Share

Nicht ohne ihn

Author: Biodun
last update publish date: 2026-09-05 03:08:53

Mayas Sicht

Ich konnte mein Frühstück nicht aufessen. Mein Magen hatte mir einen Strich durch die Rechnung gemacht, also schleppte ich mich zurück in mein Zimmer und ließ mich auf das Bett fallen.

Der Schlaf kam schnell. Tief und unruhig, als könnte er den Ärger und die Verwirrung fortspülen, die Damian in mir ausgelöst hatte.

Als ich aufwachte, stand die Sonne bereits tief am Himmel. Goldenes Licht fiel durch die hohen Fenster und tauchte die Marmorböden in warme Farben.

Ich rieb mir die Augen und setzte mich auf. Während ich mich streckte, kreisten meine Gedanken noch immer um ihn. Um dieses selbstgefällige Grinsen. Um die mühelose Kontrolle, die er über jeden Raum zu haben schien, den er betrat.

Die Party war heute Abend, und ich musste mich fertig machen.

Ich ging zu meinem Kleiderschrank und ließ meine Finger über die Reihen von Kleidern gleiten. Schließlich fiel mein Blick auf ein elegantes schwarzes Abendkleid, das ich für besondere Anlässe aufbewahrt hatte.

Irgendetwas an seiner Schlichtheit fühlte sich genau richtig an. Es war elegant und selbstbewusst, genau so, wie ich mich heute Abend fühlen wollte.

Als ich es anzog, schmiegte sich der Stoff wie eine zweite Haut an meinen Körper und betonte jede meiner Kurven.

Ich drehte mich zum Spiegel an der gegenüberliegenden Wand und hielt inne, als mir kurz der Atem stockte.

Für einen Moment war sogar ich sprachlos.

Mein Spiegelbild wirkte selbstbewusst und atemberaubend.

Das Kleid schimmerte sanft im gedämpften Licht. Es schmiegte sich um meine Taille und fiel anschließend elegant über meine Beine.

Ich beugte mich näher zum Spiegel und trug einen zarten Glanz auf meine Lippen auf. Dann kämmte ich mein Haar zu weichen Wellen, die mein Gesicht umrahmten.

„Puh“, flüsterte ich und lächelte meinem Spiegelbild zu.

Heute Abend würde sich alles um mich drehen.

Sandra würde beeindruckt sein. Genau das hatte sie von mir erwartet.

Ich konnte ihre neckende Stimme beinahe hören:

Es gibt nur eine Maya Coker auf dieser Welt, die Tochter des reichsten Milliardärs.

Manchmal musste ich mich selbst daran erinnern.

Manchmal wollte ich mich mächtig und unantastbar fühlen.

Aber manchmal ... hasste ich dieses Leben.

Ich hasste es, dass mein Vater sich nur für Geschäfte und Geld zu interessieren schien. Dafür, mich eingesperrt und überbeschützt zu halten, als wäre ich sein zerbrechlichster Schatz.

Um mein Outfit zu vervollständigen, ging ich zu meinem Schuhregal und nahm ein Paar glänzende schwarze Stilettos mit goldenen Spitzen.

Sie passten perfekt und ließen mich größer, selbstbewusster und unaufhaltsam wirken.

Ich überprüfte die Uhrzeit auf meinem Handy.

Punkt sieben Uhr abends.

Sandra würde bereits am Veranstaltungsort auf mich warten.

Ich nahm eine kleine, mit Diamanten besetzte Clutch aus meiner Taschensammlung. Dezent und dennoch luxuriös.

Dann zog ich aus der obersten Schublade meiner Kommode meine Autoschlüssel.

Nur noch ein letztes Detail fehlte.

Das Finish.

Parfüm.

Ich ging zu den Regalen voller Kristallflakons. Jeder einzelne enthielt einen Duft, der ein Vermögen wert war.

Meine Finger glitten zu dem legendären Clive Christian Nummer 1, dem seltensten Parfüm der Welt, das mein Vater mir zu meinem letzten Geburtstag geschenkt hatte.

Der Duft von Jasmin, Vanille und Sandelholz erfüllte die Luft, als ich ihn auf meine Haut sprühte.

Er roch nach Geld.

Nach Macht.

Nach einem Geheimnis, bei dem ich mir selbst nicht sicher war, ob ich es überhaupt haben wollte.

Jetzt war ich bereit.

Das scharfe Klackern meiner Absätze hallte über die Treppe, während ich hinunterging und mich in jeder Hinsicht wie die Frau fühlte, die Sandra aus mir machen wollte.

