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Kapitel 4 – Mrs. Johnson

Author: Marghie
last update publish date: 2026-09-23 10:29:06

Nancy

Ich verkniff mir die Tränen. Ich flehte darum, dass sich der Aufzug endlich öffnen möge, damit mein Leiden ein Ende hat. Ich wusste natürlich, dass Sir Dwayne regelmäßig Sex mit vielen Frauen hatte, aber Janella war anders. Er mochte sie wirklich, und er war fast bereit gewesen, sie zu heiraten.

Als sich die Türen öffneten, ging ich als Erste hinaus und öffnete die Tür zu Sir Dwaynes Büro. Er trug Janella hinein, die dabei kicherte, und ich schloss die Tür eigenhändig hinter ihnen.

Ich ließ mich auf den Boden sinken, während ich ihr gemeinsames Stöhnen hörte. Der Schmerz war unerträglich. So muss es sich also anfühlen, wenn man eine Ehefrau ist, die von ihrem Mann betrogen wird.

Doch meine Situation war noch viel schlimmer: Selbst wenn wir verheiratet waren, existierte diese Ehe nur auf dem Papier.

Ich trug seinen Namen, aber nicht sein Herz. Ich rannte ins Badezimmer und weinte dort bitterlich. Wie kitschig von mir, schimpfte ich mit mir selbst.

Warum tat es mir überhaupt so weh, wo wir doch gar keine echte Beziehung hatten?

Ich holte ein paar Mal tief Luft, bevor ich mich wieder fing. Als ich das Badezimmer verließ, waren mein Gesicht und meine Ausstrahlung wieder vollkommen ernst und professionell.

Ich bereitete ihnen Kaffee zu, lauschte kurz an der Tür, um sicherzugehen, dass sie mit ihrem Liebesspiel fertig waren, und klopfte dann an.

Janella saß noch immer auf Dwaynes Schoß, während sein langärmliges Hemd einige Knöpfe offen hatte. Ich stellte den Kaffee ab und wollte gerade gehen, als die Frau das Wort ergriff.

"Es stimmt also wirklich, Dwayne? Du und Nancy habt geheiratet, damit du dein Erbe bekommst? Aber warum denn nicht ich?", fragte Janella betrübt.

Sir Dwayne und ich warfen uns einen Blick zu. Ich dachte, es sollte ein Geheimnis bleiben?

"Es tut mir leid, mein Onkel hat es mir erzählt", fuhr sie fort.

"Wer ist dein Onkel?", fragte Dwayne überrascht.

"Na ja, du kennst ihn doch: Attorney Bernard Sandoval. Er ist der Bruder meiner Mutter. Er hat es mir erzählt, als er dachte, ich würde mich für dich interessieren – er wusste wohl nicht einmal, dass wir beide längst miteinander ausgehen", sagte Janella lachend. Dabei warf sie mir jedoch einen Blick zu, in dem sich Abscheu und Ärger mischten.

Ha!

Was für eine Heuchlerin du doch bist! Vorhin hast du noch so nett getan.

"Wirklich? Attorney Sandoval ist dein Onkel?", wunderte sich Dwayne. "Aber warum redet dieser Anwalt über die Heirat zwischen Nancy und mir?"

Eben, dieser Anwalt war wirklich ein Tratschtant. Er und Janella hatten denselben Blick drauf – einen Blick, der mich spüren ließ, dass sie mich für hässlich hielten.

"Dwayne, bitte versprich mir eins: Wenn Onkel Leo stirbt, wirst du dich von dieser Frau scheiden lassen und mich heiraten", bettelte Janella wieder mit zuckersüßer Stimme.

"Mein Vater wird noch nicht sterben! Kannst du bitte aufhören, den Tod meines Vaters herbeizusehnen?!", antwortete Sir Dwayne genervt.

Geschieht dir recht! Du bist doch nur eine Goldgräberin! Eine Schlampe!

Janella schien schockiert zu sein, klammerte sich sofort an ihn und weinte: "Nein, so habe ich das nicht gemeint! Natürlich will ich nicht, dass dein Vater stirbt, ich möchte doch nur, dass er noch unsere zukünftigen Kinder erlebt."

