MasukEs ist eine Information. Eine Warnung. Ein Versprechen. Die ganze Wahrheit unserer Situation in drei Sätzen. — Gute Nacht, Sofia. Er geht hinaus. Die Tür bleibt angelehnt. Eine Einladung? Eine Falle? Ein Test meiner Loyalität oder meiner Resignation? Ich bleibe reglos, den Körper noch vibrierend von der Auseinandersetzung, das Herz rast mir. Keiner von uns hat nachgegeben. Wir haben nur das Ausmaß der Schäden festgestellt, die Tiefe des Grabens vermessen. Die Sackgasse ist total. Und sie hat nun ein Gesicht: das meiner Eltern, die einen Brief von meiner Hand lesen, den ich nie geschrieben habe, die naiv über mein Glück lächeln. Und in dieser Sackgasse spüre ich eine neue Form von Angst aufsteigen. Nicht mehr die Angst vor seiner Gewalt, sondern die Angst vor dieser Wahrheit, die er fallen ließ, und vor dem Netz der Lügen, das sich zusammenzieht und selbst meine Vergangenhe
Er durchquert den Raum mit schnellen Schritten, stellt sich vor mich. Ich weiche nicht zurück. Ich sehe ihm direkt in die Augen, eine stumme Herausforderung. — Spiel nicht damit, Sofia. Verkleinere nicht, was zwischen uns ist. — Zwischen uns? Da ist ein Trümmerfeld und ein Ozean von Blut. Das ist alles. — Das ist der Preis! donnert er plötzlich, seine Stimme peitscht wie eine Gerte durch die Stille des Zimmers. Der Preis für deine Sicherheit, für dein Leben! Glaubst du, Reinheit, Unschuld gibt es in dieser Welt? Du hast sie gesehen, deine Reinheit, am Werk! Sie hätten dich vergewaltigt, gefoltert, in einen Graben geworfen, um eine Botschaft zu senden! Ich habe dich zurückgebracht. Lebendig. Unversehrt. Und alles, was du zustande bringst, ist, über Moral zu jammern und mir von deinen Eltern zu erzählen? — Ich jammere nicht! Ich verweigere mich! Ich weigere mich, das Museumsstück in der Vitrine deines Wah
Sein Ausdruck erstarrt. Ein schrecklicher Schatten zieht durch seine Augen. Ein Versprechen eines Sturms. — Du wirst nicht gehen. Weil du keinen Ort hast, an den du gehen könntest, wo ich dich nicht finden würde. Weil da draußen die Wölfe real sind, und sie sind weit grausamer als ich. Wenigstens ich liebe dich. Das Wort „liebe" klingt falsch. Verzerrt. Er spricht nicht von Liebe. Er spricht von Besitz. Von Wahnsinn. — Bleib heute hier. Ruh dich aus, sagt er und weicht zur Tür zurück. Morgen… werden wir reden. Über unsere Zukunft. Darüber, wie es weitergeht. — Es gibt keine Zukunft, Léonardo, murmele ich. Es gibt nur die Asche dessen, was du verbrannt hast. Und wir stehen mittendrin. Er hält inne, die Hand auf der Türklinke. Sein Rücken ist steif. — Dann werden wir auf der Asche bauen. Wir haben keine Wahl. Er geht hinaus. Die Tür schließt sich. Ich höre kein Riegelgeräusch. Er braucht es nicht. Die Riegel sind woanders. In der Angst, die er in mir gepflanzt hat. In de
Er hockt sich vor mich, auf Augenhöhe. Er versucht, meinen Blick zu fangen, aber ich fixiere einen Punkt hinter seiner Schulter, auf dem abstrakten Muster des Teppichs. — Sofia, sieh mich an. Ich tue es, langsam. Seine Augen sind wieder vertraut, fast. Der mörderische Wahnsinn hat sich zurückgezogen und einer besorgten Intensität Platz gemacht, einer Verletzlichkeit, die ich noch nie bei ihm gesehen habe. Das ist vielleicht das Erschreckendste. Die Leichtigkeit, mit der er von einem Zustand in den anderen wechselt. — Ich bitte dich um Verzeihung, sagt er, die Worte fallen schwer in die Stille des Raumes. Für gestern Abend. Für… alles. Dass ich dich nicht beschützt habe. Für die Welt, in die ich dich hineingezogen habe. Es ist keine Verzeihung für die Männer, die er getötet hat. Für die Villa, die er in Asche gelegt hat. Es ist eine Verzeihung für meine Entführung. Als wäre das eigentliche Verbrechen, dass man mich ihm gestohlen hat, nicht das, was er getan hat, um mich zurüc
