ANMELDENClara
Ich wusste es in dem Moment, als ich die Schwelle überschritt.
Etwas hatte sich verändert.
Die Luft war dichter. Der Geruch wärmer. Und vor allem … dieses Gefühl, bereits erwartet zu werden. Nicht nur von Julien. Von etwas Größerem. Einer Inszenierung. Einer Idee. Einem Willen, der größer war als ich.
Er stand dort, ganz in Schwarz, reglos. Seine Augen durchbohrten mich. Kein Wort. Kein Lächeln. Nur diese verstörende Starrheit. Ich erstarrte. Dann spürte ich es.
Eine Präsenz.
Ein Duft. Eine fremde Spannung im Raum. Und dann die Stimme:
»Zieh sie aus.«
Ruhig. Sicher. Leicht gebrochen von einem harten, fast männlichen Akzent. Ich drehte den Kopf.
Sie war da.
Sitzend in einem Ledersessel, die Beine übereinandergeschlagen, aufrecht wie eine Klinge. Eine Brünette mit hellen, eisigen Augen, die mich bereits mit ihrem Blick entkleidete.
Julien zögerte nicht. Er trat hinter mich, öffnete mein Kleid mit einer fließenden Bewegung, ließ den Stoff an meinen Armen hinabgleiten. Und ließ mich nackt zurück.
Doch nicht die Nacktheit ließ mich zittern. Es war sie.
Diese Fremde, die mich ansah wie ein wertvolles Objekt, das man gleich prüfen würde. Ich traf ihren Blick. Darin lag kein Verlangen. Nur absolute Faszination. Kalt. Präzise. Vollständig.
»Auf die Knie«, sagte Julien.
Ich kniete nieder, ohne nachzudenken. Meine Knie trafen den Boden wie eine Wahrheit. Meine Arme hingen reglos an meinem Körper, zitternd.
»Hände in den Nacken«, befahl sie.
Ihre Stimme ein Biss. Ein sauberer Schnitt in meinen Willen.
Ich gehorchte.
Und in diesem Moment begriff ich: Ich war nicht mehr dieselbe Clara. Ich war nicht mehr nur »seine« Untergebene. Ich war ihre Beute. Ihr Material. Ihr Mittelpunkt.
Julien
Ich hatte Clara nichts gesagt.
Denn Worte hätten alles zerstört: die Erwartung, das Warten, die Verwirrung. Alles musste wie eine schwarze Welle über sie hereinbrechen.
Lou war perfekt dafür.
Ihr Blick war nicht mitfühlend. Nicht vertraut. Nur analytisch. Sie wollte nicht verführen, nicht einmal dominieren um ihrer selbst willen. Sie studierte. Sie formte.
Und Clara würde ihr Subjekt sein.
Ich ließ sie gewähren. Ich wollte sehen, wie weit sie gehen würde. Und wie weit Clara standhalten konnte.
Lou erhob sich und umkreiste Clara langsam. Eine Inspektorin. Eine Raubtierin.
»In Position, Hündin«, sagte sie plötzlich.
Clara zuckte zusammen. Doch sie gehorchte. Zu schnell. Zu bereitwillig.
Lou holte ein schwarzes, verstärktes Halsband hervor. Die Art, die nicht zur Zierde dient. Die Art, die eine Leine hält, ohne nachzugeben.
Sie legte es Clara um den Hals und zog die Leine nach unten, bis Clara den Kopf senkte.
»Glaubst du, sie hält durch?«
»Sie muss durchhalten.«
Lou schlug Clara mit einem trockenen Schlag auf die Wange. Gerade stark genug, um eine Spur zu hinterlassen.
»Richte dich auf. Wenn man dich erniedrigt, richte dich auf. Sonst lernst du nichts.«
Clara hob den Kopf. Die Augen glänzten. Der Atem stockte.
Ich war bereits erregt. Doch ich hielt mich zurück. Ich wollte, dass sie fiel, bevor ich sie nahm.
Lou
Sie ist schön, Clara.
Nicht wie eine Frau. Wie ein Riss. Eine Spalte, die man erweitern kann. Eine Schwachstelle in der menschlichen Oberfläche.
Ich packte sie am Nacken und führte sie langsam zum Bett, die Leine zwischen meinen Fingern.
Sie kroch. Und das erniedrigte sie. Doch sie kroch gut. Der Rücken gewölbt, die Hüften tief, die Schenkel leicht geöffnet. Sie wusste bereits, wie man gehorcht.
Ich legte sie auf den Bauch. Strich über ihr Gesäß. Spreizte es mit dem Daumen.
»Halt sie offen«, sagte ich zu Julien.
Er legte seine Hände an ihre Hüften und zog sie zu sich. Clara stöhnte, beschwerte sich aber nicht.
Dann nahm ich den Stock.
Schlank. Fest. Glatt.
Der erste Schlag traf präzise. Sie schrie. Ich wartete. Der zweite tiefer. Der dritte härter.
Ihre Haut vibrierte, pulsierte, rot und lebendig.
