LOGINDas unbarmherzige Dröhnen der großen Lichtkessel war das Erste, was Veda jeden Morgen hörte. Noch bevor sie die Lider hob, noch bevor der bittere Geschmack von abgestandenem Talg und Kohlenstaub auf ihrer Zunge brannte. Die Vibration kroch durch den feuchten Mörtel ihrer Behausung, fraß sich durch das gestopfte Stroh der Pritsche und setzte sich als konstantes, dumpfes Zittern in ihren Knochen fest. Die Plerome nannten es das Herz von Frostdale. Für Veda war es das ununterbrochene Mahlen der Zähne eines Gottes, der an seiner eigenen Schöpfung erstickte.
Reglos blieb sie liegen. Die Wolldecke war dünn, das raue Material kratzte an ihrem Kinn. Es gab keinen Grund für hastige Bewegungen. Der Tag im Industriering besaß ohnehin nur eine Farbe: das aschegraue Licht der ewigen Schichten. Draußen würden die großen Brenner wieder das flackernde Weiß über die Stadtmauer speien.
Und Mina?
Veda schloss die Augen, bis die Dunkelheit hinter ihren Lidern zu flimmern begann. Mina atmet noch. Vier Wochen blieben ihr. Vier Wochen, bis die Priester mit den kreidebleichen Roben und den langen Listen die Gassen des Rings abschritten, um den Erntezehnt einzufordern.
Sie schwang die Beine über die Kante ihrer Pritsche. Das alte Dielenbrett unter ihren Füßen ächzte, ein vertrauter, mürrischer Laut in der Stille des Hauses. Es war ein schmales, windschiefes Gebäude, dessen Wände so dünn waren, dass man den Husten der Nachbarn hören konnte. Die Kälte kroch durch jede Ritze, als wäre das Haus selbst krank.
Veda schlüpfte in den Kittel. Der graue Stoff war an den Ellbogen dünn gescheuert, die Fasern unrettbar mit rußigen Ölflecken verkrustet. Sie raffte ihr helles, fast weißblondes Haar zusammen, das im fahlen Kerzenschein wie gesponnenes Silber wirkte, und flocht es zu einem strammen Zopf. Ein einsamer, heller Punkt in diesem dämmrigen Raum. Jeder Handgriff saß.
Als sie die schwere Holztür zum Zimmer ihrer Schwester öffnete, schlug ihr der vertraute Schleier entgegen. Die Luft hier drinnen war dick, geschwängert mit dem beißenden Rauch der Talgkerzen und dem Dunst aus den Werkstätten, der durch das undichte Dach einsickerte. Ein milchiges Nichts. Veda atmete flach, presste die Lippen aufeinander.
Mina wirkte noch kleiner als am Vorabend. Es schnürte Veda die Kehle zu. Die Decke lag wie über ein hölzernes Gestell geworfen über den spitzen Schultern ihrer Schwester; jede Kontur darunter schien eingefallen, der Körper ein einziges Häufchen Elend in diesem viel zu großen Bett. Minas Haut besaß jene durchscheinende, wächserne Textur, die Veda das Blut in den Adern gefrieren ließ. Es sah aus, als würde die Lebenskraft unter der Oberfläche einfach verdampfen, unaufhaltsam, Minute für Minute.
Veda beugte sich vor und strich ihr behutsam eine feuchte Strähne aus der Stirn. Minas Haar, das eigentlich dasselbe kühle, lichte Blond besaß wie ihr eigenes, fühlte sich unter ihren Fingern brüchig an, stumpf und matt vom Schweiß der Fiebernächte. Nur ihre Augen lebten noch. Sie waren viel zu groß für das schmale, bleiche Gesicht, dunkel, fiebrig wach und voller stummer Erwartung, die Veda fast körperlich wehtat.
