MasukKAPITEL 147 Das FutterJonathan (POV) Rosewood Court war ein langes, niedriges Gebäude mit einem Schotterantrieb und einem Rosengarten, den niemand seit September beschnitten hatte. Wir erreichten es um zehn bis zehn in zwei Autos, Okoros Limousine vorne und Marcus 'graues dahinter, Elena auf dem Beifahrersitz und die Hände in ihrem Schoß gefaltet, als wäre sie in der Kirche. Marcus parkte neben einer Bank. Für einen Moment stieg keiner von ihnen aus. "Sie wird uns nicht kennen", sagte Elena. "Sie kennt die Handtasche", sagte Lydia vom Rücksitz. "Darauf habe ich mich verlassen." "Du hast es absichtlich bei ihr gelassen." "Ich habe es mit der einen Person in der Grafschaft gelassen, die niemals gefragt werden würde." Lydia steckte eine graue Haarsträhne hinter ihr Ohr. "Imelda Reyes war dreißig Jahre lang Harolds Anwalt. Sie hat das Bootshaus-Trust aufgestellt. Sie hat das Geheimnis Ihres Vaters, Daniel und ihr eigenes, für sich gehalten, und es hat sie mehr gekostet, als es einen vo
Kapitel 146 Sechzehn Minuten zu spätJONATHAN (Perspektive)Der Computer von Mr. Oyelaran war der Bildschirm, der am nächsten stand – also verfolgten wir dort, was geschah. Sieben Nachrichtenseiten, eine nach der anderen, alle mit demselben Foto ganz oben: mein Vater im Alter von neununddreißig Jahren, in einem marineblauen Anzug, das Haar noch dunkel. Darunter eine Schlagzeile in Großbuchstaben, bei der sich mir der Magen umdrehte. Y*DER TOTE VON ALDEBURGH: BETRUG, URKUNDENFÄLSCHUNG UND EIN VORGETÄUSCHTER TOD.*Ich las den ersten Absatz. Dann hielt ich inne, denn im zweiten fiel der Name meiner Mutter.„Lass es“, sagte Catalina leise und schloss das Fenster.„Es steht alles drin“, sagte Marcus. Er hatte sein eigenes Handy in der Hand und scrollte mit der grimmigen Schnelligkeit eines Anwalts. „Die Sterbeurkunde. Der Name des Arztes. Die ‚Boathouse‘-Stiftung. Calloway hat es wie ein Staatsanwalt geschrieben. Jedes Detail stimmt, und er hat sie so angeordnet, dass es wie ein Geständn
Kapitel 145 Der Bruder in der Strickjacke Jonathan (POV) "Tom", sagte mein Vater. Es kam aus ihm heraus, als wäre etwas aus der Höhe gefallen. Er trat einen Schritt auf den Laptop zu und blieb stehen, und ich sah, wie seine Hand gegen seinen Oberschenkel aufstieg und fiel. "Du bist tot. Papas Beerdigung. Du warst in der Marine, und ein Brief kam, und Mama ..." Er schüttelte den Kopf. "Sie sagte, Sie wären in zweiundsiebzig vor der Küste von Aden gegangen. Wir hatten einen Gottesdienst. Wir hatten einen Service *." "Ich weiß." Die Stimme des alten Mannes war trocken und vorsichtig, eine Stimme, die schon lange sparsam benutzt worden war. "Ich stand in einem geliehenen Mantel hinten in der Kirche. Du warst sechzehn, Danny, und du hast geweint wie ein ertrinkender Junge. Das habe ich mir auch nie vergeben." Niemand im Büro sprach. Hinter mir war Lydia Marsh mit einer Hand an den Mund gedrückt von ihrem Stuhl gestiegen. "Mr. Edmunds", sagte sie. "Thomas. Ich habe dir dienstags vorgeles
Kapitel 144Acht MinutenJONATHAN (Perspektive)Zwei Sekunden lang rührte sich niemand. Dann flackerte entlang der Fußleiste ein rotes Notlicht auf, und das Büro füllte sich mit einem dämmrigen Schein, der alle so aussehen ließ, als stünden sie in einer Dunkelkammer für Fotos.Okoro erreichte als Erste die Tür. Sie riss mit beiden Händen am Griff und warf sich dann mit der Schulter dagegen – doch die Tür bewegte sich keinen Millimeter. Hinter dem Milchglas war ein Stahlschott in den Korridor herabgefallen; der Aufprall war so wuchtig, dass ich ihn bis in meine Backenzähne spürte.„Abriegelung“, sagte Mr. Oyelaran. Seine Stimme war nur noch ein Hauch. „Ein Protokoll, das von außen ausgelöst wird. Die Zentrale kann eine Filiale versiegeln, falls es zu einem Sicherheitsvorfall kommt. Von innen lässt sich das nicht rückgängig machen.“„Wer hat sie dann abgeriegelt?“, fragte Marcus scharf.„Jemand mit Zugangsdaten der Zentrale.“ Der Filialleiter schluckte. „Mr. Prakash war heute Morgen im
