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Kapitel 6: Die Abrechnung

last update publish date: 2026-07-23 23:11:21

Die Rückfahrt zur Villa glich einem Trauerzug.

Julians Hand blieb in der Dunkelheit um die meine geschlossen, sein Daumen zog Kreise auf meiner Handfläche. Keiner von uns sprach. Was gab es auch zu sagen? Wir waren erwischt worden, wie wir Silas' Regeln gebrochen hatten, und jetzt fuhren wir zurück, um uns Konsequenzen zu stellen, die keiner von uns vorhersehen konnte.

In meinem Kopf liefen immer wieder Julians Worte ab: Lass mich die Schuld auf mich nehmen.

Das war absolut edel, dumm und völlig irrelevant, denn Silas wirkte auf mich nicht wie die Art von Mann, der halbe Sachen machte.

Als wir vor dem Anwesen hielten, war jedes Fenster dunkel außer einem... Silas' Arbeitszimmer, das wie ein Leuchtturm glühte, der gebaut worden war, um Schiffe auf Felsen zu locken.

"Denk daran, was ich gesagt habe", flüsterte Julian, als der Fahrer unsere Tür öffnete. "Ich regele das."

Ich wollte widersprechen, wollte ihm sagen, dass er mit Silas genauso wenig fertigwerden konnte wie ich, aber meine Kehle war zu zugeschnürt, also nickte ich nur.

Wir gingen durch die Eingangstür. Das Haus war still... Mama schlief bereits, das Personal war für die Nacht entlassen. Nur wir und der Mann, der oben wartete.

Jeder Schritt auf der Marmortreppe fühlte sich falsch an. Meine Beine zitterten, mein Puls hämmerte in meinen Ohren. Aber unter der Angst war noch etwas anderes, etwas, das ich nicht zu genau untersuchen wollte.

Erwartung.

Die Tür zu Silas' Arbeitszimmer stand offen. Er saß hinter seinem Schreibtisch, vollkommen gefasst, ein Glas Scotch in der einen Hand. Die Mappe, die Julian mir gezeigt hatte, die mit all den Beweisen gegen meine Mutter, lag geöffnet vor ihm.

"Kommt rein." Seine Stimme war ruhig. Zu ruhig. "Schließt die Tür. Schließt sie ab."

Ich tat es, meine Finger fummelten an dem Mechanismus herum.

"Setzt euch."

Zwei Stühle waren vor seinem Schreibtisch positioniert worden. Wir setzten uns. Ich konnte mein Bein nicht davon abhalten zu wippen, da nervöse Energie durch mich brannte.

Silas nahm einen langsamen Schluck von seinem Scotch, seine Augen wanderten zwischen uns hin und her wie bei einer Katze, die entscheidet, mit welcher Maus sie zuerst spielen möchte.

"So", sagte er schließlich. "Fangen wir mit der einfachen Frage an. Wer von euch beiden hat die Bundesermittler kontaktiert?"

Ich sah aufrichtig vor den Kopf gestoßen aus. "Was?"

"Dad, keiner von uns würde..." begann Julian.

"Ich spreche noch nicht mit dir." Silas' Blick verhakte sich in meinem. "Elena. Hast du die Strafverfolgungsbehörden wegen meiner Geschäftsaktivitäten kontaktiert?"

"Nein." Das Wort kam zu schnell heraus. "Ich schwöre, ich wüsste nicht einmal wie..."

"Wüsstest du nicht?" Er holte sein Telefon heraus und legte es auf den Schreibtisch. Auf dem Bildschirm war ein Foto, ich und Julian in der Bibliothek, seine Hand auf meinem Handgelenk, unsere Köpfe eng zusammen über der Mappe. "Dann kannst du vielleicht erklären, warum mein Sohn sich gedrängt fühlte, dir vertrauliche Dokumente zu zeigen, im Geheimen, was direkt gegen die Vereinbarung verstößt, die wir getroffen haben."

Der Raum fühlte sich plötzlich zu klein an. Zu heiß.

"Ich wollte, dass sie versteht, was du getan hast", sagte Julian mit angespannter Stimme. "Die Falle, die du um ihre Mutter aufgebaut hast. Sie hatte es verdient zu wissen..."

