LOGINKapitel 2
Der Schlag mit der offenen Hand brannte noch immer auf Veritys Gesicht, als die Stimme der Stiefmutter durch die prunkvolle Eingangshalle schnitt wie eine Klinge.
„Du dreckiges kleines Bastardkind. Wie kannst du es wagen, in mein Haus zu kriechen und wie eine benutzte Hure auszusehen.“Die Bediensteten erstarrten mitten in der Bewegung. Zwei von Garricks Geschäftspartnern – Männer in maßgeschneiderten Anzügen, die im Salon gewartet hatten – standen im bogengeschmückten Türrahmen, die Augen weit aufgerissen. Der kupferne Geschmack von Blut füllte Veritys Mund. Wein und getrocknetes Blut befleckten noch immer ihre Bluse. Ihr Hals war von fingerförmigen blauen Flecken umringt. Ihr ganzer Körper fühlte sich roh und entblößt an von dem, was geschehen war.
Tessa kam in einer Wolke aus Parfüm die Treppe herunter, das Handy bereits in der Hand, ein entzücktes kleines Lächeln auf den Lippen.
„Oh mein Gott… sie ist wirklich so hierhergekommen?“ Sie lachte, laut genug, dass die Bediensteten und die Geschäftspartner es hören konnten. „Papa wird das lieben.“Veritys Wange brannte. Ihr Zorn ebenso. Zehn Jahre lang war sie wegen der Krankheit ihrer Mutter ein Fußabtreter für die Solanos gewesen. Nicht mehr.
Sie trat vor und erwiderte die Ohrfeige.
Ihre war härter. Tessa taumelte und fiel auf den Marmorboden, die Augen glasig vor Tränen.
„Wie kannst du es wagen, mich zu schlagen?!“„Du hast mich zuerst geschlagen“, sagte Verity, die Stimme ruhig, obwohl ihr ganzer Körper noch von der Vergewaltigung Stunden zuvor pochte. „Ich habe es nur besser zurückgegeben.“
„Was geht hier vor?“ Er war bereits an Tessas Seite und half ihr vom Boden auf.
Mit einem mitleiderregenden Ausdruck weinte Tessa in den Armen ihres Vaters. „Papa, sie hat mich geschlagen, weil ich ihr gesagt habe, dass sie wie eine Dienstmagd aussieht und sich etwas Besseres anziehen sollte.“
Verity erblasste vor Wut, aber ihre Stimme blieb ruhig. „Das ist nicht wahr. Wie kannst du so hirnlos lügen?“
„Sagst du etwa, dass du sie nicht geschlagen hast?“ knurrte ihr Vater und ergriff bereits Partei für seine geliebte Tochter.
„Sie hat mich zuerst geschlagen“, blieb Verity standhaft und war nicht bereit, nachzugeben.
Ihr Vater, Garrick Solano, war nicht bereit, die Angelegenheit weiterzuverfolgen, da er sah, dass Veritys linke Wange ebenso gerötet war.
„Was willst du überhaupt hier?“ Ihr Vater funkelte sie an, und sie wurde plötzlich sanftmütiger, als sie an ihre Mutter dachte. „Mamas Krankheit ist ernst. Ich brauche Geld.“Tessas Nase kräuselte sich, und sie schickte heimlich eine Textnachricht an ihre Mutter. *‚Mama, die Schlampe ist hier und bittet Papa um Geld für die größere Schlampenmutter.‘*
*‚Ich bin im Schönheitssalon und kann jetzt nicht kommen. Wenn ich es mir recht überlege, sollte dein Vater sie mit den Kincaids verheiraten. Die mögen reich sein, aber keine Frau würde deren Schwägerin sein wollen.‘*
Tessa grinste, als sie die Nachricht las, und suchte nach einem Weg, den Vorschlag ihrem Vater zu unterbreiten. Genau da kam eine weitere Nachricht von ihrer Mutter.
*‚Mach dir keine Sorgen. Ich werde es ihm selbst sagen.‘*„Verity, du hast so eine große Attitüde, aber sie ist widerlich. Ich habe eine E-Mail erhalten, dass du heute gefeuert wurdest. Jetzt bist du hier, um Geld zu verlangen.“ Enttäuschung lag in Garricks Ton, aber Verity kümmerte es nicht. Der Mann hatte sie nicht ein einziges Mal wie eine Tochter behandelt.