»Sie wird feucht«, sagte Julien.
Ich ließ zwei Finger zwischen ihre Schenkel gleiten. Nass. Geschwollen.
»Natürlich wird sie feucht. Ihr Körper weiß es längst.«
Ich ließ einen Finger an ihrem Hintereingang verweilen. Lange.
Julien streichelte ihre Brüste, langsam, schweigend.
Dann drang ich mit zwei Fingern tief in sie ein.
Sie schrie.
Ich sah ihr in die Augen, während sie kam.
Und verstand: Sie wollte nicht mehr, dass wir aufhören.
Clara
Ich weinte.
Ich weiß nicht, wann es begann. Vielleicht zwischen dem vierten Schlag und dem Moment, als sie mich berührte. Vielleicht, als Julien mir den Knebel anlegte.
Aber ich weinte.
Nicht vor Schmerz. Nicht vor Angst.
Vor Überfluss.
Ich war da. Ganz da. Zu sehr da.
Julien trat hinter mich, legte seine Hand auf meine Hüften und drang mit einem einzigen Stoß in mich ein.
Lou kniete vor mir, zog an meinen Brustwarzen, schlug mir auf die Brüste.
Ich war nur noch ein Nervenzentrum. Ein erstickter Schrei.
Sie nahmen mich zu zweit. Zwischen zwei Bewegungen. Zwei Rhythmen.
Ich hatte keinen Körper mehr. Nur Nerven. Krämpfe. Stöhnen.
Ich kam. Heftig. Brutal. Unkontrolliert.
Lou schlug mir ins Gesicht.
Julien bewegte sich langsamer. Fast zärtlich.
»Sieh mich an, wenn du kommst«, flüsterte Lou. »Du gehörst nicht mehr dir selbst.«
Ich sah sie an.
Und kam noch einmal.
Ohne Namen. Ohne Worte. Ohne Ende.
Julien
Sie brach zusammen, der Körper gezeichnet, die Schenkel offen, die Lippen gerötet.
Sie hatte keine Identität mehr. Keine Angst. Kein Widerstand.
Lou stand auf, glättete ihren Rock, löste das Halsband.
Dann sagte sie ruhig:
»Sie ist bereit. Sie ist wunderschön. Du kannst sie weiter treiben.«
Und sie ging. Wie ein Schatten.
Ich legte mich neben Clara. Sie sprach nicht. Doch sie atmete schwer, zitterte, lächelte.
Ich strich ihr durch die Haare und flüsterte:
»Das ist erst der Anfang.«
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CLARADie Nacht ist hereingebrochen, und mit ihr hat sich etwas befreit.Die Welt da draußen setzt ihren Lärm fort, aber hier, in dieser Wohnung, die im Halbdunkel erstarrt ist, hat sich alles verlangsamt.Die Sekunden dehnen sich, schwebend, erfüllt von einer dumpfen, köstlichen Spannung.Die Art von Spannung, die man nur im Brennen löst.Julien ist da.Schweigend, präsent und verwirrend ruhig.Aber unter seiner Hand, die sich mit der meinen verbindet, spüre ich die Elektrizität.Diesen gespannten Faden zwischen uns seit Stunden, bereit zu reißen.Ich drehe mich zu ihm um.Ich lächle nicht.Ich brauche keine Maske mehr.Er weiß.Ich weiß.Ich stehe auf.Er folgt mir, sein Blick an meinem verankert wie ein Seil, das mich nur noch ganz umschlingen will.Im Schlafzimmer wird die Luft zu Materie.Sie klebt an der Haut. Sie brennt bereits.Ich ziehe meinen Pullover aus, eine langsame, fast unverschämte Geste.Seine Augen gleiten über mich, dunkel, geweitet, wie ausgehungert.Er kommt nähe
JULIENIch schrecke aus dem Schlaf hoch.Das Bett ist kalt neben mir, leer.Ich taste reflexartig hinüber, aber da ist nur die Kuhle der Matratze, noch lau von einem abwesenden Körper.Clara.Ein Schauer durchfährt mich, unwiderstehlich.Ich richte mich auf, durchsuche die Wohnung mit den Blicken, als könnte sie aus einer dunklen Ecke auftauchen, ein Lächeln auf den Lippen.Aber nein.Sie ist wirklich fort.Ich finde den Zettel auf dem Tisch.Kaum ein paar Zeilen.Eine hastige Schrift, geneigt, fast zittrig.Ich muss ihn sehen. Ich muss mit Marc sprechen. Ich komme wieder.Ich umklammere das Papier in meiner Hand. So fest, dass es zerknittert.Ich wusste, dass dieser Moment kommen würde.Ich wusste, dass sie mit ihrem Bruder sprechen musste.Aber ich war nicht auf dieses Gefühl der Leere vorbereitet, auf diesen bitteren Geschmack, den die Angst hinterlässt, wenn sie sich im Hals festsetzt.Ich laufe im Kreis.Ich trinke einen bitteren Kaffee.Ich starre auf die Tür. Ich zähle die Stun
