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Die verstoßene Omega des Lykan-Königs
Die verstoßene Omega des Lykan-Königs
Author: Cara Anderson

Kapitel 1

Author: Cara Anderson
Sophie

„Sophie! Sophie! Wo steckt dieses wolflose Gör?“ Ich hörte Daphne – die Tochter des Betas und die sogenannte zukünftige Luna, zumindest hielt sie sich selbst dafür – wie sie nach mir rief, als ich ins Rudelhaus hineineilte.

„Ich bin hier!“, keuchte ich, noch ein wenig außer Atem.

„Du bist zu spät!“, wies sie mich zurecht. In ihren Augen lag das Versprechen einer schnellen, gnadenlosen Strafe.

Daphne packte meine Handgelenke und verdrehte sie schmerzhaft, während sie mich näher heranzerrte. „Du fauler Gossenwelpe! Wie kannst du es wagen, die Güte deines Alphas auszunutzen!“ Das Brennen auf meiner Wange spürte ich, bevor ich überhaupt begriff, dass sie mir eine Ohrfeige verpasst hatte.

Tränen stiegen mir in die Augen, aber ich ließ sie nicht fallen. Ich rieb über die schmerzende Stelle und tat so, als hörte ich das Kichern der anderen Omegas nicht, die sich versammelt hatten, um die Vorstellung zu genießen. Sie würden es nicht halb so lustig finden, wenn es ihnen passieren würde. Aber natürlich würde es das nie – nicht, solange sie eine arme, wolflose Ausgestoßene wie mich hatten, an der sie sich stattdessen abreagieren konnten.

„Du steigst diese Leiter hoch und polierst den Kristallkronleuchter, bis er so hell glänzt, dass es in den Augen weh tut! Heute kommen wichtige Gäste zum Abendessen, und ich dulde nicht, dass unser Alpha in etwas anderem als einem makellosen Zuhause empfängt!“, befahl sie.

„A-aber ich… ich k-kann nicht.“ Meine Stimme zitterte, die Angst lag in jedem Ton. „Ich h-habe… Höhenangst.“

„Du kannst, und du wirst!“, zischte sie ohne jedes Mitgefühl. „Und jetzt rauf auf die Leiter, bevor ich dir einen Grund gebe, vor dem du wirklich Angst haben solltest!“

Ich stopfte das Poliermittel und ein paar Lappen in meine Schürzentaschen; das abgenutzte Gewebe spannte an den Nähten unter dem Gewicht. „Mach es einfach, Sophie. Du schaffst das“, sagte ich mir. Unzählige Menschen steigen Leitern hoch und leben noch, um davon zu erzählen. Ich begann hastig zu klettern, ohne nach unten zu schauen, bevor mir der Mut ausging.

Ich war fast oben, als mein Fuß wegrutschte. Im nächsten Moment kippte ich nach hinten, ruderte mit den Armen und kniff die Augen fest zu. Jeden Augenblick erwartete ich den dumpfen Knall, wenn mein Schädel auf dem Hartholzboden aufschlagen würde – getötet von meiner eigenen Ungeschicklichkeit.

Doch der zermalmende Schmerz, auf den ich mich einstellte, blieb aus. Stattdessen fingen mich starke Arme auf, zogen mich an eine warme Brust und hielten mich dort sicher fest. Es fühlte sich so gut an, dass ich mich am liebsten an ihn gekuschelt und nie wieder losgelassen hätte.

„Na, na, kleiner Spatz.“ Seine Stimme war tief und beruhigend, und ein Hauch von Amüsement lag darin. „Ich glaube, zum Fliegen bist du noch nicht ganz bereit.“

„Cassius“, atmete ich, als ich zu dem attraktiven Gesicht und den eindringlichen smaragdgrünen Augen des Alpha-Sohnes aufblickte. „I-ich… es tut mir so leid! Ich weiß nicht, warum ich so tollpatschig bin. Danke, dass du mich aufgefangen hast!“

Ich versuchte, mich aus seinen Armen zu winden. Er stellte mich sanft wieder auf die Füße – ließ mich aber nicht los. Meine Hände wirkten winzig in seinen. Seine großen Handflächen umhüllten meine, und seine Daumen strichen weich über meine Handgelenke. Er grinste mich an, aber nicht freundlich – eher wie der große böse Wolf, der seine glänzenden Zähne zeigte.

„Du musst dich nicht bedanken, kleiner Spatz. Ich bin nur froh, dass ich hier war. Ich bin sicher, wir finden etwas für dich, bei dem beide Füße sicher auf dem Boden bleiben.“ Er hob mir das Kinn an und strich eine Haarsträhne hinter mein Ohr.

