ANMELDENClara
Er verband mir die Augen, ohne ein Wort zu sagen.
Ein einfaches Seidentuch, doch mit fast zeremonieller Präzision gespannt. Ich spürte ihn hinter mir konzentriert, ruhig, als würde er mich für ein Ritual vorbereiten. Und in gewisser Weise … stimmte das. Er schloss mich ein in Dunkelheit, in Stille, in Erwartung.
Ich wusste nicht, was er tun würde. Und genau das machte mich wahnsinnig.
Ich war nackt. Nicht nur entkleidet. Bloßgestellt. Die Luft strich über meine Haut wie fremde Finger. Jeder Atemzug, jedes Rascheln wurde zu einer sanften Bedrohung, zu einem Versprechen.
Der Boden unter meinen Füßen schien zu beben. War es ich? Oder das Bewusstsein, dass ich bald zusammenbrechen würde, dargeboten wie ein williges Opfer?
Dann hörte ich ihn.
Zuerst seine ruhigen, gleichmäßigen Schritte. Dann das langsame Öffnen einer Schublade. Leder. Metall. Ein leiser Atemzug. Das Kratzen eines Stuhls. Und Stille.
Ich fühlte mich ausgestellt, verletzlich, dem Unsichtbaren ausgeliefert.
Dann seine Stimme.
»Knie dich hin.«
Diese Stimme … wie hätte ich ihr widerstehen können? Selbst meine Gedanken beugten sich ihr.
Ich kniete nieder. Meine Knie sanken in den dicken Teppich. Meine Schultern entspannten sich. Mein Atem wurde kürzer. Ich befand mich zwischen zwei Welten: der der Vernunft … und der des Bedürfnisses.
Er umkreiste mich.
Ich spürte seine Präsenz. Seine Wärme. Seinen Blick. Seinen Atem. Er musterte mich, ja. Aber vor allem … er schrieb mich neu. Er zeichnete meinen Körper mit seinen Augen. Er verwandelte mich.
Dann streiften seine Finger meine Lippen.
Er hielt etwas in der Hand. Einen Riemen. Eine Art Knebel. Das Leder roch nach Gebrauch. Nach Vergangenheit. Nach Verbotenem.
»Öffne.«
Ich gehorchte. Mein Mund öffnete sich wie eine Gabe. Er ließ das Leder sanft hineingleiten und schloss die Schnalle hinter meinem Kopf. Er zog sie nicht fest. Er wollte, dass ich spürte. Dass ich schwieg. Dass ich stöhnte.
Und genau das tat ich.
Julien
Sie war perfekt.
Die Knie fest auf dem Boden. Der Rücken gerade. Das Kinn leicht gesenkt, als würde sie beten. Oder als wüsste sie bereits, welchem Gott sie gehörte.
Ich sagte nichts. Noch nicht.
Ich ließ sie in dieser gespannten Stille, in dieser gewählten Dunkelheit. Sie war ihrer Fantasie ausgeliefert, und ich wusste, dass sie darin tausend Dinge sah eines aufregender und beschämender als das andere.
Ich holte die Gerte.
Nicht um sie zu verletzen. Um sie zu markieren. Um auf ihre Haut zu schreiben.
Als ich zurückkam, bewegte sie sich nicht. Doch ihr Brustkorb hob und senkte sich schneller. Ihre Schenkel waren leicht geöffnet. Ihr Körper reagierte bereits.
Ich berührte sie mit der Spitze des Leders. Eine Linie zwischen ihren Brüsten. Dann über ihren Hals. Hinter ihren Nacken.
Sie stöhnte.
Dann schlug ich zu. Ein trockenes, klares Geräusch. Auf ihre rechte Hüfte.
Sie zuckte zusammen.
Dann auf die linke. Etwas stärker.
Wieder. Und wieder.
Ihre Haut nahm einen köstlichen rosigen Ton an. Jeder Schlag ließ sie erbeben. Sie widerstand … und öffnete sich doch mit jedem Aufprall mehr.
Dann flüsterte ich:
»Beug dich vor. Auf die Ellbogen. Beine auseinander.«
Sie gehorchte ohne ein Wort.
Clara
Ich hatte keinen klaren Gedanken mehr.
Nur Hitze. Schmerz. Erwartung.
Jeder Schlag war wie ein Gongschlag in meinem Bauch. Es brannte. Und dann floss es. Ich war nur noch ein pochendes, dargebotenes Verlangen.
Er beugte mich nach vorn.
Mein Gesicht zum Teppich, die Arme angewinkelt, das Gesäß erhoben. Eine tierische Haltung. Absolute Unterwerfung.
