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6. Flucht

Penulis: Prisca H.
last update Tanggal publikasi: 2026-05-29 01:17:25

Ich lief entspannt und erleichtert nach Hause. Es war schon stockdunkel und nur das schummrige Licht der Straßenlaternen verschaffte ein leichtes Licht auf meinem Weg. Ich musste mir echt etwas für die nächsten Wochen überlegen. Ich bräuchte langsam Geld und vielleicht wäre ein Tapetenwechsel mehr als nötig. Vor ein paar Wochen hatte ich aber auch noch nicht erwartet, ohne Job da zu stehen, geschweige denn eine Trennung vor mir zu haben aber vielleicht hatte es etwas Gutes. So war ich in diesem Sinne ohne Verpflichtungen und konnte mich auf etwas Neues einlassen.

Vielleicht sollte ich meine Mom mal wieder besuchen?

Völlig in Gedanken schloss ich die untere Eingangstüre auf und beschloss morgen Früh meine Mom anzurufen. Vielleicht wäre sie ja nach unserem letzten Gespräch begeistert, wenn ich ihr mitteilen würde, dass ich vor hatte sie zu besuchen. Dann hatte ich auch die Chance ihren neuen Freund kennenzulernen.

Wer weiß welcher Kauz es diesmal war.

Ich kam vor meiner Wohnungstüre an und stellte zu meinem Erschrecken fest, dass die Türe aufgebrochen war. Fuck! War der Einbrecher etwa noch in meiner Wohnung? Vorsichtig schob ich die Türe auf und schaute um die Ecke ins Schlafzimmer. Ich gab mir die größte Mühe, keinen Lärm zu machen, was nicht allzu einfach war, da der Boden an gewissen Stellen knarrte. Im Schlafzimmer konnte ich durch die Dunkelheit nicht viel erkennen. Was ich aber sehen konnte, war das alles durchwühlt worden war.

Für was hatte ich meine Wohnung nochmal aufgeräumt??

Wer sollte hier schon etwas finden? Ich hoffte, dass der oder die Einbrecher noch nicht mein Geldversteck unter den Dielen entdeckt hatte. Langsam ging ich weiter in die Wohnung und schaute ins Bad. Auf den ersten Blick sah es hier komischerweise unverändert aus aber was gab es in einem Badezimmer auch zu holen. Ich betrat nun das Wohnzimmer und wollte mir gerade einen Überblick über die Situation verschaffen, als ich eine Bewegung in meinem Augenwinkel vernahm. Ich versuchte etwas zu erkennen, doch da schubste mich schon jemand mit einer gewaltigen Wucht um und ich stolperte nach hinten. Ich war so überrascht, dass ich mein Gleichgewicht nicht mehr halten konnte und gegen die halb offene Tür knallte.

Nicht schon wieder mein Kopf.

Dieser hatte in letzter Zeit schon genug abbekommen. Ich lag genau in in der Tür und versperrte meinem Angreifer den Weg. Ich konnte einen kurzen Blick auf ihn erhaschen aber nichts erkennen, weil er sich schon umgedreht hatte und zum Fenster rannte. Er wollte doch wohl nicht etwa raus springen?! Statt aber wie ein normaler Mensch das Fenster mit einem schnellen Griff zu öffnen, sprang er regelrecht mit Schwung gegen die Fensterscheibe. Ich hörte wie Glas kaputt ging und die Scherben klirrend auf den Boden fielen, mir vor die Füße. Ich rappelte mich so schnell wie möglich auf und rutschte bei dem Versuch fast auf dem mit Glas übersäten Boden aus. Als ich am Fenster ankam, stand die vermummte Gestalt komischerweise unbeweglich unten im Hof und es bohrten sich seine Augen in meine. Feuerrote Augen.

Ich werde dich holen, wenn die Zeit reif ist.

In schnellen Schritten trat ich vom Fenster weg und bekam Panik. War er in meinem Kopf?! Ich schaute mich um und sah auch jetzt das Chaos in meinem Wohnzimmer. Was hatte er hier gesucht? Mich? Aber wieso? Und wieso war er dann doch abgehauen? Ich hatte mir also die letzte Begegnung nicht eingebildet, als ich vor Kurzem den Rolladen herunter lassen wollte. Er war mir also tatsächlich auf der Spur und hatte mich gefunden. Was wollte er von mir?? Ich atmete tief durch und wagte mich erneut an das kaputte Fenster. Vorsichtig schaute ich über die Fensterbank erneut nach unten in den Hof. Er oder Es war weg. Es war auf jeden Fall ein Mann. Das Adrenalin welches meinen Körper regelrecht durchspülte, ließ mich in die Küche rennen. Ich schlitterte über den Boden und fiel schon fast hin, als ich die versteckte Diele mit meinen Händen aufriss. Das Geld war noch da. Wenigstens etwas. Aber niemals würde ich weiter hier schlafen. Meine Wohnung war mein sicherer Platz gewesen. Hier hatte ich mich ganz alleine. Meine Privatsphäre. Meine sichere Blase. Doch "Er" hatte meine Blase zerstochen. Ich musste hier weg. Raus und einfach fahren. Weg von meinem alten Job, weg von Jasper und weg von der Gefahr die hier um mich herrschte. Ich hätte damit klar kommen können aber nicht so. Nicht wenn „Er" hier gewesen war.

