MasukDie Nacht vor dem Duell war endlos. Mila saß auf dem schmalen Bett im Turmzimmer, die Knie an die Brust gezogen, die Arme fest darum geschlungen. Eine einzelne Kerze flackerte auf dem Tischchen, warf zitternde Schatten an die Steinwände. Jeder Windstoß durch die schmalen Schlitze ließ die Flamme tanzen, als wollte sie sie verhöhnen. Draußen heulte der Wind um die Türme des Packhauses, trug das ferne Knurren der Wölfe mit sich, die in den Wäldern patrouillierten. Das Rudel wartete. Das Rudel roch Blut. Mila hatte versucht, nicht zu denken. Hatte versucht, die Bilder aus ihrem Kopf zu verbannen: Lins bleiches Gesicht im Saal, Viktors kaltes Lächeln, Lucas goldene Augen, die sie ansahen, als wäre sie das Einzige auf der Welt, was zählte. Aber die Gedanken kamen trotzdem. Immer wieder. Und mit ihnen kam die Hitze. Diese verdammte, brennende Hitze zwischen ihren Beinen, die seit dem Kuss in der Waffenkammer nicht mehr verschwand. Sie presste die Schenkel zusammen. Nutzlos. Ihr Körper erinnerte sich an alles. An Lucas Hände, die sie hochgehoben hatten. An seinen Mund an ihrem Hals. An das tiefe, animalische Knurren, das aus seiner Kehle gekommen war, als er „Mine“ geflüstert hatte. Ein leises Klopfen an der Tür ließ sie zusammenzucken. „Mila.“ Seine Stimme. Tief. Rau. Direkt hinter dem Holz. Sie stand auf, barfuß auf dem kalten Stein. Ihr Herz raste so schnell, dass sie Schwindel spürte. „Geh weg“, flüsterte sie. „Wenn sie dich hier finden...“ „Öffne die Tür.“ Kein Befehl. Kein Flehen. Nur diese ruhige Gewissheit, die sie immer wieder schwach machte. Ihre Finger zitterten, als sie den Riegel zurückschob. Die Tür öffnete sich einen Spalt. Luca stand da. Schwarz gekleidet, das Haar zerzaust vom Wind, ein frischer Bluterguss an der Wange von dem Kampf früher. Seine Augen glühten bereits golden, der Wolf so nah an der Oberfläche, dass sie die Reißzähne in seinem halb geöffneten Mund sehen konnte. Er trat ein, ohne zu fragen. Schob die Tür mit dem Fuß zu. Der Riegel fiel mit einem dumpfen Klicken zurück. Dann war er bei ihr. Er packte sie nicht sofort. Er stand einfach da. Nah genug, dass sie seine Hitze spürte. Nah genug, dass sein Geruch sie umhüllte. Kiefer. Sturm. Moschus. Verlangen. „Du zitterst“, sagte er leise. „Ich habe Angst.“ „Vor mir?“ „Vor morgen. Vor dem, was passiert, wenn du verlierst.“ Er hob die Hand. Strich mit den Knöcheln über ihre Wange. Die Berührung war so sanft, dass sie fast weinte. „Ich verliere nicht“, sagte er. „Nicht, wenn es um dich geht.“ Mila schloss die Augen. „Luca... wir dürfen das nicht.“ „Was dürfen wir nicht?“ Seine Stimme wurde tiefer. Gefährlicher. „Das hier?“ Er beugte sich vor. Seine Lippen streiften ihr Ohrläppchen. „Oder das?“ Seine Hand glitt in ihren Nacken. Zog sie langsam, aber unnachgiebig näher. Mila keuchte leise, als ihre Körper sich berührten. Brust an Brust. Hüfte an Hüfte. „Ich will dich spüren“, flüsterte er. „Einmal. Bevor die Sonne aufgeht. Bevor alles vorbei sein könnte.“ „Das ist Wahnsinn.“ „Dann lass uns wahnsinnig sein.