„Veda“, flüsterte das Mädchen. Ihre Lippen sprangen auf, kleine rote Risse im Weiß ihrer Haut. „Du riechst nach Ruß.“
„Die Öfen laufen seit der Dritten Wache unter Volldruck“, sagte Veda leise. Sie setzte sich auf die Bettkante, die unter ihrem Gewicht leicht nachgab, und nahm Minas Hand. Die Finger waren eiskalt. Zu elastisch. Als hätten die Knochen ihre innere Härte verloren. „Hast du geschlafen?“
„Die Träume waren laut.“ Mina sah an ihr vorbei, durch den schmalen Spalt in der Mauer, der mit einem feuchten Wolltuch verhängt war. Dahinter zuckte das gleißende Phantomlicht der großen Außenstrahler. „Ich war auf dem Eis, Veda. Ganz weit draußen in der Pampa, wo die Hügel beginnen. Es gab keine Türme dort. Kein Summen. Nur der Wind. Er war sauber.“
Veda drückte die kalten Finger etwas fester, fast drohend. „Hör auf damit, Mina. Draußen ist das weiße Nichts. Da draußen überlebt keiner.“
„Vielleicht ist die Schwärze dort besser als das, was sie uns hier als Tag verkaufen.“ Minas Stimme glitt ab, verlor sich im fernen Dröhnen der erwachenden Stadt. „Das Licht… es fühlt sich schwer an auf der Haut. Wie warmer Schlamm.“
„Das Licht hält die Moroi hinter den Mauern“, entgegnete Veda, und die Härte in ihrem eigenen Tonfall überraschte sie selbst. Es war die Lüge, die sie alle wie eine zweite Haut trugen, um nicht schreiend gegen die Festungsmauern zu rennen. „Ich bringe dir nach der Schicht eine Schale Suppe. Ich habe noch getrocknete Beeren im Schrank versteckt. Kaue sie langsam.“ Sie stand auf, bevor Minas sanfter, mitleidiger Blick sie brechen konnte. Ihre Schwester wehrte sich nicht mehr. Sie fügte sich dem Zehnt, als wäre es ein logischer Schritt im Rätsel dieser Welt. Veda ertrug diese Ergebung nicht.
Zwanzig Minuten später stand sie in der großen Brennerhalle des Rings.
Der Lärm hier unten war überpräsent, hallte im eigenen Körper nach und blendete die Geräusche von draußen vollständig aus. Das Zischen der Überdruckventile, das metallische Klacken der schweren Stellhebel und das tiefe Summen der dicken Glaslinsen trafen sie wie ein Schlag. Die Halle war gigantisch, ein kathedralenartiges Gewölbe aus schwarzem Basalt, in dem die fünfzehn Meter hohen Eisenblöcke wie steinerne Götzenbilder in Reih und Glied aufragten. Kupferkabel schlängelten sich in endlosen Schleifen über den Gitterboden.
Veda zog ihre Lederhandschuhe an und trat an das Pult vor der dritten Glaslinse. Unter den Lichtpflegern war sie eine Anomalie. Zweiundzwanzig Jahre alt, umgeben von Männern und Frauen, deren Gesichter das aschegraue Siegel der Schwindsucht bereits tief in die Poren eingebrannt hatten. Die meisten starrten stumm auf die Zeiger der Messuhren, bewegten die Hebel nur nach den rituellen Gesängen der Aufseher. Sie verstanden die Kraft nicht. Sie sahen nur das Wunder.
Veda sah die Muster.
Ihre Finger glitten über die rauen Messingknöpfe des Logbuchs. Sie las den Fluss des Lichts nicht von den Skalen ab; sie hörte ihn. Das große Glas über ihr besaß ein unsauberes Schleifen, ein winziges Stolpern im Takt des strömenden Feuers, das sie bis in die Zahnwurzeln spürte.
Die Zeiger für den Druck sanken. Die Zahlen, die sie in die Spalten eintrug, fielen stetig, Millimeter für Millimeter, seit zwei Schichten. Sie kannte den tiefsten Strich auf der Skala auswendig. Wenn das Quecksilber darunter sank, reichte die Kraft des Lichts nicht mehr aus, um das Fleisch der Moroi zu verbrennen. Dann war die Mauer ungeschützt.
