LOGINEllas Sichtweise„Was hast du gerade gesagt?“Sebastians Stimme war so kalt, dass selbst ich zusammenzuckte.Victor antwortete nicht. Er starrte Sebastian an, als würde er einen Toten vor sich sehen.„Du hast gesagt, der zweite Sohn des Königs hätte sterben müssen“, wiederholte Sebastian. „Welcher zweite Sohn?“Victor schloss die Augen.„Sebastian, du musst verstehen—“„Nein!“ Sebastian erhob sich langsam. „Du wirst mir jetzt erklären, was hier vor sich geht.“Ich stand zwischen ihnen, meine Hände zitterten noch immer von der seltsamen Kraft, die gerade aus meinem Körper ausgebrochen war.Der zweite Sohn des Königs.Der Junge, den ich in meiner Vision gesehen hatte, hatte Sebastians Gesicht getragen.Das konnte kein Zufall sein.„Sebastian“, flüsterte ich.Er sah mich an. In seinen silbernen Augen lag eine Frage, die er selbst nicht auszusprechen wagte.Ich wollte ihm sagen, dass ich ihm vertraute. Dass ich nicht glaubte, er könne etwas mit dem Tod meiner Mutter zu tun haben.Doch wie
Ellas Sichtweise„Meine Mutter hat den König getötet?“ Wiederholte ich Aldrics Worte, während mein Blick zwischen ihm und Victor hin und her wanderte. „Welchen König? Und warum hat niemand mir etwas davon erzählt?“Aldric trat langsam in die Halle. Blut lief von seiner Stirn über seine Wange, doch er schien den Schmerz kaum zu bemerken.„Weil deine Mutter gehofft hatte, dass du niemals in diese Welt hineingezogen werden würdest.“„Welche Welt?“ Ich lachte bitter auf. „Meine Mutter ist tot, mein Blut verwandelt sich in etwas, das ich nicht verstehe, und fremde Wölfe wollen mich entführen. Jeder hier scheint meine Geschichte zu kennen, nur ich nicht!“„Ella“, begann Victor.„Nein!“ Ich fuhr zu ihm herum. „Du bekommst keine Gelegenheit mehr, mich anzulügen. Nicht nach allem, was ich gerade erfahren habe.“Sein Gesicht verhärtete sich, aber er sagte nichts.Sebastian kam aus dem Seitengang zurück. Blut klebte an seinem Hemd, und seine Augen waren noch immer silbern. Als er mich sah, eilt
Ellas SichtweiseDer Schrei hallte durch das Anwesen und ließ die Fenster erzittern.Ich blieb wie angewurzelt stehen. Die Stimme war nicht menschlich gewesen. Sie klang wie das Heulen eines Wolfes, der unter unerträglichen Schmerzen litt.Sebastian stellte sich sofort vor mich.„Bleib hinter mir, Ella.“„Was ist da draußen los?“Er antwortete nicht. Seine silbernen Augen veränderten sich, während schwarze Adern unter seiner Haut hervortraten. Sein Wolf drängte an die Oberfläche.„Sebastian?“„Sie haben einen meiner Männer gefangen.“ Seine Stimme war tief und gefährlich. „Und sie werden ihn benutzen, um an dich heranzukommen.“Victor kam mit zwei bewaffneten Wächtern den Korridor entlang. In seiner Hand lag eine silberne Pistole.„Sebastian, du gehst nicht allein hinaus.“„Das ist mein Anwesen.“„Und sie sind keine gewöhnlichen Eindringlinge.“ Victor blieb vor uns stehen. „Wenn der Rat des Nordens persönlich seine Jäger schickt, bedeutet das, dass die Sache viel schlimmer ist, als Ald
Ellas Sichtweise„Er ist gekommen, um Anspruch auf dich zu erheben.“Victors Worte hallten in meinem Kopf wider.Ich klammerte mich an Sebastian, während ich versuchte, den Sinn dieser Aussage zu verstehen. Draußen stand der weiße Wolf noch immer vor dem Badezimmerfenster. Seine leuchtenden Augen waren auf mich gerichtet, als würde er geduldig darauf warten, dass ich eine Entscheidung traf.„Was bedeutet das?“, fragte ich.Victor antwortete nicht sofort.„Ich habe dich etwas gefragt“, sagte ich schärfer. „Was bedeutet es, dass der Norden Anspruch auf mich erhebt?“„Es bedeutet, dass dein Erwachen nicht länger verborgen bleiben kann.“„Das erklärt überhaupt nichts.“Sebastian legte einen Arm um meine Taille, um mich zu stützen. „Dann erklär es ihr richtig.“Victor warf ihm einen finsteren Blick zu. „Du solltest vorsichtig sein, wie du mit mir sprichst.“„Und du solltest vorsichtig sein, was du vor ihr verschweigst.“Die beiden Männer starrten einander an. Ich spürte die Spannung zwisch
Ellas SichtweiseDer weiße Wolf hatte das Haus gefunden.Mehrere Sekunden lang bewegten Sebastian und ich uns nicht.Die Dusche lief weiter und füllte das Badezimmer mit Dampf. Wasser tropfte von meinen Haaren über mein Gesicht, doch ich bemerkte es kaum. Meine Augen waren auf die beiden blassen Lichter gerichtet, die durch das beschlagene Fenster leuchteten.Sie waren nicht gelb.Sie waren nicht blau.Sie waren weiß – so hell, als würden sie aus einer Tiefe leuchten, die weit über die Augen des Wolfes hinausging.Sebastian stellte sich vor mich.„Bleib hinter mir“, knurrte er.Ich packte seinen Arm. „Du hast gesagt, dass du noch nie etwas Vergleichbares gesehen hast.“„Das habe ich auch nicht.“„Woher weißt du dann, dass er uns wehtun will?“Sein Kiefer spannte sich an. „Ich weiß nicht, was er will. Genau deshalb bleibst du hinter mir.“Der Wolf kratzte nicht erneut am Glas. Er beobachtete uns einfach weiter.Etwas regte sich unter meinen Rippen.Die seltsame Kraft, die zuvor in mir
Ellas SichtweiseDas Heulen wollte nicht verstummen.Sie kreisten wie ein Sturm um das Anwesen – Dutzende von ihnen –, und bei jedem einzelnen Heulen schlug das neue Etwas in meiner Brust heftiger. Sebastian hielt mich auf dem Bett fest an sich gepresst; seine Arme umschlangen mich eng, sein Atem ging stoßweise wegen der Verbrennungen durch das Silber. Doch seinen Blick wandte er keinen Moment vom Fenster ab.„Sebastian“, flüsterte ich. „Was war das für ein weißer Wolf?“Sein Kiefer spannte sich an. „Ich weiß es nicht. So einen Ruf habe ich noch nie zuvor gehört.“Victor trat ans Fenster, das Gesicht zu einer grimmigen Miene verzogen. Mit einem Ruck zog er die schweren Verdunkelungsvorhänge zu.„Das war nicht das Shadow-Rudel“, sagte Victor leise. „Das war der Norden.“Ich runzelte die Stirn. „Der Norden? Wie meine Mutter?“Victor drehte sich endlich zu mir um. Er sah mich wirklich an. Nicht wie seine Stieftochter, nicht wie ein Geheimnis, das er hütete, sondern wie das, was ich jetzt