Ach was?

Am liebsten würde ich dieser Frau die Haare ausreißen! Man sah ihr förmlich an, dass sie log.

"Entschuldigung, Sir", sagte ich und ging hinaus.

Madam Elena hatte wohl doch recht. Mutter weiß eben am besten. Janella war keineswegs die richtige Frau für Sir Dwayne.

Fast fing ich an, sogar Kylie zu vermögen – die zwar eitel war, aber wenigstens lächelte und sich bedankte, wenn ich ihr das Taschengeld von Sir Dwayne überwies.

Ich kehrte an meinen Schreibtisch zurück und sortierte die Dokumente. Kurz darauf kam Janella aus dem Büro gestürmt und knallte die Tür hinter sich zu.

Sie stemmte die Hände in die Hüften und starrte mich boshaft an: "Glaub ja nicht, dass du Dwayne mir ausspannen kannst, bloß weil er dich geheiratet hat! Er hat dich nur wegen seines Erbes geheiratet! Nicht weil er dich liebt! Sieh mich an und sieh dich selbst an!"

Mir platzte fast der Kragen. Hör mal zu, du Hexe! Wenn du wüsstest, dass Sir Dwaynes Mutter dich absolut nicht ausstehen kann, würdest du hier auf dem Boden verrotten.

Ich erzwang ein Lächeln und nickte: "Mrs. Janella, was reden Sie da eigentlich? Ich habe absolut kein Interesse an Sir Dwayne. Um ehrlich zu sein? Ich habe nur wegen des Geldes eingewilligt. Das Angebot lag bei 100 Millionen Dollar plus jede Menge Extras. Wer bin ich, da nein zu sagen? Aber ganz bestimmt nicht, weil ich irgendwelche Gefühle für ihn hegen würde. Und keine Sorge: Sobald der Tag kommt, an dem wir uns trennen müssen, werde ich die Scheidungspapiere sofort unterschreiben. Ich habe zu keinem Zeitpunkt auch nur das Geringste für ihn empfunden, denn ich liebe längst einen anderen Mann."

Wir schraken beide zusammen, als wir sahen, dass Sir Dwayne plötzlich im Türrahmen stand. Sein Blick schien überrascht von meinen Worten. Er zog die Stirn in Falten und sah Janella ernst an.

"Geh jetzt", befahl er ihr und schlug die Tür vor ihrer Nase zu.

Schade, dass er nicht sagte: „Wir sind fertig miteinander.“ Es wirkte, als wären sie immer noch zusammen. Wie nervig.

Fragt sich nur, warum Sir Dwayne so ein finsteres Gesicht machte – er schien wirklich von Janella genervt zu sein.

Janella stolzierte wutentbrannt davon. Das war wohl peinlich für sie!

Doch ab diesem Tag kam Janella immer wieder im Büro vorbei – und nicht nur dort, sondern sogar direkt in der Villa.

Madam Elena hielt es nicht für nötig, sie zu empfangen, weshalb mir klar war, dass dies eine gewaltige Schlappe für diese Hexe Janella sein musste.

Eines Abends verkündete Attorney Bernard Sandoval überglücklich, dass er Dwaynes Erbschaft komplett geregelt und das gesamte Vermögen seines Vaters zu 100 % auf seinen Namen übertragen hatte.

"Sir Dwayne, da Sie nun den gesamten Reichtum besitzen, können Sie sich endlich von Ihrer Magd scheiden lassen", bemerkte er spöttisch.

Ich harrte mitten im Bissen inne und senkte den Blick. Eine Magd? Er und Janella waren definitiv verwandt. Beide waren hochnäsig.

Mir war ohnehin klar, dass Attorney Sandoval die Übertragung der Vermögenswerte so schnell wie möglich durchgepeitscht hatte, damit sein geliebtes Nichts-von-Nichten-Mädchen heiraten konnte.

"Sir, Sie können meinetwegen auch schon die Scheidungspapiere vorbereiten", warf ich ein. Ich wollte schließlich nicht, dass sie dachten, ich wolle unbedingt die Ehefrau meines Bosses bleiben.

