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Author: Lael
last update publish date: 2026-10-09 01:28:35

DEVIKA

„Ich hätte nicht gedacht, dass du rangehst, Prinzessin."

Es war sechs Uhr morgens. Ich war halb im Schlaf, und die Stimme am Telefon war die letzte, die ich hören wollte.

Ich schoss hoch, mein Blut kochte bei dem Spitznamen. Er hatte Glück, dass er nicht hier war, denn nichts hätte ich lieber getan, als meine Hände um seine Kehle zu legen.

„Woher hast du diese Nummer?"

„Du wirst in weniger als einer Woche meine Frau sein. Ich denke, du kannst mich Kylo nennen."

„Entschuldige, was?"

„Die Kapelle ist für nächsten Freitag gebucht. Der Veranstaltungsort für den Empfang auch." Seine Stimme war ruhig und zum Verrücktwerden beiläufig.

„Nächsten Freitag. Also diesen Freitag? Bist du wahnsinnig?"

„Es ist keine Hochzeit, Devika. Es ist eine Machtdemonstration." Seine Stimme wurde schärfer. „Eine prunkvolle Hochzeit zeigt allen, dass wir geeint sind und man sich nicht mit uns anlegt."

Ich wollte widersprechen, aber das Schlimmste war, dass er recht hatte.

„Such dir ein Kleid aus und kümmere dich um deine Brautjungfern. Mach dir keine Gedanken wegen der Kosten. Das übernehme ich."

Ein bitteres Lachen entfuhr mir. „Die Trophäenbraut darf ja nicht billig aussehen."

„Das habe ich nicht gesagt."

„Du hast es angedeutet."

Die Wahrheit war, dass das Geld so knapp war, dass mein Kleid aus dem Secondhandladen stammen müsste, aber das musste Kylo nicht wissen. Lieber hätte ich einen Müllsack getragen, als Almosen von einem Visconti anzunehmen.

„Du willst zahlen? Dann zahl", sagte er gelangweilt. „Erscheine einfach zur Zeremonie."

„Fahr zur Hölle, Kylo."

„Ich reserviere dir einen Platz."

Die Leitung war tot.

Als ich Thyra vor dem Sienna Bridal in Soho traf, hatte ich einen dreifachen Espresso hinuntergekippt, als wäre es Tequila, und zweimal in mein Kissen geschrien.

„Ich fasse nicht, dass du in einer Woche heiratest und ich es per SMS erfahre", sagte Thyra und hakte sich bei mir unter.

„Das ist keine echte Hochzeit. Es ist ein Geschäftsdeal mit Rosen und Kuchen." Ich musterte die Seidenkleider im Schaufenster und zuckte beim Anblick der Preisschilder zusammen. „Wir probieren hier nur an, und dann suchen wir etwas im Secondhandladen."

„Oder", sagte sie und zog mich zur Tür, „wir finden eins, bei dem Kylo die Kinnlade runterklappt. Setz deine Reize als Waffe ein und lass den Mistkerl leiden."

Das war eine Idee, mit der ich mich anfreunden konnte.

Drinnen roch die Luft nach Rosen und Vanille. Ich blickte auf meine abgewetzten Converse und zuckte zusammen, als die Verkäuferin hinter dem Tresen meine Leggings und meine Parka einmal von oben bis unten musterte.

Dann lächelte sie. „Sind Sie Devika Engel?"

„Äh …"

„Das ist sie", antwortete Thyra für mich.

„Wunderbar. Ihr Verlobter hat vorab angerufen und eine sehr genaue Beschreibung gegeben." Ihr Lächeln wurde breiter. „Er sagte, alles, was Sie aussuchen, geht auf seine Karte."

„Dieser Mistkerl", zischte ich durch die Zähne.

Thyras Augen glühten förmlich. „Oh, er ist gut."

Er hatte vorab angerufen. Keine achtundvierzig Stunden nach meiner Unterschrift wusste er genau, wohin ich gehen würde, obwohl ich ihm gesagt hatte, dass ich mein Kleid selbst bezahlen würde. Wenn er so spielen wollte, bitte. Ich nahm den Champagner an.

Zwei Stunden und acht Kleider später war ich dem richtigen keinen Schritt näher. Dann tauchte Thyra mit einem cremeweißen Seidenkleid auf, mit Spitzenüberwurf, einem gewagt tiefen, aber nicht vulgären Ausschnitt und einem freien Rücken, an dem ein paar zarte Knöpfe die Wirbelsäule hinabliefen.

„Ich hasse dich", murmelte ich und nahm es entgegen.

„Gern geschehen."

Es passte, als wäre es für mich gemacht. Als ich den seitlichen Reißverschluss schloss und aufsah, stockte mir der Atem. Ich sah aus wie eine Braut, und ein Kribbeln durchfuhr mich, bevor ich die Stirn runzelte und den Kopf schüttelte. Nein, Devika. Du darfst dich darüber nicht freuen.

„Brauchst du Hilfe?", rief Thyra durch den Vorhang.

Ich trat heraus, und sie keuchte. „Du siehst aus wie eine Prinzessin!"

„Meinst du?" Meine Wangen wurden heiß, während ich mit den Händen über die Seide strich.

„Das ist es. Du musst es nehmen."

Ich betrachtete mich noch einmal im Spiegel, und meine Kehle schnürte sich zu. Früher hatte ich von diesem Tag geträumt, mit meinem Dad, der mich zum Altar führt, Tränen in den Augen, und mich an den Mann übergibt, den ich liebe, während er ihm droht, mir ja nicht das Herz zu brechen.

Der Witz geht auf meine Kosten. Mein Hochzeitstag rückte näher, mein Vater lag sechs Fuß unter der Erde, und ich mochte nicht einmal den Mann, den ich heiratete.

Thyras Hand legte sich auf meine Schulter. „Alles okay?"

„Nein. Aber das wird es." Denn das musste es.

An der Kasse schob die Verkäuferin den Beleg über den Tresen. „Das Kleid ist bereits bezahlt. Mr. Visconti hat diesen Termin vor drei Wochen gebucht."

Ich erstarrte.

Vor drei Wochen hatte ich das Wort Heiratsantrag noch nie gehört.

Vor drei Wochen hatte Hiero mir noch nicht einmal gesagt, dass die Viscontis sich gemeldet hatten.

Kylo hatte mir das nicht plötzlich aufgedrückt.

Er hatte sich längst entschieden.

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