Doch dann traf mich der Gedanke wie kaltes Wasser.

Damian.

Er war jetzt mein Leibwächter.

Mein Schatten.

Meine Kette.

Meine Schritte wurden langsamer, und ich runzelte die Stirn, während ich den Flur und das Wohnzimmer absuchte.

Keine Spur von ihm.

Gut.

Ich wollte ihn sowieso nicht sehen.

Das Letzte, was ich heute Abend gebrauchen konnte, war seine arrogante Anwesenheit, die mir ständig im Nacken saß.

Ich durchquerte das Wohnzimmer und öffnete die Tür.

Die Nachtluft legte sich sofort um mich, kühl und scharf auf meinen nackten Schultern.

Auf dem Grundstück verbeugten sich die stationierten Leibwächter leicht, als ich an ihnen vorbeiging. Ihr Schweigen erinnerte mich daran, wer ich war.

Ich sah mich um und erwartete halb, Damian aus den Schatten auftauchen zu sehen.

Doch er war nicht da.

Erleichterung machte sich in mir breit.

Bis das schrille Heulen des Toralarms die Stille zerriss.

Die Sicherheitsleute eilten herbei, und das eiserne Tor öffnete sich langsam.

Mein Herz setzte einen Schlag aus, als ich ihn hereinkommen sah.

Damian.

Majestätisch.

Das war das einzige Wort, das mir dafür einfiel.

Er bewegte sich, als gehörte ihm der Boden unter den Füßen. Sein großer Körper steckte in einem maßgeschneiderten dunklen Anzug, jeder seiner Schritte war kontrolliert und selbstsicher.

Sein Haar fing das schwache Licht der Scheinwerfer ein, während seine scharfen Augen das Grundstück mit ruhiger Autorität absuchten.

Es schien, als würde sich selbst die Luft vor ihm beugen.

Mein Magen machte einen Satz.

Ich riss meinen Blick schnell von ihm los und ärgerte mich über mich selbst.

„Öffnen Sie das Tor!“, rief ich dem Wachmann neben mir zu und zwang meine Stimme, ruhig zu bleiben. „Ich fahre aus.“

Ich ging direkt zu meinem Wagen, einem eleganten schwarzen Lamborghini Urus, der neben zwei weiteren Luxusfahrzeugen parkte.

Seine geschwungenen Linien glänzten im Licht des Grundstücks, während die getönten Scheiben den luxuriösen Innenraum aus Leder verbargen.

Er war nicht einfach nur ein Auto.

Er war eine Ansage.

Meine Ansage.

Doch bevor ich die Fahrertür öffnen konnte, ertönte plötzlich eine Stimme neben mir.

Tief.

Ruhig.

Unerschütterlich.

„Ich habe deinem Vater versprochen, dich zu beschützen. Das bedeutet, dass ich für dich arbeite und dich beschütze. Wohin fahren wir?“

Ich erstarrte.

Meine Finger schlossen sich fester um den Türgriff.

Langsam drehte ich mich zu ihm um und funkelte ihn an.

Wir?

Das Wort brannte sich in meine Ohren.

Was meinte er mit wir?

Meine Wut loderte auf.

Doch Damian grinste nur. Seine Hände steckten lässig in den Hosentaschen, während seine Augen auf mir ruhten, als könnte er jedes meiner Geheimnisse lesen.

Dann trat er ohne Vorwarnung näher.

So nah, dass mir der Atem stockte.

Der schwache Duft seines Parfüms vermischte sich mit meinem eigenen.

Seine Stimme sank zu einem Flüstern, das sich wie Rauch um mich legte.

„Ich werde nicht zulassen, dass du allein ausgehst. Ich wurde beauftragt, dich zu beschützen. Also lass mich meine Arbeit machen.“

Bevor ich reagieren konnte, bewegte sich seine Hand ruhig und gezielt.

Dann nahm er mir die Autoschlüssel aus der Hand.

„Setz dich auf den Beifahrersitz“, befahl er mit ruhiger, aber bestimmter Stimme.

Mein Mund öffnete sich vor Schock.

Diese Dreistigkeit brachte mich um den Verstand.

Einen Moment lang stand ich einfach nur fassungslos da und starrte den Mann an, der es tatsächlich gewagt hatte, mir Befehle zu erteilen.

Ohne zu zögern, öffnete er die Fahrertür, setzte sich hinein und ließ den Motor an.

Das tiefe Grollen des Wagens erfüllte das Grundstück.