“ Er küsste sie. Nicht sanft. Nicht zögernd. Er küsste sie, als würde er sie verschlingen. Seine Zunge drang in ihren Mund, fordernd, hungrig. Mila stöhnte auf. Ihre Hände krallten sich in sein Hemd. Zogen ihn näher. Sie erwiderte den Kuss mit derselben Verzweiflung, mit derselben rohen Notwendigkeit. Luca hob sie hoch, als wöge sie nichts. Ihre Beine schlangen sich automatisch um seine Hüften. Er trug sie zum Bett, ohne den Kuss zu unterbrechen. Legte sie sanft ab, folgte ihr sofort. Sein Gewicht drückte sie in die dünne Matratze. Schwer. Sicher. Besitzergreifend. Seine Hände glitten unter ihr dünnes Nachthemd. Rauhe Finger strichen über ihre Rippen, über die weiche Haut ihres Bauchs. Mila bog sich ihm entgegen. Ein leises Wimmern entkam ihr, als er die Unterseite ihrer Brüste erreichte. „So weich“, murmelte er gegen ihre Lippen. „So verdammt weich.“ Er schob das Hemd hoch. Kühle Luft traf ihre erhitzte Haut. Dann sein Mund. Heiß. Feucht. Er schloss die Lippen um eine ihrer Brustwarzen, saugte hart. Mila schrie leise auf, ihre Finger gruben sich in sein Haar. „Luca... bitte...“ „Was brauchst du?“ Er wechselte zur anderen Seite, biss sanft hinein, zog mit den Zähnen. „Sag es mir.“ „Ich weiß nicht... ich... mehr...“ Er lachte dunkel gegen ihre Haut. „Mehr.“ Seine Hand wanderte tiefer. Über ihren Bauch. Über die empfindliche Haut unter ihrem Nabel. Bis er zwischen ihren Schenkeln ankam. Mila erstarrte. Dann spreizte sie die Beine von selbst. Einladend. Verzweifelt. Luca knurrte zufrieden. Seine Finger strichen über den feuchten Stoff ihres Höschens. Kreisten langsam über der empfindlichsten Stelle. „Du bist schon so nass für mich“, flüsterte er heiser. „So bereit.“ Er schob den Stoff zur Seite. Berührte sie direkt. Haut an Haut. Mila keuchte laut auf. Ihr Rücken bog sich durch. Die Berührung war elektrisierend. Zu viel. Nicht genug. Luca bewegte die Finger langsam. Quälend langsam. Strich über ihre Schamlippen, teilte sie, fand den kleinen, geschwollenen Knopf und rieb ihn in sanften Kreisen. „Fühlt sich das gut an?“ fragte er, seine Stimme fast ein Knurren. „Ja... Gott... ja...“ Er schob einen Finger in sie hinein. Langsam. Vorsichtig. Mila wimmerte. Es war eng. Sie war noch nie... niemand hatte je... Luca erstarrte. Seine Augen weiteten sich leicht. „Du bist...“ „Jungfrau“, flüsterte sie. Scham und Verlangen mischten sich in ihrer Stimme. „Ich... ich wollte nie... nicht mit irgendwem...“ Er beugte sich vor. Küsste sie zärtlich. Fast ehrfürchtig. „Dann werde ich vorsichtig sein“, murmelte er gegen ihre Lippen. „Ich verspreche es.“ Er bewegte den Finger weiter. Langsam hinein und heraus. Krümmte ihn leicht, fand diese Stelle in ihr, die sie Sterne sehen ließ. Mila keuchte. Ihre Hüften hoben sich ihm entgegen. „Mehr“, bettelte sie. Er fügte einen zweiten Finger hinzu. Dehnte sie sanft. Pumpte sie langsam, während sein Daumen weiter über ihre Klitoris kreiste. Mila zitterte am ganzen Körper. Schweiß perlte zwischen ihren Brüsten. Ihr Atem ging stoßweise. „Luca... ich... ich komme gleich...“ „Dann komm“, knurrte er. „Komm für mich.“ Er beschleunigte die Bewegungen. Hart. Schnell. Genau richtig. Mila schrie leise auf. Ihr Körper spannte sich an. Dann explodierte sie. Wellen um Wellen von Lust rollten durch sie hindurch. Sie krallte sich an seine Schultern, biss in seine Haut, um nicht lauter zu schreien. Luca hielt sie fest. Küsste ihren Hals. Murmelte leise Worte in ihr Haar. „So schön... so verdammt schön...