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Chapter 3

Author: Blexyn
last update publish date: 2026-07-02 22:48:22

KAPITEL DREI

Die Party, bei der alles begann

Drei Wochen ins Semester hinein schmiss das Sigma-Haus in Brookhaven die Art von Party, die primär existierte, damit sich am nächsten Tag alle darüber beschweren konnten, wie anstrengend sie gewesen sei, während sie insgeheim auf noch eine am folgenden Wochenende hofften. Michael hatte nicht gehen wollen. Er hatte die bessere Zeit der letzten drei Wochen damit verbracht, kleine, vorsichtige Abstände zwischen sich und Mariam zu konstruieren, Abstände, die auf einer extrem brauchbaren Lüge beruhten: dass er schlicht mit seinem Abschlussprojekt beschäftigt sei.

Es hatte, größtenteils, funktioniert. Er traf sie bei Abendessen, bei Familienzusammenkünften, denen er nicht aus dem Weg gehen konnte, ohne Verdacht zu erregen, und jedes Mal war er peinlich höflich, die Art von Höflichkeit, die enorme Anstrengung kostet. Sie schien zu verstehen, was er tat, und zu seiner stillen Erleichterung ließ sie es zu, erwiderte seinen Abstand durch ihren eigenen, obwohl er sie manchmal dabei erwischte, wie sie ihn mit einem Ausdruck beobachtete, den er nicht ganz deuten konnte, etwas zwischen Amüsement und Verletztheit.

„Du kommst heute Abend,“ sagte Marcel, keine Frage, warf ihm ein sauberes Hemd zu. „Letzte große Party vor den Midterms, die uns auffressen. Und Mariam kommt auch, also bist du auf Einsatz.“

„Auf Einsatz?“

„Ich muss mich um ein paar Verbindungs-Sachen kümmern, Tate ist wieder ein Chaos, frag nicht. Ich brauch jemanden, der ein Auge auf Mariam hat, dass keiner von diesen Idioten was versucht. Du weißt, wie Parties sind.“ Marcel sagte das mit völliger Selbstsicherheit, der Selbstsicherheit eines Mannes, der nicht merkt, dass er den Wolf zum Hüten des Hühnerstalls bestimmt. „Sie mag dich. Vertraut dir. Wird easy.“

Michael wollte lachen oder schreien oder direkt in einen See fahren. Stattdessen sagte er: „Klar, kein Problem,“ weil vier Jahre geübter Loyalität ihm das beigebracht hatten, und weil ein leichtsinniger, hungriger Teil von ihm, den er aktiv zu ignorieren versuchte, die Stunden bereits herunterzählte.

Das Sigma-Haus um zehn Uhr abends war eine Wand aus Lärm und Hitze, Körper gedrängt in ein Wohnzimmer, das eindeutig nicht für so viele Menschen gedacht war, Bass, der durch die Dielen dröhnte. Michael fand Mariam fast sofort, nicht weil er bewusst nach ihr suchte, sagte er sich, sondern weil sie eine Art hatte, in einer Menge aufzufallen, die das Suchen überflüssig machte.

Sie trug ein dunkelgrünes Kleid, das etwas Kompliziertes und Verstörendes mit ihrer Silhouette anstellte, das Haar aus dem Gesicht zurückgesteckt so, dass ihre Wangenknochen wie aus etwas Kostbarem herausgeschnitten wirkten, und als sie ihn sah, wie er durchs Zimmer auf sie zustrebte, lächelte sie, als hätte sie gewartet.

„Meine designierte Babysitterin,“ sagte sie über die Musik. „Marcel hat dir gesagt, du sollst auf mich aufpassen, nicht wahr.“

„Er hat es vielleicht erwähnt.“

„Ich bin zweiundzwanzig, Michael. Ich brauche keinen Babysitter.“

„Ich weiß.“ Er suchte sich einen Platz neben ihr an der Wand, nah genug, um sie über den Lärm zu verstehen, weit genug, um plausibel abzustreiten, wie nah er eigentlich sein wollte. „Aber dein Bruder hat gefragt, und zu deinem Bruder sag ich nicht nein.“

„Du sagst nie nein zu irgendwem,“ sagte sie und musterte ihn mit derselben beunruhigenden Direktheit wie beim Abendessen vor drei Wochen. „Machst du jemals etwas, nur weil du es willst, nicht weil dich jemand darum gebeten hat?“

Die Frage traf ihn an einer unbequemen Stelle. „Manchmal.“

„Nenn mir eine Zeit.“

Er hätte eine einfache Antwort parat haben sollen. Hatte er nicht. Die Wahrheit, die er nicht laut sagen wollte, war, dass er sein ganzes Erwachsenenleben damit verbracht hatte, seine Entscheidungen nach den Erwartungen anderer zu ordnen, vor allem nach denen Marcels, und dass das letzte Mal, an das er sich erinnerte, dass er etwas rein für sich selbst so stark gewollt hatte, genau hier neben ihm in einem grünen Kleid stand und ihn mit einem Ausdruck ansah, der seine Haut zu eng wirken ließ.

„Ich arbeite dran,“ sagte er stattdessen, und sie lachte überrascht, als hätte er etwas wirklich Witziges statt Ausweichendes gesagt.

