LOGINGarrettSo sehr ich auch versuchte, es beiseitezuschieben, meine Gedanken kehrten immer wieder zu dem zurück, was ich belauscht hatte. Welche Wahrheit? Was verbarg sie, das so wichtig war, dass ihre Mutter sie zum Geständnis drängte?„Beta Ashford?“ Die Stimme des Königs riss mich aus meinen Gedanken. „Ist alles in Ordnung?“„Ja, Majestät.“ Die Lüge kam automatisch. „Ich denke nur über die Patrouillenpläne nach.“Er musterte mich mit diesen viel zu wissenden Augen, und ich fragte mich, ob er wusste, dass ich mitgehört hatte. „Natürlich.“Wenige Augenblicke später kamen Iris und ihre Mutter zurück. Iris’ Augen waren gerötet, doch sie hatte sich wieder gefasst. Sie bemerkte meinen Blick und schenkte mir ein kleines Lächeln, das ihre Augen nicht erreichte.Ich lächelte zurück und tat, als wäre alles normal.Doch meine Gedanken rasten.Sie verschwieg mir etwas. Etwas, das über die Tatsache hinausging, dass ich sie vor der Mission verletzt hatte. Etwas, das sie zum Weinen brachte, w
IrisDas erste Anzeichen war so subtil, dass ich es beinahe übersah.Ich ging durch die Palastgänge und kam an zwei jungen Kriegern vorbei. Sobald sie mich sahen, brachen sie ihr Gespräch ab, wechselten einen Blick und nickten höflich, bevor sie davoneilten.Das war nichts Ungewöhnliches. Ich war die Prinzessin. Viele wussten in meiner Nähe nicht recht, wie sie sich verhalten sollten.Aber etwas an diesem Blickwechsel – schnell, verstohlen, schuldbewusst – ließ meine Haut prickeln.Ich schob den Gedanken beiseite. Ich war paranoid. Las zu viel in nichts hinein.Dann geschah es wieder.Auf dem Trainingsplatz verstummte eine Gruppe von Rudelfrauen, als ich näher kam. Sie lächelten und grüßten mich, doch ihre Mienen wirkten falsch. Darin lag etwas, das wie Mitleid vermischt mit Verurteilung aussah.„Ist alles in Ordnung?“, fragte ich.„Natürlich, Prinzessin.“ Die Älteste, eine Kriegerin namens Cora, antwortete viel zu schnell. „Wir haben nur die Patrouillenwechsel besprochen.“E
IrisWir schafften es kaum durch das Abendessen.Das Essen war einfach – etwas aus der Palastküche, nichts Besonderes. Aber ich schmeckte fast nichts. Konnte mich auf kaum etwas anderes konzentrieren als auf die Art, wie Garrett mich immer wieder ansah, und darauf, wie die Luft zwischen uns mit jeder Minute schwerer wurde.„Ihr esst nichts“, stellte er fest.„Ihr auch nicht.“„Ich bin abgelenkt.“ Seine Stimme war rau. „Ihr lenkt mich ab.“„Tue ich das?“ Ich legte die Gabel hin und hielt seinem Blick stand. „Was soll ich dagegen tun?“Die Frage hing zwischen uns. Gefährlich. Aufgeladen.Garrett stand langsam auf, kam um den Tisch und hielt mir die Hand hin.Ich nahm sie.Er zog mich auf die Füße, und dann küssten wir uns. Nicht sanft wie zuvor, nicht vorsichtig. Dieser Kuss war hungrig, verzweifelt – Wochen aufgestauter Spannung, die sich endlich Bahn brachen.Seine Hände glitten in mein Haar und neigten meinen Kopf, um mich tiefer küssen zu können. Ich packte seine Schultern
GarrettIn dem Moment, in dem meine Lippen ihre berührten, blieb die Welt stehen.Alles – der Trainingsplatz, der verblassende Sonnenuntergang, das Gewicht meiner Pflichten – fiel von mir ab. Da war nur Iris. Nur die Weichheit ihres Mundes an meinem, ihre Finger in meinem Haar und dieses tiefe Gefühl, dass es richtig war, sie zu halten.Und dieses Ziehen.Göttin, dieses Ziehen. Der ständige Schmerz in meiner Brust, der seit meinem Erwachen nach dem Angriff der Gedächtnisgeister da war, explodierte. Er flammte hell, heiß und überwältigend auf, als würde etwas Grundlegendes in mir endlich an seinen Platz rücken.Meine, brüllte Kodiak. Unsere. Unsere Gefährtin!Ich hatte schon andere geküsst. Vivienne, Frauen vor ihr. Aber das hier … das hier war anders. Elektrisierend, weltbewegend und auf erschreckende Weise unausweichlich.Genau danach hatte ich gesucht, seit ich die Augen geöffnet hatte und mir zwei Wochen meines Lebens fehlten.Als wir uns endlich lösten, zitterte ich. Iris s
