MasukIn seinem schwarzen Haar glitzerten noch feine Wassertropfen im Sonnenlicht.Adrian hatte sich sogar umgezogen. Statt des förmlichen Anzugs, den er bei ihrer Ankunft getragen hatte, trug er nun schlichte dunkle Freizeitkleidung.„Du …“Yuna blickte unwillkürlich aus dem Fenster. Draußen schien die Sonne an einem tiefblauen Himmel. „Hat es geregnet?“Adrian zögerte kaum merklich und strich sich beiläufig durch das noch feuchte Haar. „Nein. Eine Bedienstete hat mir Tee gebracht und ihn versehentlich über meine Kleidung geschüttet. Deshalb habe ich geduscht.“Ausgerechnet verschütteter Tee. Eine ziemlich abgedroschene Ausrede.Yuna musterte ihn misstrauisch. „War die Bedienstete zufällig auch noch hübsch?“„Darauf habe ich nicht geachtet.“„Bei dir stehen die Frauen ja wirklich Schlange“, zog Yuna ihn auf.Adrians Blick verdunkelte sich. Er strich mit dem Daumen über die Innenfläche seiner anderen Hand und sagte mit tiefer, ernster Stimme: „Ich habe nur Augen für dich. Andere Frauen könne
Claudia schlüpfte in einen seidenen Bademantel und ging mit eleganten Schritten zum Thermalbecken.Als sie Adrian draußen im Thermalbecken erblickte, blieb sie abrupt stehen, völlig fassungslos.„Was … was trägst du da?“Adrian saß in einem schwarzen Neoprenanzug im Becken. Vom Hals bis zu den Füßen war kein Stück Haut zu sehen.Völlig ungerührt sagte er: „Badebekleidung.“Claudias Gesicht verzerrte sich vor Wut. „Adrian! Das hier ist ein Thermalbad und kein Tauchgang. Warum trägst du so etwas?“Adrian öffnete nicht einmal die Augen. „Ich bin gegen schwefelhaltiges Wasser allergisch.“Claudia verstummte.Am liebsten hätte sie ihn angeschrien. Seine Ausrede war offenkundig erfunden, aber sie konnte ihm das Gegenteil nicht beweisen.Adrian trieb sie trotzdem zur Eile. „Komm endlich ins Wasser. Je eher wir das hier hinter uns bringen, desto schneller kann ich meine Frau abholen.“Für ihn war das Bad mit Claudia nichts weiter als ein Programmpunkt, den er möglichst schnell abhaken wollte.
Claudias prüfender Blick war Yuna unangenehm, doch Yuna war zu gut erzogen, um sich das anmerken zu lassen.Sie neigte leicht den Kopf und lächelte. „Guten Tag. Ich bin Yuna Sommer.“Claudia wandte den Blick ab. Selbst diese kurze Höflichkeit schien ihr bereits zu viel Mühe zu bereiten.Ohne ein weiteres Wort an Yuna drehte sie sich um und wies einen Mann im weißen Kittel an: „Dr. Miller, bringen Sie Frau Sommer ins medizinische Zentrum. Führen Sie eine vollständige Untersuchung und eine erste Einschätzung durch. Bereiten Sie die Behandlung wie vereinbart vor.“Dr. Miller verbeugte sich respektvoll. „Selbstverständlich, Eure Hoheit.“Erst jetzt sah Claudia wieder Adrian an. Sofort nahm ihr Gesicht einen ganz anderen Ausdruck an: Ihr Lächeln verriet Vertrautheit und einen unterschwelligen Besitzanspruch.„Ich habe alles so angeordnet, wie du es wolltest, Adrian. Bist du zufrieden?“Adrian erwiderte nur ein kühles „Danke“, nahm Yuna auf die Arme und folgte Dr. Miller zum medizinischen Ze
Mia sog scharf die Luft ein. Ihre Augen wurden groß, und ihre Stimme überschlug sich beinahe. „Bist du wahnsinnig? Du willst mit ihr zusammen sein? Was wird dann aus dir und Yuna? Wenn sie erfährt, dass du dich wegen ihrer Hände auf einen solchen Handel mit einer anderen Frau eingelassen hast …“Aufgebracht packte Mia ihn am Arm. „Dann ist deine Frau weg, noch bevor du ihr Herz gewonnen hast! Adrian, wie kannst du nur so unvernünftig sein?“Adrian löste ihre Hand von seinem Arm. Sein Blick blieb ruhig und entschlossen. „Dann darf sie es nicht erfahren.“„Aber …“ Mia war außer sich vor Sorge. „So etwas bleibt nie lange geheim. Du weißt genau, wie Claudia ist. Sie hat sich diese Gelegenheit mit allen Mitteln verschafft. Glaubst du ernsthaft, dass sie sich jetzt zurückhält? Das ist eine Zeitbombe!“Adrians Blick glitt zur Tür. Draußen wartete Yuna und betrachtete ihre bandagierten Hände. In ihren Augen leuchtete zum ersten Mal seit Langem wieder Hoffnung.Er lächelte kaum merklich, doch s
