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Ein Unmöglicher Duft

Author: Sqindwriter
last update publish date: 2026-07-17 22:11:31

Die Stille hielt nicht lange an. Sie zerbrach. Kael machte den ersten Schritt. Er ging einen Schritt. Dann noch einen. Sein scharfer Blick blieb ununterbrochen auf Lyra gerichtet.

Darius folgte ihm, sein verschmitztes Lächeln war verschwunden, als hätte es nie existiert. Lucien war nicht weit hinter ihm. Die drei Alpha-Brüder gingen auf dieselbe Dienerin zu. Jeder Adlige im Saal bemerkte es. Das Getuschel verbreitete sich wie ein Lauffeuer.

Wer ist sie? Warum schauen sie eine Dienerin an? Hat sie sie beleidigt?

Lyra spürte jeden Blick auf sich. Ihre aufgeschnittene Handfläche brannte noch immer, doch es war nicht der Schmerz, der sie beunruhigte. Es war die Art, wie die drei Alphas sie ansahen. Als hätten sie einen Geist gesehen.

Sie senkte den Blick. „Es tut mir leid wegen der Unordnung.“ Niemand antwortete. Kael blieb ein paar Schritte entfernt stehen. Sein Wolf knurrte erneut. Der Geruch war jetzt stärker.

Frischer Regen, mondbeschienene Kiefern, Wildblumen nach einem Sturm. Uralt und unmöglich. Er biss die Zähne zusammen und sagte sich: „Reiß dich zusammen.“

Darius ging einen kleinen Bogen um sie herum und musterte Lyra aus einem anderen Blickwinkel. „Das ist seltsam“, murmelte er. Lucien runzelte die Stirn. „Sie blutet.“

Bevor jemand reagieren konnte, zog Lucien ein ordentlich gefaltetes Taschentuch aus seiner Tasche und kniete sich hin.

Lyras Augen weiteten sich. „Eure Hoheit …“ Lucien sah sie an. „Darf ich?“ Sie zögerte. Dann nickte sie leicht.

Lucien wickelte das Tuch behutsam um ihre Handfläche. „Du solltest hier Druck ausüben.“ Seine Stimme war ruhig, warm. Ganz anders als das Geflüster, das sie umgab. „Danke.“

„Du wirst den Schlossarzt brauchen, wenn die Glasscherbe tief sitzt“, sagte er. „Mir geht es gut“, erwiderte Lyra.

„Das weißt du doch gar nicht“, sagte Darius und verschränkte die Arme. „Das ist also deine erste Sorge?“ Lucien blickte auf. „Sie wurde verletzt.“

Darius lächelte schwach. „Und findest du nichts anderes … ungewöhnlich?“ Lucien antwortete nicht. Denn das tat er. Sehr ungewöhnlich.

Kael sprach schließlich. „Wie heißt du?“, hallte seine tiefe Stimme durch den stillen Saal.

Lyra schluckte. „Lyra … Lyra Ashwood, Eure Hoheit.“

„Seit wann arbeitest du hier?“, fragte Kael. „Seit ich ein Kind war.“ Kael nickte einmal. Sonst nichts, keine Erklärung, kein Vorwurf. Nur ein weiterer langer Blick, bevor er sich abwandte.

„Setzt das Bankett fort.“ Die Musiker starrten einander an. König Aldric nickte kurz.

Langsam … Die Musik setzte wieder ein. Die Gespräche wurden wieder aufgenommen. Aber nichts fühlte sich mehr normal an.

Das Geflüster wurde nur noch lauter. „Ich habe noch nie gesehen, dass der älteste Alpha für irgendjemanden innegehalten hat.“

„Hast du gesehen, wie Prinz Lucien niederkniete?“

Irgendetwas ist im Gange. „Das gefällt mir nicht.“

Lyra wünschte sich, der Boden würde sie verschlingen. Marta eilte herbei, sobald die Brüder weggegangen waren.

„Was ist passiert?“ „Ich weiß es nicht“, antwortete Lyra.

