LOGINSeans SichtDie vier Tage in dem sterilen Krankenhauszimmer fühlten sich an wie eine langsame, quälende Gefängnisstrafe. Doch am Morgen des fünften Tages hatte der ständige, pochende Schmerz in meinem Kopf nachgelassen und war einem erträglichen Ziehen gewichen. Die Ärzte überbrachten mir schließlich die Nachricht, auf die ich so sehr gehofft hatte: Ich durfte das Krankenhaus verlassen.Am Vormittag herrschte im Zimmer geschäftiges Treiben. Philip und Adams waren früh eingetroffen; sie unterhielten sich angeregt, während sie meine wenigen persönlichen Gegenstände in meine Reisetasche packten.Edith stand am Fenster und überprüfte noch einmal die Entlassungspapiere, während Martinez – unser Abteilungsleiter, der aus unerfindlichen Gründen schon in aller Frühe aufgetaucht war, um seine „Unterstützung durch die Geschäftsleitung“ anzubieten – steif und sichtlich unwohl in seinem eleganten Anzug nahe der Tür wartete.„Na gut, Kleiner, das Auto wartet unten“, sagte Philip, schloss den Reiß
ANDREWS SICHTDie rohe, blutende Wut in Seans Augen traf mich wie ein körperlicher Schlag. Er versuchte, sich gegen die Kissen aufzurichten; sein Gesicht verzog sich vor Schmerz, ein scharfer Keuchlaut entwich seinen lädierten Lippen, und seine Hände zitterten vor unkontrollierbarem Zorn.„Raus! Verschwinde!“, schrie Sean und richtete einen zitternden Finger direkt auf meine Brust. „Ich habe dir gesagt, du sollst ihn unten lassen! Was zum Teufel machst du in meinem Zimmer, Andrew?! Verschwinde sofort aus meinem Blickfeld! Du Monster – ich will dich hier nicht sehen!“Ich erstarrte im Türrahmen, mein Herz rutschte mir in die Magengrube. Langsam hob ich die Hände in einer Geste völliger Kapitulation und trat mit vorsichtiger, quälender Langsamkeit einen Schritt näher.„Sean … bitte, hör mir nur eine Sekunde zu“, flehte ich. Meine Stimme brach völlig zusammen und entblößte mich – ohne den festen, unnachgiebigen Panzer, den ich sonst immer trug. „Ich bin nicht gekommen, um mit dir zu stre
Seans SichtMeine Hände zitterten, als ich nach dem Telefon auf dem hölzernen Nachttisch griff. Ich holte tief und zittrig Luft, drehte das Gerät um, nahm den Anruf entgegen und presste es fest an mein Ohr.„Hallo, Mama?“, sagte ich und zwang meine Stimme dazu, so ruhig und normal wie nur möglich zu klingen.„Sean! Oh, mein Schatz“, erklang die Stimme meiner Mutter aus dem Hörer – sie bebte vor einer überwältigenden Welle von Gefühlen; es klang, als stünde sie kurz vor den Tränen. „Warum bist du bei meinem ersten Anruf nicht rangegangen? Philip hat mir zwar erzählt, dass du deine Stimme verloren und dein Handy kaputtgemacht hast, aber ich habe mir solche Sorgen gemacht, dass ich die ganze Nacht kein Auge zugetan habe. Geht es dir wirklich gut?“„Mir geht es gut, Mama, versprochen“, antwortete ich. Ich blinzelte die brennenden Tränen in meinen Augen zurück und zwang mich zu einem beruhigenden Lächeln. „Es war nur eine wirklich schwere Grippe, und mein Hals hat völlig schlappgemacht. Ic
Seans SichtDas Erste, was ich wahrnahm, war ein gleißendes, unerbittliches weißes Licht, das mir tief in die Augen stach.Ich stieß ein leises Stöhnen aus; ein schwerer, bleierner Schmerz zog durch jeden einzelnen Muskel meines Körpers. Mein Kopf dröhnte, als würde jemand mit einem Hammer auf meinen Schädel einschlagen, und ein dumpfer, hartnäckiger Schmerz pulsierte in der Nähe meiner linken Schläfe. Ich versuchte, meinen Arm zu heben, doch er fühlte sich an, als wöge er eine Tonne.Leise, ineinander übergehende Stimmen drangen aus der Ferne an mein Ohr – ein besorgtes Gemurmel in der sterilen Stille des Raums.… Es sind schon vier Tage vergangen; ich habe doch gesagt, dass er heute aufwachen würde …… Schau mal, seine Finger bewegen sich …Ich kniff die Augen gegen das grelle Licht zusammen, holte langsam und schmerzhaft Luft und zwang meine Lider erneut auf. Die verschwommenen Umrisse über mir wurden allmählich klar und scharf.Um mein Krankenhausbett herum standen Philip, Edith u