Dieses Mal, mit den Beweisen, die sie hatte, konnte sie nicht alles schlucken. „Willst du nicht fragen, was passiert ist?“
„Was gibt es zu fragen? Du bist einfach so stolz, weil du so viel von dir hältst.“
Verity mochte vieles sein, aber sie war nicht das, was ihr Vater gerade erwähnt hatte. Der Gedanke daran ließ sie verstehen, dass ihr Vater sich nicht nur nicht kümmerte. Er kannte sie auch nicht.
„Du bist mein Vater, und ich arbeite für dich. Schick mich zu einer anderen Firma, aber ich werde dir beweisen, dass Mr. Hallowell nicht der Engel ist, für den du ihn hältst.“
Garrick gähnte vor purer Langeweile, nicht ein einziges Mal von Veritys Worten überzeugt. „Ich werde auf diesen Beweis warten, also geh jetzt.“
„Ich brauche dringend Geld für Mamas Rechnungen.“
Verity war ungerührt und vergaß nicht den Grund, warum sie hier war. Ihre Kühnheit entsprang der Enthüllung über die Anteile ihrer Mutter an Garricks Firma.
Wie konnte er ihrer Mutter so viel schulden und ihre Notlage ignorieren? Sie würde das nicht zulassen.
Seltsamerweise war Verity trotz all des Luxus, der aus Garricks Villa strömte, so unwohl, dass sie sich nicht einmal setzen konnte. Es war nicht ihr Zuhause, und ihr Vater hatte sie nicht dazu eingeladen.
„Okay. Machen wir es so. Letholdus Kincaid erholt sich von seinem Unfall. Sein Großvater braucht eine Ehefrau für ihn, also kannst du unsere Kandidatin sein, und alle deine finanziellen Probleme sind gelöst.“
Tessa lächelte, wissend, dass ihr Vater die Nachricht von ihrer Mutter erhalten hatte.
Verity erstarrte bei dieser Forderung. Niemand wusste, wie Letholdus Kincaid aussah, da er der erste Sohn der Kincaids-Familie war. Sie waren die wohlhabendste Familie in New York City, und dennoch hielten sie sich stets von den Medien fern.
Kein Bild von ihnen kursierte in den Schlagzeilen, außer das ihres Großvaters, Constantine Kincaid. Die Ausstrahlung des alten Mannes war bereits so einschüchternd, obwohl er für sein Alter zu gutaussehend war.
Verity erinnerte sich auch, dass Tessa diejenige war, die Letholdus versprochen war, als die Nachricht von seinem Unfall noch nicht verbreitet worden war. Tessa hatte es wie ein Lied hinausposaunt, laut genug, dass jeder es hören konnte, aber jetzt, da das Unglück geschehen war, sollte Verity das Opferlamm sein.
Die Gerüchte in der Luft warnten, dass der erste Sohn der Kincaid-Familie in einen grauenvollen Unfall verwickelt war, der ihn in einen vegetativen Zustand versetzt hatte. Sie sagten weiter, dass sein Aussehen ebenfalls stark beschädigt war, also welche Frau würde ihr Leben an der Seite eines solchen Mannes verschwenden wollen?
Verity war sich dieser Gerüchte nicht unwissend. „Lass mich raten. Tessa will ihn nicht mehr, weil er nicht länger der heiße, mysteriöse CEO ist, richtig? Oder ist es, weil er gelähmt und bettlägerig ist, dass du willst, dass ich ihren Platz einnehme?“
Das Lächeln auf Tessas Gesicht erstarrte, da sie befürchtete, Verity würde das Angebot ablehnen, besonders da sie bereits mit einem gutaussehenden und reichen Mann, Dorian, zusammen war.
Wenn dem so wäre, dann hätte Tessa keine andere Wahl, als Letholdus Kincaid zu heiraten. Andernfalls würde die Partnerschaft zwischen den Solanos und den Kincaids zerbrechen.