Yuna begegnete seinem überraschten Blick offen und erklärte ihm ganz sachlich, wie sie sich ihre gemeinsame Zukunft vorstellte. Ihre Stimme war ruhig, fast schon ergeben.„Schließlich werde ich künftig ganz für dich und den Haushalt da sein. Natürlich will ich mich dann um alles kümmern – nicht nur um deine Massagen, sondern auch ums Kochen, um die Wäsche und um alles andere, was im Haushalt anfällt. Ich werde jedenfalls mein Bestes geben.“Je selbstverständlicher Yuna diese Zukunft bereits plante, desto tiefer grub sich die Falte zwischen Adrians Brauen. Etwas zog sich schmerzhaft in seiner Brust zusammen.Er presste zwei Finger an die pochende Schläfe. „Wer sagt denn, dass ich dich als Hausfrau will?“ Frust und Unruhe schwangen in seiner Stimme mit.Yuna blinzelte verwirrt. Unsicherheit trat in ihren Blick, und sie lenkte sofort ein. „Gefällt dir das nicht? Dann mische ich mich eben nicht in dein Leben ein. Ich …“„Yuna.“Adrian unterbrach sie mit ungewohntem Ernst.Er sah ihr fest i
Mit erschreckender Klarheit wurde Yuna bewusst, dass sie gerade ihr eigenständiges Leben als KI-Entwicklerin auslöschte und durch ein Leben ersetzte, das sich nur noch um Adrian drehte.Sie weinte nicht. In ihrer Brust klaffte nur ein großes Loch, durch das eisige Kälte zog.Yuna legte das Handy beiseite und ließ sich langsam ins Bett zurücksinken. Mit offenen Augen starrte sie an die Decke. Jede Lebendigkeit war aus ihr gewichen; nur ihr Körper atmete mechanisch weiter.…Nachts um halb zwei lag das Haus vollkommen still. Im Wohnzimmer brannte nur eine Stehlampe. Mia hatte sich auf dem Sofa zusammengerollt und war ganz in ihr Handyspiel vertieft.Von der Haustür kam ein leises Geräusch.Mia blickte alarmiert auf. Als Adrian erschöpft und von der Reise gezeichnet eintrat, rief sie überrascht: „Adrian? Du wolltest doch erst morgen zurückkommen. Warum bist du schon hier?“Adrian antwortete nicht. Sein ernster Blick glitt an Mia vorbei zur geschlossenen Schlafzimmertür am Ende des Flurs.
„Henrik, das Kind in ihrem Bauch – ist es deins?“Yuna war kreidebleich. Sie traute ihren eigenen Ohren nicht.Vor sieben Monaten war Henriks älterer Bruder Erwin Wolfhardt bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Aus Mitleid mit Chiara Jensen, der jungen Witwe, die zudem schwanger war, hatte Yuna s
Chiara starrte sie an. Selbst ihre gespielt verletzte Miene erstarrte mitten in der Bewegung. Die brennende Wange ließ sie für einen Moment alles vergessen.Wie konnte Yuna es wagen, wirklich zuzuschlagen?Henrik war einen Moment lang sprachlos. Dann brach seine Wut hervor.„Yuna, hast du den Versta
„Frau Wolfhardt, die Angelegenheit ist diesmal außerordentlich heikel! Ich fürchte, vor einem halben Monat kommt er nicht zurück.“Yuna verstummte einen Moment.Ein persönliches Gespräch fiel damit aus.Eine Nachricht im Chat war zwar nicht ganz so höflich – aber ihr blieb nichts anderes übrig.Yuna
„Yuna!“Henriks Gesicht verfinsterte sich. Er stürmte ihr nach.Kaum hatte Yuna das Privatzimmer verlassen, rief sie Viktor an. „Herr Moll, etwas ist dazwischengekommen, das Mittagessen fällt aus. Ich fahre direkt zur Besichtigung. Schicken Sie mir die Nummer der zuständigen Person durch.“„Frau Wol







