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Kapitel 4

Author: Emp_ress B
last update publish date: 2026-05-25 16:23:22

Kapitel 4

Aus Priscillas Sicht

Nachdem ich mich vergewissert hatte, dass unten alles in Ordnung war und das Personal seine Aufgaben erledigt hatte, ging ich wieder nach oben. Mein Körper fühlte sich schwer an, meine Glieder waren schwach, als wäre die Erschöpfung bis in meine Knochen gesickert.

Ich machte mir nicht einmal die Mühe, mich umzuziehen. Sobald ich das Schlafzimmer betrat, legte ich mich auf das Bett und zog die Decke über mich. Der Schlaf übermannte mich fast augenblicklich, tief und traumlos.

Ich wurde durch das Gefühl geweckt, dass mich jemand berührte. Warme Lippen streiften meine Haut, langsam und vertraut. Eine Hand fuhr besitzergreifend und entschlossen über meine Taille. Ich regte mich, meine Wimpern flatterten auf, als ich in das schwache Licht blinzelte.

Adrian.

Ich setzte mich sofort auf, die letzten Spuren des Schlafes verschwanden. „Du bist zurück“, sagte ich leise, meine Stimme heiser vom Ausruhen.

Er nickte und lockerte bereits seine Krawatte. So war er eben: wenige Worte, keine unnötigen Erklärungen.

„Hast du schon gegessen?“, fragte ich, eine Gewohnheit, die mir mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen war.

„Ja“, antwortete er. Er hielt inne und fügte dann hinzu: „Ich wollte, dass du dich heute ausruhst, deshalb habe ich dich nicht geweckt. Aber ab morgen wirst du früh aufstehen. Hilf mir, mich für die Arbeit fertig zu machen. Koch mir meine Mahlzeiten. Bereite mein Mittagessen vor und gib es am Nachmittag dem Fahrer mit.“

Seine Worte waren ruhig, fast beiläufig. Anweisungen, die so gegeben wurden, wie man Aufgaben verteilt.

„In Ordnung“, antwortete ich ohne zu zögern. Er setzte fort, was er zuvor begonnen hatte, und seine Berührungen nahmen mich wieder in Besitz. Ich wehrte mich nicht. Das tat ich nie. Das war Teil unserer Routine geworden: sein Verlangen, meine Nachgiebigkeit. Wir verbrachten eine weitere Nacht miteinander, mein Körper reagierte, auch wenn sich mein Herz fern anfühlte. Und so schliefen wir ein.

So fand mein Leben in seinem Haus seinen Rhythmus. Ich starrte ausdruckslos auf mein Spiegelbild.

************************************************

Ich saß vor dem Schminktisch in unserem Schlafzimmer, meine Hände schlaff auf meinem Schoß ruhend. Die Frau, die mich anblickte, sah gepflegt und gelassen aus, ihre Haut strahlte, ihr Haar war ordentlich frisiert. Sie trug teure Seide, ihre Haltung war elegant.

Und doch erkannte ich sie nicht.

Das war nicht ich. Das konnte nicht ich sein.

Wo war die Priscilla, die früher mit einem Ziel vor Augen aufgewacht war? Die Frau, die hart arbeitete, die selbstbewusst ins Büro ging, die Träume hatte, die über Mauern und Zeitpläne hinausgingen? Die Person im Spiegel wirkte hohl, pflichtbewusst, gehorsam, nur für jemand anderen existierend.

Ich hatte mich im Namen der Liebe in etwas Unbekanntes verwandelt. Ich fühlte mich müde. Nein, ich bin erschöpft. Die Art von Erschöpfung, die Schlaf nicht heilen konnte. Meine Brust fühlte sich eng an, meine Gedanken waren schwer. Ich brach zusammen, langsam und still, verlor jeden Tag ein Stück von mir selbst.

Es war zwei Jahre her, seit ich Adrian geheiratet hatte. Zwei Jahre des Gehorsams. Zwei Jahre der Hingabe. Zwei Jahre des Zurückziehens.

Ich kochte. Ich putzte. Ich befolgte seine Regeln. Ich befriedigte ihn, wann immer er mich wollte, lehnte ihn nie ab, nicht einmal, wenn mein Körper schmerzte oder mein Geist nach Ruhe schrie.