IrisIch konnte nicht aufhören zu lächeln.Drei Tage waren seit der Lichtung vergangen. Seit Garrett mir Bücher gebracht und stundenlang zugehört hatte, während ich Magietheorie erklärte, ohne auch nur einmal gelangweilt zu wirken. Drei Tage voller gestohlener Augenblicke – er brachte mir Tee in die Bibliothek, ich sah ihm beim Training zu, und unsere Gespräche zogen sich bis tief in den Abend.Drei Tage, in denen ich mich noch einmal in ihn verliebte.„Du strahlst.“ Sera ließ sich auf mein Bett fallen und grinste. „Es ist widerlich. Ich liebe es.“„Ich strahle nicht.“ Trotzdem spürte ich die Hitze in meinen Wangen.„Und ob.“ Sie stützte sich auf einen Ellbogen. „Erzähl mir alles. Und ich meine wirklich alles.“Also tat ich es. Ich erzählte ihr von der Lichtung, den Büchern und davon, wie Garrett mich angesehen hatte, während ich über Schildtheorie redete, ohne auch nur einmal gelangweilt zu wirken. Davon, wie er Fragen stellte, Zusammenhänge erkannte und nicht nur die Magie ver
Iris„Nein.“ Garretts Antwort war sanft, aber bestimmt, fast so, als hätte er geahnt, wie sehr es schmerzen würde, wenn meine Hoffnung erneut zerbrach. „Aber ich habe es mir zusammengereimt. Aus dem, was Ihr gestern gesagt habt, aus den Andeutungen der anderen. Und daran, wie Ihr zusammengezuckt seid, als Vivienne genau diese Worte benutzt hat.“Er hatte es bemerkt. Natürlich hatte er es bemerkt.„Es tut mir leid“, fuhr er fort. „Für das, was ich damals gesagt habe, auch wenn ich mich nicht daran erinnere. Und dafür, dass meine frühere Grausamkeit noch immer als Waffe gegen Euch benutzt wird.“„Es ist nicht Eure Schuld –“„Doch.“ Seine Stimme klang rau. „Es ist ganz allein meine Schuld. Ich habe Euch verletzt, und jetzt benutzt sie diese Wunden, um Euch noch mehr weh zu tun.“Alaric räusperte sich. „Ich lasse euch beide reden. Iris, nimm dir den Rest des Tages frei. Garrett, sorg dafür, dass sie sicher in ihre Gemächer kommt.“Er ging, bevor einer von uns antworten konnte.Lang
SophieAls ich das Rudelhaus erreichte, hatte sich bereits eine Menschenmenge versammelt. Der Alpha stand draußen auf den steinernen Stufen, und die wuchtige Fassade seines Hauses verstärkte seine Aura der Macht nur noch. Zu seinen Füßen lagen die Leichen von drei Streunern – eine Gabe seiner loyal
Sophie„Sophie! Bitte komm raus, Kleine. Es ist wichtig!“ Ich hörte, wie mein Gast durch die Tür nach mir rief.„Lass mich in Ruhe!“, fauchte ich zurück.Ich war immer noch wütend auf ihn wegen der respektlosen Kommentare von vorhin. Auch wenn mir bei dem Wort „Kleine“ fast die Knie weich wurden.
SophieMit federndem Schritt ging ich auf das Rudelhaus zu. Heute war Anmeldeschluss für die Auswahl der Oberomega, und ich wollte meinen Namen auf die Liste setzen, bevor die Eintragung am Vormittag geschlossen wurde. Ich wusste, dass ich gewinnen konnte. Cassius würde meinen Wert erkennen – da wa
Sophie„C-, C-, Cassius. D-, d-, danke, M-, Mondgöttin!“ Meine Zähne klapperten so heftig, dass mir der Kiefer wehtat und jedes Wort zur Qual wurde. Und doch wurde mir beim Anblick von ihm warm ums Herz, trotz der klirrenden Kälte. „B-, b-, bitte… h-, hilf mir!“„Oh, kleiner Spatz. Was hast du nur