War es Schicksal das sich gerade mein ganzes Leben auf den Kopf stellte?

Hätte ich ahnen können, was auf mich zukommt? Nein! Wie denn auch? Ich raffte mich vom Boden auf und sah jetzt erst das ganze Ausmaß des Chaos. Ohne lange zu überlegen stolperte ich ins Schlafzimmer, meine Haustüre stand auch noch offen. So als würde sie darauf warten, dass ich mein Zeug nahm und verschwand. Ich krabbelte unter mein Bett, zog eine Reisetasche hervor und warf sie aufs Bett. Hektisch strich ich mir meine Haare aus der Stirn und merkte, wie sich langsam Kopfschmerzen ausbreiteten. Ich versuchte einen halbwegs kühlen Kopf zu bewahren, als ich ich mich zu meinem Schrank umdrehte. Öffnen musste ich ihn nicht mehr. Die Türe war mit viel Kraft aus der Angel gerissen worden. Wie viel Kraft benötigte man dafür? Hatte er das mit bloßen Händen geschafft? Ich griff nach jedem Kleidungsstück, welches mir in die Hände fiel und nicht zerrissen war. So eine Scheiße. Ich hatte doch eh nicht mehr viel, weil ich alles aussortiert hatte. Die Tasche wurde langsam voller und ich stopfte mein letztes Geld in die Seitentasche. 415$. Wow berauschend viel. Nicht.

Ich rannte durch die Wohnung, um noch etwas Brauchbares zu finden, konnte aber nicht wirklich etwas entdecken. Meinen Geldbeutel mit den Papieren und die Schlüssel hatte ich schon in die Tasche gepackt. Ich warf einen Blick auf das kaputte Fenster im Wohnzimmer und beschloss, dass ich es nicht so lassen konnte. Ich musste unbedingt meiner Mom Bescheid geben. Sie musste sich um die Versicherung kümmern, da es rechtlich gesehen ihre Wohnung war. Ich überflog das Wohnzimmer mit einem Blick und bemerkte mein Bücherregal. Mit meiner ganzen Kraft schob ich es erstaunlicherweise schnell vor das Fenster.

Seit wann hatte ich so viel Kraft?

Bestimmt lag dass am Adrenalin. Ohne noch mehr Zeit zu verschwenden, griff ich mir im Flur meinen Autoschlüssel und die Tasche aus dem Schlafzimmer. Hektisch lief ich die Treppen nach unten. Ich war so konzentriert auf meine Füße und in Gedanken wo es mich hinzog, dass ich nicht bemerkte, dass in der Dunkelheit noch jemand anderes auf mich lauerte.

Ich hatte fast den letzten Treppenabsatz erreicht, als mich schwielige Hände von hinten am Hals packten und grob zu sich zogen. Erschrocken ließ ich die Tasche fallen, nur um gegen die Wand gedrückt zu werden. Eine Hand drückte mich mit meinem Gesicht gegen die Wand, die andere wanderte währenddessen über meine Taille, hinunter zu meiner Hüfte. Ich fing an mich zu wehren, was nur bezweckte, dass der Mann mich noch mehr gegen die Wand drückte.

„Kayla, Kayla, Kayla..ich hab dir doch gesagt es ist noch nicht vorbei!", raunte eine dunkle Stimme.

Ich drehte meinen Kopf über die Schulter und sah, dass es Jasper war. Sein alkoholisierter Atem strömte mir ins Gesicht und mir wurde schlecht.

Seit wann trank er so viel, und seit wann war er so gewalttätig?

„So leicht kommst du mir nicht davon meine Süße", wisperte er weiter und drückte sich gegen meinen Rücken. Es reicht nun endgültig. Ich strengte mich an und versuchte mich aus seinem stählernen Griff zu lösen. Doch ihm ins Gesicht zu schauen war auch nicht besser. Seit unserer letzten Begegnung sah er fast so aus, als wäre er 10 Jahre älter geworden. Die Augenringe noch tiefer und die Wangen eingefallen. Was war nur passiert? Seine Hände glitten über meinen Hals und sein Gesicht kam mir näher. Er flüsterte mir ins Ohr.