“ Als die Wellen abebbten, zog er die Finger langsam heraus. Mila wimmerte bei dem Verlust. Luca setzte sich auf. Zog sich das Hemd über den Kopf. Sein Oberkörper war übersät mit Narben. Alte Kämpfe. Alte Kriege. Aber er war wunderschön. Muskulös. Stark. Und hart. Sehr hart. Mila starrte auf die Beule in seiner Hose. Schluckte schwer. Er öffnete den Gürtel. Langsam. Ließ sie zusehen. Als er die Hose fallen ließ, sprang sein Glied frei. Dick. Lang. Die Spitze bereits feucht vor Erregung. Mila keuchte leise. Luca kniete sich zwischen ihre Beine. Strich mit den Händen über ihre Innenschenkel. Spreizte sie weiter. „Schau mich an“, sagte er leise. Mila hob den Blick. Seine Augen waren fast schwarz vor Verlangen. „Ich will, dass du siehst, wie sehr ich dich will.“ Er nahm sich selbst in die Hand. Strich einmal hart über die Länge. Ein Tropfen Perle quoll hervor. Dann beugte er sich vor. Positionierte sich an ihrem Eingang. „Sag mir, wenn es zu viel wird“, flüsterte er. Mila nickte. Ihre Hände umklammerten seine Oberarme. Er drang langsam ein. Nur die Spitze zuerst. Mila keuchte. Es brannte. Aber es war ein gutes Brennen. Ein willkommenes. Luca hielt inne. Wartete. Küsste ihre Stirn. Ihre Wangen. Ihre Lippen. „Atme“, murmelte er. Sie atmete aus. Entspannte sich bewusst. Er schob sich tiefer. Zentimeter für Zentimeter. Als er ganz in ihr war, erstarrten beide. Voll. So voll. Mila fühlte sich gedehnt. Ausgefüllt. Vollkommen. Luca zitterte über ihr. Schweiß tropfte von seiner Stirn auf ihre Brust. „Du fühlst dich... unglaublich an“, keuchte er. Er begann sich zu bewegen. Langsam. Tief. Jeder Stoß kontrolliert. Jeder Stoß traf genau die richtige Stelle. Mila wimmerte bei jedem Eindringen. Ihre Nägel gruben sich in seinen Rücken. Zogen rote Spuren über seine Haut. „Härter“, flüsterte sie. Luca knurrte. Seine Beherrschung bröckelte. Er stieß tiefer. Schneller. Härter. Das Bett quietschte unter ihnen. Die Kerze flackerte wild. Mila hob die Hüften ihm entgegen. Nahm ihn tiefer auf. Wollte alles von ihm. Luca beugte sich vor. Biss in die Stelle an ihrem Hals, wo das Mal hätte sein sollen. Nicht fest genug, um zu markieren. Aber fest genug, dass sie aufschrie. „Mine“, knurrte er bei jedem Stoß. „Mine. Mine. Mine.“ Mila spürte den Höhepunkt wieder nahen. Schneller diesmal. Stärker. „Luca... ich... komm gleich wieder...“ „Warte“, befahl er heiser. „Warte auf mich.“ Er richtete sich auf. Hakte ihre Beine über seine Schultern. Drang noch tiefer. Mila schrie leise. Der Winkel war perfekt. Jeder Stoß traf diesen Punkt in ihr, der sie wahnsinnig machte. Luca bewegte sich jetzt wilder. Ungezügelt. Animalisch. Seine Hand glitt zwischen sie. Fand ihre Klitoris. Rieb sie hart im Takt seiner Stöße. „Jetzt“, knurrte er. „Komm jetzt.“ Mila explodierte. Ihr ganzer Körper spannte sich an. Ihre inneren Wände zogen sich um ihn zusammen. Pulsierend. Melkend. Luca brüllte auf. Ein tiefes, urtümliches Geräusch. Dann kam er. Heiß. Tief in ihr. Welle um Welle. Er pumpte sich in sie, bis nichts mehr übrig war. Dann brach er über ihr zusammen. Schwer atmend. Schweißnass. Zitternd. Mila hielt ihn fest. Ihre Finger strichen über seinen Rücken. Beruhigend. Liebkosend. Sie lagen lange so. Verbunden. Schweigend. Luca hob schließlich den Kopf. Küsste sie sanft. „Ich markiere dich“, flüsterte er. „Morgen. Nach dem Duell. Wenn ich gewinne.“ Mila nickte. Tränen liefen über ihre Wangen. „Und wenn du nicht gewinnst?“ „Dann sterben wir zusammen.“ Sie lachte leise. Bitter. „Romantisch.“ Er lächelte schief. Das erste echte Lächeln, das sie je an ihm gesehen hatte. „Ich liebe dich“, sagte er leise. „Schon bevor ich es wusste.“ Mila schluchzte auf. „Ich dich auch.