„Gerold“, rief sie dem älteren Meister zu, der drei Schritte weiter ein Ventil mit Öl schmierte. „Der Fluss am dritten Glas sackt ab. Das Summen ist zu dumpf. Der Takt stimmt nicht.“
Der alte Mann hielt in der Bewegung inne. Seine Augen, trüb vom jahrzehntelangen Blick in das fahle Weiß, huschten nervös zu der schweren Eisentür, an der die Kleruswachen mit ihren blanken Hellebarden postiert waren. Er trat so nah an sie heran, dass sie den sauren Geruch seines Tabaks riechen konnte.
„Schweig, Mädchen“, raunte er, und seine von Ruß verkrusteten Finger krallten sich in ihren Ärmel. „Ich habe es den Schreibern gemeldet. Die Antwort kam von oben: Es ist eine Prüfung des Sol. Ein heiliges Schwinden, um unseren Gehorsam zu messen.“
„Ein Schwinden?“, Veda senkte die Stimme, doch ihre Worte waren scharf wie eine Glasscherbe. „Wenn der Zeiger weiter fällt, zerreißt es das Glas. Dann messen die Moroi unseren Gehorsam mit den Zähnen, Gerold.“
„Es ist nicht an uns, die Kraft zu hinterfragen“, flüsterte der Alte, und das Zittern in seiner Stimme war die reine, nackte Paranoia, die Frostdale regierte. „Tu deine Arbeit. Schreib die Zahlen auf. Stell keine Fragen.“
Veda wandte sich ab. Ihr Kiefer war starr vor Wut. Glaube. Dieses Wort war die Ausrede für jede verrostete Schraube und jede schlampige Wartung in dieser sterbenden Festung. Sie öffnete ihr offizielles Dienstbuch und trug die gefälschten hohen Werte ein, die man von ihr erwartete. Eine glatte, beruhigende Lüge für die Augen der Priester.
Doch als die Schicht vorüber war und die anderen Arbeiter sich erschöpft in die Waschräume schleppten, ging Veda nicht. Sie wartete, bis das Licht in der Halle gedrosselt wurde und die schweren Schritte der Klerusgarde am Ende des Korridors verhallten. Die Dunkelheit hier unten war nie vollständig; überall glühte das ungesunde Restlicht der abgekühlten Eisenblöcke.
Veda kroch unter das Hauptpodest von Brenner Vier. Zwischen den vibrierenden Ölleitungen war ein Hohlraum, kaum breit genug für ihren Körper. Im Dreck und zwischen verbranntem Kupfer lag ihr eigentliches Werk.
Sie zog das schmale, in Schweinsleder gebundene Heft hervor, das sie aus den Archivabfällen gestohlen hatte. Ihre Finger tasteten im Halbdunkel nach dem Kohlestift. Jedes Knacken des heißen Metalls über ihr ließ ihr Herz gegen die Rippen schlagen. Wenn sie sie hier erwischten, mit eigenen Aufzeichnungen, bedeutete das den Sturz vom Wall.
Sie schlug die Seiten auf. Auf dem rauen Papier verliefen Linien, die sie heimlich aus den Logbüchern übertragen hatte. Die echten, ungeschönten Druckabfälle der letzten drei Monate. Und direkt daneben standen Namen und Daten, feine Kreuze, die sie aus den täglichen Meldungen der Krankenbaracken kopiert hatte.
Es war ein Takt in den Zeichen.
Sie strich mit der Daumenkuppe über die bröckelige Kohle. Jedes Mal, wenn der Klerus die Brenner auf die höchste Stufe trieb, um angebliche Bewegungen im tiefen Eis abzuwehren, folgte eine Welle neuer Kreuze in den Slums. Die Striche für den Lichtdruck und die Kreuze der Toten stiegen im selben Moment. Maschinen und Sterben liefen im gleichen Rhythmus.
Veda hielt den Atem an, während das kalte Öl von der Decke des Podests auf ihre Stirn tropfte. Das durfte nicht sein. Das Licht war der Schild. Die Wärme des Sol war das Einzige, was das Leben in Frostdale bewahrte. Wenn das Licht der Feind war, gab es keinen Schutz.