Ich redete mir ein, das sei Liebe. Ich redete mir ein, Ausdauer sei Hingabe. Aber indem ich ihn liebte, hatte ich meine Stimme verloren. Ich hatte meine Freiheit verloren.

Ich lebte nicht mehr, ich drehte mich nur noch um ihn.

Ich durfte nicht ausgehen, es sei denn, es war mit seiner Familie oder zu einer offiziellen Veranstaltung an seiner Seite. In zwei Jahren hatte ich meine Eltern nur dreimal besucht, und jedes Mal folgte er mir. Meine Welt war kleiner geworden, meine Existenz reduzierte sich auf seinen Zeitplan, seine Bedürfnisse, seine Anwesenheit.

Er war mein Ehemann, ja. Aber er war nur körperlich da. Emotional war er abwesend. Seelisch unerreichbar.

Er kontrollierte alles: wohin ich ging, was ich tat, wen ich traf. Was ich trug. Und obwohl er nie seine Stimme erhob oder die Hand erhob, spürte ich jeden einzelnen Tag die Last seiner Kontrolle auf mir lasten.

Manchmal spürte ich Angst in ihm. Eine tiefe, stille Unsicherheit, wie ein Schatten, den er nicht wahrhaben wollte. Aber was auch immer ihn quälte, gab ihm nicht das Recht, mich einzusperren.

Genug war genug.

Ich spürte, wie ich zerbrach. Wenn ich jetzt nicht sprach, fürchtete ich, mich selbst völlig zu verlieren. Ich brauchte Luft. Ich brauchte einen Sinn. Ich musste arbeiten, außerhalb dieser Mauern existieren.

Ich stand auf und ging zum Bett, legte mich zurück und starrte an die Decke. Der Kronleuchter über mir glitzerte sanft, teuer und wunderschön, genau wie alles andere in dieser Villa. Die Leute sagten, ich hätte Glück gehabt. Sie sagten, ich hätte gut geheiratet. Sie beneideten mich um mein Leben.

Ja, ich hatte den Mann geheiratet, den ich liebte. Aber das war nicht das Leben, das ich wollte. Trotz des Luxus, des Komforts, des Reichtums fühlte ich mich unerträglich einsam.

Das Geräusch der sich öffnenden Tür riss mich aus meinen Gedanken. Ich setzte mich sofort aufrecht hin.

„Willkommen zurück“, sagte ich.

Er nickte und löste seine Manschettenknöpfe. Er sprach nur, wenn es nötig war. Schweigen war zu seiner Sprache geworden.

„Ich möchte mit dir reden“, sagte ich, meine Stimme fester, als ich mich fühlte.

Er hielt inne und sah mich schließlich an. „Ich möchte auch reden“, sagte er. „Aber warte, bis ich geduscht habe.“

Ich nickte, faltete die Hände und wartete geduldig, während er im Badezimmer verschwand. Mein Herz raste. Meine Handflächen waren feucht. Ich ging meine Worte im Kopf durch, ängstlich und doch entschlossen.

Bald kehrte er zurück.

„Okay“, sagte er. „Du kannst anfangen.“

„Es geht um uns, Adrian. Bitte … Ich fühle mich einsam und langweile mich. Ich verliere langsam den Verstand. Kannst du mir erlauben …“

Er unterbrach mich, bevor ich zu Ende sprechen konnte.

„Ich weiß, dass du dich vielleicht langweilst oder einsam fühlst“,

sagte Adrian ruhig, während er seine Manschettenknöpfe zurechtzog, „deshalb gehen wir morgen Abend zu einem Familientreffen. Du kannst dich vorbereiten. Ruf das Spa-Team und die Stylisten an, damit sie dich einkleiden können.“

Sein Tonfall war endgültig, als wäre die Sache bereits entschieden.

„Okay“, sagte ich leise, ohne zu widersprechen. Ich schluckte die Worte, die ich sagen wollte, und nickte stattdessen. Ich werdeein anderes Mal mit ihm reden, sagte ich mir. Das ist nicht der richtige Moment.

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