CLARADie Morgendämmerung hat die Dunkelheit noch nicht durchbrochen, als ich die Wohnung verlasse.Die Morgenluft ist eisig und klebrig, fast feindselig, wie eine Ohrfeige, die man hinnimmt, ohne sich zu wehren.Julien schläft noch tief. Die ganze Nacht hat er mich an sich gedrückt gehalten, fest, fast verzweifelt, als fürchtete er, ich könnte beim Erwachen verblassen. Als könnten seine Arme das Unvermeidliche aufhalten.Aber ich bin nicht dazu geschaffen, festgehalten zu werden.Ich bin dazu geschaffen, zu wählen.Ich hinterlasse einen Zettel auf dem Tisch, schnell, kaum lesbar, aber notwendig:Ich muss ihn sehen. Ich muss mit Marc sprechen. Ich komme wieder.Meine Schritte hallen durch die leeren Straßen, und jeder Schlag meines Herzens scheint lauter als der vorherige, als wollte er meinem Brustkorb entfliehen.Aber ich gehe weiter.Ich gehe, weil dies der einzige Weg ist, nicht zu versinken.Weil ich mich nicht damit abfinden kann, Marc ein weiteres Mal fortgehen zu lassen, ohne
CLARADie Stille ist zurückgekehrt. Aber es ist nicht mehr dieselbe.Sie hat die Konsistenz eines Abgrunds. Kalt. Tief. Schneidend.Ich schaffe es nicht, mich zu bewegen. Meine Beine sind schwer, wie in Zement gegossen. Und doch schreit alles in mir danach, Marc hinterherzulaufen. Ihn einzuholen. Zu schreien. Alles zu erklären.Aber was genau?Dass ich mich in einen Mann verliebt habe, ohne zu wissen, dass er mit meinem Bruder verbunden ist?Dass ich blind geliebt habe, wie man sich ins Leere stürzt, im Glauben, man könne fliegen, bevor man den Boden berührt?Julien kommt langsam näher.Er sagt nichts. Er versucht nicht, mich an sich zu drücken.Und vielleicht ist es das, was ich jetzt, in diesem Moment, an ihm liebe.Dieses respektvolle Schweigen. Diese Zurückhaltung, voller Spannung.— Willst du, dass ich gehe?, flüstert er.Ich schüttle den Kopf, zu schnell, fast panisch.— Nein. Bleib.Meine Stimme bricht am Ende.Und alles in mir droht, diesem Beispiel zu folgen.Ich sinke auf da
CLARADie Tür fällt hinter uns ins Schloss, ein trockenes Geräusch, das wie ein Donnerschlag in der schweren Stille der Wohnung widerhallt.Ich bleibe einen Moment wie erstarrt stehen, der Körper noch vibrierend von den Stunden mit Julien.Sein warmer Hauch auf meiner Haut, seine Finger, die jeden Zentimeter meines Körpers bereist haben, zerreißen mich noch immer vor Verlangen, aber auch vor Angst, vor dieser tief sitzenden Angst, dass die Vergangenheit mich doch noch einholt.Die Spannung in der Luft ist dicht, greifbar, wie eine gespannte Saite, die bei jedem Atemzug zu reißen droht.Julien tritt einen sicheren Schritt vor, verströmt einen Duft nach Leder und Amber, der mich umhüllt, mich in einer fragilen und doch schützenden Blase gefangen hält.Ich weiß, warum er mich hierhergebracht hat, warum er darauf bestanden hat, dass ich Marc treffe.Marc, sein bester Freund.Der Name gleitet sanft über seine Lippen, fast wie eine Liebkosung, aber für mich ist es ein Messer, das sich tief
ClaraIch glaube, wir fahren nach Hause.Ich glaube, wir werden sein Bett wiederfinden, seine Laken, die noch nach Schweiß, nach Sex, nach Nacht riechen.Doch ohne Vorwarnung verlässt er die Straße, nimmt eine Ausfahrt, die ich nicht kenne, und mein Bauch zieht sich zusammen, langsam, köstlich, als würde gleich wieder etwas kippen.Ich sehe ihn an. Er lächelt.Kein unschuldiges Lächeln, kein beruhigendes Lächeln.Ein Lächeln, das schneidet, das alles errät. Ein Wolfslächeln.— Ich möchte dich jemandem vorstellen.Ich antworte nicht. Ich kann nicht.Ich bin noch immer durchnässt von ihm. Mein Körper schwebt zwischen Danach und Neubeginn. Mein Slip klebt an meinen Schenkeln, mein Geschlecht ist geschwollen, zu empfindlich, mein Atem kurz. Ich bin dargeboten, ausgeliefert dem, was kommt, unfähig, an etwas anderes zu denken als an ihn – noch immer, überall, in mir.Er parkt vor einem nüchternen, hohen, ruhigen Gebäude.Die Fassade ist glatt, unbewegt – doch innen spüre ich etwas anderes.