wusch ich mir das Gesicht, verscheuchte die Röte aus meinen Augen und kam trotzdem nach Hause, weil irgendein dummer Teil von mir immer noch mit ihm feiern wollte. Als ich hineintrat, sah ich Rosenblätter, die in unordentlichen Herzformen über den Boden verstreut waren, Kerzen, die auf dem Tisch flackerten, winzige goldene Lichter, die an den Wänden entlang aufgehängt waren wie Sterne, die im Zimmer gefangen waren. Für eine Sekunde, nur eine einzige Sekunde, war ich glücklich, und ich ließ mich glauben, es sei für mich. Dann sah ich ihn auf dem Boden knien. „Es sind fünf Jahre vergangen", murmelte Vincent. „Fünf Jahre, und ich hatte immer nur Augen für dich. Ich habe so lange auf diesen Moment gewartet, so lange darauf, dir zu sagen, wie viel du mir bedeutest." Er hielt einen Herzschlag lang inne. „Willst du mich noch einmal heiraten?" Meine Brust pochte so heftig, dass es wehtat. Ich hätte ja gesagt. Nach fünf Jahren, in denen ich einen Mann geliebt hatte, der mich nie so angesehen hatte, wie ich es gebraucht hätte, hätte ich ohne einen einzigen Moment des Zögerns ja gesagt, weil irgendein törichter Teil von mir immer noch glaubte, er hätte mich endlich erwählt. Doch dann gingen die Lichter an. Und ich sah Cassia, die leibliche Tochter meiner Adoptiveltern. Sie stand neben Vincent in einem figurbetonten roten Kleid, dazu passenden roten Absätzen und kräftigem rotem Lippenstift. Ihr seidiges braunes Haar fiel über ihre Schultern, während sie ihn anlächelte. „Ja, ich werde dich heiraten", sagte sie, und Aufregung glänzte in ihren Augen, während sie ihre Arme um ihn schlang, als gehöre sie genau dorthin. Da begriff ich es. Er hatte überhaupt nicht für mich gekniet. Der Kuchen glitt mir aus den Händen und schlug auf dem Boden auf, Sahne spritzte über meine Schuhe, die Schachtel rollte irgendwohin, wohin ich nicht hinsah. Ich konnte mich nicht bewegen. Cassia war dieselbe Frau, die an ihrem eigenen Hochzeitstag verschwunden war und mich vor fünf Jahren ihren Platz einnehmen ließ. Jetzt war sie zurück, und Vincent sah sie so an, wie ich fünf lange Jahre lang schweigend darum gebettelt hatte, dass er mich ansehen möge. Jemand im Raum begann zu applaudieren. „Die beiden passen so gut zusammen." Mein Magen verkrampfte sich so heftig, dass ich dachte, ich würde mich gleich hier auf den Blütenblättern übergeben. Niemand in diesem Raum wusste, dass ich seine Ehefrau war. Für sie war ich wahrscheinlich nur seine stumme Sekretärin, die still in der Ecke stand, während einer anderen Frau vor meinen Augen ein Heiratsantrag gemacht wurde. Ich biss mir auf die Unterlippe, um sie am Zittern zu hindern, aber die Erinnerungen kamen trotzdem. Ich erinnerte mich, wie ich vor fünf Jahren schweigend im Büro meines Vaters gestanden hatte, während Vincent argumentierte, er solle mich nicht heiraten müssen. „Sie ist stumm. Warum sollte ich sie heiraten?", hatte er gesagt, als wäre ich nicht einmal im Raum gewesen, als könnte ich nicht jedes Wort hören. Mein Vater hatte mich nicht einmal angesehen. „Es ist für unsere Firma", sagte er kühl. „Diese Ehe ist notwendig." Das war alles, was ich für die beiden je gewesen war. Eine Transaktion. Ein Ersatz. Die Tochter ohne Stimme und ohne Wahl. Selbst in unserer Hochzeitsnacht machte Vincent die Regeln schmerzhaft klar. „Du wirst nur dann meine Frau sein, wenn ich Sex brauche", sagte er mir, während er ohne die geringste Regung seine