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Kapitel 2

last update Petsa ng paglalathala: 2026-08-03 17:31:11

LAURETTAS SICHT

Meine Brust fühlte sich wie zugeschnürt an.

Jedes Mal, wenn mein Blick zu dem fett gedruckten Namen am Anfang der Mannschaftsliste wanderte, stockte mir der Atem.

Aaron Carter.

Meine Hände waren feucht vor Nervosität, als ich mich an der Kante des Küchentisches festhielt. Panik kroch langsam meine Kehle hinauf.

„Tante Estie!“

Ryans begeisterter Schrei zerriss die bedrückende Stille der Wohnung. Gleich darauf hallte das Trommeln seiner Turnschuhe durch den Flur, als er zur Haustür rannte.

Das Schloss klickte.

Esther trat ein. In der einen Hand balancierte sie eine fettige Papiertüte vom Diner unten an der Ecke, in der anderen ihre riesige Designertasche.

Noch bevor sie das Essen abstellen konnte, hing Ryan praktisch schon an ihrem Bein.

„Tante Estie, schau mal!“

Stolz streckte er ihr ein leicht zerknittertes Blatt Papier entgegen.

„Ich hab das Logo der Chicago Blizzard gemalt! Und heute in der Schule hat Leo gesagt, Aaron Carters Schlagschuss wäre schwach. Da hab ich ihn gegen die Fächer gecheckt. Das war ein sauberer Bodycheck!“

Esther lachte schallend auf und warf ihre Autoschlüssel auf die Kücheninsel.

„Ein sauberer Bodycheck im Kindergarten? Das ist mein Junge! Gab’s dafür zwei Minuten Strafbank oder hat dich der Direktor gleich in die Kabine geschickt?“

„Ryan, hör auf, deine Tante in Schwierigkeiten zu bringen“, seufzte ich und nahm Esther die Tüte mit dem Essen ab.

„Und Esther… bitte hör auf, ihn auch noch zu bestärken. Ich musste heute auf einem Kindergartenstuhl sitzen, während Principal Higgins mir einen Vortrag über Gewalt auf dem Spielplatz gehalten hat.“

„Ach komm schon, Lauretta.“

Grinsend stieß Esther mich mit der Hüfte an, zog ihre High Heels aus und ging hinüber zu Raynell, die friedlich auf dem Wohnzimmerteppich saß und zeichnete.

Sie ging in die Hocke und betrachtete das Bild.

„Na, was haben wir denn hier? Einen wunderschönen Garten.“

Sie sah zu Ryan auf.

„Siehst du? Deine Schwester plant eine Karriere als Künstlerin… und du planst eine Karriere als Körperverletzer.“

„Eishockey ist keine Körperverletzung! Das ist Sport!“, protestierte Ryan empört.

Er rannte ins Wohnzimmer und schaltete den Fernseher ein.

Keine fünf Sekunden später erfüllte die tiefe Stimme eines Sportmoderators die Wohnung.

„Nur noch wenige Wochen bis zu den Playoffs, und alle Augen richten sich auf die Chicago Blizzard. Kapitän Aaron Carter kommt nach einer Dreißig-Tore-Saison erneut als Favorit ins Rennen und trägt seinen Spitznamen Ice King mehr als verdient. Quellen zufolge soll seine Persönlichkeit abseits des Eises allerdings genauso frostig sein wie eh und je—“

Ich griff blitzschnell nach der Fernbedienung auf der Arbeitsplatte und drückte auf Stumm, so hastig, dass das Plastik laut klickte.

Esthers Lachen verstummte augenblicklich.

Ihr Blick wanderte vom stumm geschalteten Fernseher zu meinem kreidebleichen Gesicht und schließlich zu dem geöffneten Laptop auf dem Küchentisch.

Langsam trat sie näher und überflog die E-Mail.

Zwischen uns breitete sich eine schwere Stille aus.

Man hörte nur das leise Kratzen von Raynells Buntstiften auf dem Papier.

„Die Chicago Blizzard…“

Esther sprach ungewöhnlich leise.

Jede Spur ihrer lockeren Art war verschwunden.

„Der Job in der Unternehmenskommunikation… für den du dich beworben hast… ist ausgerechnet bei seinem Team?“

„Ich wusste es nicht.“

Meine Stimme zitterte.

Ich lehnte mich gegen die Küchenzeile und verschränkte fest die Arme vor der Brust.