„Du weißt es nicht?“ Lyra schüttelte den Kopf. „Sie haben mich einfach … angesehen.“ Marta packte sie am Arm. „Hör gut zu.“

„Ich höre zu.“ Halte dich für den Rest des Abends bedeckt. „Das tue ich doch immer“, antwortete sie Marta fast sofort. „Nein.“ Martas Griff wurde fester. „Ich meine, verschwinde.“

Am königlichen Tisch … König Aldric nippte ruhig an seinem Wein.

Äußerlich wirkte er gefasst. Innerlich … stürmten Fragen durch seinen Kopf. Er warf einen Blick auf seine Söhne.

Kael hatte sein Essen nicht angerührt. Darius blickte immer wieder quer durch den Saal. Lucien wirkte besorgt. Königin Selene bemerkte alles und beugte sich leicht zum König hinüber. „Sie haben es auch gespürt.“

Aldric antwortete leise: „Ich weiß.“ „Was tun wir dann?“, fragte Königin Selene.

„Wir warten“, antwortete König Alaric. „Und wenn wir uns irren?“

Er blickte zu Lyra hinüber. „Ich hoffe, dass wir uns irren.“

Am anderen Ende des Saals … Darius hob seinen Kelch, trank aber nicht. Sein Blick folgte Lyra, während sie sich zwischen den Gästen bewegte. Sie sah … gewöhnlich aus, zu gewöhnlich. Keine edlen Juwelen, kein teures Kleid, keine Alpha-Aura. Nichts.

Dennoch weigerte sich sein Wolf, zur Ruhe zu kommen. Er flüsterte immer wieder dasselbe unmögliche Wort: Gefährtin. Er hätte fast gelacht. „Nein.“

Sein Wolf ignorierte ihn.

Später am Abend … Das Festmahl war endlich zu Ende. Die Gäste strömten langsam in den großen Innenhof, wo das Mondfeuerfest mit Musik und Tanz weitergehen würde. Bedienstete beeilten sich, die Tische abzuräumen. Lyra trug einen leeren Korb zum Kücheneingang. Sie war fast dort angekommen, als ihr jemand den Weg versperrte.

Darius. Er lehnte lässig an einer Steinsäule. „Willst du schon weg?“ Lyra blinzelte. „Ich arbeite.“

„So ernst“, sagte Darius und kicherte. „Das bin ich meistens“, erwiderte Lyra. „Das ist mir aufgefallen.“ Sie sah sich nervös um.

„Wenn du mich bitte entschuldigen würdest …“ Moment mal … „Ich habe eine Frage.“

Sie wartete. „Sind wir uns schon einmal begegnet?“ Lyra runzelte die Stirn. „Ich glaube nicht.“ Du würdest dich doch an mich erinnern?

Ein kleines Lächeln entglitt ihr, bevor sie es unterdrücken konnte. „Ich nehme an, das würde ich.“ Da ist es schon wieder.

„Was?“, fragte Lyra. „Dieses Lächeln“, sagte Darius lächelnd. Genug, um es nicht zu zeigen. Sie wandte sofort den Blick ab.

„Ich sollte wirklich gehen.“ Darius trat beiseite. „Ich halte dich nicht auf.“ Sie eilte an ihm vorbei. Er sah zu, wie sie im Schloss verschwand. Sein Lächeln verblasste langsam. „Wer bist du … Lyra Ashwood?“

Hoch über dem Schloss … Versteckt in den Schatten eines uralten Turms … Beobachtete eine vermummte Gestalt alles. Selbst aus dieser Entfernung … Hatte er gesehen, wie die drei Alpha-Brüder reagierten. Er hatte gesehen, wie Lucien niederkniete. Er hatte gesehen, wie Kael zögerte. Und vor allem … hatte er das Dienstmädchen gesehen. Ein langsames Lächeln breitete sich unter der Kapuze aus. „Also …“, seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Nach all den Jahren …“ Du bist endlich gefunden worden. Er wandte sich um und verschwand in der Dunkelheit. Er hinterließ nur einen einzigen Satz: „Und jetzt …“ Kann das Spiel erst richtig beginnen.

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