Share

ANYA KEHRT ZURUECK

last update publish date: 2026-07-13 16:20:20

Anya kommt am letzten Maerztag zurueck, und sie sieht anders aus als die Frau, die im Januar fuhr.

Nicht physisch anders, obwohl sie gesunder aussieht, mehr Farbe im Gesicht, mehr Leichtigkeit in der Bewegung. Es ist etwas anderes, etwas, das ich als Vertrauen lesen wuerde, wenn ich nicht wuesste, dass Anya schon immer direkt war. Es ist ein tieferes Vertrauen. Das Vertrauen von jemandem, der sich selbst allein getestet hat und herausgefunden hat, dass sie hielt.

Sie tritt durch die Eingangstue
Continue to read this book for free
Scan code to download App
Locked Chapter

Latest chapter

  • GEBUNDEN DURCH MONDLICHT UND VERTRAG   DER KREIS SCHLIESST SICH UND OEFFNET SICH

    Es gibt einen Moment, im Herbst des sechzehnten Jahres, an dem ich verstehe, dass der Kreis sich nicht schliesst.Das klingt widersprüchlich. Das ist es nicht.Ich stand immer an dem Glauben, dass Geschichten Kreise haben, die sich schliessen. Das Ende kehrt zum Anfang zurueck. Die Mondgesegnete, die durch die Tuer trat, kommt an den Punkt, an dem das, was begann, vollstaendig ist.Aber das ist nicht wahr.Der Kreis schliesst sich und oeffnet sich gleichzeitig. Das Schliessen ist das Vollstaendigwerden des alten Kreises. Das Oeffnen ist der neue Kreis, der aus dem Schlusspunkt des alten entsteht.Das Ende ist immer ein Anfang.Das war immer das Netz.Ich bemerke das, an dem Herbstabend, als Amara ins Wohnzimmer kommt und mir das sechzehnjaehrige Notizbuch zeigt, nein, das dritte Notizbuch, das voller wird, und sie sagt: Ich glaube, das siebte Buch ist fast fertig.Fast? sage ich.Ich weiss das Ende noch nicht, sagt sie.Was ist das Ende? sage ich.Sie schaut mich an. Das weiss ich, we

  • GEBUNDEN DURCH MONDLICHT UND VERTRAG   DAS SECHZEHNTE JAHR

    Das sechzehnte Jahr beginnt mit einer Veraenderung im Netz, die ich spaet bemerke, weil sie langsam kommt und das Langsame schwerer zu bemerken ist als das Schnelle.Das Netz, in dem sechzehnten Jahr, ist tiefer.Nicht lauter, nicht breiter, nicht aktiver. Tiefer. Als ob die sieben Verbindungen, die immer summten, nun summten aus einem tieferen Resonanzkoerper.Lyra bemerkt es als Erste, natuerlich, weil der Anker das Tieferwerden spuert.Das Netz ist anders, sagt sie, an einem Januarmorgen.Tiefer, sage ich.Ja, sagt sie. Was verursacht das?Jun, sage ich. Das siebte Netz.Sie schaut mich an.Das siebte Netz ist das Bewusstsein des Netzes, sage ich. Wenn das Bewusstsein waechst, waechst die Tiefe.Das Bewusstsein des Netzes waechst, sagt Lyra.Jun ist jetzt schon ein Jahr hier, sage ich. Das siebte Netz ist tiefer verwurzelt. Das vertieft das Ganze.Lyra schaut auf den Wald. Das ist, sagt sie, das Beste, das passieren kann.Das Tieferwerden des Bewusstseins, sage ich.Ja, sagt sie.J

  • GEBUNDEN DURCH MONDLICHT UND VERTRAG   WAS SIGRÚN SCHICKT

    Ich schreibe einen Brief an mich selbst, an einem Herbstabend des fuenfzehnten Jahres, nicht fuer ein Buch, nicht fuer das Netz, nur fuer mich.Das ist neu: das Schreiben fuer mich selbst. Das Schreiben war immer das Schreiben fuer andere, fuer das Netz, fuer die nach uns kommen, fuer Amara, fuer Carolina, fuer alle, die das Buch brauchen konnten.Jetzt schreibe ich fuer die Sera, die vor fuenfzehn Jahren durch Damons Tuer trat.Der Brief beginnt:Liebe Sera von damals. Du hattest elfmal den Vertrag gelesen und dachtest, du koennetest alle Klauseln kennen, wenn du ihn nur genug Male liest. Du konntest nicht. Nicht weil du nicht klug genug warst. Sondern weil die Klausel, die das Wichtigste ist, keine war, die in dem Vertrag stand.Die Klausel, die das Wichtigste ist, lautet: Das Netz waehlt das Leben.Das steht nicht im Vertrag. Das stand nie im Vertrag. Das ist das, was der Vertrag moeglich machte, aber nicht selbst war.Der Vertrag war der Eingang. Das Netz war das Haus.Du wirst da

