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Kapitel 4

Author: Chloe Laurent
Rosalies Perspektive

Ich wachte auf, als Sonnenlicht durch mein Fenster fiel.

Die andere Seite des Bettes war leer.

Aiden war fort.

Abrupt setzte ich mich auf und zog das Laken an meine Brust. Mein Körper schmerzte auf eine angenehme, nachklingende Weise. Mit einem Schlag waren all die Erinnerungen an die vergangene Nacht wieder da.

Überall sah ich ihre Spuren.

Die zerwühlte Bettwäsche. Die blassen Male auf meiner Haut. Der unübersehbare Beweis dafür, dass nichts davon nur ein Traum war.

Doch Aiden war nicht da.

Ich griff nach meinem Handy.

7:30 Uhr.

Papa war bestimmt längst wach. Jeffery ebenfalls. Schlich Aiden sich davon, bevor jemand etwas bemerkte?

Hastig zog ich Jeans und ein T-Shirt an. Meine Hände zitterten, als ich mein Haar zu einem Pferdeschwanz band.

Was hatte das alles zu bedeuten?

Wo war er?

Mit rasendem Herzen schlich ich nach unten.

Aus der Küche drangen Stimmen.

Papa.

Jeffery.

Und Aiden.

Ich blieb im Flur stehen und lauschte.

„Du fliegst heute wirklich schon wieder?“, fragte Jeffery.

„Ja. Mein Flug geht um zwei.“

„Mann, wir hatten kaum Zeit mit dir.“

„Ich weiß. Tut mir leid.“

„Das gehört zu deinem Job“, sagte Papa. „Wir verstehen das. Und wir sind stolz auf dich.“

Ich holte tief Luft und betrat die Küche.

Alle drei Männer sahen auf.

Papa lächelte. Jeffery nickte mir zu. Nur in Aidens Gesicht regte sich nichts.

„Guten Morgen, Schatz“, sagte Papa. „Was möchtest du zum Frühstück?“

„Ich habe keinen Hunger.“

Aidens Blick streifte mich kurz. Sofort sah er wieder weg.

„Alles in Ordnung?“, fragte Jeffery. „Du bist ziemlich blass.“

„Mir geht’s gut.“

Mit zitternder Hand schenkte ich mir Kaffee ein.

Ich spürte Aidens Blick auf mir.

Als ich mich umdrehte, beobachtete er mich bereits.

„Ich muss noch fertig packen“, sagte er plötzlich und stand auf. „Danke fürs Frühstück, Colonel.“

„Jederzeit.“

Aiden ging direkt an mir vorbei. Er sagte kein Wort und sah mich nicht einmal an.

Als wäre ich eine Fremde.

Als hätte die vergangene Nacht nichts bedeutet.

Wie erstarrt blieb ich stehen und umklammerte die warme Kaffeetasse.

„Rosie?“

Papas Stimme riss mich aus meinen Gedanken.

„Bist du sicher, dass alles in Ordnung ist?“

„Ja. Ich bin nur müde. Ich habe schlecht geschlafen.“

Jeffery schnaubte.

„Du schläfst doch immer schlecht. Du sitzt ständig bis drei Uhr morgens an irgendeinem Kunstprojekt.“

Wenn er nur wüsste, was ich um drei Uhr morgens wirklich getan hatte.

Ich murmelte eine Entschuldigung und ging wieder nach oben.

Im Flur blieb ich vor der Tür des Gästezimmers stehen, in dem Aiden übernachtete.

Ich sollte ihn in Ruhe lassen.

Ich sollte ihm den Freiraum geben, den er offenbar brauchte.

Ich sollte akzeptieren, dass er von Anfang an nur von einer einzigen Nacht gesprochen hatte.

Doch ich konnte es nicht.

Leise klopfte ich an.

„Komm rein.“

Ich öffnete die Tür.

Aiden stand vor dem Bett und warf Kleidung in eine Reisetasche. Er sah nicht zu mir.

„Wir müssen reden“, sagte ich leise.

„Nein, müssen wir nicht.“

„Aiden, bitte.“

„Ich habe es dir gesagt. Eine Nacht. Mehr nicht.“

Seine Worte trafen mich viel härter, als sie es sollten.

„Das war’s also? Du gehst einfach und tust so, als wäre nichts passiert?“

„Ja.“

„Das ist nicht fair.“

Endlich sah er mich an.