„Klugheit ist etwas, das du von mir hast“, spottete Garrick. Verity blieb ausdruckslos.
„Nein. Ich habe sie von meiner Mutter. Du warst nie ein Teil meines Lebens, Garrick.“
Es störte ihn nicht, dass sie ihn beim Vornamen nannte, da er ebenso wenig wollte, dass jemand von ihrer Beziehung erfuhr.
Ein uneheliches Kind war nichts, worauf er stolz war, aber um der Partnerschaft willen war er bereit, einige Anpassungen vorzunehmen.
„Also, stimmst du der Heirat zu?“ Hoffnung schwang in seinen Augen mit, bald ersetzt durch Bestürzung.
„Nein. Lass jeden sein eigenes Kreuz tragen. Ich bin hier wegen der Anteile meiner Mutter.“
Die Erwähnung der Anteile ließ sowohl Garrick als auch Tessa erstarren. Garrick erholte sich bald und zwang ein Lächeln hervor.
„Ich dachte, sie hätte es vergessen.“ Er bezog sich auf ihre Mutter. Ein Lächeln erblühte auf Veritys Gesicht.
„Scheint, als wären deine Gebete unbeantwortet geblieben.“
Garrick erinnerte sich an etwas, seine Lippen wurden überraschend schmal. „Sie hat dir sicher auch von der Heiratsklausel erzählt, die sie dort eingefügt hat, oder?“
Verity wurde etwas unruhig. Ihre Mutter hatte es ihr nicht erklärt. „Was besagt sie?“
„Du kannst erst nach der Heirat Anspruch auf diese Anteile erheben.“ Er nutzte die Situation aus und engte sie ein.
„Wenn du innerhalb von drei Tagen heiraten kannst, gebe ich dir die Anteile, oder sie werden mein, und ich kann sie an deine Schwester Tessa überschreiben.“
Veritys Blick wurde stumpf. Sie hatte einen Freund, aber sie hatte nie so früh an Heirat gedacht. Ihre Beziehung war auch zu jung. An diesem Punkt war sie sprachlos.
Sie hatte immer aus Liebe heiraten wollen, aber dies würde wie eine Zweckehe sein, und das wollte sie nicht.
„Du bist still. Hast du schon aufgegeben? Es läuft letztendlich auf dasselbe hinaus. Heirate Letholdus Kincaid, und du könntest diese Anteile vielleicht nicht einmal brauchen.“
Bullshit.
Verity erinnerte sich nicht, wie sie aus der Villa gegangen war. Sie erinnerte sich nur an die Hitze des Nachmittags, die ihr ins Gesicht schlug, und daran, wie ihre Beine zitterten, als sie die Straße erreichte.
Im Krankenhaus piepten die Maschinen noch immer in diesem ungleichmäßigen, falschen Rhythmus. Die Haut ihrer Mutter hatte die Farbe nasser Asche. Verity saß auf dem harten Plastikstuhl und starrte auf das Heben und Senken von Genevieves Brust, bis die Zahlen auf dem Monitor verschwammen.
Dann nahm sie ihr Handy heraus.
Dorian antwortete beim vierten Versuch.
Sie erzählte ihm alles. Die Anteile. Die Drei-Tage-Klausel. Die Drohung. Sie hielt ihre Stimme ruhig, denn wenn sie sie brechen ließe, könnte er hören, wie nahe sie daran war, auseinanderzufallen. Es folgte ein langes Schweigen in der Leitung.
„Eine standesamtliche Ehe“, sagte sie. „Still. Wir können uns später scheiden lassen, wenn es nicht funktioniert. Ich brauche nur das Papier. Bitte.“
Noch ein Schweigen. Dann, vorsichtig: „Okay. Ja. Okay. Ich… ich werde es hinbekommen.“
Sie schloss die Augen. Erleichterung machte sie schwindelig.
Montag zog sie das weiße knielange Hochzeitskleid an, das sie last minute von Shein besorgt hatte. Der Stoff fühlte sich dünn und albern auf ihrer Haut an. Sie ging trotzdem zum Standesamt, weil ein sturer, erschöpfter Teil von ihr den leeren Platz sehen musste, an dem er hätte stehen sollen.
