LOGINdie 18-jährige Ella in das luxuriöse Anwesen ihres neuen Stiefvaters in den Bergen zieht, ist ihr gutaussehender, 21-jähriger Stiefbruder Sebastian das Letzte, womit sie rechnet. Er ist ein Sportstar und scheint sie zu hassen, sobald er sie zum ersten Mal sieht. Doch hinter der Fassade ist Sebastian der skrupellose Alpha des Silverpine-Rudels – und Ella ist seine vorherbestimmte Gefährtin. Während der Vollmond näher rückt, entflammt verbotenes Verlangen. Heimliche Berührungen münden in rohe, animalische Nächte voller „Knotting“ (Verhaken bei der Paarung), Beanspruchung und unkontrollierbarer Hitze. Doch jedes Vergnügen ist mit zerstörerischen Geheimnissen verbunden: Verrat innerhalb der Blutlinie, verborgene Kämpfe und eine Prophezeiung, die sie beide vernichten könnte. Können sie in dieser Welt voller Reißzähne, Lust und tödlicher Rudelpolitik das ultimative Tabu überstehen – oder wird das neu entstandene Band zwischen ihnen alles verschlingen?
View MoreKapitel 1
Ellas Sichtweise
Ich umklammerte den Riemen meiner Reisetasche fester, als der schwarze Escalade durch das massive Eisentor des Blackthorn-Anwesens fuhr.
Hinter uns erstreckte sich Silverpine Ridge wie aus einem Bilderbuch: hoch aufragende Kiefern, in dichten Nebel gehüllt, und in der Ferne das Rauschen von Wasserfällen. Vor uns lag das Herrenhaus – eine Konstruktion aus dunklem Glas und schwerem Holz, die eher an eine Festung als an ein Zuhause erinnerte.
„Willkommen in deinem neuen Zuhause, Kleine“, sagte Victor Blackthorn vom Fahrersitz aus. Er war der Mann, mit dem meine Mutter erst seit drei Monaten verheiratet gewesen war. Der Mann, der direkt nach ihrer Beerdigung aufgetaucht war und mir ein Leben in Sicherheit versprochen hatte – ein Leben, um das ich nie gebeten hatte.
Ich zwang mich zu einem Lächeln, auch wenn mir gar nicht danach zumute war. „Danke … Dad.“ Das Wort fühlte sich seltsam auf meiner Zunge an.
Victor lachte leise. „Du wirst dich daran gewöhnen. Sebastian wartet drinnen. Er freut sich schon darauf, dich kennenzulernen.“
Das bezweifelte ich stark. Auf den wenigen Fotos, die ich gesehen hatte, wirkte mein neuer Stiefbruder wie der reine Ärger. Er war groß, dunkelhaarig und schien eine ziemlich arrogante Art zu haben.
Die schwere Eingangstür öffnete sich, noch bevor wir sie erreicht hatten.
Und da war er.
Sebastian Blackthorn lehnte im Türrahmen, als gehörte ihm der ganze Berg. Er war größer, als ich erwartet hatte; seine breiten Schultern spannten sich unter einem schwarzen T-Shirt, und die dunkle Jeans saß tief auf seinen Hüften. Zerzaustes schwarzes Haar fiel ihm in die Stirn und umrahmte durchdringende, silbergraue Augen, die fest auf mich gerichtet waren. Seine markante Kieferpartie und die vollen Lippen ließen meinen Magen sich auf eine Weise zusammenziehen, über die ich lieber nicht zu viel nachdenken wollte.
Ich spürte, wie Hitze an meinem Hals emporstieg.
„Sebastian“, sagte Victor gastfreundlich. „Das ist Ella.“
Sebastians Blick wanderte langsam an meinem Körper herab – über meinen schlichten weißen Pullover und die Art, wie sich meine Jeans an meine Hüften und Oberschenkel schmiegte –, bevor er wieder zu meinem Gesicht zurückkehrte.
Ich bemerkte etwas Dunkles und Hungriges in seinen Augen, ehe sein Gesichtsausdruck wieder unbewegt wurde.
„Du bist also die neue Stiefschwester“, sagte er mit tiefer, rauer Stimme. Sie erinnerte mich an das Knirschen von Kies. „Süß.“ Die Art, wie er das Wort „süß“ aussprach, wirkte alles andere als unschuldig.
