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Mein Freund.

Autor: Ameerawrites
last update Fecha de publicación: 2026-07-01 05:45:24

•~ Maya ~•

„Kaffee? Frühstück?“, fragte er und folgte mir ins Wohnzimmer.

Innerlich stöhnte ich auf.

„Ich brauche nichts von dir“, sagte ich.

Er stellte sich vor mich und setzte ein breites Lächeln auf. Verdammt. Es ließ ihn sogar ein bisschen süß aussehen.

„Du hast mir gerade das Leben gerettet. Ich sollte wenigstens—“

„Hör einfach auf, okay? Ich habe kein Interesse an irgendetwas, das du mir geben willst oder vorhast zu tun“, unterbrach ich ihn.

Sein Gesichtsausdruck verlor etwas von seiner Leichtigkeit.

Eigentlich hätte ich mich deswegen schlecht fühlen sollen, aber ich war viel zu erschöpft, um überhaupt noch etwas zu empfinden. Es wurde Zeit, dass ich endlich aufhörte, die Gefühle anderer über meine eigenen zu stellen.

Verdammt noch mal, höchste Zeit.

Ich nickte leicht, trat einen Schritt zurück und fuhr mir mit den Fingern durchs Haar.

„Danke, dass ich hier übernachten durfte. Ich mache mich nur kurz frisch und verschwinde dann wieder aus deinem Haus“, murmelte ich.

Ich drehte mich um, griff nach der Tasche mit meinen Toilettenartikeln, die ich zuvor gepackt hatte, und ging auf die Treppe zu.

Mitten im Schritt blieb ich stehen, fluchte leise und drehte mich wieder zu ihm um.

Er hob eine Augenbraue.

„Wo ist das Badezimmer?“, fragte ich.

Er stieß einen leisen Seufzer aus, ließ den Kopf sinken und sah mich dann wieder an.

„Oben. In meinem Schlafzimmer.“

Ich presste die Lippen aufeinander.

Natürlich. Ein Schlafzimmer. Ein Badezimmer.

Das hatte man mir gesagt, als ich damals dachte, ich würde so einen Ort mieten. Damals klang das irgendwie romantisch.

„Okay. Darf ich es benutzen?“

Er lachte leise.

„Ich dachte, du wolltest aus meinem Haus verschwinden.“

Ich verdrehte die Augen und ging die Treppe hinauf.

Oben angekommen musste ich mich regelrecht davon abhalten, die Aussicht aus seinem Schlafzimmer anzustarren – ein freier Blick auf das Meer, das im Sonnenlicht glitzerte.

Ein Stich der Eifersucht durchfuhr mich.

Ich machte mich fertig, zog frische Kleidung an und band meine Haare zu einem Dutt zusammen, bevor ich das Zimmer wieder verließ und nach unten ging.

Er saß mit übereinandergeschlagenen Beinen auf dem Sofa und schaute Fernsehen.

Im Ernst?

Tat er eigentlich den ganzen Tag nichts anderes?

Ich umklammerte meine Tasche.

„Ich bin fertig“, sagte ich.

Sein Blick schnellte sofort zu mir. Seine Augen glitten prüfend über mein Gesicht, begleitet von einem Gefühl, das ich nicht einordnen konnte.

Es machte mich unruhig.

Ich war bestimmt nicht die Schönste der Welt, und ausgerechnet von meinem Highschool-Mobber so angestarrt zu werden, fühlte sich alles andere als angenehm an.

„Verstehe“, sagte er leise.

Ein nachdenklicher Ausdruck huschte über sein Gesicht, bevor er aufstand und den Fernseher ausschaltete.

„Gut. Dann los.“

Ich runzelte die Stirn.

„Wie bitte?“

Er hob eine Augenbraue und sah sich kurz um.

„Ich helfe dir, eine Unterkunft zu finden.“

Meine Stirn legte sich noch tiefer in Falten.

Irgendetwas stimmte hier nicht.

„Nein… das musst du wirklich nicht.“

Ich trat einen weiteren Schritt zurück.