"Wartet erst einmal ab", intervenierte Madam Elena.

"Aber Madam Elena, Sir Dwayne hat den Wunsch im letzten Willen doch erfüllt, also kann er sich jetzt sofort von der Ser–"

Attorney Sandoval kam gar nicht erst dazu, seinen Satz zu beenden, da Sir Dwayne ihn hart unterbrach: "Passen Sie auf Ihre Wortwahl auf, Attorney. Sie ist keine Magd, Nancy ist meine Sekretärin, meine treue, fähige Assistentin, und ich bin auf sie angewiesen."

Mein Herz klopfte bis zum Hals. Es war das erste Mal, dass Sir Dwayne mich verteidigt hatte – naja, es war eigentlich auch das erste Mal, dass mich überhaupt jemand angegriffen hatte.

„Angegriffen“ im wahrsten Sinne des Wortes?

Am liebsten würde ich diesem kahlen Anwalt, dem Onkel der Hexe Janella, einen Fußtritt verpassen.

"Dem letzten Willen zufolge musste Dwayne verheiratet sein, bevor Leo stirbt. Wenn er Nancy jetzt sofort wieder loswird, könnte das Gericht die Vermögensübertragung anfechten", erklärte Madam Elena.

Attorney Bernard Sandoval atmete tief aus.

Da hat der Glatzkopf aber blöd geschaut! Hmp!

"Aber mögen Sie Janella denn immer noch?", fragte Attorney Sandoval weiter. "Meine Nichte liebt Sie abgöttisch. Sie wäre fast gestorben, als sie erfuhr, dass Sie bereits verheiratet sind."

Ach komm! So ein Theater! Diese Janella ist eben eine Schauspielerin.

Sie wäre fast gestorben! Wie übertrieben kann man sein?

Weiß sie denn nicht, dass es mindestens hundert oder noch mehr Konkurrentinnen gibt, die um das riesige, lange, dicke und verdammt gute Mega-Hotdog von Sir Dwayne buhlen?

Und genau wie Kylie würde sie es wahrscheinlich nicht einmal schaffen, es ganz zu schlucken.

Sir Dwaynes Mega-Hotdog – ob sie das wohl packen würde?

Scheiße, ich fange schon wieder an, schmutzig zu denken.

"Attorney, wir rufen Sie an, wenn wir Sie brauchen. Und bitte behalten Sie alles, worüber wir hier gesprochen haben, für sich", sagte Sir Dwayne verärgert.

Der kahle Anwalt schien nun komplett gedemütigt und stotterte schnell eine Entschuldigung hervor: "Entschuldigung", sagte er und verschwand.

Bei mir solltest du dich entschuldigen, du Glatzkopf!

"Nancy, können wir den Vertrag vielleicht ändern?", fragte Madam Elena mit ernster Stimme.

"Was meinen Sie damit, Ma'am?", fragte ich verwirrt.

"Ein Einjahresvertrag. Du wirst ein Jahr lang die Frau meines Sohnes bleiben. Selbst wenn Leo vor Ablauf dieses Jahres stirbt, bleibt ihr verheiratet."

Ich war wie vom Schlag getroffen.

Ein ganzes Jahr?

"W-Warum das denn?", fragte ich erschrocken.

"Ich lasse nicht zu, dass irgendjemand Dwayne zu einer Heirat drängt. Ich habe bereits gesagt, dass ich Janella ablehne. Und noch heute werde ich Attorney Bernard Sandoval als unseren Familienanwalt absetzen", antwortete die Dame entschlossen.

Ich blickte zu Sir Dwayne hinüber.

"Ich bin einverstanden", sagte er.

Bevor ich etwas erwidern konnte, klingelte Madam Elenas Handy. Plötzlich verlor sie das Bewusstsein, nachdem sie die Worte am anderen Ende gehört hatte. Sir Dwayne und ich eilten sofort zu ihr.

"Ma!"

"Ma'am!"

Dwayne schnappte sich das Telefon, als er ein Hallo hörte.

"Wer ist da?", rief er hinein.

"Sir, hier ist das Milton International Hospital... S-Sir Leo ist verstorben", sagte der Arzt.

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