Die Bank draußen war hart und kalt. Verity saß mit gefalteten Händen im Schoß da und beobachtete, wie Paare hinein- und hinausgingen. Ein Mädchen in einem kurzen Spitzenkleid lachte, als ihr Verlobter die Papiere fallen ließ. Ein älteres Paar hielt Hände und sprach überhaupt nicht. Jedes Mal, wenn die Glastüren sich öffneten, hob Verity den Kopf, bevor sie es verhindern konnte. Jedes Mal, wenn er es nicht war, faltete sich etwas Kleines in ihr fester zusammen.
Sie checkte ihr Handy, obwohl sie es bereits wusste. Keine Nachrichten. Keine verpassten Anrufe. Der Akku stand bei zwölf Prozent.
Eine Stunde verging.
Sie begann, Ausreden zu erfinden, so wie Menschen Gebete erfinden. Vielleicht war sein Handy leer. Vielleicht gab es einen Notfall bei der Arbeit. Vielleicht steckte er im Verkehr fest und war zu peinlich berührt, zu sagen, dass er zu spät war. Die Ausreden wurden dünner, als die zweite Stunde begann. Sie konnte spüren, wie sie eine nach der anderen zusammenbrachen.
Bei einer Stunde und siebenundvierzig Minuten hörte sie auf, zu den Türen zu schauen.
Sie saß einfach da, starrte auf einen Riss im Pflaster und ließ die Wahrheit sich vollständig in ihre Knochen setzen. Dorian Vance würde nicht kommen. Er hatte am Telefon mit dieser vorsichtigen, distanzierten Stimme zugestimmt und war dann verschwunden, in dem Moment, als es real wurde. Drei Monate sanfter Küsse und nächtlicher Gespräche waren genau so unvollendet gewesen, wie sie sich angefühlt hatten. Sie war bereit gewesen, ihn zu heiraten, um ihre Mutter zu retten. Er war nicht einmal bereit gewesen, aufzutauchen.
Als die zweite Stunde endete, stand Verity auf. Ihre Beine fühlten sich vom Rest ihres Körpers abgetrennt an. Sie strich das weiße Kleid einmal glatt, mehr aus Gewohnheit als aus einem anderen Grund, und ging zum Bordstein.
Sie hob die Hand für ein Taxi. Sie musste ihm ins Gesicht sehen. Sie musste hören, wie er die Worte laut aussprach, damit der letzte Rest Hoffnung endlich sauber starb.
Sie trat gerade vom Bordstein, als ein schwarzer Bentley zu schnell um die Ecke kam. Bremsen kreischten. Das Auto hielt so nah an, dass die Hitze des Motors über ihre Beine wusch. Sie taumelte zurück, das Herz hämmerte gegen ihre Rippen.
Der Fahrer war bereits draußen, das Gesicht blass. „Fräulein, geht es Ihnen gut? Es tut mir sehr leid, dass ich Sie nicht gesehen habe.“
Sie fasste sich wieder und zwang ein Lächeln hervor. „Mir geht es gut. Kein Kratzer. Das Auto hat mich nicht getroffen. Außerdem war es meine Schuld. Ich hätte vorsichtiger sein sollen.“
Die Glasscheibe zum Fond des Bentleys fuhr herunter, und ein Mann sprach von hinten. Verity konnte nur sein Seitenprofil sehen, ihr Atem stockte sofort in ihrer Kehle.
Wie konnte ein Mann so gutaussehend und doch so furchteinflößend sein? Die Anziehungskraft, die aus seiner samtenen Stimme strömte und Respekt und Herrschaft hervorrief, als er sprach, ließ einen Schauer durch ihren Körper fahren, ihre Ohren wurden rot. Diese Stimme kam ihr auch bekannt vor, aber sie konnte die beiden Personen nicht miteinander verbinden.
„Sagen Sie ihr, sie soll einsteigen. Sie können sie zum Krankenhaus bringen, nachdem Sie mich abgesetzt haben.“ Er warf einen ungeduldigen Blick auf die Rolex an seinem Handgelenk.
Verity begann bald, sich selbst für solche unzüchtigen Gedanken über einen Mann zu tadeln, wo sie doch selbst einen hatte und sogar heiraten wollte.