Er zuckte lediglich mit den Schultern, schnappte sich meinen Koffer und ging zur Tür. Über die Schulter sah er mich an.

„Du hast da leider kein Mitspracherecht, Pookie. Komm.“

Er zwinkerte mir zu und verschwand nach draußen, während die Tür offen blieb.

Ich blinzelte.

War das jetzt seine neue Masche?

Erst unerträglich nett tun, nur um später wieder sein wahres Gesicht zu zeigen?

Ich ging ihm nach.

Schon allein deshalb, weil er meinen Koffer hatte.

Er war bereits den Hügel hinuntergelaufen und winkte gerade ein Taxi heran.

Verdammt.

Weiß dieser Kerl eigentlich nicht, wann er sich einfach zurückziehen sollte?

Ein Taxi hielt vor ihm.

Er blickte zu mir hoch.

„Komm schon!“, rief er laut genug, dass ich ihn hören konnte.

Ich schnaubte und ging schließlich den Hügel hinunter, bevor ich ins Taxi stieg.

Diese Fahrt würde ohne Zweifel unangenehm werden.

Aber Gesellschaft zu haben konnte ja nicht schaden.

Selbst wenn es mein Erzfeind war.

Mein Highschool-Mobber.

Und genauso unangenehm, wie ich erwartet hatte, verlief die Fahrt auch.

Liam versuchte immer wieder, ein Gespräch anzufangen, während ich ihn entweder ignorierte oder mit einem einzigen Wort abfertigte.

„Es tut mir leid. Wir sind vollständig ausgebucht“, sagte die Rezeptionistin und schenkte mir ein freundliches Lächeln.

Damit verschwand auch meine letzte Hoffnung, in der Toskana noch ein Zimmer zu bekommen.

Liam trat vor.

„Bitte informieren Sie uns, sobald etwas frei wird.“

Sie nickte und klimperte dabei auffällig mit den Wimpern.

Entweder bemerkte er es nicht…

…oder es war ihm schlicht egal.

Er schrieb seine Telefonnummer auf einen Zettel und reichte ihn ihr.

„Rufen Sie mich an.“

Dabei schenkte er ihr ein Lächeln.

Ich verdrehte die Augen, als er meinen Koffer nahm und das Hotel verließ.

Ich folgte ihm.

„Ist dir eigentlich aufgefallen, dass sie mit dir geflirtet hat?“, fragte ich.

Er sah mich an, während Menschen an uns vorbeiströmten.

Offensichtlich war hier ziemlich viel los.

„Jetzt redest du also mit mir… wegen einer Frau?“

Ich schnaubte, wandte den Blick ab und strich mir eine Haarsträhne hinters Ohr.

„Vergiss es.“

Mein Blick schweifte über die Menschen und ihre Kleidung.

Ich hatte wieder keinen Ort, an dem ich heute Nacht schlafen konnte.

Und ich wusste genau, dass mir nur zwei Möglichkeiten blieben.

Entweder ich flog zurück nach Amerika…

…was ich im Moment auf keinen Fall wollte.

Oder ich bat Liam, mich noch eine Nacht bei sich wohnen zu lassen.

Beides war furchtbar.

Wenn ich zurückging, würde ich ihnen genau die Genugtuung geben, die sie wollten.

Und wenn ich Liam fragte…

…dann wäre ich ihm etwas schuldig.

„Wenn sie Interesse an mir hat, könnte daraus durchaus etwas werden. Sie sieht schließlich nicht schlecht aus. Und außerdem, was würdest du denn—“

Mitten im Satz erstarrte ich.

Ein vertrautes Gesicht.

Nein.

Mehrere vertraute Gesichter.

Bitte.

Sag mir, ich bilde mir das nur ein.

Denn dort stand Jenny.

Und direkt neben ihr…

Tom.

Sie sagte etwas zu ihm, lächelte und begann, auf mich zuzugehen.

Ich warf Liam einen Blick zu.

„Lass uns gehen.“

Ich drehte mich um und lief los.

Leider nicht schnell genug, um den verwirrten Ausdruck auf seinem Gesicht zu übersehen.

