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Papierschnitte

Author: Gina Greatt
last update publish date: 2026-09-07 16:07:10

Regans Sicht

Sie klopfte nicht.

Sie stürmte einfach herein, als würde ihr der Laden immer noch gehören, unter dem geschockten Blick meiner Assistentin.

Ich hatte kaum Zeit, das Eindringen zu verarbeiten, bevor mein Blick auf sie fiel. Innerhalb einer Sekunde zersprang mein eisiger Ausdruck in tausend Stücke, Wärme erfüllte mein Herz, und mein Gesicht erhellte sich zu einem Lächeln.

„Engel", sagte ich, der Name entglitt mir wie aus reiner Gewohnheit. Meine Stimme war warm, einladend, vielleicht sogar hoffnungsvoll. „Was machst du…" Hatte sie von der Überraschung zu ihrem Geburtstag erfahren? Nein, unmöglich. Niemand hätte es gewagt, es ihr zu verraten.

Ich war noch dabei, alle Möglichkeiten durchzugehen, als sie eine Mappe auf meinen Schreibtisch knallte und mich damit unterbrach. „Unterschreib das." Meine Brauen zogen sich zusammen, als ich hinabblickte. Ein einzelner, fett gedruckter Titel oben auf der Seite ließ mein Herz stillstehen. Scheidungsantrag. Wie bitte?

Langsam lehnte ich mich zurück, zwang mein Gesicht zur Neutralität und stellte die eine verwirrte Frage, die ich hatte: „Ist das ein Scherz?"

Ihre Arme waren vor der Brust verschränkt, ihr Ausdruck kälter, als ich ihn je gesehen hatte.

„Sehe ich aus, als würde ich scherzen?", schoss sie zurück.

„Ruby, was zur Hölle soll das?", verlangte ich mit gesenkter Stimme zu wissen. Sie zögerte mit ihrer Antwort keine Sekunde. „Genau das, wonach es aussieht. Du musst unterschreiben." Ich starrte sie an und suchte in ihrem Gesicht nach irgendetwas, das einen Sinn ergab. „Warum?", kam meine Stimme leiser heraus, als beabsichtigt. „Was hat sich geändert?"

Ihre Fäuste ballten sich an ihren Seiten, ihre Lippen schürzten sich, ihre Pupillen weiteten sich, doch ihr Gesicht blieb starr.

„Du vergeudest meine Zeit, Regan", sagte sie und neigte den Kopf leicht zur Seite. „Unterschreib die verdammten Papiere. Oder ich sorge dafür, dass du es bereust." Etwas Dunkles flackerte in meiner Brust auf. Nicht Wut, noch nicht, sondern ein pochender Schmerz, den ich nicht benennen konnte.

„Ist das eine Drohung?", fragte ich und verengte leicht die Augen. Sie beugte sich vor, stützte ihre Handflächen auf meinem Schreibtisch ab, ihr Blick scharf genug, um zu schneiden.

„Nein. Es ist ein Versprechen", erwiderte sie und biss sich auf die Lippen, so wie sie es gewöhnlich tat, wenn sie vor Wut kochte. Für einen Moment sah ich sie einfach nur an, die Frau, der ich einst geschworen hatte, sie nie gehen zu lassen.

„Ach komm schon, dieser Blick, er widert mich an", sagte sie und verdrehte die Augen, dann fügte sie hinzu: „Unterschreib das Papier endlich." Sie zuckte nicht mit der Wimper. Wankte keine Sekunde. Mit einem langsamen Ausatmen griff ich zum Stift. Und unterschrieb.

Ich schreckte hoch, schweißgebadet, obwohl der Raum klimatisiert war. Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet mir, dass es neunzehn Minuten nach fünf war.

Ich schlug die Decke zurück und ging ins Bad, um mir das Gesicht zu waschen. Ich warf einen Blick in Rubys Zimmer und sah, dass das Licht dort noch aus war.

Ich nahm mir vor, sie wegen ihrer Verspätung zurechtzuweisen, und stieß gedankenlos die Tür auf. Dort stand Ruby, nackt und schockiert.

Als sie bemerkte, dass mein Blick über sie glitt, kreuzte sie sofort einen Arm über ihrer Brust, während die andere Hand zu ihrem Schoß wanderte.

„Was starrst du an? Mach die Augen zu", schrie sie mich an, ihr Gesicht nahm eine unmögliche Röte an.

Ich versuchte es, wirklich, aber ich ertappte mich dabei, wie ich meinen Blick gierig, hungrig über ihre nackte Gestalt gleiten ließ. Ihre Brüste waren voller, als ich sie in Erinnerung hatte, sie hatte etwas zugelegt, mit ein wenig mehr Fülle an genau den richtigen Stellen.

Wie hatte sie das nur in ihren Outfits verbergen können?

