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Ich ergebe mich ihnen
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Penulis: Ella D’Ravyn

PROLOG — DIE GASSE

Penulis: Ella D’Ravyn
last update Tanggal publikasi: 2026-05-31 21:48:13

Liora Voss

Moskau, Ulitsa Arbat — Arbat-Straße

Ich wartete mehr als zwei Stunden vor den Schultoren. Mein Handy war schon warm in meiner Hand, weil ich Mackenzie – meine Mutter – immer wieder angerufen hatte.

Dreiundzwanzig Mal.

Jeder Anruf ging auf die Mailbox.

Die Dämmerung breitete sich über der Stadt in schmutzig-goldenen Tönen aus und verwandelte die Straßen Moskaus in etwas Düsteres und Verletztes. Der Wind schnitt durch meine dünne Jacke und ließ tote Blätter um meine abgenutzten Turnschuhe wirbeln. Meine Füße schmerzten. Hunger krallte sich in meinen Magen. Und die Wut — scharf, vertraut, erschöpfend — war das Einzige, was mich aufrecht hielt.

Wieder einmal.

Irgendwann fühlte sich das Warten schlimmer an als das Laufen.

Also ging ich los.

Nach Hause war es weit, aber ich kannte eine Abkürzung: eine enge Gasse hinter einer heruntergekommenen Bar, die ich normalerweise zweimal überlegte, bevor ich sie nahm. An diesem Abend entschied die Frustration für mich.

Es war der schlimmste Fehler meines Lebens.

In dem Moment, in dem ich um die Ecke bog, änderte sich alles.

Sieben Männer.

Fünf mit Pistolen.

Die Gasse roch nach billigem Rauch, abgestandenem Urin und etwas Metallischem, das schwer in der Luft hing — etwas, das ich eine Sekunde zu spät verstand. Mein ganzer Körper presste sich gegen die feuchte Backsteinwand hinter mir.

Der erste Schuss krachte durch die Gasse wie Donner.

Zwei Männer fielen fast sofort zu Boden. Blut spritzte über die gefrorenen Steine, dunkel und glänzend im schwachen Licht einer flackernden Straßenlaterne. Das Geräusch, das ihre Körper beim Aufprall machten, drehte mir den Magen um. Dann folgte Geschrei. Dann Lachen. Kaltes, gleichgültiges Lachen.

Dann mehr Schüsse.

Ich hätte weglaufen sollen.

Ich konnte mich nicht bewegen.

Eine Stimme durchschnitt das Chaos — tief, kontrolliert, absolut.

„Macht Schluss.“

Ich sah ihn an.

Groß. Breit. Dunkles Haar mit grauen Strähnen an den Schläfen, derselbe Stahl, der sich durch seinen gepflegten Bart zog. Vielleicht in den Vierzigern. Vielleicht älter. Seine Augen waren so blass, dass sie im Halbdunkel farblos wirkten, und etwas in ihnen fühlte sich kälter an als der Moskauer Wind.

Er musste die Stimme nicht erheben.

Trotzdem hörten alle zu.

Der Capo.

Drei jüngere Männer standen in seiner Nähe, alle aus demselben brutalen Holz geschnitzt — dieselben harten Züge, dieselbe wachsame Stille, dieselbe Gewalt, die knapp unter der Oberfläche lag. Brüder, vielleicht. Ihre Anzüge waren dunkel, makellos und viel zu teuer für einen Ort wie diesen. Sie bewegten sich mit dem Selbstvertrauen von Männern, die nie Konsequenzen gefürchtet hatten.

Einer von ihnen bemerkte mich zuerst.

Grau-blaue Augen. Ein Lächeln ohne Wärme.

„Schlechte Nacht für dich, девочка“, sagte er. „Falsche Gasse.“

Ich drehte mich um und rannte.

Eine Hand packte mich, bevor ich den zweiten Schritt machen konnte.

Ich keuchte, als jemand mich zurückzog, ein eiserner Griff schloss sich um meine Taille und presste mich gegen eine solide Brust. Eine Pistole drückte sich an meine Schläfe, kalt genug, um zu brennen. Mein Atem stockte so hart, dass es wehtat.

„Nicht“, murmelte eine raue Stimme neben meinem Ohr. „Du machst es nur schlimmer.“

Tränen verschleierten meine Sicht, bevor ich überhaupt merkte, dass sie flossen. Meine Hände zitterten. Meine Knie drohten nachzugeben.

Und durch all das hindurch sah ich den Capo wieder an.

Er beobachtete mich bereits.

Nicht beiläufig. Nicht genervt. Nicht einmal überrascht.

Sein Blick ruhte auf mir mit einer schrecklichen Art von Gewissheit, als ob meine Anwesenheit in dieser Gasse zu etwas mehr geworden wäre als einer Unannehmlichkeit. Als ob er in der Spanne eines Herzschlags bereits entschieden hätte, was als Nächstes passieren würde.

„Bitte“, flüsterte ich. „Bitte lasst mich gehen.“

Er trat näher.

Die Straßenlaterne fing die Kante seines Gesichts ein und schnitt seine Züge in Schatten und Knochen. Es war nichts Freundliches in ihm. Nichts Weiches. Er war die Art von Mann, bei dem es schien, als hätte die Gnade nie seinen Verstand gekreuzt und überlebt.

„Das können wir nicht, malen’kaya“, sagte er leise. „Du hast zu viel gesehen.“

Ein anderer der jüngeren Männer kam näher, hellerhaarig als die anderen, sein Gesichtsausdruck im Dunkeln unergründlich. Er musterte mich lange, ruhig und distanziert, als würde er ein Problem abwägen und nicht ein verängstigtes Mädchen.

„Sie ist eine Zeugin“, sagte er.

„Halt die Klappe, Noah“, schnappte der Mann, der mich festhielt.

Sofort hob der Capo eine Hand.

Stille.

Sie fiel schnell und vollständig, schwer wie Schnee.

Er blieb nur Zentimeter von mir entfernt stehen. Sein Blick glitt über die zerknitterte Uniform, die zitternden Beine, die Panik, die ich nicht mehr verbergen konnte. Als seine Augen wieder zu meinen zurückkehrten, schärfte sich etwas in ihnen.

Nicht Begierde.

Entscheidung.

„Du kommst mit uns.“

Ich wehrte mich dann — Instinkt, Angst, Verzweiflung. Es machte keinen Unterschied. Jemand packte meine Handgelenke. Ein feuchtes Tuch wurde mir über Mund und Nase gedrückt, und der süße chemische Geruch traf mich so schnell, dass mir der Kopf schwindelte.

„Nein — wartet — bitte —“

Die Gasse kippte.

Das Letzte, was ich sah, war der Capo, der über mir stand und schweigend zusah, wie die Dunkelheit mich verschlang. Sein Gesichtsausdruck veränderte sich nie.

Aber es war etwas darin, das ich trotzdem verstand.

Kein Zweifel.

Kein Mitleid.

Ein Versprechen.

Und als die Welt verschwand, hallte ein letzter Gedanke durch mich wie ein bereits gefälltes Urteil:

Mein Leben würde nie wieder mir gehören.

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