LOGINMeine Stimme wird zu einem leisen Stöhnen, das in der Stille des Zimmers beinahe unnatürlich klingt, während sich mein Körper immer stärker anspannt und ich verzweifelt versuche, in den Erinnerungen etwas zu finden, das mir für einen Augenblick Erleichterung verschaffen könnte, doch je mehr ich mich in ihnen verliere, desto deutlicher spüre ich, dass etwas in mir Widerstand leistet, dass ein Teil meiner Seele sich weigert, sich dem Verlangen vollständig hinzugeben. Vielleicht ist es die Scham, vielleicht die Wut, vielleicht auch die Verzweiflung einer Frau, die längst begriffen hat, dass sie einen Mann noch immer lieben kann, obwohl sie genau weiß, wie viel Schmerz diese Liebe ihr bereits zugefügt hat. Ich denke an den Keller. An Chiara, die dort unten in der Dunkelheit angekettet ist, an das, was Diego ihr angetan hat, und an all die Dinge, zu denen er fähig ist, wenn jemand es wagt, sich seinem Wi
ValentinaDie Nacht ist längst hereingebrochen, das Dorf liegt im Schlaf, das Meer atmet in der Ferne seinen ewigen Rhythmus, und der Mond wirft ein schwaches Licht auf die weiß gekalkten Mauern, während ich auf meinem Bett liege, die Augen weit geöffnet in der Dunkelheit, den Körper angespannt und den Geist so aufgewühlt, dass ich nicht einmal daran denken kann, die Ruhe zu finden, nach der ich mich eigentlich sehnen sollte.Mateo hat mich heute angelächelt. Mit diesem einfachen, aufrichtigen Lächeln, hinter dem sich kein Geheimnis verbirgt und das nichts verspricht, was über das hinausgeht, was er tatsächlich zu geben vermag. Mit seinen hellen Augen, die mich ansehen, als wäre ich ein Mensch und kein Opfer, keine Besitztümer beanspruchende Trophäe, kein Gegenstand, über den jemand nach Belieben verfügen darf.Ich habe zurückgelächelt. Ein echtes Lächeln, das tief aus meinem Innersten kam und sich seinen Weg durch all die Schichten aus Schmerz,
Er zieht seine Hand zurück, kehrt zu seinem Ruder zurück, startet den Motor wieder. Das Boot nimmt seine Fahrt wieder auf, durchpflügt die Wellen mit ruhiger Hartnäckigkeit. Ich bleibe am Bug sitzen, das Gesicht der Sonne zugewandt, die Augen voller Tränen, die ich nicht mehr zurückhalte. Sie laufen über meine Wangen, salzig wie das Meer, warm wie der Morgen. Aber diesmal sind es keine Tränen der Traurigkeit. Oder vielleicht doch. Vielleicht ist es eine Mischung aus allem: die Traurigkeit über das, was ich verloren habe, die Angst vor dem, was mich erwartet, die Dankbarkeit für diesen einfachen Mann, der mir den Weg zeigt. Und die Erleichterung. Die immense Erleichterung zu entdecken, dass ich noch lächeln kann. Dass ich noch lebe. Dass nicht alles in mir tot ist. Der Tag vergeht, sanft, friedlich. Mateo zeigt mir, wie man die Netze einholt, wie man die Fische sortiert, wie man die Zeichen des Wetters liest. Ich bin ungeschickt, unwissend, aber er lacht nicht. Er erklärt, er
Seine Stimme ist sanft, fern, voller Erinnerungen, die ich nicht kenne. — Ich war Soldat. Ich habe Dinge gesehen... Dinge, die ich nie wieder sehen will. Also bin ich hierher zurückgekehrt, in mein Dorf, und habe das Boot meines Vaters übernommen. Das Meer verlangt nichts. Es urteilt nicht. Es ist einfach da, das ist alles. Er trinkt einen Schluck Bier, seine hellen Augen auf meine gerichtet. — Ich bitte dich nicht, mir deine Geschichte zu erzählen, Valentina. Ich bitte dich nur zu wissen, dass ich verstehe. Dass ich weiß, was es heißt zu fliehen, sich zu verstecken, zu versuchen zu vergessen. Die Stille kehrt zwischen uns zurück. Aber sie ist nicht schwer. Sie ist voller Verständnis, Respekt, einer seltsamen Intimität, die ohne Worte auskommt. Ich trinke mein Bier. Mateo trinkt seines. Um uns herum lachen die Fischer, reden, leben ihr einfaches und gewöhnliches Leben. Zum ersten Mal seit Monaten fühle ich mich nicht völlig allein. — Ich sollte gehen, sage ich, als ich