“ Er zog sich langsam aus ihr zurück. Mila wimmerte bei dem Verlust. Er legte sich neben sie. Zog sie an seine Brust. Decke über sie beide. „Schlaf“, murmelte er. „Nur ein paar Stunden. Ich bleibe hier.“ „Die Wachen...“ „Die Wachen schlafen. Und wenn nicht... dann kämpfe ich mich durch sie hindurch.“ Mila kuschelte sich an ihn. Lauschte seinem Herzschlag. „Ich will nicht, dass du stirbst“, flüsterte sie. „Ich auch nicht.“ Die Kerze erlosch endgültig. Dunkelheit umhüllte sie. Nur ihre Körper. Ihre Atemzüge. Ihre Herzen, die im selben Takt schlugen. Der Morgen kam trotzdem. Grau. Kalt. Erbarmungslos. Als die ersten Strahlen der Sonne über den Horizont krochen, wurde die Tür aufgerissen. Beta stürmten herein. Rissen Luca und Mila auseinander. „Zeit“, knurrte einer. Luca ließ sich widerstandslos Handschellen aus Silber anlegen. Die Ketten brannten auf seiner Haut. Er zuckte nicht einmal. Mila wurde ebenfalls gefesselt. Sanfter. Aber unnachgiebig. Sie wurden durch die Gänge geführt. Vorbei an stummen Rudelmitgliedern. Vorbei an Lin, die mit tränenblinden Augen zusah. Der gefrorene See lag vor ihnen. Glatt. Weiß. Tödlich. Viktor wartete bereits am Ufer. In schwarzem Fellmantel. Mit einem grausamen Lächeln. „Willkommen zum Duell“, sagte er laut. „Zwei Kämpfer. Ein Sieger. Eine Gefährtin.“ Luca wurde losgekettet. Mila ebenfalls. Sie standen sich gegenüber. Nur wenige Meter entfernt. Luca sah sie an. Lange. Intensiv. „Ich liebe dich“, formten seine Lippen lautlos. Mila nickte. Tränen gefroren auf ihren Wangen. Dann trat der erste Herausforderer vor. Ein riesiger Krieger. Narben im Gesicht. Gelbe Augen. Luca lächelte kalt. „Beginnen wir.“ Der Kampf begann. Fäuste. Zähne. Klauen. Blut spritzte auf das Eis. Mila schrie bei jedem Treffer, den Luca einsteckte. Aber er stand wieder auf. Immer wieder. Der erste Gegner fiel. Mit gebrochenem Genick. Der zweite kam. Dann der dritte. Luca blutete aus unzähligen Wunden. Sein Atem ging rasselnd. Aber seine Augen glühten noch immer. Viktor lachte. „Gib auf, Junge. Sie ist es nicht wert.“ Luca spuckte Blut aufs Eis. „Sie ist alles wert.“ Er stürzte sich auf den vierten. Der Kampf dauerte Stunden. Oder Minuten. Die Zeit verschwamm. Schließlich stand nur noch einer. Luca. Kaum bei Bewusstsein. Kaum auf den Beinen. Aber stehend. Viktor starrte seinen Sohn an. Hass. Unglaube. Respekt. „Du hast gewonnen“, sagte er schließlich. Widerwillig. Luca drehte sich zu Mila um. Schwankte. Dann ging er zu ihr. Langsam. Humpelnd. Fiel vor ihr auf die Knie. „Markiere mich“, flüsterte er. „Bitte.“ Mila kniete sich hin. Tränen liefen über ihr Gesicht. Sie beugte sich vor. Fand die Stelle an seinem Hals. Und biss zu. Hart. Tief. Blut floss in ihren Mund. Luca brüllte auf. Vor Schmerz. Vor Lust. Vor Triumph. Das Band schnappte ein. Unsichtbar. Aber real. Mila zog sich zurück. Blut an ihren Lippen. Luca lächelte. Schwach. Aber echt. „Jetzt bist du mein“, flüsterte er. „Und du mein.“ Das Rudel starrte stumm. Lin trat vor. Tränen in den Augen. „Ich... ich verstehe es jetzt“, sagte sie leise. „Ich vergebe euch.“ Viktor ballte die Fäuste. Aber er sagte nichts. Noch nicht. Der Wind heulte über den See. Und Mila wusste: Der Krieg war nicht vorbei. Er hatte gerade erst begonnen. Aber in diesem Moment zählte nur eines. Luca. Ihr Gefährte. Ihr Alpha. Ihr Alles. Sie half ihm auf. Stützte ihn. Gemeinsam gingen sie zurück zum Packhaus. Blutend. Verwundet. Aber lebend. Und zusammen.
