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Kapitel 4

Penulis: Cara Anderson
Sophie

Mit federndem Schritt ging ich auf das Rudelhaus zu. Heute war Anmeldeschluss für die Auswahl der Oberomega, und ich wollte meinen Namen auf die Liste setzen, bevor die Eintragung am Vormittag geschlossen wurde. Ich wusste, dass ich gewinnen konnte. Cassius würde meinen Wert erkennen – da war ich mir sicher.

Ich eilte in die Küche, ließ meine Tasche fallen und band mir die Schürze um. Der Raum war leer, trotzdem warf ich einen Blick über die Schulter zur Tür, nur um sicherzugehen, dass niemand zusah. Kaum hatte ich meinen Namen hastig auf die Kandidatenliste gekritzelt und den Stift zurück in meine Tasche geschoben, ließ mich Daphnes schriller Schrei zusammenfahren.

„Was glaubst du, was du da tust?“, fauchte sie.

„N-nichts. Ich mache mich nur fertig für die Arbeit“, brachte ich heraus. Ich warf einen Blick zur Uhr, um die Zeit noch einmal zu prüfen. Ich war immer noch früh dran.

„Hier wirst du nicht gebraucht. Such dir hinten irgendeine Ecke, wo du nicht im Weg bist!“

Auf dem Weg nach draußen hätte ich beinahe vor Freude aus der Küche gehüpft. Ich mochte die Arbeit im Garten. Draußen war es schön und ruhig. Doch es dauerte nicht lange, bis ich begriff, dass man mich hereingelegt hatte. Ärger wartete direkt vor der Hintertür.

„Wohin willst du, du dreckige, wolflose Hure?“ Eine von Daphnes Freundinnen stieß mir mit dem Finger in die Brust, während ihr kicherndes Gefolge hinter ihr spottete. Ich versuchte, an ihr vorbeizuschlüpfen, doch sie machte denselben Schritt und versperrte mir den Weg. „Hast du wirklich geglaubt, wir lassen so einen Platzverschwender wie dich beim Wettbewerb um die Position der Oberomega mitmachen? Was für ein Witz! Als ob so ein wertloses Stück Scheiße wie du von irgendetwas die Chefin sein könnte!“

Sie stieß mir hart gegen die Schulter, sodass ich ins Stolpern geriet. Bevor ich das Gleichgewicht wiederfand, holte sie aus und schlug mir mit der Faust auf die Nase. Ich hörte ein widerliches Knacken, mein Kopf drehte sich vom Aufprall, Blut schoss mir aus den Nasenlöchern und lief mir über das Kinn.

Ich kippte nach hinten, verlor den Halt und schlug mit dem Hinterkopf auf dem Beton auf. Bevor mein Blick sich klärte, traf mich ein weiterer Tritt in den Bauch, und mir wurde die Luft aus den Lungen gepresst.

Sie traten abwechselnd immer wieder auf mich ein. Ein Fuß traf meine Rippen; im selben Moment hörte ich es krachen, und ein glühend heißer, stechender Schmerz fuhr durch mich.

Schwarze Flecken tanzten vor meinen Augen. Das Bewusstsein glitt mir weg, während ich verzweifelt versuchte, genug Luft zu bekommen. Ihre Stimmen wurden dumpf, als würde mir jemand Watte in die Ohren drücken, bis nur noch selige, stille Dunkelheit blieb.

„Fass mich nicht an!“, schrie ich, fuhr hoch und rutschte vor den kühlen Händen zurück, die mich berührten.

„Schh… ist gut, Kleine. Ich bin’s nur.“ Der tiefe Klang der Stimme meines attraktiven Fremden beruhigte mich sofort. „Bleib still, damit ich deine Wunden zu Ende säubern kann.“

Als das angstgetriebene Adrenalin nachließ, kam der Schmerz meiner Verletzungen mit voller Wucht zurück. Ich sog scharf die Luft ein, als meine gebrochene Rippe einen brennenden Stich an meiner Seite hochjagte. Gleich darauf brannte es über meiner Augenbraue, wo er etwas auf die Schnittwunde tupfte.

„Wie bin ich hierher gekommen?“ Ich sah mich um und bemerkte, dass ich auf der Pritsche lag, die er die ganze Woche über für sich beansprucht hatte.

„Ich war draußen spazieren, als ich eine Gruppe Wölfinnen sah, die deinen bewusstlosen Körper über die Rudelgrenze warfen. Keine Sorge!“ Als ich den Mund aufmachte, um ihn auszuschimpfen, hob er die Hand, um mich zum Schweigen zu bringen. „Sie haben mich nicht gesehen. Aber du hast Glück: Ich habe sie gesehen.“

Er hob mein Shirt an und legte einen bereits dunkel werdenden Bluterguss über meinem Rippenbogen frei. Dann riss er einen Streifen aus dem Laken und band ihn straff um meine Rippen. Es war höllisch, doch als der erste Schmerz nachließ, konnte ich tatsächlich etwas leichter atmen.