„Nein. Nein, mir geht es gut. Bitte fahren Sie weiter. Ich wurde nicht getroffen.“
Es folgte Stille, als ob man erwartete, dass der Mann ablehnen würde, aber als er wieder sprach, klang er eher gereizt.
„Wenn Sie meinen. Rocco, verschwenden Sie nicht meine Zeit.“
Der Mann neben Verity eilte sofort zur Fahrerseite, die Glasscheibe fuhr hoch, als der Bentley davonraste.
Verity holte tief Luft, bevor sie sich ins Taxi setzte. Sie hatte noch nie in ihrem Leben einen solchen Mann getroffen und konnte irgendwie nicht aufhören, an diese Stimme zu denken, und hoffte, er wäre nicht der Mann, für den sie ihn hielt.
Sie kam am Haus ihres Freundes an, aus Angst, dass ihm etwas Schlimmes zugestoßen war, also stieß sie die Tür auf, ohne anzuklopfen, und ihr Atem stockte mit ihr.
Kapitel 24: Alle hielten ihn für einen Krankenhausmitarbeiter … bis er den Mund öffneteGarrick zitterte beim Klang der Stimme und erinnerte sich an Dorians Worte, dass Letholdus seinen Vater getötet habe.Genevieve war ebenso neugierig und fragte sich, welcher Krankenhausmitarbeiter den Mut hatte, mit solcher Selbstsicherheit zu sprechen.Garrick wusste, dass Letholdus die Drohung wahr machen würde, verfluchte Verity in seinem Herzen und biss die Zähne zusammen.Er ging zur Tür, schloss auf, doch kaum hatte er sie aufgezogen, flog ihm ein Schlag direkt in die Leistengegend. Er stöhnte vor Schmerz auf, während Verity hineinstürmte, um ihre Mutter zu umarmen, und dabei an Letholdus und Garrick vorbeiging.„Mama, geht es dir gut?“ Sie spürte, wie ihre Mutter zitterte und wie ein Baby weinte – etwas, das sie noch nie an ihr gesehen hatte.Es war alles Garricks Schuld, und Verity war sehr verärgert; es war ihr egal, welche Strafe Letholdus ihm auferlegen würde.Die Ärzte gingen ebenfalls
Kapitel 23: „Du hast mich nie geliebt!“ Die Abrechnung, die niemand erwartet hatteAls Garrick früher im Krankenhaus ankam, war es für ihn nicht schwer, die VIP-Station zu finden, nachdem er mit ein paar Krankenschwestern gesprochen hatte.Genevieve unterhielt sich mit ihrer Pflegerin über einen Film, den sie schauten, nachdem sie entlassen worden war und auf Verity wartete.Sie nahm derzeit noch Schmerz- und Antibiotika-Medikamente und war froh über die Gesellschaft ihrer Betreuerin.Es gab viele Fragen, die sie ihrer Tochter stellen wollte – darunter, wie sie das Geld für die Operation bekommen hatte –, als eine Stimme ihre Gedanken unterbrach und ihre Aufmerksamkeit für einen Moment vom Bildschirm ablenkte.„Ich glaube, sie verheimlicht etwas“, sagte die Pflegerin Naomi. Genevieve stimmte zu. „Ich glaube das auch.“„Aber …“, sagte die Pflegerin gerade, als sie durch das unhöfliche Öffnen der Tür unterbrochen wurde.Genevieve erschrak, als sie den Mann an der Tür sah. Es war über ei
Kapitel 22: „Verschone deinen Bruder!“ Doch der Milliardär wollte Blut sehenIn Opas Arbeitszimmer saßen der alte Mann und sein ältester Enkel einander gegenüber, während der alte Mann beiden harten Schnaps einschenkte. Der Rollstuhl stand neben dem Stuhl, auf dem Letholdus saß. Er nahm sein Glas und nippte daran, als der alte Mann sprach.„Bitte verschone deinen Bruder. Er ist noch jung.“ Er wusste ohne Zweifel, dass Letholdus zuschlagen würde, egal ob der Feind innerhalb oder außerhalb der Familie war.Dorian schien Ärger zu machen, und Letholdus hatte nicht vor, es ihm nachzusehen. Er starrte seinen Großvater an und setzte das Glas sanft auf den Tisch.„Ein Teenager ist jemand, den man als jung bezeichnen kann – nicht ein erwachsener Mann, der CEO des Kincaid-Imperiums werden will.“Mit anderen Worten: Dorian wusste genau, was er tat, und musste den Preis dafür zahlen. Doch der alte Mann war niedergeschlagen.Genau so war er selbst in seiner Jugend gewesen, sodass es sich anfühlte,
