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Mein Gefährte hat meine Schwester geläutert
Mein Gefährte hat meine Schwester geläutert
Moore

Kapitel 1

Moore
Als ich sah, wie meine Omega-Schwester Lena Sommer in den silbernen Käfig gesperrt wurde, brach ich zusammen und stürzte nach vorne, doch Leons Leibwächter hielten mich mit aller Kraft zurück.

„Julia, siehst du deinen Fehler ein?“

Leon trat langsam an meine Seite. Seine Züge waren kühl und distanziert, seine Stimme bar jeder Emotion.

„Als Luna hast du vorsätzlich ein Rudelmitglied verletzt und damit schwerwiegend gegen die Rudelgesetze verstoßen. Das hier ist nur eine kleine Lektion für dich.“

„Ich habe ihr nichts getan!“

Ich zitterte am ganzen Körper. Mein Blick war fest auf meine im Käfig kämpfende Schwester gerichtet.

„Leon, bitte verschone meine Schwester! Sie ist doch gerade erst volljährig geworden! Das Silbergift wird sie umbringen!“

Meine sechsjährige Tochter Mia Richter runzelte die Stirn und zeigte eine für ihr Alter ungewöhnliche Ernsthaftigkeit.

„Mama, Lügen ist nicht richtig. Unsere Lehrer im Wolfswelpen-Camp haben gesagt, dass man für Fehler bestraft werden muss.“

Mein vierjähriger Sohn Ben Richter nickte altklug.

„Genau! Tante Hanna ist so nett, wir mögen sie am liebsten. Wie konntest du ihr nur wehtun?“

Ich starrte meine beiden Kinder fassungslos an. Ich konnte ihre Anschuldigungen nicht begreifen.

Seit wann war Hanna ihre Lieblingsperson geworden?

Früher hatten sie doch am meisten an mir gehangen.

Plötzlich hob Leon die Hand, und sofort traten die Wächter mit Behältern aus Mondstein vor, die mit Wolfsgift gefüllt waren.

Meine Pupillen verengten sich, und ich schrie auf.

„Nein! Was habt ihr vor?“

Ich sah mit eigenen Augen, wie die Wächter das Wolfsgift aus dem Behälter über Lena schütteten.

Mir wurde schwindelig, und ich stürzte ohne Rücksicht nach vorne, doch die Leibwächter drückten mich mit aller Kraft nieder.

„Leon, du hast meine Schwester getötet! Du hast sie getötet!“

Ich schrie mir die Seele aus dem Leib und kämpfte mit all meiner Kraft. Selbst als Wunden an meinem Körper aufgerissen wurden, hörte ich nicht auf.

Leon hatte wohl nicht mit einer so heftigen Reaktion gerechnet. Er erstarrte einen Moment, bevor er sprach.

„Schon gut, beruhige dich. Das eben war kein Wolfsgift.“

Mia hielt sich kichernd die Hand vor den Mund.

„Mama, du bist so dumm, so leicht zu erschrecken.“

Ben klatschte in die Hände und sagte:

„Das Wasser im Behälter habe ich selbst eingefüllt. Es ist mein normales Trinkwasser.“

Ich sank kraftlos zu Boden. Mein Herz raste, und es dauerte lange, bis ich mich wieder gefangen hatte.

Leon trat näher und beugte sich herab. In seinen kühlen Augen spiegelte sich mein erbärmliches Abbild.

„Wer Artgenossen verletzt, wird von der Mondgöttin bestraft. Julia, ich wollte dich nur auf diese Weise daran erinnern, die Rudelgesetze nicht weiter herauszufordern.“

Nach einer kurzen Pause fuhr er fort:

„Du brauchst Hanna gegenüber nicht so feindselig zu sein. Sie ist wie du eine Kindheitsfreundin von mir. Wir waren schon immer eng. Aber ich habe dich markiert, du bist meine einzige Gefährtin. Also hör auf zu versuchen, sie zu vertreiben.“

Zitternd hob ich den Kopf. Ich wollte ihm so gerne sagen, dass ich Hanna nie etwas angetan hatte.

Und dass ich nie vorgehabt hatte, sie zu vertreiben.

Doch am Ende sagte ich nichts, denn ich wusste: Mein Gefährte und meine Kinder würden nur Hanna glauben. Sie vertrauten mir nicht mehr.

In diesem Moment klingelte Leons Handy. Als er das Display sah, wurden seine Züge sofort weicher.

„Hanna, geht es dir wieder schlecht? Ich komme sofort!“

Leon eilte mit den Kindern davon. Auf allen drei Gesichtern lag unverkennbare Sorge.

Ich wischte mir die Tränen ab und stand schwankend auf, um nach Lena zu sehen. In diesem Moment erhielt ich eine Nachricht.

Eine Nachricht von Hanna:

„Das Wasser, das dein Sohn in den Mondsteinbehälter gefüllt hat, habe ich gegen echtes Wolfsgift ausgetauscht. Deine Schwester dürfte jetzt schon vom Gift zerfressen werden, oder?“
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