LOGINEVELYNS POVDas erste Mal, als Margaret Sterling Hart Manufacturing ohne Sicherheitsteam betrat, wäre ein Vorstandsmitglied fast über seinen Kaffee gestolpert. Ich wusste das, weil ich neben ihm stand.Er starrte sie an. Dann mich. Dann wieder sie. „Mrs. Sterling?"Margaret lächelte höflich. „Ja."Er wirkte verwirrt. „Sind Sie… für Evelyn hier?"„Ich bin hier für das Unternehmen." Das machte ihn irgendwie noch nervöser. Ich hielt mir den Mund zu, um mein Lächeln zu verbergen.Margaret bemerkte es. „Du findest das amüsant?"„Ein bisschen."„Ich fürchtete, du würdest."Sie ging an uns vorbei mit der Zuversicht von jemandem, der jahrzehntelang Räume betreten hatte und erwartet hatte, dass sie Platz machten. Aber dieses Mal ging sie nicht zu meinem Büro. Sie blieb neben einer Gruppe von Ingenieuren stehen, die einen Produktivitätsbericht überprüften. „Woran arbeitet ihr?"Der jüngste Ingenieur wäre fast mit seinem Tablet gefallen. „Wir überprüfen den neuen Effizienzvorschlag."Margaret ni
EVELYNS POVMargaret antwortete nicht auf Adrians Frage. Sie stand mitten in seinem Kinderzimmer mit zusammengepressten Lippen, als wäre die Wahrheit plötzlich zu schwer geworden, um sie zu tragen.Adrian drängte sie nicht. Das überraschte mich. Der alte Adrian hätte sofort eine Erklärung verlangt. Dieser Adrian wartete einfach.Schließlich sah Margaret zum Fenster. „Es gab einen Geburtstag."Adrian runzelte die Stirn. „Meinen Geburtstag?"Sie nickte. „Ich weiß nicht, ob du dich daran erinnerst."„Das tue ich nicht." Die Antwort kam zu schnell. Dann lachte Adrian unangenehm. „Anscheinend ist meine Kindheit nur eine lange Sammlung von Dingen, die ich vergessen habe."Ich berührte seinen Arm. „Vielleicht schützt sich dein Gehirn selbst."„Oder es schämt sich."„Das auch."Er lächelte, aber Margaret nicht. „Ich erinnere mich daran", flüsterte sie.Adrians Lächeln verblasst. Margaret ging zum alten Schreibtisch und lehnte ihre Hand dagegen. „Du warst zehn."Sie sah auf den Stuhl. „Du woll
EVELYNS POVAdrian brach das Siegel vorsichtig auf, als könnte der Umschlag explodieren. Ich beobachtete, wie seine Finger über dem gefalteten Papier zögerten, bevor er es herauszog.„Du hast das als Kind geschrieben", flüsterte ich.„Ich habe als Erwachsener schlimmere Dinge geschrieben."„Das war nicht beruhigend."„Das sollte es auch nicht sein."Er entfaltete das Papier. Die Handschrift war klein und ungleich, mit einigen Worten, die so fest in die Seite gedrückt waren, dass die Tinte fast durchgebrochen war. Adrian starrte auf die erste Zeile. Dann lachte er unangenehm. „Oh nein."Ich sah ihn an. „Was?"„Ich erinnere mich, das geschrieben zu haben." Sein Gesicht wurde angespannt. „Ich glaube, ich war mir selbst gegenüber sehr ernst."„Du warst ein Kind."„Genau. Was es schlimmer macht."Ich lächelte und lehnte mich näher. „Lies es."Er sah mich an. „Du möchtest, dass ich es tue?"„Ja."„Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist."„Adrian."„Ich wusste, dass du das sagen würde
ADRIANS POVDie Tür zu meinem Kinderzimmer hatte sich nicht verändert. Dasselbe dunkle Holz. Derselbe Messinggriff. Derselbe winzige Kratzer in der Nähe des Bodens, wo ich einst einen Spielzeugsoldaten über den Boden gezogen hatte und fast den Verstand verloren hätte, als die Farbe abplatzte.Ich stand dort länger, als ich zugeben wollte, starrte darauf, während Evelyn neben mir wartete. „Du weißt", sagte sie sanft, „die meisten Menschen öffnen einfach Türen."„Ich denke nach."„Du denkst seit drei Minuten nach."„Ich bin ein Sterling. Wir mögen unnötige Vorbereitung."Sie lächelte. „Richtig. Ich vergaß."Ich drehte endlich den Griff. Das Zimmer roch schwach nach altem Holz, poliertem Möbel und dem Lavendel, auf dem Margaret immer bestanden hatte, dass alles sich sauberer anfühlte.Nichts hatte sich bewegt. Mein Kinderbett stand gegen die Wand, perfekt gemacht, obwohl jahrelang niemand darin geschlafen hatte. Mein Schreibtisch blieb unter dem Fenster, mit einem kleinen hölzernen Organ
ADRIANS POVIch starre weiter auf die Fotografie in meiner Hand, besonders auf die drei Worte, die auf der Rückseite in der Handschrift meines Großvaters geschrieben sind. Frag Theodore, warum.Das Krankenhaus um uns herum ist aus meinem Bewusstsein verschwunden, genauso wie Lucas' Witze und sogar die offene Schatulle auf dem Tisch, weil ich plötzlich eine Version von mir selbst betrachte, die ich nicht kenne.„Adrian?" Evelyns Stimme zieht mich zurück. Ich sehe sie an. „Mir geht es gut."Sie studiert mich einen Moment. „Du sagst das immer, wenn es dir absolut nicht gut geht."„Das habe ich von dir gelernt."Sie wirft mir einen kleinen Blick zu. „Das war keine Kompliment."„Ich weiß."Margaret nimmt die Fotografie aus meiner Hand und betrachtet sie erneut. „Ich erinnere mich an diesen Tag."Ich drehe mich sofort zu ihr. „Wirklich?"Sie nickt. „Du warst fünfzehn."Etwas in meiner Brust zieht sich zusammen. „Warum war ich im Krankenhaus?"Margaret zögert. „Es war nichts Lebensbedrohlich
ADRIANS POVIch starre auf die Schatulle auf dem Tisch, als hätte sie mich persönlich verraten, denn anscheinend hat meine Mutter ein ganzes Stück meiner Kindheit in einer Holzschatulle versteckt und beschlossen, dass heute der perfekte Tag ist, es mitten in mein Leben zu werfen.Evelyn steht neben mir und beobachtet mein Gesicht aufmerksam. „Du musst sie nicht jetzt öffnen", sagt sie leise, und ich sehe sie an, weil sie irgendwie immer weiß, wann ich versuche, so zu tun, als würde mich etwas nicht beeinflussen.„Ich möchte." Meine Stimme kommt leiser heraus als erwartet. Mutter tritt zurück. „Sie gehört dir."Ich setze mich und ziehe die Schatulle zu mir. Der Deckel knarrt, als ich ihn hebe. Das Erste, was ich sehe, ist ein Stapel Fotografien. Darunter liegen Geburtstagskarten, Schulzertifikate, alte Bänder, kleine Umschläge und eine lächerliche Anzahl von Dingen, von denen ich nicht weiß, dass ich sie aufbewahrt habe.Ich hebe die erste Fotografie auf. Ein kleiner Junge mit wirrem H