„Oh nein! Die Auswahl der Oberomega! Wie spät ist es?“, platzte es aus mir heraus.

„Du bist in keinem Zustand, bei irgendeinem erniedrigenden Wettbewerb mitzumachen, nur damit dieser idiotische Alpha sich unterhalten fühlt“, knurrte er. „Wenn der Welpe des Alphas so einen Show-Wettbewerb braucht, um zu entscheiden, statt zu sehen, wie hart du jeden Tag arbeitest, dann verdient er genau die nutzlose Tussi, die er am Ende abbekommt!“

„Das ist mir wichtig. Das könnte mein Leben verändern.“ Ich schmollte. „Man würde mich respektieren – nicht nur als ausgestoßene Omega.“

Sein Blick wurde weicher, Verständnis legte sich über seine Züge. „Dann beeil dich lieber.“

Ich schenkte ihm ein strahlendes Lächeln und rutschte von der Pritsche, wobei ich zusammenzuckte, als der Schmerz durch mich schoss. Ich riss mich zusammen und machte mich so schnell wie möglich wieder auf den Weg zum Rudelhaus. Natürlich war ich zu spät, doch der Ausdruck auf Daphnes Gesicht, als sie mich hereinkommen sah, war es wert.

„Sophie! Um Himmels willen, was ist mit dir passiert?“, verlangte Cassius.

Daphne verengte die Augen und versprach mir stumm eine Hölle, falls ich die Wahrheit sagte, doch in meinem Kopf hatte sie keinen Platz, solange Cassius auf eine Antwort wartete.

„Tut mir leid, dass ich zu spät bin.“ Ich hielt seinem Blick stand und ignorierte das Gemurmel um mich herum. „Ich wollte am Wettbewerb teilnehmen, aber ich… ich hatte einen Unfall.“

Er überquerte den Raum, musterte die Schrammen in meinem Gesicht und an meinen Armen, schnalzte mit der Zunge und schüttelte den Kopf.

„Es bleibt nicht genug Zeit, damit du alle Aufgaben schaffst, und es wäre unfair, dich über die zu stellen, die alles erledigt haben. Außerdem wirkst du für so eine wichtige Position… etwas zu unfallanfällig.“ Mir sank das Herz. „Aber…“

Er hob mein Kinn an, sodass ich zu ihm aufsehen musste. „Mir ist dein Talent in der Küche aufgefallen. Deine Desserts sind hervorragend. Wie würdest du gern unsere neue Chefkonditorin werden?“

„Wirklich? Danke!“ Bevor ich nachdenken konnte, stellte ich mich auf die Zehenspitzen und drückte ihm einen Kuss auf die Wange.

Irgendwo knurrte jemand, und mir brannten die Wangen vor Peinlichkeit, doch Cassius’ wolfisches Grinsen war zurück. „Gern geschehen, kleiner Spatz.“

Sobald ich konnte, machte ich mich auf den Heimweg, voller Aufregung, meinem neuen Freund die unglaubliche Neuigkeit zu erzählen. Ich riss die Tür auf, und die Worte sprudelten aus mir heraus, meine Begeisterung kochte über. Ich hatte gedacht, er würde sich für mich freuen, doch er sah mich nur mit gerunzelter Stirn an.

„Kommt dir das nicht seltsam vor? Warum sollte der Sohn des Alphas so nett zur Ausgestoßenen des Rudels sein?“

Bei dem herablassenden Ton zuckte ich zusammen, schluckte den Stich hinunter und beschloss, zum ersten Mal für mich einzustehen. „Ich habe Wert! Nur weil du und der Rest dieses Rudels ihn nicht seht, heißt das nicht, dass er ihn nicht sehen kann!“, fauchte ich.

Ein genervtes Knurren vibrierte in seiner Brust. „Ich warne dich nur, vorsichtig zu sein. Alphas sind dafür bekannt, Omegas zu benutzen und sie danach wegzuwerfen. Lass dich nicht so schmeicheln, bis du direkt in seinem Bett landest.“

Wenn meine Wangen vorher schon rot gewesen waren, standen sie jetzt in Flammen. Doch ich war genauso wütend wie gedemütigt. „Vielleicht solltest du derjenige sein, der vorsichtig ist! Ich habe dir gesagt, du sollst nicht draußen herumstreifen. Du bringst uns beide um!“

Ich wirbelte herum und stapfte davon, so empört, wie ich mich fühlte, in den einzigen Raum dieses Hauses mit einer Tür – das Bad – und knallte sie ihm vor seiner dämlichen Nase zu.

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