"Was sie verdient hat", unterbrach Silas, "war, die Regeln zu befolgen, die wir aufgestellt haben. Genau wie du." Er stand auf und ging mit raubtierhafter Anmut um den Schreibtisch herum. "Aber du konntest dich nicht beherrschen, nicht wahr, Julian? Musstest den Helden spielen. Musstest ihr zeigen, dass du dich von deinem schrecklichen Vater unterscheidest."

Er blieb vor Julian stehen und sah auf ihn herab.

"Hier ist das Problem mit Helden, Sohn. Sie sorgen dafür, dass Menschen sterben."

Julians Kiefer spannte sich an. "Hier geht es nicht um Heldenmut. Es geht um..."

"Gefühle?" Silas' Stimme trof vor Verachtung. "Sag mir bitte nicht, dass du Gefühle für sie entwickelt hast. Das wäre... enttäuschend."

Die Stille, die folgte, war ohrenbetäubend.

Silas drehte sich zu mir um. "Steh auf, Elena."

Mein Körper gehorchte, bevor mein Gehirn mitkam. Ich stand auf zittrigen Beinen auf.

"Komm her."

Ich ging zu ihm, übermäßig vorsichtig wegen Julians Blicken, wegen der Art, wie ungeschützt ich mich unter Silas' kalter Musterung fühlte.

"Weißt du, was ich denke?" Silas' Hand hob sich, die Finger fuhren meine Kieferlinie entlang. Nicht rau. Fast sanft. Irgendwie machte das alles nur noch schlimmer. "Ich denke, mein Sohn hat dir diese Dokumente gezeigt in der Hoffnung, dass du ihm vertraust. Vielleicht sogar im Gegenzug Gefühle für ihn entwickelst. Ist das nicht so, Julian?"

"Das ist nicht..."

"Lüg nicht. Du warst schon immer schrecklich darin." Silas' Daumen strich über meine Unterlippe, und ich hasste es, wie mein Atem ins Stocken geriet. "Aber hier ist das, was wirklich interessant ist. Elena ist mit diesen Informationen nicht zu ihrer Mutter gerannt. Sie hat nicht die Polizei gerufen, und sie hat nichts getan, außer direkt hierher zurückzukommen, als ich sie gerufen habe."

Seine Augen bohrten sich in meine. "Warum ist das so, Elena?"

Ich konnte nicht antworten. Meine Zunge fühlte sich wie festgeklebt an meinem Gaumen an.

"Ich werde es dir sagen." Seine Hand wanderte zu meinem Hals und lag dort wie ein Halsband. "Weil irgendein Teil von dir, der Teil, den zuzugeben du schreckliche Angst hast, genau weiß, wo du hingehörst. Ist das nicht richtig?"

"Nein..." Aber meine Stimme schwankte.

"Dein Puls rasst. Ich kann es unter meinen Fingern spüren. Hast du Angst, Elena? Oder ist es etwas völlig anderes?"

Hinter mir stand Julian auf. "Dad, es reicht..."

"Setz. Dich. Hin." Das Kommando in Silas' Stimme war absolut.

Ich hörte, wie Julian zögerte. Dann das Knarren des Stuhls, als er sich wieder hinsetzte.

"Guter Junge." Silas' Aufmerksamkeit kehrte zu mir zurück. "Da ihr nun beide unsere Vereinbarung verletzt habt, muss es Konsequenzen geben. Julian, du wirst da sitzen und zusehen. Und Elena..." Seine Hand verengte sich ein Stück an meinem Hals. "Du wirst mir genau zeigen, wie leid es dir tut."

Mein Herz hämmerte so hart, dass ich dachte, es könnte durch meine Rippen brechen.

"Zieh deinen Pullover aus."

"Silas..."

"Sir. Und das war keine Bitte."

Meine Hände zitterten, als ich den Saum meines Pullovers griff und ihn mir über den Kopf zog. Die Luft fühlte sich kalt auf meiner Haut an. Oder vielleicht war ich mir nur plötzlich über alles übermäßig bewusst... das Geräusch von Julians Atem hinter mir, das Gewicht von Silas' Blick und das Verlangen zwischen meinen Beinen, das ich jetzt absolut nicht spüren sollte.

"Den Rest. Alles."

"Tu es nicht", sagte Julian mit angespannter Stimme. "Bestrafe stattdessen mich. Sie hat nicht..."

"Sie hat die Informationen angenommen, die du ihr gegeben hast. Sie hat sich vertrauliche Dokumente angesehen. Sie hat Entscheidungen getroffen." Silas' Augen wichen nie von meinen. "Und jetzt wird sie die Konsequenzen akzeptieren. Nicht wahr, Elena?"