Ich hob das Kinn; ich wollte nicht, dass es so aussah, als würde sein einschüchternder Blick bei mir Wirkung zeigen. „Und du bist der berüchtigte Stiefbruder. Freut mich ebenfalls, dich kennenzulernen.“
Ein Grinsen huschte über seinen Mundwinkel. Er trat zur Seite, aber nur ein kleines Stück. Als ich das Haus betrat, musste ich mich an ihm vorbeischieben und streifte dabei seine Brust. Diese Berührung jagte einen heftigen elektrischen Schauer durch mich hindurch. Er roch nach Kiefernnadeln, Rauch und etwas Wildem, das mein Herz schneller schlagen ließ als gewöhnlich.
Das Innere der Villa war noch beeindruckender: Decken wie in einer Kathedrale, ein gewaltiger Steinkamin und bodentiefe Fenster, die den Blick auf den endlosen, dunklen Wald freigaben. Victor führte mich kurz herum und zeigte mir die elegante Küche, das Spielzimmer und schließlich mein Schlafzimmer im ersten Stock.
Es war wunderschön. Ein riesiges Kingsize-Bett mit weicher grauer Bettwäsche, ein eigener Balkon mit Blick auf die Bäume und ein angeschlossenes Badezimmer, das größer war als meine alte Wohnung daheim.
„Ich lasse dich erst mal ankommen“, sagte Victor mit einem freundlichen Lächeln. „Abendessen ist um acht. Sebastian kann dir alles zeigen, falls du etwas brauchst.“
Ich nickte und war erleichtert, als er endlich ging. Ich ließ meine Tasche fallen, sank aufs Bett und stieß einen tiefen Seufzer aus. Das hier sollte ein Neuanfang sein. Stattdessen fühlte es sich an, als wäre ich direkt in die Höhle des Löwen geraten.
Besonders wegen ihm.
Ich packte langsam meine Sachen aus und versuchte, nicht daran zu denken, wie Sebastian mich vorhin angesehen hatte – als wollte er mich verschlingen und gleichzeitig verdammt noch mal von sich stoßen.
In den Bergen brach die Nacht schnell herein. Ich stand auf meinem Balkon und atmete die klare Nachtluft ein, als ich es hörte. Es war ein tiefes Heulen, das durch die Bäume hallte. Es klang unheimlich und ließ meine Haut prickeln. So sagt man das doch, oder? Schlimmer noch: Das Heulen klang, als wäre es gar nicht weit weg.
Ein leises Klopfen an der Tür ließ mich zusammenzucken.
„Herein.“
Sebastian trat ein, ohne auch nur um Erlaubnis zu fragen. Er blieb im Türrahmen stehen, die Arme vor seiner kräftigen Brust verschränkt. Seine silbergrauen Augen schweiften durch mein Zimmer, ehe sie auf mir ruhten.
„Dad will dich unten sehen“, sagte er zu mir. „Und zieh dich um. Der Pullover ist zu dünn fürs Abendessen.“
Ich sah an mir herab. Der weiche, weiße Stoff schmiegte sich wie eine zweite Haut an meine Brüste; durch die kühle Luft zeichneten sich meine Brustwarzen leicht unter dem Material ab. Ich verschränkte die Arme. „So ist es in Ordnung.“
Meine Antwort schien ihm nicht zu gefallen. „Wie du willst. Aber wenn du so herumläufst, darfst du dich nicht wundern, wenn die Leute starren.“
„Die Leute?“, fragte ich und hob eine Augenbraue. „Oder nur du?“
Etwas Gefährliches huschte über sein Gesicht. Er machte einen Schritt auf mich zu, hielt dann aber inne. Ich spürte, wie die Luft im Zimmer schwer und stickig wurde. Mein Herz hämmerte bereits gegen meine Rippen. Vielleicht hätte ich das nicht sagen sollen.
Sebastians Blick glitt für einen Moment zu meinen Lippen. „Vorsicht, kleine Schwester.“
„Ich bin nicht deine Schwester“, entgegnete ich scharf.
„Nein“, murmelte er. „Das bist du definitiv nic
ht.“
Er drehte sich um und ging, noch ehe ich etwas sagen konnte.