Krawatte lockerte. „Abgesehen davon bist du mir nichts." Dieses Versprechen hielt er fünf Jahre lang. Selbst heute Nacht, mit Kerzen und Blütenblättern und der sanftesten Stimme, die ich je von ihm gehört hatte, hatte ich mir erlaubt, das für eine Stunde zu vergessen. Ich war ihm immer noch nichts. Cassia war gerade erst wieder ins Zimmer getreten, und er hatte bereits vergessen, dass ich existierte. Vincent bemerkte mich schließlich. Seine Augenbrauen hoben sich leicht vor Überraschung, dann ging er auf mich zu, beiläufig, als würde mich das alles nicht innerlich zerreißen. „Du bist zurück", sagte er trocken. Er warf einen Blick auf den ruinierten Kuchen auf dem Boden, dann wieder zu mir, ohne die geringste Spur von Schuldgefühl. „Deine Schwester ist zurück, du kennst also die Abmachung." Seine Stimme blieb flach und gleichgültig. „Ich schicke dir bald die Scheidungspapiere. Unterschreib sie, wenn sie ankommen. Cassia und ich heiraten diese Woche." Diese Woche. Meine Finger zuckten an meinen Seiten. Atmen fühlte sich plötzlich unmöglich an. Cassia schlenderte herüber, mit einem theatralischen Schmollmund, und schlang beide Hände um seinen Arm. „Ach, kannst du immer noch nicht sprechen?", fragte sie spöttisch, während ihre Augen langsam meinen Körper musterten. „Hast du dich immer noch nicht der OP unterzogen, um deine Stimme zu reparieren?" Sie lachte leise, dann ließ sie ihre Hand über meinen Bauch streifen. „Wie auch immer, danke, dass du meinen Mann für mich warmgehalten hast. Und danke, dass du auch nicht schwanger geworden bist." Schwanger. Als ob das je möglich gewesen wäre. Jedes Mal, wenn Vincent mich berührte, fühlte es sich kalt und mechanisch an, wie eine Pflicht, die er schnell hinter sich bringen wollte. Immer wenn er kurz vor dem Höhepunkt war, zog er sich im letzten Moment zurück. „Ich kann nicht zulassen, dass du mein Kind austrägst", sagte er das jedes Mal, wie eine in Stein gemeißelte Regel. Dabei hatte ich mir Kinder mehr gewünscht als alles andere in meinem Leben. Ich hatte mir immer winzige Finger vorgestellt, die sich um meine schlingen, kleine Schritte, die durch unsere leeren Flure liefen, jemanden, der mich lieben würde, ohne mich zuerst als Last zu sehen. Er gab mir diese Chance nie. Und jetzt war ich am Sterben, mit weniger als zwei Jahren, die mir noch blieben, und ich hatte nichts vorzuweisen für all das. Etwas zerbrach in mir, genau dort auf diesem Boden. Warum sollte ich diese Welt völlig mit leeren Händen verlassen? Mein Atem war zittrig, aber ich richtete trotzdem meinen Rücken auf. Ich hob mein iPad mit zitternden Fingern, während Vincent ungeduldig zusah, und ich tippte schnell, dann drehte ich den Bildschirm zu ihm. „Ein Monat", stand da. „Lass mich für einen Monat deine Frau sein. Deine echte Frau. Danach unterschreibe ich die Scheidungspapiere."NyelleMein Herz setzte augenblicklich aus. Das Blut wich aus meinem Gesicht, als mich eine solche Panik überrollte, dass ich beinahe vergaß, wie man atmet.War ich gerade aufgeflogen? Meine Finger schlossen sich fester um das Wegwerfhandy, das sich plötzlich anfühlte wie der schwerste Gegenstand der Welt.Vincent kam jetzt auf mich zu. Seine Augen waren auf meine gerichtet, während sein Gesicht unter dem Licht auf der Dachterrasse keinerlei Regung verriet. Mein Magen zog sich schmerzhaft zusammen.Er wusste es. Er musste es wissen. Warum sonst sollte er hierherkommen? Warum sonst sollte er mich so ansehen?Mein Herz hämmerte wie wild, während tausend Gedanken gleichzeitig durch meinen Kopf rasten. Was würde jetzt passieren? Was sollte ich sagen? Was, wenn er alles herausfand? Was, wenn er längst Bescheid wusste?Ohne es zu merken, begann ich, vor ihm zurückzuweichen. Einen Schritt, dann noch einen und noch einen.Meine ganze Aufmerksamkeit galt Vincent, seinem Blick, dem Telefonat, d