Ich fing mich schnell wieder, atmete ruhig aus und lehnte mich unbeeindruckt gegen den Türrahmen. Ich hatte schon alles gesehen. Jeden Zentimeter von ihr, jede Narbe, jede Markierung. Doch mein Blick blieb an etwas hängen, das mir zuvor nicht aufgefallen war. Schwangerschaftsstreifen an ihren Brüsten und Hüften.

Ich fragte nicht danach, sah aber auch nicht weg. Stattdessen verschränkte ich die Arme, legte den Kopf leicht schief und ließ meine Stimme zu einem leisen Sprechen absinken. „Dir ist doch klar, dass du einmal meine Frau warst, oder?"

Ihr Mund öffnete sich, schloss sich dann wieder. Dann drehte sie mir plötzlich frustriert den Rücken zu, griff nach dem nächstbesten Handtuch und wickelte es hastig um sich.

„Das war damals", murmelte sie und wich meinem Blick aus.

Ich atmete scharf aus und unterdrückte die plötzliche Frustration, die an meiner Brust nagte. Das war damals. Aber war sie nicht diejenige, die mit einem Scheidungsantrag in meinem Büro aufgetaucht war?

Ich schüttelte den Gedanken ab und trat von der Tür zurück, bevor ich ihr eine Anweisung zuwarf. „Zieh dich an. Wir haben ein Meeting."

Sie antwortete nicht, sondern stand nur da und klammerte sich weiterhin fest an das Handtuch.

Ich ließ sie damit allein.

Als wir den Konferenzraum erreichten, hatte Ruby einen Teil ihrer Fassung zurückgewonnen. Sie trug einen gutsitzenden Blazer, ihr Haar zu einem lockeren Dutt zurückgebunden, doch ich konnte die Röte an ihrem Hals noch von vorhin erkennen.

„Sie kommen zu spät", begann ich schroff. Sie warf mir einen bösen Blick zu, sagte aber nichts. Ich musste zugeben, dass mich das ziemlich ärgerte. Bevor ich noch etwas sagen konnte, ging die Tür auf, und das Meeting begann.

Ein paar Stunden später waren alle geschäftlichen Gespräche, Vertragsverhandlungen und Zukunftsprognosen abgeschlossen.

„Ich habe für Sie einen Mietwagen gebucht. Pünktlich um sieben", sagte Ruby, den Kopf über das Tablet gebeugt, das sie hielt.

Ich wollte gerade eine schnippische Bemerkung machen, als sich Rubys Absatz im Teppich verfing und sie nach vorne stolperte.

Instinktiv griff ich nach ihr und zog sie an mich, wobei sich ihre weichen Brüste gegen meine Brust drückten.

Mein Blick blieb an ihrem Dekolleté hängen, an dem schnellen Auf und Ab ihres Atems, an der Realität, wie nah sie mir gerade war. Ihre Lippen waren leicht geöffnet, sie wirkte immer noch ziemlich geschockt. Und dann traf mich der Gedanke. Ich wollte sie so sehr küssen, dass…

„Regan!", ertönte eine schrille, wutgeladene Stimme, die auf uns zueilte.

Es war Victoria, und sie wirkte ziemlich wütend.

„Warum hältst du dieses… dieses Ding hier fest?", fragte Victoria und musterte Ruby von oben bis unten mit unverhohlenem Widerwillen.

„Sie schien meine Arme ziemlich zu mögen", erwiderte ich, obwohl ich wusste, dass ich es war, der den festeren Griff um sie hatte. Sofort schlug Ruby gegen meinen Arm, der um ihre Taille lag, und befahl: „Ich fühle mich richtig angewidert. Nehmen Sie Ihre Hände von mir!"

Die Worte trafen mich, und bevor ich mich davon abhalten konnte, tat ich genau das, worum sie gebeten hatte. Ich nahm meine Arme von ihr.

Als wäre sie ein schmutziger Lappen.

Sie landete mit einem dumpfen Aufprall auf dem Boden und stieß dabei ein leises Keuchen aus. Ich sah nicht hinunter. Stattdessen wandte ich mich Victoria zu und richtete mich auf, als wäre nichts geschehen.

Ein Ausdruck der Überraschung huschte über Victorias Gesicht, aber nur für eine Sekunde, während ihr Blick zwischen mir und Ruby hin und her wanderte. Ohne Ruby weiter zu beachten, griff ich nach Victoria und zog sie in einen Kuss.

Einen langsamen, tiefen, unordentlichen und langen Kuss. Als ich mich zurückzog, erwartete ich eine Reaktion, irgendeine selbstgefällige Bemerkung oder eine besitzergreifende Anmerkung. Doch Victoria sagte kein einziges Wort. Sie starrte mich nur an, ihre Lippen leicht geöffnet, ohne jede Reaktion. Kein spielerisches Grinsen. Keine neckische Bemerkung. Nichts. „Lass uns gehen", sagte sie schließlich, zog mich mit sich fort und ließ Ruby zurück.

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