Der Herbst brachte schließlich die Ankunft einer kleinen Delegation der Sturmrufer nach Silbermond, ihre Reise über die östlichen Gebirgsketten lang und beschwerlich gewesen, doch ihre Ankunft wurde mit der nun vertrauten Mischung aus Vorsicht und offener Gastfreundschaft empfangen, die den Bund charakterisierte. Kestrel selbst führte die Gruppe an, ihre Erscheinung sofort auffällig – groß, mit windzerzaustem silbernem Haar und Augen, die eine ungewöhnliche, fast elektrische Blau-Grau-Färbung trugen. Ihre Begleiter, drei weitere Mitglieder ihres Volkes, trugen ähnliche Zeichen ihrer einzigartigen Verbindung, kleine Blitzmuster, die über ihre Haut zu tanzen schienen, wenn sie sich bewegten. „Eure Länder sind ruhiger, als ich erwartet hatte“, bemerkte Kestrel, während sie durch Silbermonds Wälder geführt wurde, ihre Stimme trug eine Energie, die selbst in ihrer gewöhnlichen Sprache spürbar war. „Bei uns tanzt die Luft ständig mit Möglichkeit, mit der Kraft kommender Stürme.“ Luca un
Der Spätsommer brachte eine unerwartete Nachricht nach Silbermond, die die ruhige, reflektierende Atmosphäre der vergangenen Monate mit neuer Neugier durchbrach. Ein Bote, dessen Herkunft niemand sofort erkannte, erschien an den Grenzen des Territoriums, seine Kleidung von einem Stil, der selbst Nerida und Zara, mit ihrer breiten Erfahrung verschiedener Kulturen, unbekannt war. „Ich komme von jenseits der östlichen Gebirgsketten“, erklärte der Bote, nachdem er zu Silbermonds großer Halle geführt worden war, „im Namen eines Volkes, das sich selbst die Sturmrufer nennt.“ Die Nachricht, die er überbrachte, war kurz, aber faszinierend – eine formelle Anfrage nach Informationen über den Bund des Wiedererwachten Lichts, dessen Ruf, wie es schien, sich weiter verbreitet hatte, als sie sich jemals vorgestellt hatten. „Wir haben Geschichten gehört“, las Viktor die Botschaft vor, seine gelehrte Neugier sofort geweckt, „von einer Allianz, die verschiedene, einst getrennte Linien in echter Ve
Der Sommer brachte eine neue Herausforderung nach Silbermond, wenn auch eine sanftere als die dramatischen Krisen vergangener Jahre. Mit der wachsenden Lernstätte und der stetig vertiefenden Integration der sieben Linien begannen sich unvermeidliche Reibungspunkte zu zeigen – nicht aus Feindseligkeit, sondern aus den natürlichen Herausforderungen, so viele unterschiedliche Traditionen und Perspektiven zusammenzubringen. „Es gibt Spannungen zwischen einigen der älteren Jugendlichen“, berichtete Ren während einer Ratsversammlung, seine Stimme trug echte Sorge. „Nicht ernsthaft, aber genug, um Aufmerksamkeit zu verdienen. Einige aus dem Fjordrudel fühlen sich von den traditionelleren Werten ihrer Ältesten hin- und hergerissen, während sie gleichzeitig die offeneren Perspektiven schätzen, die sie hier gelernt haben.“ Isolde nickte nachdenklich. „Das ist ein natürlicher Teil des Wachstums. Wenn wir wollen, dass diese junge Generation wirklich die Werte verkörpert, für die wir stehen, mü
In den Wochen nach dem Fest der Sieben Wurzeln begann sich eine neue Initiative innerhalb des Bundes zu entwickeln – der Wunsch, das gesammelte Wissen und die Weisheit der vergangenen Jahre an die nächste Generation weiterzugeben. Isolde, gemeinsam mit Viktor und mehreren anderen erfahrenen Mitgliedern verschiedener Linien, schlug die Gründung einer Art gemeinsamer Lernstätte vor, wo Kinder aus allen sieben Gemeinschaften zusammenkommen könnten, um voneinander zu lernen. „Wir haben so viel über Verbindung, über Balance, über die tiefere Natur unserer verschiedenen Gaben gelernt“, erklärte Isolde während einer Ratsversammlung. „Es wäre eine Verschwendung, wenn diese Weisheit nicht bewusst an diejenigen weitergegeben würde, die eines Tages die Führung unserer verschiedenen Gemeinschaften übernehmen werden.“ Der Vorschlag fand breite Unterstützung, und in den folgenden Monaten wurde ein besonderer Ort in Silbermond errichtet – ein offener, einladender Raum, der als zentraler Treffpunk