In der großen Halle erwartet uns Marco. Vittorio und Matteo knien vor ihm, die Hände auf dem Rücken gefesselt, die Gesichter zerschunden. Der Alte hebt die Augen zu mir. In seinem Blick ist keine Herausforderung mehr. Nur eine unendliche Müdigkeit und ein so alter Hass, dass er verbraucht ist. — D'Amaro, murmelt er. Dieser Krieg… Sie haben ihn auf eine Ebene gehoben, deren Konsequenzen Sie nicht ermessen. — Die einzige Konsequenz, alter Mann, ist, dass deine Familie heute verschwindet. Du. Dein Sohn. Dein Name. Alles. Ich gebe Marco ein Zeichen. Eine einfache Bewegung der Augen. Er neigt den Kopf. Er weiß. Er hat immer gewusst, was passieren würde. Ich nehme Sofia am Arm, sanft aber fest, und ziehe sie zum Ausgang, in die kalte Morgenluft, die nach Rauch und Tod riecht. Als wir die Schwelle erreichen, stößt Vittorio mit einer Stimme hervor, die kaum noch trägt: — Sie hat Sie gesehen. Sie weiß, was Sie sind. Sie haben sie verloren, D'Amaro. Selbst wenn Sie sie halten, hab
Wir tauchen in den Wald ein und erklimmen den felsigen Hang hinter dem Anwesen. Steine rollen unter unseren Stiefeln, der Atem wird kurz, aber der Vormarsch ist unaufhaltsam. Wir sind Geister, Schatten, getragen von Zorn. Die Umfassungsmauer ist da, vier Meter hoch, mit Glasscherben gespickt und von Stacheldraht gekrönt. Marco gibt ein Zeichen. Zwei Männer, Sprengstoffexperten, kleben kleine Plastiksprengstoffpakete in regelmäßigen Abständen. Wir pressen uns an den Fels und schützen unsere Gesichter. Die Detonation ist dumpf, vom Stein erstickt, aber die Druckwelle erschüttert uns. Ein ganzer Abschnitt der Mauer stürzt in einer Wolke aus Staub und Geröll ein. Wir durchqueren die Bresche. Der Park ist ein französischer Garten, der zum Albtraum geworden ist. Riesige Topiarien, ausgetrocknete Fontänen, Kieswege. Perfekte Verstecke. Wir haben keine zwanzig Schritte gemacht, als ein Scharfschützenschuss pfeift un
SashaIch habe nicht einmal Zeit, meinen Satz zu beenden, da springt Volkov auf, sein Whiskyglas knallt auf dem Couchtisch wie ein Schuss in der bedrückenden Stille des Raumes. Seine Augen werden zu zwei glühenden Kohlen, brennend vor Zorn und zugleich Verlangen, sein Kiefer so angespannt, dass ich
SashaIch mache einen Schritt auf ihn zu. Dann noch einen. Meine Hüften wiegen sich bei jeder Bewegung, meine Brüste springen leicht, meine Nippel streifen durch die Luft, als suchten sie seine Berührung. Als ich nur noch einen Meter von ihm entfernt bin, bleibe ich stehen. Nah genug, dass er die W
SashaDas goldene Licht der Wandleuchten streichelt die dunklen Wände der Suite, wirft lange, geschwungene Schatten, die auf dem schwarzen Samt des Sofas tanzen. Die Luft ist schwer, geladen mit einem betörenden Duft – einer Mischung aus neuem Leder, gealtertem Whiskey und diesem moschusartigen, fa
SashaDer Schweiß klebt auf meiner Haut, zeichnet salzige Spuren zwischen meine Schulterblätter, während ich mich in den Schatten des Clubs verziehe. Die Bässe vibrieren unter meinen nackten Füßen, steigen wie eine elektrische Liebkosung meine Beine hinauf. Ich habe nichts weiter an als dieses zerr







