Share

Kapitel 4

Author: Three salaries
Als die Tür ins Schloss fiel, betrachtete Emilia die lange Narbe an ihrem rechten Arm und war einen Moment lang wie benommen.

Ihre Ehe mit Alexander hatte ursprünglich nur einem Unfall ihren Anfang zu verdanken.

Vor drei Jahren war Alexander Opfer einer Intrige geworden und hatte einen schweren Autounfall erlitten. Sein Leben hing am seidenen Faden.

Emilia kam zufällig vorbei, entdeckte ihn und zog ihn aus dem Wagen. Anschließend wählte sie den Notruf.

Bei der Rettung schnitt sie sich an der Autotür eine lange und tiefe Wunde in die rechte Hand. Die Narbe, die davon zurückblieb, würde sie ihr Leben lang nicht mehr loswerden.

Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus setzte Alexander alles daran, Emilia zu finden. Ein ganzes Jahr lang machte er ihr den Hof.

Wenn Emilia bei der Arbeit nicht weiterkam, half Alexander sofort, ihre Probleme zu lösen, suchte die nötigen Unterlagen für sie heraus und erklärte ihr geduldig alles, so oft es nötig war.

Als Emilias Vater stürzte und sich am Bein verletzte, trug Alexander ihn sofort ins Krankenhaus und kümmerte sich dort persönlich an seinem Krankenbett um ihn.

Selbst bei einer gewöhnlichen Erkältung mit Fieber verlor Alexander seine gewohnte Ruhe. Aus Sorge um Emilia geriet er völlig aus dem Gleichgewicht, verbrachte schlaflose Nächte an ihrem Bett und wich nicht von ihrer Seite, bis das Fieber gesunken war.

Auch wenn Alexanders Familie die Ehe nicht akzeptierte, war das gemeinsame Leben zunächst glücklich gewesen. Alexander liebte und beschützte Emilia.

Bis Clara zurückkehrte. Danach veränderte sich alles.

Dass Alexander Emilia wegen einer einzigen Bemerkung von Clara einfach stehen ließ und fortging, war längst keine Seltenheit mehr.

Ebenso selbstverständlich waren Claras Intrigen geworden, durch die es immer wieder zu Streit zwischen Emilia und Alexander kam.

Emilia seufzte, schüttelte die trüben Gedanken ab, ging nach oben und legte sich früh schlafen.

Als sie gerade in einen unruhigen Halbschlaf gesunken war, wurde plötzlich die Haustür mit einem heftigen Ruck aufgestoßen.

Emilia blickte erschrocken auf und sah direkt in Alexanders vor Zorn gerötete Augen.

Alexander packte Emilia am Arm und zerrte sie hinaus.

„Du kommst mit!“

Aus Angst, zu stürzen, blieb Emilia nichts anderes übrig, als ihm stolpernd zu folgen.

„Alexander, was ist passiert? Wohin bringst du mich?“

Alexander lachte kalt auf.

„Tu nicht so, als wüsstest du das nicht!“

Er stieß sie kurzerhand ins Auto.

Der Wagen schoss mit rasender Geschwindigkeit über die Straße wie ein Pfeil, der von der Sehne geschnellt war.

Emilia hatte das Herz bis zum Hals. Mit einem Arm hielt sie schützend ihren Bauch, mit der anderen Hand klammerte sie sich am Haltegriff fest.

„Alexander, bist du wahnsinnig? Halt an! Ich will aussteigen! Lass mich raus!“

Alexander ignorierte jedes Wort und fuhr ohne anzuhalten bis zum Stammsitz der Familie Falk.

Seit Beginn ihrer Beziehung war Emilia nur einmal dort gewesen.

Alexanders Mutter hatte Emilia damals bei jeder Gelegenheit gedemütigt. Alexander stritt deshalb heftig mit seiner Mutter und versprach Emilia, dass sie nie wieder herkommen müsse.

Nun packte Alexander Emilia wütend am Handgelenk und zog sie ins Haus.

Erst jetzt sah Emilia, wie viele Angehörige der Familie versammelt waren.

Claras Gesicht war voller roter Quaddeln. Sie saß weinend da.

Alexanders Mutter saß neben Clara und redete sanft auf sie ein.

Bei Emilias Anblick richteten sich die Blicke aller Anwesenden wie Nadelstiche auf sie.

Alexanders Mutter stürmte auf Emilia zu und schlug ihr ins Gesicht.

„Du niederträchtiges Ding! Nur weil Alexander Clara zum Essen mitbringt, musst du ihr gleich eine Falle stellen und einen Allergieanfall auslösen?“

Emilia taumelte. Ihre Wange brannte und fühlte sich zugleich taub an.

Unwillkürlich sah Emilia zu Alexander.

„Das habe ich nicht getan! Ich war erst einmal hier und kenne nicht einmal den Weg. Ich wusste ja nicht einmal, wie euer Familienessen abläuft. Wie hätte ich ihr da eine Falle stellen sollen?“

Doch Alexander sah Emilia nur kalt an. In seinem Blick lag kein Funken Vertrauen.