Eine Stunde später standen sie auf der Hinterveranda, weg vom schlimmsten Lärm, die Septemberluft kühl genug, um Gänsehaut auf ihren Armen zu erzeugen. Sie erzählte ihm von ihrem Graduiertenprogramm, von einem Professor, den sie jetzt schon nicht mochte, und einem Thema, um das sie noch kreiste, ohne sich festzulegen, und Michael hörte mit Aufmerksamkeit zu, die nichts mit Höflichkeit zu tun hatte, als ein großer, selbstsicherer Typ aus dem Kommunikationsprogramm, der offenbar seine Attraktivität kannte, herüberkam und sich mit der Selbstverständlichkeit eines nie Nein Hörenden in das Gespräch einfügte.

„Mariam, richtig? Ich bin in deinem Media-Theorie-Seminar. Theo.“ Er streckte die Hand aus, und Michael sah zu, wie sie sie höflich, aber distanziert schüttelte; Theos Blick fuhr langsam über sie hinweg, und etwas in Michaels Brust wurde heiß und eng — nichts mit Eifersucht, sagte er sich, alles mit Beschützerinstinkt, die Art, die ein verantwortungsbewusster Freund fühlen sollte. Er erzählte sich diese Lüge mit demselben Nachdruck wie all die anderen.

Theo redete zehn Minuten. Michael sagte fast nichts, die Arme verschränkt, beobachtete, wie Mariams Haltung sich veränderte, höflich, aber geschlossen, die Körpersprache einer Frau, die geduldig mit jemandem ist, an dem sie kein Interesse hat. Als Theo schließlich von einem Freund weggelockt wurde, atmete Mariam aus und wandte sich mit einem Ausdruck reiner Erleichterung zu Michael.

„Danke, dass du nichts Verrücktes gesagt hast,“ sagte sie. „Ich dachte, du würdest anfangen zu knurren.“

„Ich wollte nicht knurren.“

„Du hättest definitiv geknurrt. Du hast sogar die Arme verschränkt, sahst aus wie ein Türsteher.“ Sie neckte ihn, aber darunter lag etwas Suchendes. „Warum macht dich das so fertig?“

„Es macht mich nicht fertig.“

„Michael.“

„Es macht mich ein bisschen fertig,“ gab er zu, die Worte kamen leise, fast vom Lärm verschluckt. „Ich weiß nicht genau warum.“

Mariam trat näher, so nah, dass er den gleichen warmen, floralen Duft vom Treppenaufgang wieder roch, so nah, dass das Verandlicht die Kante ihres Kiefers auffing und sie für einen schwebenden Augenblick wie aus einem Gemälde wirken ließ.

„Ich glaube, du weißt genau warum,“ sagte sie leise. „Du weißt es seit Wochen. Du hast nur so getan, als wäre es nicht so.“

„Mariam.“

„Ich werde nicht länger so tun,“ sagte sie. „Ich bin es leid, so zu tun. Ich tue schon seit ich sechzehn bin so, Michael, und ich habe es satt.“

Sie war jetzt so dicht, dass seine Hand fast ohne sein Zutun an das Geländer neben ihrer Hüfte glitt. Ihr Blick senkte sich auf seinen Mund und wieder hoch, langsam, fordernd, fragte ohne Worte, und Michael spürte, wie all die Versprechen, die er je gemacht hatte, in den vier Zoll zwischen ihnen zu zerspringen begannen.

„Wir können nicht,“ sagte er, aber es klang falsch, wie eine Frage, wie ein Mann, der darum bat, ihm seine Entschlossenheit auszureden.

„Ich weiß,“ flüsterte sie und wich nicht zurück.

Seine Hand fand ihre Taille. Ihre Finger krallten sich in die Vorderseite seines Shirts. Der Abstand zwischen ihnen schrumpfte auf fast nichts, seine Stirn sank an ihre, beide atmeten zu schnell für zwei Menschen, die noch nichts getan hatten, beide schwebten in der halben Sekunde vor einem Kuss, der sich anfühlte, als baue er schon seit sechs Jahren auf.

„Mariam! Da bist du ja, ich hab überall gesucht, du glaubst nicht, was gerade mit Tate passiert ist.“

Marcels Stimme durchschnitt die Dunkelheit wie eine Klinge, und Michael und Mariam sprangen so schnell auseinander, dass Michaels Schulter heftig gegen das Verandageländer knallte und sein Herz gegen die Rippen hämmerte, als Marcel um die Ecke kam, ahnungslos, mitten im Satz, völlig blind dafür, dass er vor dreißig Sekunden beinahe genau in die Szene geplatzt wäre, vor der er seinen besten Freund fünf Jahre lang gewarnt hatte.

„Hey,“ sagte Marcel und schaute zwischen ihnen hin und her, sein Gesicht veränderte sich nur minimal, gerade genug, dass Michael der Magen zusammensackte. „Alles okay hier draußen? Ihr seht komisch aus.“

„Wir sind okay,“ sagte Mariam, schneller wieder gefasst als Michael, ihre Stimme perfekt leicht, vollkommen normal, während ihr Blick, als er noch einmal für eine letzte Sekunde zu Michael schielte, etwas zeigte, das unfehlbar die gleiche Panik war, die jetzt durch seinen eigenen Brustkorb strömte.

Okay. Nichts war okay. Nichts würde jemals wieder okay sein, und das Schlimmste — das, worüber Michael immer wieder nachdachte, während er allein auf der Veranda in der abkühlenden Nachtluft stand — war, dass ein leichtsinniger, hungriger Teil von ihm das eigentlich nicht wollte.

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