„Ich hab schon meinen Job verloren, ich darf dich doch nicht auch noch verlieren", seufzte er und drückte seine Hüften gegen meine.

Was? Wieso hatte er seinen Job verloren?

Wieder strömte Adrenalin durch meine Körper und mit allerletzter Kraft versuchte ich, ihn von mir zu schubsen. Ich schaffte es und fiel fast die Treppe hinunter. Doch ich hatte mich zu früh gefreut. Jasper schaffte es mich an meinen langen Haare greifen und zu sich zu ziehen. Ich protestierte und stöhnte auf vor Schmerzen, als er mich zu sich umdrehte und mit seiner flachen Hand in mein Gesicht schlug. Ich sah Sterne und kippte fast um.

Durch den Schlag hatte er mich losgelassen und ich schüttelte meinen Kopf, um die Schwärze aus meinem Blick zu vertreiben.

„Du bleibst bei mir!" schrie er und wollte erneut ausholen.

Ich musste weg hier! Ohne mich von ihm wegzudrehen, bückte ich mich schnell zu meiner Tasche am Boden, griff sie und lief rückwärts nach hinten. Mir fehlten die Worte, was ist nur aus ihm geworden? Wie versteinert starrte er mich wirr mit aufgerissenen Augen an und lief auf mich zu. Der Moment in dem mir klar wurde, dass ich mich beeilen musste, wenn ich lebend hier raus kommen wollte. Ich drehte mich weg von ihm und nahm meine Beine in die Hand. Mein Auto stand hier gleich um die Ecke und ich rannte los. Das Joggen machte sich bezahlt. Jasper würde mich hoffentlich nicht erreichen! Ich hörte Schritte hinter mir, die immer näher kamen. Ich beschleunigte nochmal, eilte um die Kurve und sah mein Auto vor mir. Nur noch etwa dreißig Meter und ich hätte es geschafft. Ich hatte meinen Schlüssel zum Glück in meiner Hosentasche griffbereit. Wieder kamen die Schritte hinter mir näher und ich hörte Jasper schnaufen.

Hoffentlich klopfte sein Herz vor Anstrengung genau so wie meins. Ich machte den Fehler und drehte mich um, um zu sehen, wie weit er entfernt war. Ich kam ins straucheln und fiel auf die Knie. Meine Hände schlürften über den Boden und der Schmerz schoss durch meinen Körper, fast ließ ich meine Tasche los, doch ich hatte sie fest umklammert, als wäre sie mein Anker. Jasper hatte meinen Sturz nicht kommen sehen und landete nun ächzend auf mir. Meine Luft wurde aus den Lungen gepresst.

"Verdammt geh runter von mir!" schrie ich wütend auf und stieß ihn von mir. Er grinste mich nur boshaft an, als er mich wieder packen wollte. Mit meiner freien rechten Hand holte ich allerdings aus und schlug ihm  ins Gesicht. Vor Schmerz aufstöhnend, griff er nach seiner Nase und jammerte kläglich, als ihm das Blut über die Hand floss.

So ein Weichei.

Bis jetzt hatte ich noch keine Träne vergossen und ich hatte heute schon mehr erlebt als er. Ich nutzte den Moment und kam wieder auf die Beine. Diesmal warf ich keinen Blick zurück, sondern holte meinen Schlüssel aus der Hosentasche. Völlig außer Atem kam ich am Auto an, öffnete die Tür, warf meine Tasche auf den Beifahrersitz und stieg ein. Hastig, mit zittrigen Fingern steckte ich den Schlüssel ins Zündschloss und hörte erleichtert, wie der Motor blubbernd zum Leben erwachte. Rasch schaute ich in den Rückspiegel, um auszuparken.

Ich hatte es schon fast geschafft, erstaunlicherweise ohne einen Kratzer ins Auto zu bekommen, als Jasper das Auto erreichte und wütend gegen die Scheibe klopfte. Er versuchte sogar die Türe aufzumachen, doch die Verriegelung hinderte ihn.

Hätte mein Baby auch nur einen Kratzer, würde er sich umschauen und mehr als nur eine Faust ins Gesicht bekommen. Ich drückte nun voll aufs Gas und ließ Jasper hinter mir. Beruhigend sah ich wie seine Gestalt immer kleiner im Rückspiegel wurde und lehnte meinen Kopf nach hinten an die Kopfstütze. Mein Körper pochte vor Schmerzen, doch ich schob alles, so gut es ging, von mir. Ausruhen konnte ich mich immer noch. Jetzt musste ich erstmal weg von hier.

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