Ein Fehler, dachte sie panisch, und die Mine ihres Stifts brach mit einem leisen Knacken. Ich habe mich in den Zeilen geirrt. Ich habe falsch gezählt. Es ist ein Zufall.
Aber ihr Verstand weigerte sich, die Lüge zu glauben. Die Striche logen nicht. Kupfer und Druck logen nie. Irgendetwas stimmte nicht mit der Kraft des Lichts. Es schützte sie nicht nur. Es tat noch etwas anderes mit ihnen, leise, unsichtbar, wie der Rost am Fundament des Walls.
Ein Scharren von beschlagenen Stiefeln ertönte auf dem Gitterrost direkt über ihr.
Veda presste sich flach auf den Bauch, den Kopf in den Staub gedrückt. Sie schloss das Heft, hielt es so fest an ihre Brust, als könnte sie damit ihren eigenen rasenden Herzschlag dämpfen. Der Geruch von heißem Maschinenfett stieg ihr in die Nase, vermischte sich mit der nackten Todesangst. Sie atmete nicht. Sie lauerte in der Finsternis, während die Schritte der Wache langsam über das Podest hinweggingen.
Erst als wieder nur das monotone gleichgültige Mahlen der Kessel zu hören war, kroch sie rückwärts aus dem Versteck.
Sie verstaute das Heft tief unter ihrem Kittel, direkt auf der nackten Haut, wo das raue Papier an ihren Rippen scheuerte.
Als sie spät in der Nacht Minas Raum betrat, brannte die Kerze nicht mehr. Das Zimmer war kalt, gefüllt mit dem fahlen weißen Schimmer, der durch das Wolltuch am Fenster drang. Mina schlief, ihr Atem war ein dünnes, rasselndes Pfeifen in der Dunkelheit.
Veda setzte sich auf die Bettkante. Sie nahm Minas Hand nicht. Sie starrte nur auf das Gesicht ihrer Schwester, das im künstlichen Licht der Festung fast wie das einer Toten wirkte.
Die Wahrheit war noch nicht da. Nur ein Splitter davon, ein beunruhigendes Rauschen in ihren Ohren. Aber Veda wusste, während sie das Kratzen des geheimen Buches auf ihrer Haut spürte, dass sie den Strichen weiter folgen musste. Nicht aus Mut. Sondern weil die Neugier in ihr Veda keine andere Wahl ließ.
Die Hitze im Bereich von Schrein Vier besaß eine erstickende Dichte. Sie stieg aus den tiefen Schächten der tiefer liegenden Triebwerke empor, vermischte sich mit dem nasskalten Wind des offenen Himmels und legte sich als klebriger Film aus Schmieröl und Ruß auf die Haut. Alixandir schritt über die eisernen Gitterroste des Verbindungsgangs, die unter seinen schweren Stiefeln klirrten. Hinter ihm hielt Durand mühsam Schritt, das rhythmische Klappern seiner Ausrüstung ein ständiger Störfaktor in der Geräuschkulisse der Anlage.Ohne die betäubende Wirkung der getrockneten Kräuter drang jedes Geräusch ungefiltert in Alixandirs Gehör. Das hohle Fauchen der Transformatoren, das Zischen der Überdruckventile und das dumpfe Scharren von Schaufeln tief unter ihnen schufen einen konstanten Lärm, der hinter seinen Schläfen pulsierte. Seine unverletzte Schulter spannte sich unter dem stählernen Harnisch an. Jede Faser seines Körpers verlangte nach der bitteren Taubheit, die er sonst mit den Blätte