  • GEBUNDEN DURCH MONDLICHT UND VERTRAG   WAS AMARA IN DER SCHULE LERNT

    Amara geht zur Schule, und die Schule lehrt sie Dinge, die das Netz ihr nicht lehrte.Das ist das Ziel, und das ist das Ueberraschende gleichzeitig: das Netz lehrt vieles, aber die Schule lehrt das, was das Netz nicht lehrt, und das, was die Schule lehrt, ist nicht weniger wertvoll als das, was das Netz lehrt. Es ist anders. Und das Andere ist noetig.Amara erfahrt das in den ersten Wochen, und sie erzaehlt es am Wochenende, wenn sie ins Anwesen kommt, in der direkten Art, die sehr Amara ist.In der Schule, sagt sie, weiss niemand vom Netz.Das ist der Punkt, sagt Nadia.Amara schaut ihre Mutter an. Ich weiss. Aber es ist seltsam. Ich sehe die Linien, und die anderen sehen sie nicht.Was tust du dann? sage ich.Ich sehe sie trotzdem, sagt Amara. Und ich spreche nicht darueber. Das ist das Erste, das ich in der Schule lernte: das Schweigen.Das Schweigen, sage ich.Nicht jedes Wissen muss geteilt werden, sagt Amara. Das Netz weiss ich. Die Schule weiss ich. Beides ist meins. Ich teile

  • GEBUNDEN DURCH MONDLICHT UND VERTRAG   NADIA UND KADE

    Es gibt einen Abend im fuenfzehnten Jahr, an dem Damon und ich allein im Garten sitzen, nach dem Abendessen, nach dem Rudel, nach dem Tagesende, und der Garten ist sehr still, und das Netz summt, und nichts Besonderes passiert.Das ist das Besondere.Ich bemerke es erst spaeter, dass dieser Abend ein Abend ist, den ich aufschreiben wuerde, wenn ich noch aufschriebe, weil er das Ist des Lebens traegt, ohne Dramatik, ohne Wende, ohne das Naechste als Hintergedanken.Nur der Abend. Nur wir.Damon sagt, nach einer langen Stille: Ich dachte einmal, dass das Netz das Schwierigste war, das ich je verstehen musste.Und jetzt? sage ich.Jetzt, sagt er, ist das Netz das Selbstverstaendlichste, das ich kenne. Ich verstehe es nicht vollstaendig. Aber es ist mein.Das ist das Ziel des Verstehens, sage ich. Nicht das Vollstaendige. Das Eigene.Er schaut mich an, mit dem offenen Ausdruck, der nach fuenfzehn Jahren noch derselbe ist, nur tiefer, weil fuenfzehn Jahre das Offene vertiefen, wenn man das

  • GEBUNDEN DURCH MONDLICHT UND VERTRAG   DAS LEBEN OHNE DAS AUFSCHREIBEN

    Das Leben ohne das Aufschreiben ist anders, als ich dachte.Ich dachte, es wuerde sich leer anfuehlen. Das Schreiben war so lange das Zentrum des Tages, der fruehe Morgen mit dem Stift und dem Papier und dem Kaffee, das Netz, das sich in Worte uebersetzte, die Buecher, die wuchsen. Das Aufhoeren des Schreibens dachte ich mir als das Aufhoeren von etwas Zentralem.Aber das Zentrum verschob sich.Das ist das Erste, das ich bemerke, in den Wochen nach dem Entschluss: das Schreiben hoerte nicht auf, das Zentrum zu sein. Es wurde durch das Leben ersetzt, das ich schrieb. Das Leben selbst ist jetzt das Zentrum.Das klingt einfach. Es ist das Schwerste, das ich je tat.Das Schreiben hatte eine Struktur: morgens schreiben, dann leben, dann schreiben, dann schlafen. Das Leben als Zentrum hat keine externe Struktur. Die Struktur kommt von innen, vom Netz, vom Atmen, vom Wählen.Das war immer das Netz, sage ich zu Damon, an einem Morgen, als ich statt des Stiftes nur den Kaffee halte und aus dem

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status