„Hey… was ist denn? Ich habe ein Taxi gerufen. Wir müssen warten.“

Er holte zu mir auf.

„Dann warte eben. Ich muss hier weg.“

Ich wollte an ihm vorbei, doch er stellte sich mir so plötzlich in den Weg, dass ich beinahe gegen ihn lief.

Ich funkelte ihn wütend an.

„Was ist los? Ich meine…“

„Na, hallo.“

Ihre spöttische Stimme durchschnitt die Luft.

Meine Miene verfinsterte sich, obwohl mein Herz wie verrückt gegen meine Brust schlug.

Natürlich musste sie noch Salz in die Wunde streuen.

Sie wusste, dass ich hier sein würde.

Ich hatte sie nach Empfehlungen gefragt.

Ich hatte ihr von meinen Plänen erzählt.

Also hatte sie Tom mitgeschleppt, in der Hoffnung, mich hier zu finden.

Und genau das war passiert.

Liams Blick glitt an mir vorbei.

Er hob eine Augenbraue.

Natürlich erkannte er sie.

Queen Jenny.

Ich drehte mich zu ihnen um.

Meine Augen trafen Toms.

Er wirkte… bedrückt.

Meine Brust zog sich schmerzhaft zusammen.

Ich sah weg und achtete sorgfältig darauf, dass man mir nichts ansah.

Jenny musterte Liam mit zusammengezogenen Augenbrauen, als versuchte sie sich daran zu erinnern, woher sie ihn kannte.

Liam sagte kein Wort.

Dann riss sie überrascht die Augen auf.

„Liam Carter? Oh mein Gott! Das ist ja ewig her!“

Sie machte einen Schritt auf ihn zu, blieb jedoch stehen, als ihr einfiel, dass ich ebenfalls da war.

Sie sah mich an und verzog verächtlich den Mund.

„Du bist also tatsächlich nach Italien gekommen.“

Der Spott in ihrer Stimme war unüberhörbar.

Sie musterte mich von oben bis unten, rümpfte die Nase und wandte sich wieder Liam zu.

„Was machst du denn mit… ihr? Wir sollten uns mal wieder treffen. Ist schließlich ewig her.“

Tom verlagerte unbehaglich sein Gewicht.

Liam war deutlich attraktiver als er.

Und ich wusste genau, dass Tom Angst hatte, Jenny könnte ihn ihretwegen verlassen.

Etwas, das ihr durchaus zuzutrauen war.

Liam schwieg weiterhin.

Ach ja.

Damals in der Schule hatten Jenny und er sich ständig gestritten.

Man konnte wohl sagen, dass er sie nie besonders mochte.

Nicht, dass es mich interessierte.

Als sie merkte, dass er ihr keine Antwort geben würde, setzte sie ein aufgesetztes Lächeln auf und wandte sich wieder an mich.

„Wir sind verlobt. Mum möchte dich sehen, sobald du zurück bist.“

Ihr Grinsen wurde breiter.

Ich dagegen wusste nicht, was ich fühlte.

Genervt?

Wütend?

Verletzt?

Ich konnte es nicht einordnen.

Sie trat noch etwas näher.

„Er wird dich nie mögen. Ziemlich erbärmlich, dass du versuchst, dir einen Typen zu angeln, der dir schon in der Highschool deutlich gezeigt hat, wie sehr er dich hasst“, flüsterte sie.

In diesem Moment riss etwas in mir.

Dass sie mich nur auf mein Äußeres reduzierte?

Dass sie ständig auf mich herabsah?

Dass sie glaubte, alles Gute dieser Welt würde ihr gehören?

Ohne nachzudenken platzte mir das Erste heraus, was mir in den Sinn kam.

„Eigentlich ist er mein Date.“

Der überraschte Ausdruck auf ihrem Gesicht war jede Sekunde wert.

Ich hob das Kinn und richtete die Schultern auf, mir nur allzu bewusst, dass sowohl Tom als auch Liam mich anstarrten.

Der eine war schockiert.

Der andere vollkommen verwirrt.

„Ja.“

Ich sah Jenny direkt in die Augen.

„Liam Carter ist mein Freund.“

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