Emilia lief es eiskalt über den Rücken.

Alexanders Mutter lachte höhnisch.

„Du hast doch deine Mittel und Wege. Dir traue ich alles zu!“

Clara hielt sich das Gesicht und starrte Emilia voller Hass an.

„Wie kannst du es noch leugnen? Die Hausangestellte hat längst gestanden! Du hast ihr zwölftausendfünfhundert Euro bezahlt, damit sie meinen Kuchen durch einen mit Mangofüllung ersetzt. Du weißt genau, dass ich gegen Mango allergisch bin. Du wolltest mich umbringen!“

Emilia biss sich auf die Lippe.

„Wenn ihr behauptet, ich sei es gewesen: Wo sind eure Beweise?“

Clara lachte kalt und hielt Emilia das Handy direkt vor die Nase.

„Die Angestellte hat den Überweisungsbeleg vorgelegt. Das Geld kam von dem Konto überwiesen, zu dem die Karte gehört, die Alexander dir gegeben hat. Oder willst du behaupten, Alexander selbst hat sie bestochen, um dir etwas anzuhängen?“

Emilia wusste nicht mehr, wie sie ihre Unschuld beweisen sollte.

„Ich war es nicht! Ich habe die Karte nie für etwas anderes benutzt, als Sachen fürs Baby zu kaufen!“

Alexanders Mutter wandte sich direkt an ihren Sohn.

„Ich habe dir damals gesagt, dass eine Frau aus so einfachen Verhältnissen nichts taugt. Aber du musstest sie ja unbedingt heiraten. Jetzt siehst du, was du davon hast!“

„Wenn wir nicht zufällig dieses schnell wirkende Allergiemittel im Haus hätten, müssten wir Clara jetzt vielleicht schon in der Notaufnahme behandeln lassen. Was hätten wir ihrer Familie sagen sollen, wenn ihr etwas Ernstes passiert wäre?“

„Emilia ist deine Frau. Was wirst du unternehmen?“

Alexander schwieg nur zwei Sekunden.

„Wer einen Fehler macht, muss dafür geradestehen. Geh vor das Haupttor und knie dich hin. Erst wenn Claras Ausschlag abgeklungen ist, darfst du wieder aufstehen.“

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • Geheime Ehe – als ich ging, weinte er   Kapitel 18

    Die Wunde an Alexanders rechtem Bein entzündete sich. Alexander musste erneut ins Krankenhaus.Auch Emilia wurde ins Krankenhaus gebracht, um sich untersuchen zu lassen.Am nächsten Morgen schickte der Assistent alle Ergebnisse seiner Nachforschungen auf Alexanders Handy.Alexander atmete tief durch, bevor er die Unterlagen öffnete. Je weiter er las, desto blasser wurde sein Gesicht.Clara hatte Emilia absichtlich in der Öffentlichkeit geohrfeigt und als Geliebte beschimpft.Es stimmte also nicht, dass Emilia Clara absichtlich provoziert und mit ihrer Ehe geprahlt hatte, wie Clara behauptet hatte.Auch den Verdacht, Emilia habe auf dem Empfang etwas gestohlen, hatte Clara absichtlich geschürt.Die Nachrichten, die in der Firma verbreitet worden waren, hatte Clara heimlich von Emilias Handy gestohlen.Emilia hatte Clara diese Nachrichten keineswegs geschickt, um mit ihrer Beziehung zu Alexander anzugeben. Auch Claras Behauptung, sie habe sich deshalb aus verletztem Stolz gerächt, war ei

  • Geheime Ehe – als ich ging, weinte er   Kapitel 17

    Im nächsten Augenblick sprang Alexander direkt vom Ufer ins Wasser und schwamm wie von Sinnen auf Emilia zu.Clara zuckte erschrocken zusammen. Als sie Alexander erkannte, geriet sie sofort in Panik.„Alexander, was machst du hier?“„Bist du verrückt? Komm sofort raus! In einem Stausee zu schwimmen ist lebensgefährlich!“Alexander ignorierte Clara völlig. Sein Blick war ausschließlich auf Emilia gerichtet, deren Körper immer tiefer sank.Mit aller Kraft schwamm er zu ihr hinüber. Emilia war bereits kaum noch bei Bewusstsein.Alexander klopfte ihr leicht auf die Wange.„Emilia, halte noch ein bisschen durch! Ich bringe dich sofort ans Ufer. Du darfst jetzt nicht einschlafen!“Emilia sah ihn an, konnte aber nicht mehr antworten.Alexanders Herz zog sich zusammen. Er zog Emilia auf seinen Rücken und schwamm unter größten Mühen mit ihr zum Ufer.In dieser Haltung war es äußerst schwierig, voranzukommen. Dazu kam noch seine verletzte Oberschenkelwunde.Mehrmals glaubte Alexander, dass seine