Andrews SichtDer durchdringende, rhythmische Klingelton von Seans Handy hallte wie ein schriller Alarm durch den sterilen Krankenhausflur. „Mom.“ Das Wort leuchtete uns vom Display entgegen – ein Hohn angesichts der zerbrechlichen Stille, in der wir uns befanden.Für einen erschreckenden Moment rührte sich niemand von uns. Die Last dessen, was geschehen könnte, sollte ihr schwaches Herz bei der Wahrheit versagen, hing schwer in der Luft.„Geh ran, bevor die Lage völlig außer Kontrolle gerät“, wies ich sie in einem rauen, angespannten Flüsterton an und trat einen Schritt vor. „Edith, geh sofort ran. Bleib ruhig. Versuch, es einfach zu halten – mach bloß nichts kaputt.“Edith schluckte schwer. Ihre Hände zitterten heftig, als sie nach dem Handy auf dem Metalltisch griff. Sie wischte über das Display, hielt es sich ans Ohr und zwang sich zu einem quälend ruhigen Tonfall.„Hallo? Mrs. Victoria?“, brachte Edith hervor. Ihre Augen waren vor Schreck weit aufgerissen, ihre Hände bebten unkon
Andrews SichtDas leise Summen auf dem Krankenhausflur wirkte erdrückend. Ich stand vor dem hohen Glasfenster von Seans Krankenzimmer und beobachtete durch die Jalousien hindurch, wie sich sein Brustkorb in einem quälend langsamen, stetigen Rhythmus hob und senkte. Oh, mein Sean – es tut mir so leid, dass ich dir das angetan habe.Seine Haut war noch immer viel zu blass; der weiße Verband hob sich scharf von seinem dunklen Haar ab. Marcus stand ein paar Schritte entfernt – still und wachsam –, um gemeinsam mit mir mitten in der Nacht Wache zu halten.Mit zitternden Fingern holte ich mein Handy aus der Tasche.Es gab nur eine weitere Person, die noch vor Tagesanbruch erfahren musste, was geschehen war. Ich wählte die Nummer und hielt das Gerät an mein Ohr; meine Hände bebten.Es klingelte zweimal, dann meldete sich eine atemlose, zitternde Stimme: „Hallo? Wer ist da? Bitte!“„Hey Edith – ich bin’s“, sagte ich, wobei meine Stimme durch den Hörer klang wie trockenes Eis.Am anderen Ende
Seans POVPlötzlich hörte ich laute Schritte, die den Raum betraten.„Wach auf, schläfriger Junge!“Ich öffnete sofort meine Augen und sah Frau Olivia in ihrem transparenten Nachthemd vor mir stehen. Durch den dünnen Stoff konnte ich deutlich die Silhouette ihres Körpers erkennen.„Es ist Zeit, nach
Seans SichtIch ging sofort duschen. Der Gedanke an Adams überkam mich wieder. Ich wünschte, er wäre bei mir unter der Dusche, aber dann holte mich die Realität ein.Ich kam nackt aus dem Zimmer und suchte nach einer Möglichkeit, mich zu waschen.„Oh je, womit soll ich mich denn jetzt waschen?“„Se
Seans SichtEdith stand am Eingang des Flurs. Die Papiere, die sie in der Hand hielt, waren ihr aus der Hand gefallen. Ihre Augen waren weit aufgerissen vor Schock und Ungläubigkeit.Die Papiere lagen verstreut auf dem Boden.Ich stand wie erstarrt da, mein Mund war voller Speichel wie der einer Hyä
Seans SichtEs klopfte an der Tür.„Wer ist da?“, fragte ich fast weinend.„Oh, da ist jemand.“ Die Person ging.Ich setzte mich auf die Toilette und dachte darüber nach, wie es weitergehen würde.Plötzlich vibrierte mein Handy. Es war eine Nachricht von John, Biancas Ex-Freund. Mein Herz machte ein