Meine Schenkel zitterten. Mein Körper war offen, geschwollen, fast schmerzhaft vor Verlangen.
Die Gerte glitt zwischen meinen Schenkeln entlang. Ich keuchte durch den Knebel.
Dann, ohne Vorwarnung, drang er in mich ein.
Hart. Tief.Ich wollte schreien. Das Leder hielt mich zurück. Also stöhnte ich laut und lang.
Er nahm mich ohne Schonung.
Seine Bewegungen waren heftig. Kontrolliert. Präzise. Er wusste genau, was er tat. Wie er mich beugen konnte. Wie er mich zerbrechen ließ.
Mein ganzer Körper vibrierte unter ihm.
Dann hielt er inne.
Er zog sich zurück. Kniete hinter mir.
Seine Zunge. Überall. Auf meiner Haut. Zwischen meinen Schenkeln.
Ich war nicht mehr Clara. Ich gehörte ihm.
Julien
Sie schmeckte nach Angst, nach Schweiß, nach Verlangen. Nach Verbotenem. Ich stürzte mich darauf wie ein Hungernder.
Ich wollte, dass sie kam. Nicht sanft. Nicht zärtlich. Sondern roh. Total.
Ich hielt sie fest. Trieb sie weiter. Und sie brach.
Ihr Körper explodierte. Ein tierischer Laut. Ein Schrei aus Kehle, Bauch und Tiefe. Sie brach zitternd zusammen.
Ich nahm sie erneut. Dieses Mal sanfter. Wie ein Dankeschön.
Dann trug ich sie zum Bett.
Ich löste das Tuch. Den Knebel. Sah sie an.
Ihre Augen waren verschleiert. Doch sie lächelte.
Ich beugte mich zu ihrem Ohr und flüsterte:
»Jetzt weißt du, was Gehorsam bedeutet.«
Sie schloss die Augen und hauchte:
»Ich will mehr.«
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CLARADie Nacht ist hereingebrochen, und mit ihr hat sich etwas befreit.Die Welt da draußen setzt ihren Lärm fort, aber hier, in dieser Wohnung, die im Halbdunkel erstarrt ist, hat sich alles verlangsamt.Die Sekunden dehnen sich, schwebend, erfüllt von einer dumpfen, köstlichen Spannung.Die Art von Spannung, die man nur im Brennen löst.Julien ist da.Schweigend, präsent und verwirrend ruhig.Aber unter seiner Hand, die sich mit der meinen verbindet, spüre ich die Elektrizität.Diesen gespannten Faden zwischen uns seit Stunden, bereit zu reißen.Ich drehe mich zu ihm um.Ich lächle nicht.Ich brauche keine Maske mehr.Er weiß.Ich weiß.Ich stehe auf.Er folgt mir, sein Blick an meinem verankert wie ein Seil, das mich nur noch ganz umschlingen will.Im Schlafzimmer wird die Luft zu Materie.Sie klebt an der Haut. Sie brennt bereits.Ich ziehe meinen Pullover aus, eine langsame, fast unverschämte Geste.Seine Augen gleiten über mich, dunkel, geweitet, wie ausgehungert.Er kommt nähe
JULIENIch schrecke aus dem Schlaf hoch.Das Bett ist kalt neben mir, leer.Ich taste reflexartig hinüber, aber da ist nur die Kuhle der Matratze, noch lau von einem abwesenden Körper.Clara.Ein Schauer durchfährt mich, unwiderstehlich.Ich richte mich auf, durchsuche die Wohnung mit den Blicken, als könnte sie aus einer dunklen Ecke auftauchen, ein Lächeln auf den Lippen.Aber nein.Sie ist wirklich fort.Ich finde den Zettel auf dem Tisch.Kaum ein paar Zeilen.Eine hastige Schrift, geneigt, fast zittrig.Ich muss ihn sehen. Ich muss mit Marc sprechen. Ich komme wieder.Ich umklammere das Papier in meiner Hand. So fest, dass es zerknittert.Ich wusste, dass dieser Moment kommen würde.Ich wusste, dass sie mit ihrem Bruder sprechen musste.Aber ich war nicht auf dieses Gefühl der Leere vorbereitet, auf diesen bitteren Geschmack, den die Angst hinterlässt, wenn sie sich im Hals festsetzt.Ich laufe im Kreis.Ich trinke einen bitteren Kaffee.Ich starre auf die Tür. Ich zähle die Stun