Er ließ das Fenster herunter, neigte den Kopf in meine Richtung und sagte:

„Steig ein. Wir werden eine angenehme Fahrt zu deinem Ziel haben.“

Ich zischte leise vor mich hin und ging wütend um das Auto herum zur anderen Seite.

Ich hatte keine Wahl.

Sandra würde bereits warten, und ich konnte keine Zeit damit verschwenden, mich mit ihm zu streiten.

Mein Handy vibrierte in meiner Clutch. Sandras Name leuchtete auf dem Bildschirm auf und erinnerte mich daran, dass ich mich beeilen musste.

Ich ließ mich auf den Ledersitz sinken und schlug die Tür zu.

Im selben Moment raste Damian mit erschreckender Präzision aus dem Grundstück.

Mein Körper wurde gegen den Sitz gedrückt, als der Wagen nach vorne schoss.

„Hey, Idiot! Pass auf!“, rief ich und klammerte mich am Haltegriff fest.

Doch Damian grinste nur, während sein Blick auf der Straße blieb.

„Genieß die Fahrt und beschwer dich nicht. Jetzt gib mir die Adresse.“

Ich holte scharf Luft. Meine Brust fühlte sich eng an.

Keine Angst.

Kein Zögern.

Nichts schien ihn aus der Ruhe zu bringen.

Nichts schien ihn zu berühren.

Und da waren wir wieder.

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • Gefährlicher Schutz   Das falsche Geschenk

    Maya Sight Endlich begann ich wieder richtig durchzuatmen, als Sandra mit einer Akte unter dem Arm mein Büro betrat.Ihre Absätze klackten bei jedem Schritt auf dem polierten Boden und hallten leise durch das ansonsten ruhige Büro.„Miss Coker, wie läuft es?“, fragte sie mit einem Lächeln.Ich blickte von den Unterlagen auf meinem Schreibtisch auf und murmelte sofort: „Bitte, Sandra. Hör auf, mich so zu nennen.“Sie neckte mich offensichtlich.Sie lächelte unschuldig. „Wie soll ich dich denn nennen?“„Wir sind beste Freundinnen, okay? Vergessen wir die Förmlichkeiten für eine Weile und reden einfach normal miteinander.“Sofort lachte sie und kam näher.„Ich hätte beinahe einen Herzinfarkt bekommen“, sagte ich und stand auf. „Ehrlich gesagt war ich total überrascht, meinen Vater im Konferenzraum zu sehen. Zum Glück hast du mich in dem Meeting gerettet. Am Ende ist alles gut gelaufen.“Sandra verschränkte die Arme.„Hmmmm. Du weißt schon, dass du mir dafür danken solltest.“Ich verdreh

  • Gefährlicher Schutz   NICHT DEINE SCHULD

    DAMIAN SIGHTIch starrte Maya an, während sie verzweifelt nach einer Antwort suchte.Sie wirkte nervös, wirklich nervös.Ihr Blick wanderte von ihrem Vater zum Boden und dann wieder zu ihm.Sie hatte nichts zu sagen.Das konnte ich erkennen.Und so, wie Mr. Coker sie ansah, konnte auch er es erkennen.Er würde sie nicht mit dieser Frage davonkommen lassen.Er wollte eine Antwort. Eine echte.In diesem Moment sah ich wieder zu Maya. Sie wirkte völlig in die Enge getrieben.Dann räusperte ich mich.„Sir.“Mr. Cokers Blick richtete sich auf mich.Ich sah ihn direkt an. „Auf dem Weg hierher gab es einen kleinen Unfall.“Sofort fuhr Mayas Kopf zu mir herum.Ich sprach weiter, bevor sie etwas sagen konnte.„Ein Auto ist auf dem Weg zur Firma leicht mit unserem Wagen zusammengestoßen. Es war nichts Ernstes, aber wir wurden dadurch eine Weile aufgehalten.“Mr. Coker starrte mich an.Ich hielt meinen Gesichtsausdruck ruhig.„Der Unfall hat Miss Coker ein wenig mitgenommen. Ich glaube, deshalb

  • Gefährlicher Schutz    DAS UNERWARTETE TREFFEN

    MAYAS SICHTIch blieb am Eingang des Konferenzraums stehen.Für ein paar Sekunden dachte ich ehrlich, dass ich den falschen Raum betreten hatte.Mein Vater saß am Kopfende des Tisches.Meine Augen weiteten sich. „Dad?“Er hob den Blick von der Akte vor sich.Er wirkte vollkommen ruhig, als wäre sein plötzliches Auftauchen bei Coker Group das Normalste auf der Welt.Hinter mir blieb auch Sandra stehen.Ich konnte ihre Verwirrung beinahe spüren.Sie hatte darauf gewartet, dass ich ankam. Sie hatte nie erwähnt, dass mein Vater hier sein würde.Damian betrat hinter uns den Raum und schloss leise die Tür.Der Blick meines Vaters wanderte zu ihm. Etwas veränderte sich in seinem Gesicht.Es war nur kurz, so kurz, dass ich mich beinahe fragte, ob ich es mir eingebildet hatte.Er sah Damian eine Sekunde länger an als nötig.Dann wandte er den Blick ab. „Die Besprechung sollte beginnen“, sagte er.Das war alles.Keine Erklärung. Keine Frage, warum ich zu spät gekommen war.Nur die Besprechung.