Kalter Wind kanalisierte sich durch die engen, schluchtartigen Gassen des Industrieringes und trieb den Ruß der Kesselhäuser in dichten Schlieren vor sich her. Veda zog den Kragen ihres dünnen Kittels höher, während sie über das feuchte, von Schlacke rutschige Kopfsteinpflaster ging. Über ihr spannte sich der aschegraue Himmel von Frostdale wie eine schmutzige Glocke, kaum unterscheidbar von dem ewigen Qualm der Schornsteine. An den hölzernen Fassaden der dicht gedrängten Mietskasernen klebte der schwarze Staub der Jahrzehnte, fraß sich in die Ritzen des mürben Holzes und sickerte durch die dünnen Fensterscheiben der schlafenden Arbeiter.Aus einer dunklen Toreinfahrt drang das rhythmische, heisere Husten eines Nachbars. Es war ein vertrautes Geräusch, das den Takt des Lebens im unteren Ring bestimmte, so beständig wie das ferne Dröhnen der Scheinwerfertürme. Auf den hölzernen Treppenstufen ihrer Unterkunft knarrte jede Planke unter Vedas Stiefeln. Der Aufgang roch nach kaltem Talg, f
Der Alarm kam in der dritten Stunde der Nacht, wie ein Fluch, der die Stille zerriss.Es war kein langsames Erwachen. Ein schrilles, schneidendes Heulen drang durch das massive Gestein des Walls und riss jeden Schlaf mit der Gewalt eines physischen Schlages aus den Knochen. Sofort stand Alixandir auf den Beinen, noch bevor der zweite Ton der Sirene richtig verklungen war. Der Körper handelte vollkommen ohne Bewusstsein; fünfzehn Jahre unerbittlicher Grenzdienst hatten jedes Zögern aus den Muskeln weggebrannt. Während die abgehärteten Hände nach den Rüstungsteilen griffen, die geordnet auf der Holzbank bereitlagen, rief der Verstand bereits das vertraute Bild des Nordwalls ab. Wehrgänge, Zinnen, die offenen Aufgänge aus den Kasernenhöfen.Die Stahlplatten lagen eisig auf der Haut. Ein tiefes Knarren ging vom schweren Leder der Gurte aus, als er sie mit einer gewohnten, kraftvollen Bewegung festzog. Beim Schließen der schweren Brustplatte murmelten die Lippen wie von selbst die heiligen
Das unbarmherzige Dröhnen der großen Lichtkessel war das Erste, was Veda jeden Morgen hörte. Noch bevor sie die Lider hob, noch bevor der bittere Geschmack von abgestandenem Talg und Kohlenstaub auf ihrer Zunge brannte. Die Vibration kroch durch den feuchten Mörtel ihrer Behausung, fraß sich durch das gestopfte Stroh der Pritsche und setzte sich als konstantes, dumpfes Zittern in ihren Knochen fest. Die Plerome nannten es das Herz von Frostdale. Für Veda war es das ununterbrochene Mahlen der Zähne eines Gottes, der an seiner eigenen Schöpfung erstickte.Reglos blieb sie liegen. Die Wolldecke war dünn, das raue Material kratzte an ihrem Kinn. Es gab keinen Grund für hastige Bewegungen. Der Tag im Industriering besaß ohnehin nur eine Farbe: das aschegraue Licht der ewigen Schichten. Draußen würden die großen Brenner wieder das flackernde Weiß über die Stadtmauer speien.Und Mina?Veda schloss die Augen, bis die Dunkelheit hinter ihren Lidern zu flimmern begann. Mina atmet noch. Vier Woc
Der Nordwall von Frostdale roch nach altem, in das Gestein gefressenen Ruß und dem beißenden Beigeschmack von gefrorenem Blut. Der Schnee fiel waagerecht in einer einzigen, ununterbrochenen weißen Flut, die die Welt auf wenige Armlängen Entfernung reduzierte. Alixandir stand an der Brüstung, den Rücken gegen die eisige Mauer gepresst, und ließ sich die Kälte in die Lungen ziehen, bis sie brannte.„Sie sind da!“, schrie Brant, und die Panik in seiner Stimme schnitt scharf durch die Luft.Alixandir antwortete nicht. Er brauchte keine Worte; er spürte das Grollen der Moroi in seinen Sehnen. „Formation!“Mit einem harten Klick bohrten sich die Spannhaken in das gefrorene Mauerwerk, als Alixandir seine Winden-Gurte zum Einsatz br







