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Herr Becker, sie ist es wert!
Herr Becker, sie ist es wert!
Author: Tana Sil

Kapitel 1

Author: Tana Sil
Noch als Luna Mayer nach der Ausschabung aus dem OP geschoben wurde, war sie innerlich völlig benommen – von der unerwarteten Schwangerschaft und dem jähen Ende, das so plötzlich gekommen war.

Eine Krankenschwester schob sie zurück ins Zimmer, um die Aufnahme zu regeln.

„Bett 1703, Luna Mayer, sind deine Angehörigen hier?“

Luna starrte auf die blassweiße Decke, ihr Blick war leer. Sie hörte nicht, was die Schwester sagte.

Die Schwester wiederholte: „Luna, wo sind Ihre Angehörigen?“

Eine andere Schwester, die gerade den Tropf einstellte, drehte sich rasch um.

„Gib her, ich übernehme das. Als der Rettungswagen sie brachte, gab sie mir gleich ihren Ausweis und ihre Bankkarte. Sie sagte, ich solle sie direkt anmelden und die Kosten abbuchen. Sie hat kein…“

Luna bewegte leicht die Lippen und vollendete den Satz.

„Ich habe keine Angehörigen.“

Der Geruch von Desinfektionsmittel stieg ihr in die Nase. Langsam zog sie die Knie an. Die Gewissheit, ihr Kind verloren zu haben, fraß sich tiefer und tiefer in sie hinein. Sie holte Luft – und mit dem Ausatmen brachen ihr, völlig unvermittelt, die Tränen aus den Augen.

Ihr Kind war weg.

Die Ausschabung schwächte ihren Körper, drei Tage lang lag Luna allein im Krankenhaus.

Am vierten Tag rief endlich Julian Becker an.

„Luna, hast du dich mit deiner unentschuldigten Abwesenheit jetzt ausgetobt? Dann komm sofort in den ‚Westpalast‘.“

Im Hintergrund waren Zurufe und Anstimmungsrufe zu hören, undeutlich auch eine junge Frauenstimme.

Luna bewegte die Lippen – sie wollte sagen, dass sie im Krankenhaus lag.

Julian wiederholte, jedes Wort betonend: „Luna Mayer.“ Sein Ton verriet Ärger.

Luna verschluckte die Worte. Ohne die Entlassungspapiere zu besorgen, rief sie eilig ein Taxi zum exklusiven Klub „Westpalast“ und schminkte sich nur hastig auf der Fahrt.

Nachdem sie ausgestiegen war, ging sie ins Foyer und tupfte sich dabei Lippenstift auf.

„In welchem Privatzimmer ist Herr Becker von Biwolke?“, fragte sie den Kellner an der Rezeption.

Der Kellner blickte auf. Beim Anblick der Frau war er drei Sekunden lang sprachlos, bevor er hastig sagte: „Herr Becker ist im Zimmer A001. Ich führe Sie hin.“

Luna nickte und folgte ihm zu Zimmer 001. Sie klopfte zweimal aus Höflichkeit, bevor sie direkt die Tür öffnete und eintrat.

Kaum war sie eingetreten, schlug ihr der beißende Alkoholgeruch entgegen und machte ihr direkt übel.

Noch bevor sie erkennen konnte, wer alles da war, erklang eine kühle, nachlässige Männerstimme.

„Unsere Sekretärin Frau Mayer ist da. Die trinkt jetzt mit euch. Hört auf, die Berufsanfängerin zu bedrängen.“

Der Kunde lachte laut: „Frau Mayer, Sie sind auch ein Fall! Immer so folgsam, kaum ruft man, schon sind Sie da. Sehen Sie, wie parteiisch Ihr Herr Becker ist. Seine neue Flamme will er vor uns in Schutz nehmen, also müssen Sie als Ersatz herhalten.“

Luna erfasste die Lage. Ihr Blick blieb an dem Mädchen hängen, das links neben Julian saß.

Sie kannte sie nicht, aber das Mädchen kannte sie und sagte unsicher: „Luna, es tut mir leid, ich...“

Julian unterbrach sie, noch bevor sie zu Ende sprechen konnte.

„Keine Entschuldigungen. Wenn sie nicht unentschuldigt gefehlt hätte, wäre sie von Anfang an für diesen Termin zuständig gewesen.“

Jedem war die Fürsorge und die Bevorzugung in seinem Tonfall anzuhören.

Doch Julian, dieser Mann mit der eisigen Miene und der Kälte in seinem Herzen, wann hatte er je zuvor jemanden in Schutz genommen?

Luna musterte das Mädchen noch ein paar Sekunden länger.

Zweiundzwanzig, höchstens drei. Mit Pferdeschwanz und sittsamem Kleid wirkte sie in dieser Orgie der Sinne wie ein verlorenes weißes Kaninchen. Ihre ganze Art war so zerbrechlich, dass es einem direkt ans Herz ging.

Luna biss sich kurz auf die Lippe. Dann setzte sie ein Lächeln auf und ging hinüber.

„Herr Hahn, schon wieder beim Trinken – passen Sie auf Ihre Leber auf.“

Als leitende Sekretärin der Biwolke-Gruppe war Luna gewandt und taktvoll. Ein Trinkgelage, das dem Zutrinken gewidmet war, wandelte sie mit ein paar Worten ab. Zwar musste sie noch einige Gläser Rotwein trinken, aber es war schon viel besser als die anfängliche Atmosphäre des „Trinkens bis zur Bewusstlosigkeit“.

Doch während der gesamten Zeit fiel kein einziges Wort zu ihren Gunsten von Julian.

Inmitten des Trubels fing Lunas Ohr seine magnetische Stimme auf, wie er leise zum Mädchen sagte: „Müde? Ich fahre dich nachher zuerst nach Hause.“

Eine so sanfte Stimme. In den drei Jahren, die Luna ihm gefolgt war, hatte sie noch nie von ihm gehört.

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