Ich hätte Nein sagen sollen, hätte das Sicherheitswort benutzen sollen, das er mir gegeben hatte.

Stattdessen öffnete ich meine Jeans.

Das Geräusch des Reißverschlusses war unfassbar laut. Ich schob den Denimmaterial meine Hüften hinunter, trat heraus und stand da in meinem BH und Höschen, meine Haut erhitzt vor Scham und etwas Dunklerem.

"Alles", wiederholte Silas leise.

Als ich schließlich nackt war, schlang ich meine Arme um mich selbst und versuchte mich zu verstecken. Aber Silas griff nach meinen Armen und zog sie an meine Seiten.

"Versteck dich nicht vor mir. Versteck dich niemals vor mir." Er trat zurück, und sein Blick fühlte sich wie eine körperliche Berührung an. "Dreh dich um. Beuge dich über den Schreibtisch."

"Dad, bitte..." Julians Stimme brach.

"Sieh zu. Und denk daran, dass das passiert, wenn du versuchst, mich zu untergraben."

Ich ging auf Beinen zum Schreibtisch, die sich nicht wie meine eigenen anfühlten. Das Holz war kühl unter meinen Handflächen, als ich mich vornüberbeugte, mein Gesicht brannte vor Demütigung.

Hinter mir hörte ich eine Schublade aufgehen. Dann Silas' Stimme, jetzt näher.

"Du hast die Regeln gebrochen, Elena. Ihr beide habt es getan. Und in diesem Haus haben gebrochene Regeln Konsequenzen."

Etwas Weiches strich gegen mein Handgelenk, kühl und bedacht, und als ich nach unten blickte, sah ich einen Streifen schwarzer Seide durch seine Finger gleiten. Mein Puls geriet ins Stocken, als er meine Hände nahm und sie langsam zusammenführte, wodurch er mir gerade genug Zeit gab, mich entziehen zu können, wenn ich wollte. Ich wollte nicht. Die Seide zog sich fest, nicht schmerzhaft, aber genug, um mich daran zu erinnern, dass eigene Entscheidungen etwas waren, das ich bereits verlor.

"Bleib genau da, wo du bist", sagte er, sein Tonfall ruhig, kontrolliert, keinen Raum für Widerrede lassend. Dann, ohne ihn anzusehen: "Julian, du wirst da sitzen und du wirst zusehen. Du wirst nicht sprechen. Du wirst dich nicht bewegen. Und du wirst nicht unterbrechen."

Die Stille hinter mir dehnte sich aus, dick und erstickend, bevor Julians Stimme kam, angespannt und beherrscht. "Meinetwegen."

Silas trat gerade weit genug zurück, um mich ganz anzusehen, sein Blick langsam, bedacht, jede Reaktion auffangend, die ich nicht verbergen konnte. "Hier ist deine Bestrafung, Elena. Du darfst nicht so tun, als würde dich das nicht treffen. Du darfst dich nicht hinter Trotz verstecken. Heute Nacht stehst du hier, genau so, wie du bist, und du spürst alles. Und er sieht dir dabei zu."

Mein Atem geriet ins Stocken, ungleichmäßig jetzt, mein Körper verriet mich auf Weisen, die ich nicht verstand, nicht verstehen wollte, besonders nicht mit Julian, der genau dort hinter mir saß. "Silas..."

"Sag mir, dass ich aufhören soll", sagte er leise, fast sanft. "Sag das Wort, und das hier endet. Aber wenn du es nicht tust..." Seine Augen wurden dunkler, etwas Gefährliches setzte sich darin fest. "Dann bleibst du genau da, wo du bist, und nimmst hin, was als Nächstes kommt."

Das Wort lag auf meiner Zunge, einfach, in Reichweite, aber ich sagte es nicht. Ich konnte nicht. Denn irgendwo zwischen der Angst und der Hitze, die sich tief in meinem Bauch zusammenrollte, wurde mir klar, dass Aufhören nicht das war, was ich wollte. Und in dem Moment, in dem sich diese Wahrheit setzte, veränderte sich etwas in seinem Gesichtsausdruck.

"Gut", murmelte Silas und trat näher, nah genug, dass ich das Gewicht von dem

spüren konnte, was ich gerade gewählt hatte. "Dann wollen wir anfangen."

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