„Die Stellenanzeige lief über die Chicago Sports Entertainment Group. Erst in den Bewerbungsunterlagen stand, für welches Team die Stelle wirklich ist.“

Ich schluckte schwer.

„Esther… das Gehalt…“

Ich lachte bitter.

„Es ist mehr Geld, als ich in den letzten drei Jahren zusammen verdient habe.“

Mein Blick senkte sich.

„Aber ich kann den Job nicht annehmen.“

„Ich werde das Vorstellungsgespräch absagen.“

Esther starrte mich an.

Sie lächelte nicht.

Sie nahm mich auch nicht in den Arm.

Stattdessen verschränkte sie ebenfalls die Arme.

„Du willst ein Gehalt ablehnen, das dein Leben verändern könnte… wegen eines Mannes, den du seit fünf Jahren nicht gesehen hast?“

„So einfach ist das nicht.“

„Doch.“

Ihre Antwort kam ohne das geringste Zögern.

„Genau das ist es.“

„Esther… du verstehst das nicht.“

Meine Stimme wurde zu einem hektischen Flüstern, während ich einen schnellen Blick ins Wohnzimmer warf, um sicherzugehen, dass die Zwillinge nichts hörten.

„Es geht um Aaron. Wenn ich diesen Job annehme, arbeite ich direkt mit ihm zusammen. Ich kümmere mich um seine Pressearbeit, seine Krisenkommunikation… Was ist, wenn er die Kinder sieht? Was ist, wenn ihm auffällt, dass…“

Ich brachte den Satz nicht zu Ende.

Esther hob nur eine Augenbraue.

„Und was ist deine Alternative?“

Ihre Stimme blieb ruhig.

Fast kalt.

Sie ging zum Tisch, nahm den Stapel Rechnungen unter meinem Laptop hervor und hielt ihn hoch.

„Die letzte Mahnung vom Stromanbieter.“

Sie legte das erste Blatt auf den Tisch.

„Die überfällige Rechnung für die Physiotherapie deiner Mutter.“

Noch ein Blatt.

„Und nächsten Monat werden ihre Medikamente wieder teurer.“

Sie sah mich direkt an.

„Ganz zu schweigen davon, dass deine Zwillinge gefühlt alle zehn Minuten aus ihren Schuhen herauswachsen.“

Sie trat näher.

Ihre Stimme wurde sanfter, verlor aber nichts von ihrer Entschlossenheit.

„Lauretta… sieh dich doch mal an.“

„Du bist ständig erschöpft.“

„Du arbeitest dich kaputt.“

„Und wofür?“

Sie schüttelte langsam den Kopf.

„Du kannst nicht ewig alles allein tragen.“

Esthers Blick glitt an mir vorbei und blieb an der Ecke der Küchenzeile hängen.

Dort lehnte eine kleine Leinwand gegen die Wand.

Ein halbfertiges Gemälde.

Eine stürmische Meereslandschaft, düster und voller Tiefe, als hätte ich all meinen Schmerz in jede einzelne Pinselspur gelegt.

Seit drei Monaten hatte ich keinen Pinsel mehr angerührt.

„Du solltest es fertig malen“, murmelte Esther und nickte in Richtung der Leinwand.

„Von Träumen kann man keine Rechnungen bezahlen“, erwiderte ich schärfer, als ich beabsichtigt hatte.

Die Bitterkeit in meiner Stimme überraschte sogar mich selbst.

„Nein“, sagte Esther ohne zu zögern. „Von Träumen nicht.“

Sie trat direkt vor mich, sodass ich ihrem Blick nicht mehr ausweichen konnte.

„Aber dieser Job bezahlt deine Rechnungen.“

Sie zeigte mit der Hand auf den Stapel Mahnungen.

„Er gibt deinen Kindern eine Zukunft.“

„Und vielleicht schenkt er dir endlich wieder genug Luft zum Atmen.“

Sie hielt kurz inne.

„Du kannst nicht vor einem Gehalt davonlaufen, das euer ganzes Leben verändern könnte, nur weil ein Geist aus deiner Vergangenheit zufällig auf dem Eis steht.“

Ich senkte den Blick.

„Ich habe Angst, Estie.“

Ihre Miene wurde weicher.

„Ich weiß.“

Ihre Stimme war jetzt kaum mehr als ein Flüstern.

