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Dreitausend Meilen entfernt
Dreitausend Meilen entfernt
Author: Eternity

Kapitel 1

Author: Eternity
Ms. Harper antwortete beinahe sofort.

[Hast du das mit deinen Eltern besprochen? Westbridge ist sehr weit von New Jersey entfernt, und für das Forschungs-Vollstipendium ist ein gesondertes Bewerbungsgespräch erforderlich.]

[Noch nicht. Aber ich bin achtzehn. Diese Entscheidung kann ich selbst treffen.]

»Emilia scheint von der Aussicht aufs Internat nicht gerade begeistert zu sein.«

Sofias Stimme brachte den Tisch kurz zum Schweigen. Sie saß zwischen unseren Eltern, während Mom ihr Steak zerschnitt. Ihr sorgfältig einstudierter besorgter Gesichtsausdruck hätte jeden getäuscht, der nicht mit ihr aufgewachsen war.

Natürlich wollte ich nicht ins Internat. Mom besaß ein Penthouse, das nur fünfzehn Minuten von der Schule entfernt lag. Lieber ließ sie es leer stehen, als mich dort wohnen zu lassen.

»Kannst du den Erwachsenen nicht ein einziges Mal etwas entgegenkommen?« Mom runzelte die Stirn. »Diese Übernahme wird die DeLuca Hotels in den nächsten fünf Jahren prägen. Wenn ich dich bei mir wohnen lasse und eine deiner emotionalen Krisen verpasse, wirst du mir wieder vorwerfen, dass du mir gleichgültig bist.«

Dad stellte sein Weinglas ab. »Genau das tut sie doch. Letztes Jahr habe ich einen Elternsprechtag verpasst, und danach hat sie fast eine Woche lang kaum mit mir geredet. Man könnte meinen, ich würde von ihrem Geld leben.«

Mom bedachte mich mit diesem vertrauten, enttäuschten Blick. »Deine Schwester hat gerade ihr vorletztes Schuljahr begonnen. Jetzt wird die Studienplanung wichtig. Warum sollte dein Vater nicht zuerst mit ihrem Beratungslehrer sprechen?«

»Wenn dieses Schuljahr so wichtig ist, warum ist dann keiner von euch gekommen, als ich so weit war?«

Sie zögerte. »Sofia hatte gerade an der Highschool angefangen. Wir mussten sicherstellen, dass sie sich gut einlebte.«

»Ihre Einführungsveranstaltung war nicht am selben Tag wie mein Gespräch. Ihr hattet keinen Terminkonflikt. Ihr habt es vergessen.«

Zum ersten Mal beeilte ich mich nicht, eine Entschuldigung für sie zu finden.

Dad wies jede Verantwortung sofort von sich. »In dem Jahr warst du bei deiner Mutter. Wenn dir jemand eine Entschuldigung schuldet, dann nicht ich.«

Sofia klopfte mit der Gabel gegen ihren Teller. »Komm schon, Em. Das ist das eine Abendessen im Jahr, das wir alle gemeinsam verbringen. Warum wühlst du wegen eines blöden Elterngesprächs in uralten Geschichten?«

Eines Gesprächs?

Ich erinnerte mich an zehn Jahre voller leerer Stühle.

Ich erinnerte mich an Geburtstagsformulare, die ohne Unterschrift zurückkamen, und an Schulausflüge, die ich beinahe verpasst hätte, weil jeder Elternteil die Unterlagen beim anderen vermutete. Ich weigerte mich, eine der Unterschriften zu fälschen, und saß deshalb vor dem Sekretariat, bis jemand aus der Verwaltung einen ihrer Assistenten erreichte. Selbst dann lautete die Antwort meist gleich: [Dieses Jahr sind wir nicht zuständig. Rufen Sie im anderen Haushalt an.]

Am Einzugstag trugen andere Eltern Kisten nach oben, während ich allein zwei Reisetaschen vier Stockwerke hinaufschleppte. Bei der Wissenschaftsausstellung in der achten Klasse fragte mich ein Juror, wo meine Familie war. Neben meinem preisgekrönten Projekt log ich: »Dads Flug hat Verspätung, und Mom hat Fieber.«

Dabei waren sie nur zwei Straßen weiter und sahen Sofia bei einer Reitvorführung für Kinder zu, bei der nicht einmal Platzierungen vergeben wurden.

In meinem zweiten Highschooljahr bat mich die Leiterin der Finanzhilfe in ihr Büro.

»Emilia, bitte versteh das nicht falsch. Deine Erziehungsberechtigten sind seit Jahren zu keiner Schulveranstaltung erschienen und haben auch unsere Bestätigungsmails nicht beantwortet. Lebst du bei Pflegeeltern, hast du keinen Kontakt zu ihnen oder steckt deine Familie in finanziellen Schwierigkeiten?«

Ihre Freundlichkeit machte die Demütigung nur schlimmer.

»Ich lebe nicht bei Pflegeeltern. Beide Eltern wohnen in dieser Stadt, und Geld ist kein Problem.«

Nach einer langen Pause sagte sie: »Falls du je Hilfe brauchst, meine Tür steht dir offen.«

Im vergangenen Jahr hatte ich Dad einen Monat im Voraus an meinen Elternsprechtag erinnert. Er hatte versprochen zu kommen.

An diesem Nachmittag sah ich ihn das Gebäude betreten und stand auf, um ihn zu begrüßen. Dann rief Sofia an. Er machte kehrt und lief über den Campus, weil sie Hilfe beim Wechsel eines Wahlfachs wollte.

Ich setzte mich wieder neben seinen leeren Stuhl und wartete, bis das Gespräch vorbei war.

Jetzt waren zehn Jahre des Wartens nur noch ein weiteres Beispiel dafür, wie schwierig ich angeblich war.

Ich betrachtete das Westbridge Institute auf meinem Handy, und der letzte Schmerz in meiner Brust verstummte langsam.

Manche Liebe ließ sich nicht verdienen, wie sehr man sich auch bemühte.

Wie gut, dass ich nicht länger wartete.

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