  • Gefährlicher Schutz    ÜBERRUMPELT

    MAYAS SICHT„Oh mein Gott. Ich bin spät dran. Sehr spät.“Meine Augen flogen auf, als ich mein Handy irgendwo neben mir klingeln hörte.Ein paar Sekunden lang starrte ich einfach nur an die Decke und versuchte noch zu begreifen, was gerade los war.Dann klingelte das Handy erneut. Ich tastete blind danach, nahm es vom Nachttisch und ging ran, ohne auf den Bildschirm zu schauen.„Hallo?“ Meine Stimme klang lauter, als ich erwartet hatte.„Maya, wo bist du?!“Ich erkannte Sandras Stimme sofort. Sie schrie praktisch.Ich rieb mir die Augen und setzte mich langsam auf.„Ganz ruhig, ganz ruhig. Beruhige dich, Sandra. Warum schreist du?“„Die Investoren warten!“Sofort erstarrte ich.„Was?“„Die Investoren, Maya! Sie sind schon im Konferenzraum und warten, und ich kann noch nicht reingehen, weil du nicht hier bist!“ Sandra schrie wieder, ihre Stimme voller Panik.Ich sah schnell zur Uhr und stellte fest, dass es 8:38 Uhr war.Mein Herz sackte in die Hose.„Oh mein Gott.“Ich warf die Decke

  • Gefährlicher Schutz   Der unsichtbare CEO

    Damians SichtDer nächste Morgen strahlte hell, und die warmen Sonnenstrahlen fanden ihren Weg durch die hohen Fenster des Konferenzraums. Doch seit zehn Minuten herrschte dort bereits Stille.Keine friedliche Stille.Es war die Art von Stille, die jeden unruhig machte.Zwanzig Führungskräfte saßen um den langen Glastisch. Ihre teuren Uhren und perfekt geschnittenen Anzüge konnten die Anspannung in ihren Gesichtern kaum verbergen.Niemand wagte es, zu laut zu sprechen. Jeder kannte die Regel.Der CEO wurde niemals warten gelassen.Sie warteten auf mich.Ein junger Manager warf einen Blick auf die Uhr, bevor er seine Stimme senkte.„Ist er schon zugeschaltet?“„Sprich leiser“, warnte der Mann neben ihm.Der junge Manager runzelte die Stirn.„Wir haben ihn noch nicht einmal gesehen.“„Genau deshalb solltest du vorsichtig sein.“Bevor jemand mehr sagen konnte, wurde das Licht im Konferenzraum gedimmt. Der große Bildschirm am Ende des Raumes erwachte zum Leben.Dann erfüllte meine kalte,

  • Gefährlicher Schutz   Mehr als ein Leibwächter

    Damians SichtIch packte Annabelles Handgelenk, bevor ihre Hand Mayas Gesicht erreichen konnte.Sofort erstarrte sie.Für einen Moment schien der gesamte Raum mit ihr den Atem anzuhalten.Ihr Blick wanderte von meiner Hand zu meinem Gesicht. Offensichtlich hatte sie nicht damit gerechnet, dass ich mich einmischen würde.Maya ebenfalls nicht.Ich hatte Annabelle nicht gepackt, weil mir Maya etwas bedeutete.Ich hatte es auch nicht getan, weil ich plötzlich den Helden spielen wollte.Ich hatte einfach meinen Job gemacht.Ich war eingestellt worden, um Maya Coker zu beschützen, und genau das hatte ich vor.Außerdem hatte ich die gesamte Szene von meinem Platz an der Bar aus beobachtet. Ich hatte bemerkt, wie Annabelles Wut immer größer geworden war, wie ihre Stimme schärfer geworden war und wie sie schließlich die Hand in Richtung Maya bewegt hatte.Ich hätte früher eingreifen können.Ich hatte mich dagegen entschieden.Ich hatte abgewartet, wie weit sie gehen würde.Offenbar war das wei

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status