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Kapitel 2: Meine gefährtin ist keine menschenfrau

Author: Feline S
last update publish date: 2026-10-09 05:51:33

Killian POV 

Das Gewicht ihres Körpers gegen meinen ist eine Vergiftung, die sich mit jedem Herzschlag tiefer in mein Fleisch frisst. Mein Verstand wehrt sich mit Zähnen und Klauen dagegen, doch das Biest in meiner Brust hat längst die Kontrolle übernommen. *Mine*, dröhnt es unaufhörlich durch meine Adern, ein primitiver, alles verschlingender Befehl, der mich zwingt, sie zu beschützen, obwohl die uralten Gesetze meines Volkes den sofortigen Tod für jeden Eindringling aus der Tiefe fordern.

Ich packe sie an den Schultern, ziehe sie hoch und reiße sie von den feuchten Kieselsteinen des Weeping Shore weg. Sie wehrt sich nicht, doch ihre Augen – dunkel, wild und von einer unerschütterlichen, stummen Wut erfüllt – brennen sich in mein Gedächtnis. Sie zittert, nicht vor Kälte, sondern vor blankem Hass und Überlebenswillen. Unter den Blutflecken und dem nassen Schlamm auf ihrer Haut schimmert ein schwacher, irisierender Hauch von Perlmutt an ihrem Schlüsselbein. Ein unverkennbares Zeichen.

Ich muss sie wegbringen, bevor die Patrouille eintrifft. Bevor jemand anderes sieht, wie der Alpha des Blackwood-Rudels das Todesurteil bricht.

Der dichte Nebel schluckt unsere Schritte, während wir den steilen Pfad hinauf zum Hauptlager des Rudels eilen. Ich halte sie dicht an meiner Seite, ihren Arm fest in meinem Griff, damit kein schwacher Schritt sie verrät. Als wir die erste Patrouille am Rand des Waldgürtels passieren, spüre ich, wie die Blicke meiner Krieger an uns hängen bleiben.

Gideon tritt aus dem Schatten der alten Kiefern vor, sein schweres Breitschwert locker an der Seite, den Blick scharf wie eine Klinge. Sein graues Haar und die harten Züge zeichnen ihn als den erfahrensten Beta unseres Rudels aus. Er mustert die zitternde, durchnässte Gestalt an meiner Seite, und seine Stirn legt sich in tiefe, misstrauische Falten.

„Killian“, beginnt Gideon, und seine raue Stimme schneidet durch die kalte Waldluft. „Was ist am Fluss passiert? Wir haben Krach gehört. Und wen in aller Welt bringst du da mit?“

Ich halte inne, spüre die Anspannung in Loreleis Muskeln und presse meine Kiefer aufeinander, um die dunkle Unruhe in meiner Stimme zu verbergen.

„Eine menschliche Überlebende“, sage ich mit einer kontrollierten Kälte, die jeden Widerspruch im Keim ersticken soll. „Sie wurde nahe dem River’s Edge von einer Unterwasserströmung an Land gespült. Sie stand unter Schock und war den Elementen ausgeliefert.“

Gideon macht einen Schritt auf uns zu, seine dunklen Augen mustern Lorelei von Kopf bis Fuß. Er bleibt abrupt stehen, und seine breiten Nüstern blähen sich auf. Ein leises, skeptisches Knurren vibriert in seiner Kehle.

„Eine Überlebende?“, wiederholt er langsam, während sein Blick an ihr haften bleibt. „Sie riecht seltsam, Alpha. Nicht nach Mensch. Da ist eine andere Note in der Luft... schwer, feucht, fast wie altes Salzwasser.“

Mein Herz macht einen harten Aussetzer, doch ich lasse mir nichts anmerken. Ich trete einen Schritt vor, schirme Lorelei mit meinem eigenen Körper ab und fixiere meinen Beta mit einer unerbittlichen, autoritären Härte.

„Sie lag im Schlamm des Ufers, natürlich riecht sie nach dem Fluss, Gideon“, entgegne ich eisig. „Genug der Fragen. Sie wird versorgt. Bring sie ins Rudelhaus, Taryn soll sich um sie kümmern.“

Gideon schweigt, doch sein misstrauischer Blick bohrt sich noch einmal in Loreleis Augen, ehe er schwer nickt. Ich lasse den Blick nicht von ihm, bis wir den Weg fortsetzen können. Doch tief in meinem Inneren schrillen die Alarmglocken. Wenn selbst Gideon den fremden Geruch wahrgenommen hat, wird es nicht lange dauern, bis der Rest des Rudels Verdacht schöpft.

Im warmen, holzgetäfelten Eingangsbereich des Rudelhauses übergebe ich sie Taryn, einer unserer Heilerinnen, deren gütiges Gesicht im flackernden Kaminlicht weich wirkt. Taryn eilt sofort herbei, um der scheinbar traumatisierten, stummen Überlebenden eine trockene Decke zu reichen.