Kapitel 21: Er wollte seinen Bruder vernichten … bis Großvater dazwischenkamLetholdus war gerade dabei, etwas Verrücktes zu tun, als Opa Constantine aufstand. Er teilte so viel mit Letholdus, und ohne Zweifel wusste er, was passieren würde, wenn er die Situation nicht in die Hand nähme.„Genug, Dorian. Ich denke, dieses Treffen ist vorbei. Alle sollten nach Hause gehen und sich ausruhen.“Er zitterte vor Wut, versuchte aber sein Bestes, ruhig zu bleiben. Da er die Tiefe von Letholdus’ Zorn kannte, war er nicht bereit, einen weiteren Verwandten zu begraben, und ebenso wenig willens, die Vergangenheit wieder aufzurühren.Das waren Zeiten, die er so hart beiseitegeschoben hatte, und da die Information mitten unter Gästen herausgekommen war, gab es nur einen Weg, sicherzustellen, dass das Geheimnis sicher blieb.„Wenn ein Wort über das, was in diesem Raum vorgefallen ist – einschließlich Letholdus’ Identität – nach draußen dringt, werde ich die Person finden und ihr persönlich eine Kugel
Kapitel 20: Er zog sie auf seinen Schoß – und schlug seinen eigenen Bruder nieder!Dorian sah von seinem Platz gegenüber von Letholdus aus, was geschah, sprang auf und eilte zu Veritys Seite.Doch der Mann im Rollstuhl breitete die Arme aus, ließ sie direkt auf seinen Schoß fallen, legte den rechten Arm schützend um sie und ballte die linke Hand zu einer Faust, die Dorian einen schmerzhaften Schlag ins Gesicht versetzte, sodass er aus der Nase blutete.Dazu kam eine scharfe Warnung: „Versuch nie wieder, meine Frau anzufassen. Ich bin in der Lage, sie zu schützen – genauso wie mich selbst“, sagte Letholdus kalt. Alle außer Opa waren erstaunt über das, was gerade geschehen war.Dorian kannte Letholdus’ Fähigkeiten, hatte aber gedacht, dass er durch seinen Zustand eingeschränkt sei. Es stellte sich heraus, dass dem nicht so war. Er wischte sich das Blut von der Nase, und der Anblick des Blutes beeindruckte ihn.Sein älterer Bruder war immer noch so zäh wie eh und je, doch was die Situati
Kapitel 19: Sie wollte nur eine kleine Hochzeit … doch seine Familie hatte andere PläneEs war offensichtlich, dass der alte Mann erklären würde, sie sollten auf die Art der Kincaids heiraten, doch Verity konnte es nicht akzeptieren, den Rest ihres Lebens mit einem Mann zu verbringen, für den sie nichts empfand außer Mitleid wegen des Zustands seiner Beine.„Opa, ich mag keine Menschenmengen. Eine kleine Hochzeit war schon immer mein Traum.“„Lügen“, konterte Dorian und entlarvte sie direkt. Verity musste es vergessen haben, er jedoch nicht. „Du hast mir früher gesagt, dass du für eine große Hochzeit sparst.“„Das war, bevor bei meiner Mutter ein Hirntumor diagnostiziert wurde. Träume ändern sich“, schoss Verity zurück. Der alte Mann erzwang ein Lächeln.Hätte sie nur gewusst, dass Dorian hier sein würde und tatsächlich der jüngere Bruder von Letholdus war, hätte sie sich besser vorbereitet. Opa war zu klug, um nicht zu merken, was vorging, und machte seine Erklärung dennoch.„Es ist