CLARADie Morgendämmerung hat die Dunkelheit noch nicht durchbrochen, als ich die Wohnung verlasse.Die Morgenluft ist eisig und klebrig, fast feindselig, wie eine Ohrfeige, die man hinnimmt, ohne sich zu wehren.Julien schläft noch tief. Die ganze Nacht hat er mich an sich gedrückt gehalten, fest, fast verzweifelt, als fürchtete er, ich könnte beim Erwachen verblassen. Als könnten seine Arme das Unvermeidliche aufhalten.Aber ich bin nicht dazu geschaffen, festgehalten zu werden.Ich bin dazu geschaffen, zu wählen.Ich hinterlasse einen Zettel auf dem Tisch, schnell, kaum lesbar, aber notwendig:Ich muss ihn sehen. Ich muss mit Marc sprechen. Ich komme wieder.Meine Schritte hallen durch die leeren Straßen, und jeder Schlag meines Herzens scheint lauter als der vorherige, als wollte er meinem Brustkorb entfliehen.Aber ich gehe weiter.Ich gehe, weil dies der einzige Weg ist, nicht zu versinken.Weil ich mich nicht damit abfinden kann, Marc ein weiteres Mal fortgehen zu lassen, ohne
CLARADie Stille ist zurückgekehrt. Aber es ist nicht mehr dieselbe.Sie hat die Konsistenz eines Abgrunds. Kalt. Tief. Schneidend.Ich schaffe es nicht, mich zu bewegen. Meine Beine sind schwer, wie in Zement gegossen. Und doch schreit alles in mir danach, Marc hinterherzulaufen. Ihn einzuholen. Zu schreien. Alles zu erklären.Aber was genau?Dass ich mich in einen Mann verliebt habe, ohne zu wissen, dass er mit meinem Bruder verbunden ist?Dass ich blind geliebt habe, wie man sich ins Leere stürzt, im Glauben, man könne fliegen, bevor man den Boden berührt?Julien kommt langsam näher.Er sagt nichts. Er versucht nicht, mich an sich zu drücken.Und vielleicht ist es das, was ich jetzt, in diesem Moment, an ihm liebe.Dieses respektvolle Schweigen. Diese Zurückhaltung, voller Spannung.— Willst du, dass ich gehe?, flüstert er.Ich schüttle den Kopf, zu schnell, fast panisch.— Nein. Bleib.Meine Stimme bricht am Ende.Und alles in mir droht, diesem Beispiel zu folgen.Ich sinke auf da
CLARADie Tür fällt hinter uns ins Schloss, ein trockenes Geräusch, das wie ein Donnerschlag in der schweren Stille der Wohnung widerhallt.Ich bleibe einen Moment wie erstarrt stehen, der Körper noch vibrierend von den Stunden mit Julien.Sein warmer Hauch auf meiner Haut, seine Finger, die jeden Zentimeter meines Körpers bereist haben, zerreißen mich noch immer vor Verlangen, aber auch vor Angst, vor dieser tief sitzenden Angst, dass die Vergangenheit mich doch noch einholt.Die Spannung in der Luft ist dicht, greifbar, wie eine gespannte Saite, die bei jedem Atemzug zu reißen droht.Julien tritt einen sicheren Schritt vor, verströmt einen Duft nach Leder und Amber, der mich umhüllt, mich in einer fragilen und doch schützenden Blase gefangen hält.Ich weiß, warum er mich hierhergebracht hat, warum er darauf bestanden hat, dass ich Marc treffe.Marc, sein bester Freund.Der Name gleitet sanft über seine Lippen, fast wie eine Liebkosung, aber für mich ist es ein Messer, das sich tief
ClaraIch glaube, wir fahren nach Hause.Ich glaube, wir werden sein Bett wiederfinden, seine Laken, die noch nach Schweiß, nach Sex, nach Nacht riechen.Doch ohne Vorwarnung verlässt er die Straße, nimmt eine Ausfahrt, die ich nicht kenne, und mein Bauch zieht sich zusammen, langsam, köstlich, als würde gleich wieder etwas kippen.Ich sehe ihn an. Er lächelt.Kein unschuldiges Lächeln, kein beruhigendes Lächeln.Ein Lächeln, das schneidet, das alles errät. Ein Wolfslächeln.— Ich möchte dich jemandem vorstellen.Ich antworte nicht. Ich kann nicht.Ich bin noch immer durchnässt von ihm. Mein Körper schwebt zwischen Danach und Neubeginn. Mein Slip klebt an meinen Schenkeln, mein Geschlecht ist geschwollen, zu empfindlich, mein Atem kurz. Ich bin dargeboten, ausgeliefert dem, was kommt, unfähig, an etwas anderes zu denken als an ihn – noch immer, überall, in mir.Er parkt vor einem nüchternen, hohen, ruhigen Gebäude.Die Fassade ist glatt, unbewegt – doch innen spüre ich etwas anderes.