Sein Gesicht war kalt und vollkommen verschlossen.

„Das Leben ist nicht fair, Rosalie. Gewöhn dich daran.“

Ich zuckte zusammen.

Er wandte sich wieder seiner Tasche zu und packte weiter.

„Du musst gehen. Wenn Jeffery oder dein Vater dich hier sehen, merken sie, dass etwas nicht stimmt.“

„Das ist mir egal.“

„Mir aber nicht.“ Er stopfte ein Hemd in die Tasche. „Dein Bruder ist mein bester Freund. Dein Vater ist für mich wie ein eigener Vater. Ich werde die beiden nicht verlieren, nur weil ich meine Finger nicht von dir lassen konnte.“

„Du verlierst niemanden. Wir sind beide erwachsen. Wir können selbst entscheiden, was wir tun.“

„Du bist neunzehn. Du hast keine Ahnung, wovon du redest.“

„Hör auf, mich wie ein Kind zu behandeln.“

„Dann benimm dich nicht wie eins.“

Seine Stimme war hart wie Stahl.

„Es war Sex. Mehr nicht. Mach daraus nicht mehr, als es war.“

Die Tränen liefen mir über die Wangen, bevor ich sie zurückhalten konnte.

Er sah sie.

Sein Kiefer spannte sich an.

Doch er nahm kein einziges Wort zurück.

„Ich muss los“, sagte er. „Jeffery fährt mich in einer Stunde zum Flughafen.“

„Wann sehe ich dich wieder?“

„Gar nicht.“

Ich starrte ihn an.

„Was?“

„Das darf nie wieder passieren. Letzte Nacht war ein Fehler. Ein gewaltiger Fehler.“ Seine Stimme blieb kalt. „Vergiss einfach, dass es je passiert ist.“

„Wie soll ich das vergessen?“

„Keine Ahnung. Aber du wirst es schaffen. Du gehst zurück an die Uni, lernst einen netten Kerl in deinem Alter kennen und kommst über mich hinweg.“

„Ich will nicht über dich hinwegkommen.“

„Pech gehabt.“

Er zog den Reißverschluss seiner Tasche zu und warf sie sich über die Schulter.

Dann ging er zur Tür.

Direkt auf mich zu.

Ich wich nicht zurück. Stattdessen stellte ich mich ihm in den Weg.

„Bitte tu das nicht“, flüsterte ich.

„Geh zur Seite, Rosie.“

„Nein.“

Etwas blitzte in seinen Augen auf.

Vielleicht Schmerz.

Vielleicht Reue.

Doch im nächsten Moment war es wieder verschwunden.

Sein Blick wurde eisig.

„Ich will dich nicht“, sagte er deutlich. „Letzte Nacht war ein Fehler. Du warst verfügbar, und ich brauchte vor meinem Einsatz eine Ablenkung. Das war alles.“

Seine Worte schnitten tief.

Tiefer, als ich es für möglich gehalten hatte.

„Du lügst.“

„Nein.“

„Du hast gesagt, ich sei perfekt. Du hast gesagt, es wäre unglaublich, mit mir zusammen zu sein.“

„Im Bett sage ich vieles.“ Sein Gesicht blieb ausdruckslos. „Das bedeutet nicht, dass es wahr ist.“

Ich schlug ihm ins Gesicht.

Das Klatschen hallte durch das kleine Zimmer.

Meine Handfläche brannte.

Sein Kopf bewegte sich kaum.

Mit kalten, leblosen Augen sah er mich an.

„Geht es dir jetzt besser?“, fragte er.

„Nein.“

„Gut. Dann geh zur Seite.“

Ich trat beiseite.

Er ging an mir vorbei.

In der Tür blieb er noch einmal stehen.

„Falls es dir irgendetwas bedeutet“, sagte er, ohne sich umzudrehen, „du verdienst etwas Besseres als mich.“

Dann ging er.

Ich blieb allein im leeren Gästezimmer zurück.

Und brach vollkommen zusammen.

Eine Stunde später fiel unten die Haustür ins Schloss.

Kurz darauf sprang Jefferys Truck an.

Dann hörte ich, wie sie davonfuhren.

Ich ging nicht nach unten, um mich zu verabschieden.

Zwei Wochen später saß ich mit zitternden Händen im Badezimmer und starrte auf einen Schwangerschaftstest.

Er war positiv.

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