Teilen

KAPITEL 42: PARIS

last update Veröffentlichungsdatum: 20.07.2026 23:03:00

Paris war eine Idee, die Noelle noch nie ernst genommen hatte.

Das war keine Abneigung. Eher die Art Aufschieben, die mit Staedten passierte, die zu gross und zu beansprucht in der kollektiven Vorstellung waren, als dass man einfach hinfuhr. Paris war der Ort, den man besuchte, wenn man bereit war fuer ihn, und Noelle hatte immer gedacht, das wuerde irgendwann passieren, wenn sie mehr Zeit hatte, wenn die richtigen Umstaende da waren, wenn, wenn, wenn.

Jetzt war sie aus beruflichen Gruend
Lies dieses Buch weiterhin kostenlos
Code scannen, um die App herunterzuladen
Gesperrtes Kapitel

Aktuellstes Kapitel

  • MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER   KAPITEL 61: DAS PARISER URTEIL

    Das Pariser Urteil kam im August. Das war schneller, als alle erwartet hatten, und es war ein vollständiges Urteil, nicht ein Zwischenbescheid und keine Vertagung. Isabelle Dumont rief um acht Uhr morgens an, als Noelle noch in Damians Wohnung war und Kaffee trank und er unter der Dusche war, und Isabelle Dumonts Stimme hatte die Qualität von jemandem, der schon wach war, seit das Urteil angekommen war, und das war, nach Isabelle Dumonts Zeitrechnung, wahrscheinlich seit fünf Uhr morgens. "Wir haben gewonnen," sagte Isabelle Dumont. Noelle stellte die Kaffeetasse ab. "Vollständig?" fragte sie. "Vollständig," sagte Isabelle Dumont. "Das Gericht hat das Muster als systematisch und als Wettbewerbsverstoss gewertet. Hale Meridian muss Schadensersatz zahlen. Die Höhe wird noch festgestellt. Und, das ist der Teil, der öffentlich ist: Das Urteil wird veröffentlicht. Das ist bei Wirtschaftssachen selten, aber der Richter hat entschieden, dass das öffentliche Interesse es erfordert." "D

  • MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER   KAPITEL 60: WENN ZWEI LEBEN EINS WERDEN

    Es passierte nicht in einem grossen Moment. Es passierte in vielen kleinen, über mehrere Wochen, und als Noelle bemerkte, was passiert war, war es schon längst passiert. Ihre Zahnbürste war in seiner Wohnung. Das war zuerst ein praktisches Ding, weil man keine Zahnbürste dabeihaben wollte, wenn man dort übernachtete, und weil er eine kaufte, die sie dort hatte, und das war nicht dramatisch, das war einfach vernünftig. Dann war ein Buch von ihr bei ihm, weil sie es mitgebracht hatte und es nicht mehr mitnahm, weil sie weiterlas, wenn sie dort war. Dann war eine Tasse in seiner Küche, die ihre war, nicht weil er sie kaufte, sondern weil sie eine mitgebracht hatte, die besser zu greifen war als seine runden, und weil es sinnlos war, sie jedes Mal mitzunehmen. Das waren kleine Dinge. Aber kleine Dinge waren die Art, wie grosse entstanden. An einem Donnerstagabend Mitte Juni sass Noelle in seiner Wohnung und las, während er am Klavier sass und spielte, nicht das vollständige Stück,

  • MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER   KAPITEL 59: SOMMERS ANFANG

    Der Sommer kam nach Frankfurt mit der Plötzlichkeit, die Sommer manchmal hatten: als wäre er am Vortag noch nicht beschlossen gewesen und am nächsten Tag vollständig da. Das war ein Mittwoch Anfang Juni, und Noelle merkte es daran, dass sie morgens die Jacke nicht mehr brauchte und dass die Stadt draussen einen anderen Klang hatte, heller und offener, den Klang von Menschen, die begonnen hatten, mehr Zeit draussen zu verbringen. Sie mochte den Sommer in Städten. Es gab Leute, die sagten, der Sommer gehörte in die Natur, an Seen und Berge und auf Felder, und das stimmte auch, aber der Sommer in einer Stadt hatte eine eigene Qualität, die sie liebte: die Biergärten und die Menschen auf Bänken und die Abende, die sich dehnten, weil es lange hell blieb. Damian mochte den Sommer nicht besonders. Das hatte er ihr am ersten heissen Tag beiläufig gesagt, als wäre es eine Tatsache, die keiner Begründung bedurfte. "Warum nicht?" hatte sie gefragt. "Zu laut," hatte er gesagt. "Zu viel au

  • MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER   KAPITEL 58: DER ANTEIL UND WAS ER BEDEUTET

    Albrecht Renz hatte Damian am Telefon gefragt, ob er bereit war, den Anteil anzunehmen. Damian hatte ja gesagt. Das war einfach, in dem Sinne, dass es ein Wort gewesen war. Es war nicht einfach in dem Sinne, dass es leicht gewesen war. Es war die Art Ja, das kam, wenn man sehr lange sehr gründlich nachgedacht hatte und schliesslich verstand, dass das Nachdenken aufgehört hatte, hilfreicher zu sein als das Entscheiden. Noelle erfuhr das Einzelne davon am Sonntagmorgen, beim Frühstück in ihrer Küche, das inzwischen zu einem festen Bestandteil der Wochenenden geworden war, die sie miteinander verbrachten. Damian erzählte, während er seinen Kaffee trank und sie zuhörte und gelegentlich nachfragte, weil sie die Art Zuhörerin war, die gute Fragen stellte. "Er hat den Anteil nie als Investition gesehen," sagte Damian. "Das war der Teil, den ich nicht sofort verstanden hatte. Er hat ihn als Verpflichtung gesehen. Als etwas, das er meinem Vater schuldete." "Und jetzt?" fragte Noelle. "

  • MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER   KAPITEL 57: DAS GESPRÄCH, DAS KEIN ANDERES BRAUCHT

    Der Samstag begann mit Regen. Das war Frankfurt im Mai, der Regen, der kam, wenn man ihn nicht erwartet hatte, leicht und warm und ohne die Schwere des Winterregens, der Art Regen, gegen den man keinen Regenschirm brauchte, wenn man nicht wollte, weil er einem nicht schadete, wenn man ihn liess. Damian kam trotzdem, wie immer, um zehn. Er hatte keinen Schirm. "Es regnet," sagte Noelle, als sie die Tür öffnete. "Ich weiss," sagte er. "Du hast keinen Schirm." "Ich brauche keinen." "Du wirst nass." "Nur ein bisschen," sagte er. "Das ist in Ordnung." Noelle schaute ihn an. Er sah aus wie jemand, dem der Regen nichts ausmachte, weil er entschieden hatte, dass er ihm nichts ausmachte, und das war eine der kleinen, typischen Eigenschaften von Damian Wolff: er entschied, was ihn beeinträchtigte, und dann war es so. "Dann komm rein," sagte sie. "Wir trinken zuerst Kaffee." Sie tranken Kaffee und schauten auf den Regen draussen, und das war eine dieser Situationen, die keine Unter

  • MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER   KAPITEL 56: DER LAUSANNE-BERICHT

    Der Lausanne-Bericht war fertig. Das war, nach allem, was in den letzten Monaten passiert war, eine Tatsache, die klein klang und gross war. Der Bericht hatte drei Monate auf Noelles Schreibtisch gelegen, war zweimal unterbrochen worden durch Dinge, die dringender schienen, und war jetzt, an einem Montagmittag im Mai, vollständig, geprüft und bereit zur Übergabe. Ihr Name stand oben. Federführend. Das war Damians Entscheidung gewesen, vor Wochen, als alles noch in Bewegung war. Er hatte sie getroffen, weil er sie treffen wollte, nicht weil die Umstände sie erzwangen, und das war der Unterschied, der zählte. Die Übergabe an den Lausanner Klienten fand per Videokonferenz statt, weil der Klient in der Schweiz war und weil die persönliche Übergabe für eine spätere Runde geplant war. An der Konferenz nahmen Damian, Felix und Noelle teil, und die Klienten auf der anderen Seite waren vier Personen um einen Konferenztisch, seriöse Gesichter mit der Aufmerksamkeit von Menschen, die wusste

Weitere Kapitel
Entdecke und lies gute Romane kostenlos
Kostenloser Zugriff auf zahlreiche Romane in der GoodNovel-App. Lade deine Lieblingsbücher herunter und lies jederzeit und überall.
Bücher in der App kostenlos lesen
CODE SCANNEN, UM IN DER APP ZU LESEN
DMCA.com Protection Status