  • Geheime Ehe – als ich ging, weinte er   Kapitel 16

    Alexanders Blick verfinsterte sich.Als er daran dachte, dass Clara sich mit seiner Mutter zusammengetan und ihn unter Drogen gesetzt hatte, wurde ihm allmählich klar, dass er Clara vielleicht doch nicht so gut kannte, wie er geglaubt hatte.Erst nach einer Weile brachte Alexander mühsam eine Antwort hervor.„Ich weiß. Aber ich dachte, sie schwärmt nur vorübergehend für mich, wie es bei jungen Mädchen eben manchmal vorkommt.“„Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Ich weiß, dass du sie nicht magst. Ich habe mit ihr gesprochen. Künftig werde ich keinen Kontakt mehr zu ihr haben.“„Auch meiner Mutter habe ich bereits eine klare Ansage gemacht. Wenn du meine Familie nicht sehen willst, brauchst du nie wieder zu meiner Familie zu kommen oder dich nach ihnen zu richten.“„Wenn wir wieder heiraten, können wir so glücklich sein wie früher.“Alexander sah Emilia voller Hoffnung an. Doch Emilia schüttelte nur bitter den Kopf.„Alexander, wir können nie wieder zurück zu dem, was einmal war.“F

  • Geheime Ehe – als ich ging, weinte er   Kapitel 15

    Emilia trat näher und sah Alexander mit gerunzelter Stirn an.„Was machst du hier?“Alexander sah Emilia mit glühendem Blick an.„Ich will dich nach Hause holen.“Emilias Mutter zog ihre Tochter schützend hinter sich.Ihr Haar war bereits ergraut, und ihre Augen waren leicht gerötet. Sie wandte sich an Alexander.„Herr Falk, wir wissen nicht genau, was zwischen Ihnen und Emilia vorgefallen ist. Aber ich weiß, dass meine Tochter Unrecht getan wurde.“„Emilia hat uns gesagt, dass sie sich von Ihnen scheiden lassen hat. Sie wird nicht mitkommen. Was Sie mitgebracht haben, nehmen wir nicht an. Gehen Sie bitte.“Unter den Nachbarn entstand aufgeregtes Gemurmel.„Geschieden?“„Nach nur ein paar Jahren Ehe?“„Bei den Reichen ist es doch immer dasselbe. Ist er etwa fremdgegangen?“„Ich habe gleich gesagt, dass es schwer ist, in so eine reiche Familie einzuheiraten. Seit Emilia wieder hier ist, verkriecht sie sich jeden Tag im Haus und ist nur noch niedergeschlagen.“Alexander verspürte einen S

  • Geheime Ehe – als ich ging, weinte er   Kapitel 14

    Alexander wurde umgehend in den Operationssaal gebracht.Seine Mutter stand völlig erschöpft vor dem Operationssaal.Als sie daran dachte, wie Alexander blutüberströmt ausgesehen hatte, warf sie Clara einen leicht genervten Blick zu.„Du wolltest meine Hilfe, und ich habe dir geholfen. Und was haben wir jetzt davon? Mein Sohn liegt im OP und kämpft um sein Leben!“„Clara, ich mag Emilia nicht. Aber meinen Sohn will ich erst recht nicht verlieren.“„Selbst nach all dem will Alexander dich immer noch nicht. Hör endlich auf, dich weiter in diese Sache hineinzusteigern.“Clara hob ruckartig den Kopf. Als sie den entschlossenen Blick von Alexanders Mutter sah, konnte sie schließlich nur noch mit zusammengebissenen Zähnen nicken.„Gut.“Doch innerlich brodelte es in ihr vor Unzufriedenheit und Wut.Sie blickte zu dem Schild mit der Aufschrift „OP“. Tränen liefen ihr übers Gesicht, doch in ihren Augen lag nichts als Wahnsinn.Sie zitterte am ganzen Körper. Ihre Arme hingen schlaff an den Seit

  • Geheime Ehe – als ich ging, weinte er   Kapitel 13

    Das Gefühl war fremd und doch vertraut. Es überrollte Alexander mit voller Wucht.Alexander fuhr zu seiner Mutter herum. Sein Blick fiel auf die Teetasse, die sie ihm gerade gereicht hatte.„Was hast du getan?“Seine Mutter lachte kalt.„Das ist alles nur zu deinem Besten!“„Wegen einer Frau hörst du nicht einmal mehr auf deine eigene Mutter. Wenn das so weitergeht, zählen dein Vater und ich bald gar nichts mehr für dich!“Seine Mutter wandte sich an die Leibwächter.„Bringen Sie meinen Sohn auf sein Zimmer.“Als Alexander zum Anwesen seiner Familie gefahren war, hatte er selbstverständlich keine eigenen Leibwächter mitgebracht.Die Wachen des Anwesens packten Alexander von beiden Seiten und zerrten ihn die Treppe hinauf.Er leistete keinen sinnlosen Widerstand, sondern sah seine Mutter nur kalt an.Ihr stieg bei seinem Blick der Schmerz ins Gesicht. Sie wich seinen Augen aus und richtete nur trotzig den Rücken auf.„Wenn es einmal vollendete Tatsachen geschaffen sind, wirst du dich da

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status