Mit dem Fortschreiten des Frühlings entschied der Rat, ein besonderes Fest zu veranstalten – nicht aus Notwendigkeit oder zur Feier eines spezifischen Sieges, sondern einfach, um die tiefen Verbindungen zu ehren, die sich über die vergangenen Jahre zwischen den sieben Linien entwickelt hatten. Isolde nannte es das Fest der Sieben Wurzeln, ein Name, der die Vielfalt und gleichzeitige Einheit ihrer Gemeinschaft symbolisierte. „Es soll kein Fest der Macht sein“, erklärte sie während der Planung, „sondern ein Fest der Dankbarkeit. Für das, was jede Linie den anderen gebracht hat.“ Die Vorbereitungen erstreckten sich über Wochen, jede der sieben Linien brachte etwas Einzigartiges zu den Feierlichkeiten bei. Nerida und ihr Volk brachten Muscheln und Perlen von ihrer Insel, kunstvoll zu Schmuck verarbeitet, der nun die Hälse vieler Kinder aus verschiedenen Gemeinschaften zierte. Corvains Volk teilte ihre einzigartige Fähigkeit, sanfte Schattenmuster zu weben, die während der abendlichen F
Der Frühling kam sanft nach Silbermond, seine Ankunft weniger dramatisch als in früheren Jahren, doch nicht weniger bedeutsam. Die Schneeschmelze offenbarte allmählich die ersten zarten Triebe neuen Lebens, während sich das Rudel und seine erweiterte Familie von Verbündeten in eine Zeit ruhiger, aber bedeutungsvoller Reflexion begaben. Mila fand sich zunehmend in Momenten des stillen Nachdenkens, während sie die Veränderungen betrachtete, die ihre kleine Familie und ihre größere Gemeinschaft über die vergangenen Jahre durchlaufen hatten. Sie saß oft am Rand des Sees, dem Ort, an dem so viele bedeutsame Momente ihrer Geschichte stattgefunden hatten, und beobachtete, wie das Eis endgültig dem offenen Wasser wich. „Du denkst nach“, bemerkte Luca eines Nachmittags, während er sich zu ihr gesellte, sein Arm sich vertraut um ihre Schultern legend. „Ich denke an alles, was wir aufgebaut haben“, gab sie zu. „An die Reise, die uns hierher gebracht hat. Manchmal kann ich kaum glauben, wie w
Der erste Schnee des neuen Winters fiel in dicken, lautlosen Flocken. Er bedeckte die Wälder von Silbermond wie ein frisches Leichentuch, doch darunter pulsierte das Leben weiter. Das Packhaus stand unverändert, dunkel und massiv gegen den weißen Horizont, aber innen hatte sich alles verändert. Die
Der Vollmond hing tief und schwer über dem gefrorenen See wie eine silberne Wunde am Himmel. Sein Licht tauchte alles in ein kaltes, unerbittliches Weiß. Das Rudel stand in einem weiten Kreis am Ufer. Hunderte Augen glühten in der Dunkelheit, Wolfsaugen neben Menschenaugen, alle gerichtet auf die be
Die Rückkehr ins Packhaus fühlte sich an wie das Betreten eines fremden Ortes. Die hohen Torbögen aus dunklem Eichenholz, die immer bedrohlich gewirkt hatten, schienen jetzt zu atmen. Die Steinfliesen unter ihren Füßen waren noch kalt, doch Milas Haut brannte von innen. Lucas Arm lag schwer über ih
Der Morgen brach an wie ein Messer, das langsam durch graue Wolken schnitt. IIm Packhaus von Silbermond herrschte bereits fieberhafte Betriebsamkeit. Dienerinnen huschten mit Tabletts voller frischer Blumen und silbernem Geschirr durch die Gänge. Wachen in schwarzen Uniformen patrouillierten mit