Ellas Sichtweise„Was hast du gerade gesagt?“Sebastians Stimme war so kalt, dass selbst ich zusammenzuckte.Victor antwortete nicht. Er starrte Sebastian an, als würde er einen Toten vor sich sehen.„Du hast gesagt, der zweite Sohn des Königs hätte sterben müssen“, wiederholte Sebastian. „Welcher zweite Sohn?“Victor schloss die Augen.„Sebastian, du musst verstehen—“„Nein!“ Sebastian erhob sich langsam. „Du wirst mir jetzt erklären, was hier vor sich geht.“Ich stand zwischen ihnen, meine Hände zitterten noch immer von der seltsamen Kraft, die gerade aus meinem Körper ausgebrochen war.Der zweite Sohn des Königs.Der Junge, den ich in meiner Vision gesehen hatte, hatte Sebastians Gesicht getragen.Das konnte kein Zufall sein.„Sebastian“, flüsterte ich.Er sah mich an. In seinen silbernen Augen lag eine Frage, die er selbst nicht auszusprechen wagte.Ich wollte ihm sagen, dass ich ihm vertraute. Dass ich nicht glaubte, er könne etwas mit dem Tod meiner Mutter zu tun haben.Doch wie
Ellas Sichtweise„Meine Mutter hat den König getötet?“ Wiederholte ich Aldrics Worte, während mein Blick zwischen ihm und Victor hin und her wanderte. „Welchen König? Und warum hat niemand mir etwas davon erzählt?“Aldric trat langsam in die Halle. Blut lief von seiner Stirn über seine Wange, doch er schien den Schmerz kaum zu bemerken.„Weil deine Mutter gehofft hatte, dass du niemals in diese Welt hineingezogen werden würdest.“„Welche Welt?“ Ich lachte bitter auf. „Meine Mutter ist tot, mein Blut verwandelt sich in etwas, das ich nicht verstehe, und fremde Wölfe wollen mich entführen. Jeder hier scheint meine Geschichte zu kennen, nur ich nicht!“„Ella“, begann Victor.„Nein!“ Ich fuhr zu ihm herum. „Du bekommst keine Gelegenheit mehr, mich anzulügen. Nicht nach allem, was ich gerade erfahren habe.“Sein Gesicht verhärtete sich, aber er sagte nichts.Sebastian kam aus dem Seitengang zurück. Blut klebte an seinem Hemd, und seine Augen waren noch immer silbern. Als er mich sah, eilt
Ellas SichtweiseDer Schrei hallte durch das Anwesen und ließ die Fenster erzittern.Ich blieb wie angewurzelt stehen. Die Stimme war nicht menschlich gewesen. Sie klang wie das Heulen eines Wolfes, der unter unerträglichen Schmerzen litt.Sebastian stellte sich sofort vor mich.„Bleib hinter mir, Ella.“„Was ist da draußen los?“Er antwortete nicht. Seine silbernen Augen veränderten sich, während schwarze Adern unter seiner Haut hervortraten. Sein Wolf drängte an die Oberfläche.„Sebastian?“„Sie haben einen meiner Männer gefangen.“ Seine Stimme war tief und gefährlich. „Und sie werden ihn benutzen, um an dich heranzukommen.“Victor kam mit zwei bewaffneten Wächtern den Korridor entlang. In seiner Hand lag eine silberne Pistole.„Sebastian, du gehst nicht allein hinaus.“„Das ist mein Anwesen.“„Und sie sind keine gewöhnlichen Eindringlinge.“ Victor blieb vor uns stehen. „Wenn der Rat des Nordens persönlich seine Jäger schickt, bedeutet das, dass die Sache viel schlimmer ist, als Ald
Ellas Sichtweise„Er ist gekommen, um Anspruch auf dich zu erheben.“Victors Worte hallten in meinem Kopf wider.Ich klammerte mich an Sebastian, während ich versuchte, den Sinn dieser Aussage zu verstehen. Draußen stand der weiße Wolf noch immer vor dem Badezimmerfenster. Seine leuchtenden Augen waren auf mich gerichtet, als würde er geduldig darauf warten, dass ich eine Entscheidung traf.„Was bedeutet das?“, fragte ich.Victor antwortete nicht sofort.„Ich habe dich etwas gefragt“, sagte ich schärfer. „Was bedeutet es, dass der Norden Anspruch auf mich erhebt?“„Es bedeutet, dass dein Erwachen nicht länger verborgen bleiben kann.“„Das erklärt überhaupt nichts.“Sebastian legte einen Arm um meine Taille, um mich zu stützen. „Dann erklär es ihr richtig.“Victor warf ihm einen finsteren Blick zu. „Du solltest vorsichtig sein, wie du mit mir sprichst.“„Und du solltest vorsichtig sein, was du vor ihr verschweigst.“Die beiden Männer starrten einander an. Ich spürte die Spannung zwisch