„Ja, Alpha“, murmelte ich – und schnappte nach Luft, als sein Lächeln einen raubtierhaften Zug bekam, als wollte er mich verschlingen. Ich zog mich aus seinem Griff, ein Schauer lief mir über den Rücken.

„Braves Mädchen.“ Die Worte grollten tief aus seiner Brust. Er schenkte mir ein gefährlich verführerisches Schmunzeln, und im nächsten Moment war er schon weg.

„Wie kannst du es wagen, Cassius zur Last zu fallen!“ Daphne tauchte aus dem Nichts auf und riss mich aus meinen benommenen Gedanken. „Er hat weitaus wichtigere Dinge zu tun, als erbärmliche wolflose Omegas zu retten!“

Sie packte meinen Oberarm, ihre Nägel bohrten sich in meine Haut, und sie zerrte mich in die Küche. Kaum waren wir außer Sicht, stieß sie mich zu Boden und blieb über mir stehen, die Miene hart.

„Wenn du nicht einmal diese eine einfache Aufgabe schaffst, die ich dir gegeben habe, dann gehst du eben auf Hände und Knie und schrubbst den ganzen Boden.“ Sie beugte sich vor. „Makellos soll er sein – so sauber, dass unsere Gäste ihr Spiegelbild darin sehen können!“ Sie schenkte mir ein boshaftes Grinsen, warf ihr langes schwarzes Haar über die Schulter und ging.

Ein paar Stunden später trat ich zurück und betrachtete mein Werk, stolz auf das, was ich geschafft hatte. Der Boden war auf Hochglanz poliert, und der ganze Raum roch nach Kiefer. Ich hoffte, Cassius würde stolz auf mich sein, wenn er es sah.

Erschöpft ging ich den Flur entlang, weil ich dringend eine Pause brauchte. Daphne stand mit ein paar ihrer Freundinnen eng beisammen; sie flüsterten verschwörerisch, verstummten jedoch, als ich vorbeiging. Was hatte diese Teufelin jetzt wieder vor?

Als ich aus dem Bad kam, warteten sie bereits auf mich. Eine von ihnen packte mich an den Haaren und schleuderte mich in die Mitte ihres Kreises. Dann traten und schlugen sie mich der Reihe nach, bis ich kaum noch Luft bekam.

Ich rollte mich zusammen und versuchte, mich so gut ich konnte vor den Schlägen zu schützen. Früher hatte ich mich gewehrt, aber das hatte alles nur schlimmer gemacht. Also hatte ich gelernt, still liegen zu bleiben und es über mich ergehen zu lassen – und dabei nicht zu weinen. Als jede von ihnen einmal dran gewesen war, spuckte Daphne nach mir, ein mörderischer Blick in ihrem Gesicht.

„Halt dich von Cassius fern, du kleine Schlampe! Glaubst du, ich habe nicht gemerkt, was für eine Nummer du heute abgezogen hast? Versuch noch einmal, ihn zu verführen, und ich schlitze dir die Kehle auf, du Dreckstück!“

Sie ließen mich dort liegen – blutig und voller Blutergüsse. Ich brauchte ein paar Minuten, um wieder zu Atem zu kommen, dann zog ich mich langsam auf die Beine.

Als ich zurück in den Speisesaal kam, war der wunderschöne Boden, für den ich so hart gearbeitet hatte, völlig zerstört. Dreckige, fettige Fußabdrücke zogen sich quer durch den Raum, und es sah aus, als hätte jemand den Küchenmüll direkt in der Mitte ausgekippt.

Ich seufzte und schluckte den Drang hinunter, Daphne aufzuspüren und sie umzubringen. Am Ende würde ich nur im Gefängnis landen. Also arbeitete ich bis spät in die Nacht, reparierte den Schaden und schaffte es gerade noch, alles wieder funkeln zu lassen, kurz bevor die Gäste eintrafen. Es war nicht mehr so perfekt wie vorher, aber es musste reichen.

Hungrig ging ich in die Küche, um ein paar Essensreste einzupacken – mein Lohn für die ganze Schufterei. Dann machte ich mich auf den langen Weg zurück zu meiner kleinen Hütte draußen an der Rudelgrenze.

Ich war knochenmüde, und nach der Prügelorgie tat mir jeder Zentimeter weh.

An jedem anderen Tag hätte ich mir Zeit gelassen. Doch heute Abend biss ich die Zähne zusammen und ging schneller, trotz des Schmerzes.

Denn heute Nacht wartete jemand auf mich – jemand, der sich auf mich verließ, damit ich mich um ihn kümmerte. Und ich durfte ihn nicht enttäuschen.

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Comments (1)
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Kerstin
Ich bin gespannt, wie es weitergeht!
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