„Ich weiß, dass du Angst vor all dem Drama hast.“

Sie machte einen Schritt näher.

„Aber beantworte mir eine Frage – und sei ehrlich.“

Mein Herz begann schneller zu schlagen.

„Hast du Angst davor, Aaron wiederzusehen…“

Sie hielt meinen Blick fest.

„…oder hast du Angst, dass du ihn immer noch liebst, wenn es so weit ist?“

Die Worte trafen mich wie ein Schlag in die Magengrube.

Mir blieb die Luft weg.

Ich öffnete den Mund.

Ich wollte ihr sagen, dass sie sich irrte.

Dass ich Aaron hasste.

Dass er mein Herz zerstört hatte.

Dass er uns im Stich gelassen hatte.

Doch kein einziges Wort kam über meine Lippen.

Weil tief in meinem Herzen…

an einem Ort, den ich seit fünf Jahren mit aller Kraft zu verdrängen versuchte…

ein kleiner Teil von mir wusste, dass Esther recht hatte.

„Sieh dich doch an“, sagte sie leise und schüttelte den Kopf.

„Seit fünf Jahren weist du jeden anständigen Mann zurück, der Interesse an dir zeigt.“

Ein schwaches Lächeln huschte über ihr Gesicht.

„Martin versucht seit zwei Jahren, dich zu einem einzigen Abendessen einzuladen.“

„Und du behandelst ihn wie deinen persönlichen Bodyguard.“

Ich drehte mich hastig um und griff nach einem Korb mit frisch gewaschener Wäsche.

Irgendetwas musste ich mit meinen Händen tun.

„Martin ist ein Freund“, murmelte ich.

„Und mein Liebesleben hat damit überhaupt nichts zu tun.“

„Doch.“

Esther nahm mir den Wäschekorb aus den Händen und stellte ihn wieder ab.

„Es hat alles damit zu tun.“

Sie wartete, bis ich sie ansah.

„Vielleicht hat Aaron dir das Herz gebrochen.“

„Vielleicht wird das nie ganz heilen.“

„Aber gib ihm nicht noch mehr Macht über dein Leben.“

Ihre Stimme war ruhig.

Fest.

„Wirf diesen Job nicht weg, nur weil du Angst hast, ihm wieder zu begegnen.“

Ich sah an ihr vorbei ins Wohnzimmer.

Ryan ließ gerade Raynells Teddybären wie einen Hockey-Puck über den Holzboden gleiten.

„Tor!“

rief er begeistert.

„Ryan!“, beschwerte sich Raynell empört und versuchte, ihm ihren Teddy wieder abzunehmen.

Ein unwillkürliches Lächeln huschte über mein Gesicht.

Sie verdienten einen Garten.

Sie verdienten ein sicheres Viertel.

Sie verdienten eine Mutter, die nicht jeden Monatsanfang in Panik geriet, sobald die Rechnungen kamen.

Esther hatte recht.

Wenn ich zuließ, dass Angst diese Entscheidung traf…

dann ließ ich Aaron mein Leben ein zweites Mal zerstören.

Langsam ging ich zurück zum Küchentisch.

Der Bildschirm meines Laptops leuchtete noch immer.

Mein Finger schwebte zitternd über dem Touchpad.

Ich holte tief Luft.

Richtete die Schultern auf.

Und klickte auf „Vorstellungsgespräch bestätigen.“

Ich spürte weder Erleichterung noch Freude.

Stattdessen breitete sich ein schweres Gefühl in meiner Brust aus.

Es fühlte sich nicht an, als hätte ich gerade den wichtigsten Karriereschritt meines Lebens gemacht.

Es fühlte sich an…

als hätte ich soeben ein Schlachtfeld betreten.

Ein helles Klingeln riss mich aus meinen Gedanken.

Mein Handy vibrierte auf der Küchenzeile.

Ich griff danach.

Eine neue Benachrichtigung erschien auf dem Display.

Vorstellungsgespräch bestätigt

Datum: Montag, 09:00 Uhr

Ort: Trainingszentrum der Chicago Blizzard

Ich starrte auf den Bildschirm.

Mein Atem stockte.

In weniger als achtundvierzig Stunden…

würde ich dem Mann gegenüberstehen, der mir einst das Herz gebrochen hatte.

Und zum ersten Mal seit fünf Jahren…

würde Aaron Carter mir wieder in die Augen sehen.

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