„Das arme Ding“, murmelt Taryn leise, während sie Lorelei zu einem Stuhl am Feuer führt. „Vollkommen starr vor Schreck. Sie hat kein Wort gesprochen, Alpha.“

„Sie kann nicht sprechen“, antworte ich knapp, ohne meinen Blick von Lorelei zu wenden. „Ihre Stimme wurde... beschädigt.“

Ich wende mich ab, um meine schwere Rüstung abzulegen, doch mein Blick wird magisch zu ihr zurückgezogen. Während Taryn ihr warme Brühe reicht, tut Lorelei etwas, das mir das Blut in den Adern gefrieren lässt. Sie nimmt die Tasse nicht einfach an wie eine geängstigte Menschenfrau. Ihre Augen huschen blitzschnell durch den Raum. Sie mustert die Befestigungen der Türen, kalkuliert den Abstand zu den Fenstern, prüft jeden Fluchtweg mit der kalten, analytischen Präzision einer Kriegerin. Sie ist keine hilflose Überlebende. Sie studiert mein Rudel. Sie studiert mich.

Ein dumpfer Schmerz reißt mich aus meinen Gedanken. Bei der Eile, meine Rüstung abzustreifen, bin ich an einer scharfen Metallschnalle hängengeblieben. Eine tiefe, klaffende Wunde reißt an meinem Unterarm auf, und dunkelrotes Blut tropft auf den polierten Holzboden.

Bevor ich auch nur einen Laut von mir geben kann, passiert es.

Lorelei, die gerade noch starr auf ihrem Stuhl saß, bewegt sich mit einer übernatürlichen, katzenartigen Schnelligkeit. Sie springt auf und greift nach meinem verletzten Arm. Ihre kühlen Finger berühren meine Haut, und in diesem Bruchteil einer Sekunde sehe ich auf ihrer Fingerspitze einen winzigen, perlenden Tropfen reinen Wassers aufleuchten – ein schimmerndes, magisches Leuchten, das nicht von dieser Welt ist.

Im nächsten Augenblick schließt sich meine Wunde. Das Fleisch heilt vor meinen Augen, das Blut verschwindet, als wäre nie etwas geschehen. Magie. Pure, verbotene Magie der Tiefe.

Ich starre sie an, der Atem stockt mir in der Kehle.

Lorelei realisiert im selben Moment, was sie getan hat. Panik flackert in ihren dunklen Augen auf. Mit einer heftigen Handbewegung zieht sie ihre Hand zurück, tritt einen Schritt von mir weg und verbirgt ihre Finger hinter ihrem Rücken, während sie mich mit einer Mischung aus Defianz und Furcht anstarrt.

Kein Wort verlässt ihre Lippen. Sie muss nicht sprechen. Die Beweise stehen mir ins Gesicht geschrieben.

Ich bewege mich nicht, bis Taryn kurz in die Küche abbiegt, um frische Tücher zu holen. Die Sekunde der Unaufmerksamkeit nutze ich, packe Lorelei am Handgelenk und ziehe sie mit einer harten, entschlossenen Bewegung in den schattigen Korridor neben der Treppe, drücke sie sanft aber unnachgiebig mit dem Rücken gegen die kalte Steinwand, sodass jeder Ausweg versperrt ist.

Mein Gesicht ist nur Millimeter von ihrem entfernt. Ich kann ihren Atem spüren, und augenblicklich bricht der süße, berauschende Duft über mich herein, den mein Wolf schon am Flussufer gefordert hat.

Salz. Regen. Ozon.

Und tief darunter – die tonnenschwere, eiskalte Finsternis des Lake Abyss.

Meine Augen verdunkeln sich zu einem fast schwarzen Silber, während ich sie mit einer intensiven, bedrohlichen Wut anstarre, die in Wahrheit nur ein verzweifelter Schutzwall gegen das Band ist, das uns verbindet.

„Wer bist du?“, zische ich leise, und meine Stimme vibriert vor unterdrückter Gewalt.

Lorelei sagt nichts. Sie presst die Lippen fest aufeinander, hebt das Kinn und erwidert meinen Blick mit einer Sturheit, die mein Blut kochen lässt.

Ich beuge mich noch tiefer zu ihr herunter, mein ganzer Körper gespannt wie eine Bogensehne, während der unverkennbare Geruch der Tiefe meine Sinne betäubt. Die Maske bröckelt. Das Geheimnis, das sie so verzweifelt zu verbergen versucht, liegt wie ein offenes Buch zwischen uns.

„Du bist nicht menschlich“, knurre ich, und das Wo

rt ist ein unumstößliches Urteil.

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Comments (1)
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Kristine Harris
Wat een prachtig begin, zo hoort een verhaal te zijn.
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