Ich wende mich wieder meiner Leinwand zu, in der Hoffnung, dass er geht. Er geht nicht. Er stellt seinen Eimer ab, setzt sich in respektvoller Entfernung auf den Sand und sieht mir beim Malen zu. Die Minuten vergehen. Die Stille setzt sich fest, angenehm, fast natürlich. Ich spüre seinen Blick auf mir, aber er ist nicht schwer, nicht aufdringlich. Er ist einfach da, wie das Meer, wie der Wind, wie die Sonne. — Ich heiße Mateo. Seine Stimme durchbricht die Stille, sanft, ohne sie wirklich zu brechen. — Valentina. — Sehr erfreut, Valentina. Er fragt nichts weiter. Weder woher ich komme, noch was ich hier tue, noch warum eine Frau wie ich allein an einem Strand am Ende der Welt malt. Er bleibt sitzen, betrachtet das Meer, betrachtet meine Leinwand, sagt nichts. Als die Sonne beginnt unterzugehen, steht er auf, nimmt seinen Eimer, legt seine Netze wieder auf die Schulter. — Ich komme morgen wieder. Wenn du willst. Er lässt mir keine Zeit zu antworten. Er entfernt sich
Also akzeptiere ich die Einsamkeit. Ich zähme sie, Tag für Tag. Sie wird meine Gefährtin, mein Schatten, meine Stille. Doña Elena klopft an meine Tür. — Mija, willst du mit mir zu Abend essen? Ich habe Tamales gemacht. Ihre Stimme ist warm, voller einfacher Güte, die mich an meine Mutter erinnert, vor so langer Zeit. Ich kann nicht ablehnen. Ich will nicht ablehnen. — Ich komme, Doña Elena. Ich gehe hinunter in die Küche. Der Tisch ist für zwei gedeckt, angeschlagene Steingutteller, dicke Gläser, eine Kerze, die in der Mitte flackert. Doña Elena setzt sich mir gegenüber, ihre knotigen Hände auf dem Tisch. — Hast du heute gut gearbeitet? — Ja. Ich habe eine Leinwand verkauft. — Das ist gut, mija. Das ist gut. Sie serviert mir eine großzügige Portion, sieht mir mit Augen voller Zärtlichkeit beim Essen zu. Sie fragt mich nie etwas, erkundigt sich nie nach meiner Vergangenheit, nach den Narben an meinen Händen, nach den Albträumen, die mich nachts wecken. Sie ist einfach da. Ein
GiuliaDie Stille im Büro nach zwanzig Uhr ist ein lebendiges Wesen. Sie senkt sich schwer auf meine Schultern, dringt in meine Lungen ein, ersetzt das Blut in meinen Adern durch eine eiskalte, stehende Flüssigkeit. Im grellen Licht meiner Lampe ist mein Gesicht im schwarzen Spiegel des Bildschirms
LorenzoDie ehrgeizige Frau, von der ich glaubte, sie zu kennen, hätte sich gewehrt. Sie hätte ihre Waffen eingesetzt – diesen Blick, dieses Lächeln, das mich um den Verstand brachte –, um ihr Los zu mildern. Sie hätte versucht, mich erneut zu verführen, die Kontrolle zurückzugewinnen.Aber Giulia
GiuliaDie Tür meiner Wohnung schließt sich hinter mir mit einem dumpfen Klicken, einem endgültigen Geräusch, das die Dichtigkeit der Welt besiegelt. Hier gibt es keinen Lorenzo Conti mehr. Keine strahlende Chiara. Kein Büro, keine Zahlen, keine von Hass erfüllten Blicke. Es gibt nur die Stille. Ei
GiuliaDie Lüge war so gewaltig, so monströs, dass sie beinahe wahr wurde. Ihr Glück war das Einzige, woran ich mich noch klammern konnte. Die einzige Rechtfertigung, die im Trümmerfeld meines Lebens noch Bestand hatte.— Du bist die beste Schwester der Welt, flüsterte sie mit feuchten Augen. Ich m







