LOGINAm nächsten Morgen war der Himmel noch immer von grauen Wolken bedeckt, als eine schwarze Limousine vor dem vorübergehenden Haftzentrum hielt, das unter der Aufsicht des Gerichts stand.
Kara stieg zuerst aus. Sie trug einen elfenbeinfarbenen Hosenanzug und einen langen Mantel, der ihren Körper vor der kalten Luft schützte. Hinter ihr ging Helena Seite an Seite mit zwei Anwälten
Taras Leben kehrte allmählich zu seinem gewohnten Rhythmus zurück. Gelegentlich frühstückte Victor mit ihnen. Manchmal nahm er sich auch die Zeit, mit ihnen zu Abend zu essen, je nachdem, wie viel er zu tun hatte.Tara störte es nicht, ob er da war oder nicht. Sie verstand, dass Victor viele Angelegenheiten zu erledigen hatte, während auch sie selbst kaum noch freie Zeit hatte.Seit sie so viele Aufgaben übernommen hatte, war ihr Alltag sogar noch voller geworden. Sie verbrachte den größten Teil des Tages in Besprechungsräumen, prüfte Berichte, traf Entscheidungen und stellte sicher, dass alle Angelegenheiten des Unternehmens nach Plan verliefen. Und vor allem vergaß Tara nicht ihre Verantwortung, Liora zu beaufsichtigen und ihr die bestmögliche Aufmerksamkeit zu schenken.
Die Worte, die Tara ausgesprochen hatte, veränderten die Stimmung im Besuchsraum augenblicklich. Kara, die sich bis dahin zurückgehalten hatte, konnte ihre Wut schließlich nicht mehr verbergen. Ihr Gesicht wurde rot, ihr Atem ging schneller, und ihr Blick auf Tara war wieder von dem Hass erfüllt, der dieser Frau so vertraut war.„Du bist immer so!“, fuhr sie sie an. „Immer tust du so, als wärst du diejenige, die am meisten leidet! Glaubst du, du kannst mir nach allem, was passiert ist, mein Kind einfach wegnehmen?“Tara antwortete nicht. Sie stand nur neben Liora und ließ Kara ihre Gefühle herauslassen, ohne ihr einen Grund zu geben, den Streit weiterzuführen. Doch gerade weil Kara nicht die Reaktion bekam, die sie sich wünschte, wurde sie nur noch wütender.
Doch Liora fuhr mit leiser Stimme fort: „Aber wenn ich mir etwas wünschen darf … ich wünschte mir sehr, dass ich von einer Mutter wie Mommy Tara geboren worden wäre.“Karas Gesicht veränderte sich sofort. Sie hatte nicht erwartet, diesen Satz von ihrer eigenen Tochter zu hören.„Liora“, ihre Stimme klang schwach. „Du darfst so etwas nicht sagen.“„Warum?“ Liora fragte ganz unschuldig. „Ich sage doch nur, was ich fühle.“Kara schwieg.Liora strich über den Saum ihres Oberteils und fuhr fort: „Mommy Tara hat tatsächlich viele Regeln. Manchmal ist sie streng, wenn ich etwas tue, was ich nicht darf. Manchmal sagt sie m
„Nona Tara, wir sind da“, sagte der Fahrer der Ashbourne-Familie, der Tara und Liora dieses Mal bei ihrem Besuch in der Justizvollzugsanstalt begleitete.Sie waren gekommen, um Kara und Helena auf deren Wunsch hin zu treffen, bevor in drei Tagen die Urteilsverkündung stattfinden würde.Tara holte tief Luft und atmete langsam wieder aus. Neben ihr saß Liora ruhig, obwohl Tara sicher war, dass das kleine Mädchen nervös war. Seit dem Morgen hatte sie noch einmal gefragt – nachdem sie schon unzählige Male wissen wollte, ob sie heute wirklich Mommy Kara und ihre Großmutter treffen würde.„Bist du bereit?“, fragte Tara und durchbrach damit die Stille im Wagen.„Ja, Mom“, antwortet
Zwei Tage waren seit diesem Gespräch vergangen, doch Victors Worte tauchten noch immer einige Male in Taras Gedanken auf, ohne dass sie es bemerkte. Besonders der Satz, dass er an ihrer Seite und an der Seite ihres Kindes sein wollte, nicht weil er glaubte, ein Recht darauf zu haben, sondern weil er sie beschützen wollte.Tara wusste nicht, warum sie sich immer wieder an diesen einfachen Satz erinnerte. Vielleicht, weil Victor ihn gesagt hatte, ohne sie zu einer Antwort zu drängen. Vielleicht auch, weil Tara sich allzu sehr daran gewöhnt hatte, dass Menschen mit Forderungen zu ihr kamen und ihr anschließend das Gefühl gaben, etwas beweisen zu müssen, um es wert zu sein, dass man sie behielt.Victor war anders. Er bot sich lediglich an und ließ Tara selbst entscheiden, ob sie ihn annehmen wollte.
Victor, der eben noch gelächelt hatte, bemerkte es sofort. „Tara?“Tara antwortete nicht sofort. Der leichte Schmerz war noch immer zu spüren und ließ sie sich ein wenig vorbeugen. Für einen Moment zeichnete sich sofort Besorgnis auf Victors Gesicht ab.„Was ist passiert?“„Ich …“ Tara holte langsam Luft. „Warte.“Victor stand auf. „Hast du Schmerzen?“Tara schüttelte den Kopf, obwohl ihr Gesicht noch immer Überraschung zeigte. „Nicht besonders. Nur … gerade hat sich etwas bewegt.“Victor schwieg. „Bewegt?“T