Vincent„Du erinnerst dich nicht daran?“ Ich zog langsam die Augenbrauen zusammen und musterte ihr Gesicht aufmerksam.Die Frage war eigentlich ganz einfach, doch irgendetwas an ihrer Reaktion beunruhigte mich. Cassias Lächeln gefror für den Bruchteil einer Sekunde, bevor sie sich schnell wieder fing. Sie hob die Hand, berührte die Halskette auf ihrer Brust und lachte leise. In meinen Ohren klang ihr Lachen allerdings gezwungen.„Ich habe den Großteil meiner Kindheitserinnerungen verloren“, erklärte sie und schüttelte traurig den Kopf. „Nach allem, was damals passiert ist, gibt es vieles, an das ich mich nicht mehr erinnere. Nur ein paar Bruchstücke sind mir geblieben.“ Sie trat näher und schlang ihre Finger um meinen Arm. „Eine dieser Erinnerungen ist, wie ich dich gerettet habe.“Einige Sekunden lang starrte ich sie an.Ihre Antwort hätte mich zufriedenstellen müssen. Sie hätte all meine Zweifel ausräumen sollen. Doch dieses unangenehme Gefühl wollte einfach nicht verschwinden.Jahr
Vincent„Meine Damen und Herren …“Meine Stimme hallte durch den Saal und brachte die Gespräche augenblicklich zum Verstummen. Nach und nach verstummten alle, während sich Dutzende Augenpaare auf mich richteten. Nyelle stand neben mir, ihr Handgelenk noch immer in meinem Griff. Ihr Gesichtsausdruck lag irgendwo zwischen Verwirrung und Unglauben.Leon stand ein paar Schritte entfernt, den Kiefer angespannt, während Cassia mich mit wachsender Panik anstarrte. Mein Herz schlug schneller, als es sollte.Fünf Jahre lang hatte ich diese Ehe geheim gehalten. Fünf Jahre lang hatte ich zugelassen, dass Nyelle im Schatten blieb, während alle sie für meine Sekretärin hielten. Doch jetzt, wo ich neben ihr stand, Leon dabei beobachtete, wie er um sie herumschlich, sie berührte und sich aufführte, als würde sie ihm gehören, weigerte sich etwas in mir, länger zu schweigen.„Diese Frau hier …“, begann ich und verstärkte meinen Griff um Nyelles Hand.Es war so still im Saal, dass ich meinen eigenen At
NyelleEin triumphierendes Lächeln breitete sich langsam auf meinen Lippen aus, während ich beobachtete, wie Cassia verzweifelt versuchte, ihre Angst zu verbergen. Jahrelang hatte ich mit ansehen müssen, wie sie über mir stand und auf mich herabsah, als wäre ich nichts wert. Jahrelang hatte sie sich alles genommen, was sie wollte, während ich schwieg. Doch jetzt, wo sie vor mir stand und Rotwein ihr weißes Kleid befleckte, wirkte sie völlig verunsichert. Zum ersten Mal seit Langem hatte ich das Gefühl, dass sie nicht mehr die Kontrolle hatte.„Du weißt überhaupt nichts, du Lügnerin!“, fauchte sie. Ihre Stimme klang schärfer als zuvor. Obwohl sie versuchte, selbstbewusst zu wirken, entging mir das leichte Zittern ihrer Hände nicht. „Glaubst du wirklich, ich würde dir diese lächerlichen Anschuldigungen abkaufen?“Ich tippte hastig eine Nachricht in mein Handy und hielt ihr den Bildschirm direkt vor die Nase.[Willst du immer noch so tun, als wäre nichts gewesen?]Ihre Augen weiteten sic