Kapitel 143Der Freund am ApparatJONATHAN (Perspektive)Ich sagte nichts. Ich hielt das Telefon an mein Ohr, und der Raum um mich herum hielt den Atem an.„Jon“, sagte Will noch einmal. „Leg nicht auf. Bitte. Ich werde dich nicht um Vergebung bitten. Ich brauche nur neunzig Sekunden.“„Wo bist du?“„Auf der anderen Straßenseite, in meinem Auto. Ich bin Okoros Konvoi vom Krankenhaus aus gefolgt.“ Ein kurzes, erschöpftes Lachen. „Ich habe nicht versucht, mich zu verstecken. Ich konnte mich nur einfach nicht dazu durchringen, hineinzugehen.“Okoro hatte bereits ihr Funkgerät zur Hand und murmelte etwas hinein, während ihr Blick auf dem Fenster ruhte. Catalina trat an meine Seite und neigte den Kopf, um zu hören.„Sag mir, was du getan hast“, sagte ich.„Ich habe Schritt elf verschickt. Und zwölf.“ Er sagte es tonlos, so, wie man seine eigene Anklageschrift vorliest. „Davor nichts. Nicht das Video, nicht das Gästehaus, nicht Brancaster. Ich habe bis heute Nachmittag nichts davon angerühr
Kapitel 142Die Frau, die Buch führteJONATHAN (Erzählperspektive)Okoro öffnete selbst die Tür.Die Frau im Flur erhob sich ohne Hast – eine kleine, aufrecht wirkende Gestalt in einem dunklen Wollmantel; ihr Tee stand unberührt auf dem Stuhl neben ihr. Aus der Nähe betrachtet, war ihr Gesicht von Falten gezeichnet, müde und gütig – ein Gesicht, dem man ohne Zögern seinen Mantel anvertrauen würde. Sie sah zuerst meinen Vater an, und in ihrem Ausdruck geschah eine Veränderung.„Daniel“, sagte sie. „Sie hat gesagt, du hättest ihr Kinn – und tatsächlich, das hast du.“„Sie sind Lydia“, sagte mein Vater.„Lydia Marsh. Neunundsechzig Jahre alt, ehemalige Schulsekretärin – und bis diese Woche nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten.“ Sie versuchte zu lächeln. „Man hat mir gesagt, es gäbe eine ganze Reihe von Dingen, für die ich verhaftet werden könnte. Darf ich mich setzen, bevor Sie anfangen? Ich bin schon seit vier Uhr auf den Beinen.“---Wir nahmen sie mit zurück in das Büro von Herrn Oy
Kapitel 4Catalina„Catalina? Bitte öffne deine Augen. Sieh mich einfach an. Versuch, dich zu konzentrieren.“Ich öffnete die Augen. Das Erste, was ich sah, war eine blendend weiße Decke. Das gleichmäßige Piepen eines Herzmonitors hallte laut in dem kleinen Zimmer wider. Ich drehte den Kopf leicht
Kapitel 5Catalina„Gehen Sie zurück und lassen Sie mich herein. Nur sie kann mich richtig verarzten.“„Boss, Ihr Vater hat uns strenge Anweisungen gegeben. Sie dürfen diesen Flügel nicht ohne Catalinas Erlaubnis betreten.“„Ich bin immer noch der Boss dieses Anwesens. Gehen Sie mir aus dem Weg, be
Kapitel 3Catalina„Sie werden nicht schneller zurückkommen, Madam, wenn Sie auf und ab gehen.“Ich blieb stehen und sah Marco an, den Chef der Hauswache. „Ich kann nicht einfach auf dem Sofa sitzen, Marco. Was, wenn der Hinterhalt sie verfolgt hat? Was, wenn Rodrigo gerade mitten im Kreuzfeuer ste
Kapitel 2Catalina„Das Essen ist fertig, Rodrigo“, sagte ich, meine Stimme durchdrang die Stille des Esszimmers.Ich stand am Kopfende des langen Mahagonitisches, meine Finger berührten sanft den Rand des makellosen Keramiktellers, den ich gerade zurechtgerückt hatte. Ich hatte alles genau so gede







